Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Wackersdorf
DER ANFANG VOM ENDE DES DEUTSCHEN ATOMPROGRAMMS
Die Sprecherin der Anti-Wackersdorf-Initiativen erklärt: "Acht
Jahre Widerstand haben endlich Wirkung gezeigt." (Süddeutsche
Zeitung, 17.4.) Der stellvertretende SPD-Landrat von Schwandorf
verkündet: "Die CSU-Politiker seien die nützlichen Idioten der
Atomlobby" (SZ, 19.4.). Der FDP-Sprecher Grünbeck "übt scharfe
Kritik an Großindustrie und Großkapital". Der bayerische Wirt-
schaftsminister beschreibt das Vorgehen der VEBA-Tochter Preußen-
Elektra als "Riesensauerei" (SZ, 21.4.). Warum solche Siegesmel-
dungen und Aufregung in Politik und Öffentlichkeit?
Der Chef des ehemalig staatlichen VEBA-Konzerns hatte erklärt,
daß ihm der französische Staatsbetrieb COGEMA ein Angebot für die
Wiederaufarbeitung von Kernbrennstäben gemacht habe, das sehr
viel günstiger als die Wiederaufarbeitung in Wackersdorf sei. Die
VEBA könne sich an der Anlage UP3 in La Hague mit einer Kapazität
von 800 t/Jahr als Miteigentümer mit 49% ab 1999 beteiligen. Viel
gewichtiger als acht Jahre Widerstand erweist sich die Geschäfts-
kalkulation der Kraftwerksbetreiber. Sie haben einen Streit zwi-
schen sich und der Politik über die nationale Atompolitik provo-
ziert. Der unternehmerische Standpunkt, das nationale Atompro-
gramm würde die Gewinne in Frage stellen, trifft den Gegenstand
des Streits genausowenig wie die Klage der Politik, sie werde
durch die Energiewirtschaft erpreßt. Es ist eine politische Ent-
scheidung, ein Atomprogramm aufzulegen, es an das Kapital zu de-
legieren und es damit dessen Geschäftskalkulationen zu überlas-
sen; umgekehrt macht sich die VEBA gegen den staatlichen Auftrag-
geber, der die Geschäftsgrundlage ist, stark. Das sind die zwei
Positionen des Streits: Die VEBA verweist darauf, daß mit der WAW
(Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf) unter den geltenden Be-
dingungen zuwenig Geschäft zu machen ist, und der Staat weist die
VEBA darauf hin, daß er die Bedingung derartiger Geschäfte ist.
Wie bei der Rüstung oder Raumfahrt handelt es sich bei der Atom-
technologie um ein politisches Geschäft, dessen Profit aus Aufga-
ben erspringt, die die Nation zu ihren elementaren zählt.
Garantie der Energieversorgung
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In Sachen Energieversorgung als der nationalen Wachstumsvoraus-
setzung werden die Weltmarktfanatiker zu Weltmarktkritikern. Die
Energieversorgungsmultis werden von der Politik daraufhin unter-
sucht, ob sie die souveräne Verfügung über diese Grundlage des
Geschäfts- und Staatslebens garantieren können. Die Energiever-
sorgung ist eine der Bedingungen für eine erfolgreiche nationale
Industrie und dafür, daß die Nation zu einer Anlagesphäre für Ge-
schäfte aus aller Welt wird. Der Staat stellt diese Bedingungen
her. Entweder in eigener Regie, also auch auf eigene Kosten.
Oder, wie es sich für ein kapitalistisches Gemeinwesen eher ge-
hört, indem er sie zu einem Geschäft für die nationale Industrie
ausgestaltet, das dann auch im Staatshaushalt positiv zu Buche
schlägt. Denn die Umwandlung einer nationalen Versorgungsfrage in
produktives Kapital der Nation, das sich im Export bewährt, bes-
sert die nationale Handelsbilanz auf, statt sie zu-belasten.
