Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE AKW-GEGNER - Haben die AKW-Gegner recht?
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Initiative "Kein Atomstrom für Bremen" und Protestkundgebung auf
dem Marktplatz am 5.2.88:
WARNUNG!
Die Kritik der AKW-Politik und den GRÜNEN-Dreh mit der PREAG
sollte man nicht miteinander verwechseln!
Zuallererst verpflichten einen nämlich die GRÜNEN-Parlamentarier
und Möchtegern-Koalitionäre der SPD darauf, daß nur im Verein mit
den T ä t e r n aus der SPD etwas gegen die Atompolitik auszu-
richten ginge, die Sozialdemokraten an führender Stelle
d u r c h b o x e n. Was dann nach dem Willen der GRÜNEN gehen
soll liest sich so:
"Bremen muß seine Handlungsmöglichkeiten ausschöpfen, um seine
Energieversorgung so weit wie möglich vom Atomstrom abzukoppeln.
Damit werden auch neue Chancen für umweltfreundliche Energieal-
ternativen eröffnet: Energiesparen, Blockheizkraftwerke, Ausbau
der Fernwärme und der Energiegewinnung aus Wind, Wasserkraft,
Sonne und Biogas.
Wir fordern deshalb:
Fristgerechte Kündigung des Stromvertrages mit der PREAG zum
31.3.88 und Neuverhandlungen mit dem Ziel
- lediglich die Stromspitzen der Klöckner-Hütte weiterhin über
das Verbundnetz abzudecken
- den Stromaustausch zwischen Stadtwerken und PREAG im Jahres-
durchschnitt auszugleichen, d.h. den Stromimport auf NULL zu re-
duzieren." (Aufruf-Flugblatt von den GRÜNEN und anderen)
* Die Festlegung von AKW-Kritik auf B r e m e r "Handlungs-
möglichkeiten" ist die erste saubere Leistung. So ist die SPD als
B e t r e i b e r i n von AKW in Hamburg und umzu aus der
Schußlinie. Die Bremer SPD kriegt so ihre Glaubwürdigkeit als
Adresse für grüne Koalitionsabsichten bescheinigt: Sie soll sich
ein bißchen "abkoppeln" vom S t r o m, und das darf sich jeder
als Kritik an AKW zurechtlegen, die auf grünen "Druck" zustande
kommt.
* Daß eine etwaige geringere Stromabnahme Bremens ein Anschlag
gegen AKW ist, g l a u b e n d i e G R Ü N E N s e l b s t
n i c h t: Für die Abdeckung von "Stromspitzen" soll genau der
"Atomstrom" der PREAG in Anspruch genommen werden, von dem sich
Wedemeier zuvor abkoppeln sollte. Das unterstellt ja wohl den un-
veränderten Weiterbetrieb der Atommeiler.
* Schließlich w o l l e n d i e G R Ü N E N a u c h g a r
n i c h t, daß sich daran etwas ändert. Haargenau derselbe
Grund, dessentwegen die SPD f ü r s A n k o p p e l n an den
Atomstrom ist, leuchtet den GRÜNEN als E i n w a n d g e g e n
d a s A b k o p p e l n ein: Die Stromspitzen von Klöckner!
Sauber! Ausgerechnet die Gewinnbilanz dieser Dreckschleuder soll
man sich als guten Grund dafür einleuchten lassen, warum ein Ein-
stampfen der Kraftwerke nicht sein darf, die die Bevölkerung
obendrein auch noch mit einer dicken Packung Radioaktivität ver-
giften. So wird der "kleine Mann" von den GRÜNEN doppelt bedient:
Erstens predigen diese Burschen Strompreiserhöhungen für die Be-
sitzer von Heizlüftern und Kaffeemaschinen, damit man sich diese
erzwungene "Energiesparung" von ihnen als Schritt zur
B e s e i t i g u n g von AKW zurechtlegen lassen kann. Dann er-
läutern sie denselben Leuten, warum die Kernkraftwerke
w e i t e r l a u f e n müssen: Wegen der Bilanz von Klöckner,
die auch GRÜNE liebevoll-verlogen in "unsere Arbeitsplätze" über-
setzen.
* Schlußendlich darf also grünes Verantwortungsbewußtsein vom Se-
nat auch nicht die Kündigung des PREAG-Vertrages verlangen.
"Neuverhandlung" statt einfacher Kündigung ist angesagt. Mit ei-
nem Taschenrechner kann man dann am Ende des Jahres im GRÜNEN-
Büro ausrechnen, daß sich der nach Bremen g e l i e f e r t e
PREAG-Atomstrom wie eine Null ausnimmt, weil Bremen ein bißchen
Saft zurückschickt.
Und was soll das Ganze? So beweisen die GRÜNEN, daß sie ihrer
"fundamentalen" Kritik treu bleiben, wenn sie mit dem h e r r-
s c h e n d e n Parlamentarismus gemeinsame Sache machen und
sich auf das "Machbare" besinnen. Der PREAG-Dreh ist dafür ein
Stück Imagepflege: Er setzt ein Z e i c h e n für einen Willen
zur Opposition, die nach grüner Logik in der "Realität" nicht
"machbar" - und deswegen auch gar nicht b e a b s i c h t i g t
ist.
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