Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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WARUM IHR UNS WÄHLEN SOLLT
Daß wir unseren Wahlkampf hier in Regensburg eröffnen, liebe Mit-
bürger, ist kein Zufall. Gerade Sie, in deren unmittelbarer Nach-
barschaft eine WAA errichtet werden soll, gerade Sie, die durch
die besonders hohen Meßwerte nach dem GAU in der SU zu bundeswei-
ter Berühmtheit gelangt sind, gerade Sie scheinen uns geeignet,
aus Ihnen politisches Kapital zu schlagen. Denn wer wie Sie so
unter den Konsequenzen unserer Politik - schließlich haben w i r
die Republik mit AKWs bestückt - und der unserer christdemokrati-
schen Konkurrenten zu leiden hat, sollte, so meinen wir, doch
umso mehr einsehen; daß er als Opfer der Politik vor allem eines
braucht Führer wie uns. Denn:
GEGEN STRAHLEN HELFEN WAHLEN! Was denn auch sonst?!
1.
Wenn dann wir an der Macht sind und nicht die Konkurrenz, wird
alles ganz anders. Wie das geht, führen wir Ihnen heute schon
vor: Wo die unkluge CDU/CSU auf ihrem JA zur Kernenergie ohne
Wenn und Aber beharrt, benennen wir das zukünftige Betreiben der
AKWs in der BRD um. Ab heute heißt das "EINSTIEG IN DEN UMSTIEG
FÜR DEN AUSSTIEG". Damit tragen wir den Sorgen in der Bevölkerung
Rechnung - wir versprechen, daß es AKWs in diesem unserem Lande
"nur" solange geben wird, wie wir sie brauchen wollen für die
Größe unserer Nation - wenn sie ihre Schuldigkeit für diesen
Zweck getan haben, dann aber weg mit ihnen. Vorher natürlich
nicht! Aber so ist gegen den Betrieb von AKWs doch endgültig
nichts mehr einzuwenden, oder?!
Genauso wie wir in den 70er Jahren machtvoll in die Kernenergie
eingestiegen sind und jeden Widerstand in einer Entschlossenheit
niedergeprügelt haben, die sich mit der unserer Kollegen in
Wackersdorf durchaus messen kann und dies mit der nun von uns
häufig zitierten Perspektive versahen, Atomstrom sei recht
eigentlich für den späteren Abschied von der Kernenergie
notwendig, genauso haben wir die Pershings ins Land geschafft.
Mit unserem Werbetrick, den uns so leicht keiner nachmacht:
'Nachrüsten mit Atomraketen für die BRD - um die Atomraketen in
ganz Europa zu beseitigen'- so hieß damals unser unter dem Namen
'Doppelbeschluß' bekannt gewordener Dreh. Jetzt stehen die
Raketen - wegen der Abrüstung, versteht sich.
2.
Nachdem unser Genosse Börner sich vor einigen Jahren vergeblich
um die WAA für sein Hessen bemüht hat, sind wir nun, wo sie unter
einer C-Regierung in Bayern durchgezogen wird, schwer gegen sie.
Das macht sich gut und kostet nichts - Hiersemann hat gegen den
Strauß sowieso keine Chance und kommt so nie in die Verlegenheit,
seinen Worten Taten folgen lassen zu müssen. Wir werfen der C-Re-
gierung vor, daß sie die Gegner der WAA nicht ordentlich im Griff
hat - "nicht durchsetzbar" heißt das bei uns - auch und obwohl
erst zu Pfingsten wieder unser Freund Börner mit einigen Hun-
derschaften Polizei in heißt das bei uns - auch und obwohl erst
zu Pfingsten wieder unsere SPD-Polizei aus Hessen mit einigen
Hundertschaften Pohart für die praktisch sowieso nie in Frage
stehende Durchsetzung der WAA gekämpft hat.
Nach der gleichen Erfolgslogik versteht es sich natürlich für
uns, daß wir heute, nachdem der Schnelle Brüter in Kalkar unter
der Regie unseres Kandidaten Rau fertiggestellt wurde, entschie-
den dagegen sind, daß er angeschaltet wird! Jetzt hat nämlich
Bonn, die CDU also, zu entscheiden und nicht länger unser Bundes-
land NRW - sollen wir uns da die Finger dreckig machen?!
3.
Wie wir Ihnen hoffentlich eindrucksvoll demonstriert haben: Im
Einseifen und Stimmenfangen macht uns so schnell keiner was vor.
Für uns sind alle vom Staat und der Wirtschaft Geschädigten - die
arbeitslosen Arbeitnehmer und die, deren Lohn nie reicht, die
Mütter, die Rentner, die heute und in Zukunft Verstrahlten und
hier eben besonders die Oberpfälzer - die idealen Wähler. Wir ge-
ben einfach jedem in seiner Kritik und seinem Anliegen recht und
machen dann im Namen des "Austiegs" aus der Kernenergie, im Namen
von "Abrüstung", "sozialer Gerechtigkeit" den Leuten klar, daß
gerade wegen ihrer Anliegen wir die gleiche Politik machen müssen
wie die Schwarzen, deren Rücksichtslosigkeit gegen die Bürger uns
die Wähler zutreibt.
4.
Ihnen, liebe Wähler, können wir nur danken. Daß Sie heute hier
erschienen sind, um uns Ihr Vertrauen zu schenken bestätigt uns
einmal mehr: Sie scheinen aus keinem Schaden klug zu wenden.
Sonst könnten wir glatt einpacken.
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