Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Öffentliche Bürgermeinung
ANTWORTEN AUF GEWÖHNLICHE UNVERSCHÄMTHEITEN
Die Wochenendausgabe der "Süddeutschen Zeitung" vom 10./11.1.
veröffentlichte zwei Leserbriefe, die wir nicht ohne Antwort
durchgeben lassen wollen.
Ängste vor der Kernkraft
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"Unter der Überschrift 'Weisheit oder sträflicher Leichtsinn?'
gibt Herr Professor Dr. Robert Jungk in seinem Leserbrief in der
SZ Nr. 94 seine Meinung zur Kernkrafttechnik wieder. Ich möchte
einige Überlegungen daran knüpfen,
'Das Grundrecht eines Menschen' umfaßt vieles. Auch das Recht auf
Irrtum gehört dazu. Es denken nur wenige daran, kaum einer beruft
sich darauf. Nun gehöre ich als KWU-Angestellter nach Professor
Jungks Meinung zum Kreis 'unausreichend informierter Spezialisten
(und) Manager', die 'aus ihrem viel zu engen Fach- und Interes-
senhorizont heraus entscheiden'. Ich möchte auf die naheliegende
Frage verzichten, was Herrn Professor Jungk eigentlich in den
Stand versetzt zu verkünden, daß sich 'in Wahrheit die langfri-
stigen Machtansprüche weniger mit den von Ihnen aufwendig propa-
gierten Arbeitsplatzängsten künftiger Opfer verbinden'.
Vielmehr möchte ich die Frage stellen, wie es denn sonst mit dem
Machtanspruch weniger steht, zum Beispiel dem kleinen Kreis je-
ner, die das Instrumentarium und die Macht haben, über das Fern-
sehen ihre Darstellung der Dinge zu verbreiten, wobei die Aufbe-
reitung von Meinung und Fakten entscheidend das Bewußtsein des
Konsumenten beeinflußt. Und wie steht es mit den - auch von weni-
gen - aufwendig propagierten Ängsten vor dem Atomstaat, der ato-
maren Verseuchung etc.? Ist das Überleben der Menschheit durch
den Bau von Kernkraftwerken mehr gefährdet als durch den Verzicht
auf die friedliche Nutzung dieser Energiequelle? Gewiß, ich kann
mich irren, wenn ich glaube, gute Gründe zu haben, meine Meinung
zu vertreten. Aber auch Herr Professor Jungk kann sich irren. Den
Anspruch auf Wahrheit hat keiner für sich gepachtet."
R. Christian
Lieber R. Christian,
es ist uns ja ziemlich egal, was der Herr Jungk Ihnen geschrieben
hat, aber wieso kommen eigentlich Sie darauf; als KWU-Angestell-
ter mit dem Leib- und Magenspruch der bürgerlichen Wissenschaft
um sich zu werfen "Den Anspruch auf Wahrheit hat keiner gepach-
tet"? Ist Ihnen eigentlich nicht aufgefallen, daß dieses dumme
Gewäsch direkt an Ihrem Arbeitsplatz schon längst widerlegt ist?
Während Sie sich in einer hochintelligenten Debatte mit Herrn
Jungk die Freiheit offenhalten wollen, daß man von Ihrem Job so
oder so denken darf, hat der Staat doch schon längst festgelegt,
daß es Kernkraftwerke g i b t - "gute Gründe" hin oder her. Ist
Ihnen eigentlich noch nicht aufgefallen, daß dieser Spruch zur
Durchsetzung staatlich festgelegter, ganz und gar eindeutiger
"Wahrheiten" gehört wie die Faust auf's Auge? Also machen Sie
weiter in Ihrem Kraftwerk - und denken Sie sich einfach mal was
Richtiges. "Verpachtet" ist die Wahrheit wirklich nicht, also
kann sie sich jeder aneignen. Auf daß Sie mit d e m Störfall
fertigwerden
Ihre MSZ
Da werden Menschen zu Hyänen
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"Wenn auch nur als kleine Angestellte, in der Prellbock-Position
einer Telephonistin, so habe ich in den Tagen am 24./25. April
die ganze Wut Tausender Stromloser gleich in der ersten Reaktion
voll zu spüren bekommen. Es war nicht nur schrecklich, sondern
auch aufschlußreich. Wenn das Verhalten der 'Menschen' in diesen
drei Tagen Stromausfall ein Maßstab dafür ist, wie sie sich ver-
ändern und in Ausnahmesituationen benehmen, dann bleibt nur der
Schluß, daß sich bei der nächstschlimmeren Katastrophe alle un-
tereinander den Schädel einschlagen.
Es spielt für die meisten Menschen keine Rolle, was, wie und
warum etwas eingetreten ist, es spielt auch keine Rolle, daß Tau-
sende mit ihnen dasselbe Schicksal teilen, wichtig ist nur, daß
'kein' Licht brennt, daß 'meine' Heizung funktioniert und daß
'meine Tiefkühltruhe voll ist und funktioniert' und daß 'meine'
Kinder zu essen haben. Gott bewahre uns vor einem Krieg. Nicht
die Bomben werden wir zu fürchten haben, sondern unseren lieben
Nächsten."
Silvi Schubert
Liebe Silvi Schubert,
wieso kommen Sie eigentlich darauf, den Prellbock zum Gärtner zu
machen, sprich: den anderen Leuten Vorschriften machen zu wollen,
was sie bei einem Stromausfall zu denken haben? Bilden Sie sich
doch bloß nicht ein, Sie müßten - bloß weil Sie bei der Post an-
gestellt sind - die Menschen als "Menschen" bezeichnen. Wenn
letztere sich darüber sehr zu Recht ärgern, daß ihnen ihr Zeug in
der Tiefkühltruhe vergammelt und sich fragen, was der Staat ei-
gentlich mit den teuren Stromgebühren anfängt bzw. warum er die
Stromversorgung nicht sichern kann (oder meinen Sie tatsächlich,
das wäre ein Problem, das sich technisch nicht lösen ließe?),
dann heißt das doch noch lange nicht, daß sich "alle untereinan-
der den Schädel einschlagen". Außerdem kann es einem doch wirk-
lich schnurzpiepegal sein, ob das Ärgernis noch vielen anderen
gleichzeitig widerfahren ist - davon wird es doch nicht weniger
ärgerlich, oder?
Für den von Ihnen befürchteten Kriegsfall möchten wir Sie auf
folgendes hinweisen: 1. wird Sie keinesfalls der liebe Gott davor
bewahren; und 2. ist der Witz an einem Krieg doch wohl, daß man
sich vor seinem Nächsten fürchten soll - der ist nämlich von sei-
nem jeweiligen Staat dazu aufgefordert, möglichst viel Bomben auf
seine Nächsten zu schmeißen. Ob er einen hinterher noch den Schä-
del einschlägt, kann da wirklich scheißegal sein. Auch an Sie -
wie an Herrn R. Christian - eine Aufforderung: nehmen Sie doch
die Tatsache, daß Ihnen Ihr Job Unannehmlichkeiten bereitet (hat
man nicht Sie zum "Prellbock" g e m a c h t?), nicht noch zum
Anlaß, den Job und Ihren Brötchengeber mit allerlei staatsbürger-
lichem Gefasel hochzuhalten. Nutzen Sie doch lieber den Job aus,
mal kostenlos bei uns anzurufen.
Ihre MSZ
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