Prinzipiell gilt darüber hinaus: Auf auswärtige Einkäufe gerade
so elementarer und staatsentscheidender Güter angewiesen zu sein,
heißt vom Wohlwollen anderer Staaten abhängig zu sein. Deshalb
setzt die nationale Energieplanung auf eigene Quellen, Kohle oder
Atom, die den freien Umgang mit den auswärtigen, Gas und Öl, erst
ermöglichen. (Näheres dazu in dem MSZ-Sonderdruck, "Die BRD Atom-
macht eigener Art")
Der bundesdeutsche Brennstoffkreislauf
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Die Atommächte USA, Frankreich und Großbritannien entwickelten
ihre nationalen Atomprogramme als militärische, um über genügend
Plutonium für ihre Bomben zu verfügen. Die Benutzung der Kern-
spaltung zur Energiegewinnung, der Einstieg von Privatunternehmen
und damit der Export von Reaktoren verringerte die Kosten des
Atomprogramms. Die ersten Reaktoren zur Stromerzeugung waren ent-
weder aus den militärischen zur Plutoniumgewinnung oder aus denen
für den U-Bootantrieb entwickelt. In der BRD wurde hingegen ein
anderer Weg beschritten. Der Weg zur eigenen Bombe war verbaut.
Sie war mit der Bedingung in die NATO aufgenommen worden, auf die
Eigenproduktion atomarer Waffen zu verzichten. Zur Zeit des Mini-
sters für Atomenergiefragen Strauß wurde begonnen, alles zu ent-
wickeln, was die Unabhängigkeit von fremdem politischen Willen
beim Atomstrom sichert. Der "Brennstoffkreislauf" von der Uran-
förderung im Fichtelgebirge über die Wiederaufarbeitung bis zur
Endlagerung wird geplant. Dieser Kreislauf ist keine technische
Notwendigkeit, die einzelnen Schritte sind voneinander unabhän-
gig; er ist eine politökonomische Notwendigkeit für eine Nation,
die sich die unabhängige Verfügung über sämtliche Komponenten
dieser Energiequelle sichern will. So betätigt sich der politi-
sche Wille, die BRD zur Weltmacht in Sachen Nukleartechnologieex-
port zu machen.
"Strauß erklärte als Atomminister die Kerntechnik zur bundesdeu-
tichen Existenzfrage, da sich nur der, der Atomanlagen liefern
könne, 'in der vordersten Reihe der Industrienationen' behaupten
könne." (Joachim Radkau, Aufstieg und Krise der deutschen Atom-
wirtschaft 1945-1975, Reinbek 1983)
1959 erklärte der Nachfolger Balke:
"Wenn wir keine Kernkraftwerke anzubieten haben, werden wir eines
Tages auch keine Staubsauger mehr verkaufen können." (Frankfurter
Rundschau, 29.9.1959)
Die WAA im Brennstoffkreislauf
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In einer Wiederaufarbeitungsanlage werden abgebrannte Brennele-
mente aufgelöst und in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. Das
gewonnene Uran 235 und das Plutonium 239 werden in einer noch zu
bauenden Fabrik zu neuen, sogenannten MOX (Mischoxid)-Brennele-
menten für Leichtwasserreaktoren verarbeitet. Die Wiederaufarbei-
tung wird betrieben, obwohl es "billiger und umweltfreundlicher
ist, abgenutzte Brennelemente gleich zu vergraben" (SZ, 16.5.),
denn es ist nicht ihr Zweck, Kosten und Strahlenbelastung zu sen-
ken. Das Beherrschen der Technologie und der Aufbau der entspre-
chenden Kapazitäten garantiert mehr Unabhängigkeit, was die Ener-
gieversorgung der Nation angeht. Ziel des Aufbaus eines inte-
grierten Brennstoffkreislaufes ist es, mit Einschluß des Schnel-
len Brüters den Import von Kernbrennstoffen zu senken, im Ideal-
fall eigene Reserven zu erzeugen und als Verkäufer von Überschüs-
sen auf dem Weltmarkt aufzutreten. Die zum Kreislauf gehörenden
Fabriken sind selbstverständlich zum Export vorgesehen. Die AKW-
Betreiber haben selbst kein originäres Geschäftsinteresse an der
Wiederaufarbeitung als solcher; sie werden von staatlicher Seite
per Atomgesetz verpflichtet, für die "schadlose Verwertung" abge-
brannter Brennelemente zu sorgen. Umgekehrt sollte der staatliche
Bedarf nach einer deutschen Plutoniumfabrik ebenfalls als Ge-
schäft der Atomindustrie bedient werden
Die Geschäftskalkulation der VEBA vs. das staatliche Interesse
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Eine Kostensenkung hat die WAW den deutschen Energieversorgern,
die gemäß dem gesetzlichen Auftrag bisher in La Hague und in
Sellafield aufarbeiten lassen, schon beschert:
"So ist z.B. bereits jetzt erkennbar, daß die endgültig getrof-
fene Entscheidung der deutschen Elektrizitätswirtschaft für den
Bau der WAW Ursache deutlicher Preisreduktionen für die Wieder-
aufarbeitungsdienstleistung im internationalen Bereich ist."
(Jahrbuch der Atomwirtschaft 1986)
Jetzt weisen die Energieversorger den Staat darauf hin, daß sich
durch das französische Angebot ihre Geschäftskalkulation geändert
habe:
"Bei dem COGEMA/VEBA-Projekt würden die Gesellschafter der DWK,
also alle Kernkraftwerke betreibenden Unternehmen, zunächst ein-
mal Investitionskosten von sechs bis sieben Milliarden Mark spa-
ren sowie Wiederaufarbeitungskosten von gut einer Milliarde pro
Jahr." (Bennigsen-Foerder in: "Spiegel" 16/1989)
Mit einer Wiederaufarbeitung in Frankreich wäre dem Atomgesetz
wie bisher Genüge geleistet, der staatliche Auftrag erfüllt. Die
Politiker aber weisen auf einen, ihnen sehr wichtigen Unterschied
hin, ob die Wiederaufarbeitung in der Regie heimischer Firmen ab-
gewickelt wird oder ob sich die Firmen an einer ausländischen Fa-
brik beteiligen.
"Waigel vertrat erneut die Auffassung, daß die Industrievertreter
bei ihrer Kontaktaufnahme mit der COGEMA die nationalen Folgen
nicht gesehen haben." (SZ, 8.5.)
Ein deutscher Standort verheißt eben doch mehr Autonomie als eine
noch so gut gemeinte Zusammenarbeit mit dem Ausland. Dabei haben
die Energieversorger gar nicht die Absicht, das nationale Atom-
programm zu torpedieren und den Staat zum Opfer zu machen. Sie
verlangen vielmehr von der Politik die ihr zustehende Entschei-
dung über eine neue Alternative. Eine Beteiligung an La Hague
komme nur im Rahmen eines zwischenstaatlichen Vertrages zustande,
erklärte der VEBA-Chef. Und die Alternativen gibt es auch.
Entweder wickelt der Staat nun die WAW in eigener Regie und auf
eigene Rechnung ab. Geplant war sie aber mit ihrem "Überschuß an
Wiederaufarbeitungskapazität" (Jahrbuch der Atomwirtschaft, 1986)
für den internationalen Markt. Oder er macht die WAW für die En-
ergieversorger über Strompreis und Subventionen attraktiver als
die Beteiligung an La Hague.
Zunächst einmal stellte er durch den Hinweis auf die Folgekosten
des Verzichts auf Wackersdorf die vergleichenden Kalkulationen
der Atomindustrie (Für deutsche Kunden beträgt der Preis für die
Wiederaufarbeitung eines Kilos Spaltmaterial in La Hague DM
1.500, in Wackersdorf soll sie DM 5.000 kosten.) in Frage. An-
fallendes Plutonium muß wiederverarbeitet werden, Atommüll muß so
lange in Frankreich gelagert werden, bis ein deutsches Zwischen-
lager zur Verfügung steht, die WAA in La Hague müsse auf
"sicherheitstechnisch vergleichbarem Niveau" wie die WAW sein,
die WAK (Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe) müsse "zum Zwecke
des Technologieerhalts" weitergeführt werden, die WAW muß abge-
rissen werden, der bayerische Staat entschädigt, Ausgleichszah-
lungen für Standortgemeinden von atomaren Endlagern müssen gelei-
stet werden, die MOX-Brennelemente müssen in der BRD gefertigt
werden, der Entsorgungsnachweis wird über 6 Jahre hinaus verlän-
gert. (Zitate aus der "Frankfurter Rundschau", 8.5.) Des weiteren
sollen die gewährten Investitionszulagen zurückgezahlt werden.
Die bundesdeutsche Atomindustrie ist aufgefordert, ihre Rechnung
unter diesen neuen Gesichtspunkten zu überprüfen, indem der Um-
weltminister mit lauter zusätzlichen Forderungen gegenüber den
Franzosen und den eigenen Atomkapitalisten den Unterschied zwi-
schen französischen und deutschen WA-Kosten nivelliert.
Auf eine deutsche Plutoniumherstellung wird auf keinen Fall ver-
zichtet. Mit der Fortführung der WAK, die "Zugang zur französi-
schen und zur britischen Wiederaufarbeitungstechnik" (Jahrbuch
der Atomwirtschaft 1989) hat, wird die nationale Wiederaufarbei-
tung in kleinerem Maßstab fortgeführt, außerdem bleibt eine Plu-
toniumproduktion von 2,5 Tonnen pro Jahr (Jahrbuch der Atomwirt-
schaft 1989) erhalten, die allein unter deutscher Regie steht.
"Neben der Entsorgungsfunktion erfüllt die WAK vor allem die Auf-
gabe einer Testeinrichtung für die Erprobung neuer Komponenten."
(Jahrbuch der Atomwirtschaft 1987)
Die Forderung, daß La Hague den deutschen Sicherheitsbestimmungen
zu entsprechen habe - G. Schmitt, SPD, weist auf den "anerkannt
schlechten Standard der Sicherheit von Atomanlagen in Frankreich
hin" (SZ, 11.5.) -, heißt, daß die BRD in Zukunft darüber mitent-
scheidet, wie der französische Atombetrieb zu laufen hat. Wie
sich das Gewicht der BRD im Verhältnis zu Frankreich geändert
hat, zeigt ein Rückblick auf die 50er Jahre und die Querelen um
die Euratom-Gemeinschaft. Die BRD hegte damals den Verdacht, sie
werde dazu mißbraucht, die französische Atombombe mitzufinanzie-
ren. Welche Schlagkraft die deutsch-französische Zusammenarbeit
heute hat, ist dem einzigen verbleibenden europäischen Konkurren-
ten klargeworden.
"Inzwischen haben auch die Briten, die eine Wiederaufarbeitungs-
anlage in Sellafield betreiben, ihr Interesse an einer europäi-
schen Zusammenarbeit bekundet." (SZ, 13./15.5.)
Unter Führung der BRD wächst die europäische Nuklearindustrie
"mit dem Ziel, in Europa lebensfähige und solide Strukturen zu
erhalten oder zu schaffen, die im hart umkämpften Weltmarkt mit
Japanern und Amerikanern konkurrieren können" (Hirschmann, Vor-
standsmitglied der KWU, in: Atomwirtschaft und Atomtechnik, März
1989)
Auf dem Gebiet der Wiederaufarbeitung war das für 2,5 Mrd. DM,
die bisher Wackersdorf gekostet hat, zu haben.
Die Zusammenarbeit von Framatome und Siemens
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Auch auf dem Gebiet des Reaktorbaus sind für die internationale
Konkurrenzfähigkeit Zusammenschlüsse notwendig. Zunächst haben
auf nationaler Ebene Siemens und AEG in der KWU ihre Potentiale
vereinigt, dann schlossen sich ASEA und BBC zu ABB zusammen. Für
die Weiterentwicklung und den Export des HTR gründeten ABB und
Siemens die HTR-GmbH. Jetzt haben Siemens und die staatliche Fra-
matome ein gemeinsames Tochterunternehmen nach französischem
Recht, die Nuclear Power International, für den Export von Druck-
wasserreaktoren und die Neuentwicklung eines Reaktortyps in der
Größenordnung von 600 bis 1.000 Megawatt gegründet. Um den Erhalt
der französischen Atomindustrie und die Kontrolle über sie zu si-
chern, intervenierte der französische Staat vor Vertragsabschluß:
Der französische Staat kann sein Veto beim Export der Nuklear-
technologie auf Grund des Atomwaffensperrvertrages einlegen, Sie-
mens verpflichtet sich, die Interessen französischer Firmen nicht
zu verletzen, besonders die der Firma Alsthom, der Nummer Eins
auf der Welt im Dampfturbinenbau, und der Vertrag darf die Ver-
bindungen zwischen Framatome und ihren Partnern, den französi-
schen Energieversorgern, nicht stören ("Liberation", 14.4. ). Die
Überlebenschance der französischen Nuklearindustrie (Le Monde,
14.4.) sieht so aus, daß das, was überlebt, nicht mehr eine na-
tionale, sondern eine europäische Industrie ist.
"Und zweitens werden wir im globalen Maßstab langfristig eine
Konkurrenzsituation zwischen den Unternehmen in Europa, Japan und
den USA haben. Die Bemühungen um Überlebensstrategien sind, wie
ich meine, ein Zeichen für den Willen zum Überleben und damit ein
Zeichen für den Glauben an die Zukunft der Kernenergie, die für
die europäische Nuklearindustrie und ihre Vorwärtsstrategie gute
Chancen bietet." (Hirschmann, Vorstandsmitglied der KWU, in:
"Atomwirtschaft und Atomtechnik", März 1989)
Die innereuropäische Konkurrenz, die früher bestand und kriti-
siert wurde -
"Jeder der Sechs (Mitglieder von Euratom, Red.) will mit dem Ver-
kauf von Atomreaktoren Geld verdienen. Daran krankt die Zusam-
menarbeit." (Industriekurier, 18.11.1968) -,
wird in der gegenwärtigen Auftragsflaute für Reaktoren im Blick
auf die Bewährungsproben auf dem Weltmarkt durch Zusammenarbeit
in jeder Größenordnung ergänzt:
"Um die Durststrecke zu überwinden, müssen wir unsere Kräfte ver-
einen." (Jean-Claude Leny, Framatome, in: "Le Monde", 14.4.)
Allein nicht mehr konkurrenzfähige Firmen schließen sich zusammen
oder werden übernommen, man rüstet sich, die außereuropäischen
Konkurrenten zu übertrumpfen.
Die europäische Nuklearindustrie auf dem Weltmarkt
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"Nun sind einige wichtige Märkte, wie z.B. Frankreich und Japan,
nicht oder noch nicht zugänglich, und andere unterliegen sehr
starken direkten und indirekten protektionistischen Einflüssen,
aber die starke Orientierung der europäischen Firmen Framatome,
ABB und Siemens/KWU in Richtung USA werden weltweite Auswirkungen
auf die Wettbewerbsstrukturen und die Marktzugänglichkeit haben."
(Hirschmann)
Nicht nur der Bau, der Unterhalt, auch der Abbruch von Reaktoren
ist ein erfolgversprechendes Geschäft, das die Europäer dominie-
ren wollen: In den nächsten 10-30 Jahren eröffnet sich ein Markt
von mehreren Mrd. DM. Und auch hier werden Konkurrenzvorteile der
Europäer konstatiert:
"Der entscheidende Aspekt dieser Entwicklung aber ist, daß die
dominante technische Position der europäischen Nuklearfirmen, be-
stätigt durch die exzellente Verfügbarkeit der Anlagen, ihr eine
führende Rolle in der Gestaltung des internationalen Servicege-
schäftes ermöglicht." (Hirschmann)
Ein Konkurrenzvorteil der europäischen Nuklearindustrie gegenüber
der japanischen und amerikanischen ist die "Referenzbasis" von
rund 170 gebauten oder im Bau befindlichen Kernkraftwerken.
"Gegenüber den amerikanischen Firmen können wir zusätzlich auf
die Erfahrungen bei der schlüsselfertigen Errichtung von Anlagen
verweisen, ein Vorteil, der gerade im Export von Anlagen und beim
Technologietransfer ein besonderes Gewicht hat.
Ein weiterer, nicht unwichtiger Aktivposten in der europäischen
Bilanz ist die Tatsache, daß die Europäer über kommerzielle Wie-
deraufarbeitungsanlagen verfügen bzw. diese sich wie in der Bun-
desrepublik Deutschland in der Errichtung befinden und zwei An-
reicherungstechnologien, nämlich das Diffusions- und das Zentri-
fugenverfahren, kommerziell genutzt werden. Auch die Entwicklung
der Endlagerkonzepte bzw. -technologie befindet sich in einem
fortgeschrittenen Stadium, so daß die europäische Industrie auch
in allen Fragen des Brennstoffkreislaufes ein kompetenter Partner
ist." (Hirschmann)
An einem zukünftig wieder zunehmenden Geschäft zweifelt keiner
der Atommanager. Über mindestens einen Auftrag für das deutsch-
französische Konsortium wird derzeit verhandelt, es geht um den
Bau eines 600-MW-Reaktors in Indonesien. Weitere Aufträge werden
erwartet:
Vergabeerwartungen für Kernkraftwerke bis zum Jahr 2000
Realistische Projekte:
Belgien 1
BR Deutschland 2
China 4
Finnland 1
Frankreich 6
Großbritannien 4
Japan 7
Korea 2
Niederlande 1
Spanien 2
Taiwan 2
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11 Länder 32 Blöcke
Mögliche Projekte:
8 Länder 11 Blöcke
(Hirschmann)
"Milliardengrab" HTR-Projekt
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Neben den angeblich hinausgeworfenen Milliarden für Wackersdorf
erregt sich die Öffentlichkeit, z.B. die "Süddeutsche Zeitung" in
dem Artikel "Wie der Kugelhaufenreaktor ins Aus geriet", über ein
weiteres, angeblich gescheitertes Projekt der deutschen Atomindu-
strie, den Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop. Zum einen
könnte allein schon die Tatsache, daß es sich bei diesem Gerät um
einen Versuchsreaktor handelt, dem kritischen Zeitgenossen klar-
machen, daß die Kosten-Nutzen-Rechnung dieser Anlage nicht über
die produzierten Gigawattstunden geht. Vielmehr dient dieser Re-
aktor der Entwicklung der Technologie, die Hälfte der Stillstände
im Jahr 1987 waren für Optimierungsarbeiten, Überprüfungen und
diverse Versuche mit dem Abschaltmechanismus geplant. Der Bau und
Betrieb des Reaktors hat die gewünschten Ergebnisse zu 80% er-
bracht, wie der Forschungsminister mitteilte. Die Anlage ist für
eine weitere Optimierung der Technologie "wegen einer gasdynami-
schen p r o t o t y p i s c h e n (Hervorh. durch die Red. )
Besonderheit in der Brennelementbeschickungsanlage" (Atomwirt-
schaft und Atomtechnik, 5/88) veraltet, mit ihr lassen sich keine
weiteren Erkenntnisse, von der Abbruchtechnologie einmal
abgesehen, gewinnen. Und im Unterschied zu einem Kohlekraftwerk
läßt sich ein Kernreaktor nicht einfach umbauen. Für die
Entwicklung zur Serienreife dieses Reaktortyps wird noch ein wei-
terer Versuchsreaktor benötigt, und der wird von ABB/Siemens mit
dem Staatskomitee für die Nutzung der Atomenergie im Kernfor-
schungszentrum in Dimitrowgrad als großtechnische Versuchsanlage
mit einem 200-MW-Hochtemperaturreaktor in Modulbauweise errich-
tet. Mit der Volksrepublik China verhandeln die beiden Firmen
über eine langfristige Zusammenarbeit. Nach dem angeblichen
Scheitern des HTR in Hamm-Uentrop verkündet die KWU:
"Wir können mit Genugtuung feststellen, daß die europäische Indu-
strie mit der HTR-Technologie in der Welt führend ist auf einem
Sektor, der zunehmendes Interesse verzeichnet." (Hirschmann)
Der Gedanke, die Industrie halte aus Starrsinnigkeit an einer ge-
scheiterten Technologie fest, wird in der "Süddeutschen Zeitung"
vom 11.5. damit begründet, daß die USA ihr HTR-Programm schon
1973 zusammengestrichen hätten. Die deutsche Nuklearindustrie
hingegen hält sich in Zusammenarbeit mit europäischen Firmen alle
Optionen auf dem Gebiet des Atoms offen, seien es verschiedene
Reaktortypen, unterschiedliche Urananreicherungsverfahren, unter-
schiedliche Wiederaufarbeitungs- und Endlagerverfahren. So sieht
der deutsche Einstieg in den Ausstieg aus.
Wackersdorf erweist sich als e i n e Größe, mit der die europä-
ischen Nationalisten und ihre florierende Atomindustrie kalkulie-
ren. Die Anti-Atom-Szene ergeht sich in dem Genuß, in Bayern ein
Zeichen ihres Sieges vor sich zu haben. So sind beide Seiten zu-
frieden.
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