Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart


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TSCHERNOBYL - EIN GLÜCKSFALL FÜR DIE WISSENSCHAFT

Ein Überblick über die Seichtbeuteleien nach dem GAU B e t r o f f e n h e i t hat der GAU in Rußland für einen Au- genblick ausgelöst. Ganze Seminare gaben sich sprachlos und ihr Entsetzen zu Protokoll. Bloß: Entsetzen worüber? Die einen philo- sophierten gemütlich über das Stäubchen Mensch, das sich mit der Atomspaltung eine echte Hybris geleistet habe. Die anderen fühl- ten sich mit ihrer wiederentdeckten Urangst - weiß der Teufel, wovor! - sauwohl. Alles, nur kein Erschrecken über den schlichten Sachverhalt radioaktiver Verseuchung von Land und Leuten für Ge- schäft und Nation. Es ist also nur konsequent, daß nach wenigen Wochen der Atomun- fall nur noch als eine r i e s i g e C h a n c e für die Wis- senschaft gehandelt wird. Allen voran parasitiert die Psychologie von Radionukliden und gestiegenen Krebsraten. Angst? Das ist ein Gefühl, das in netter Runde gehegt und gepflegt gehört, meinen die einen. Ein schleunigst zu therapierendes Hindernis für einen klaren Kopf, sagen die anderen. Ein Pflegefall also, um den sich AMENDT und Th. LEITHÄUSER balgen, bevor er womöglich gleich wie- der verdrängt wird oder Schlimmeres anrichtet. Ein gewisser Pro- fessor H.J. WIRTH gibt auf dem letzten Psychologen-Kongreß in Bremen sein altes Augenleiden zum Besten: Er hält die radioaktive Wolke von Kiew für dasselbe wie den faschistischen Holocaust. Eine schöne Gelegenheit also, nicht auf die AKW, sondern in die Vergangenheit zurückzublicken, die unbewältigte. Was Frau Profes- sor ORTMANN sich hat einfallen lassen, ist auch wirklich nicht mit anzusehen: Eine Klagemauer fordert die Gute, damit sie an ei- nem beschaulichen Ort ihre Krokodilstränen ablassen kann. Eine Abgebrühtheit, die nur eines belegt: Für die Wissenschaft war und ist Tschernobyl nichts als ein A n l a ß, genau diesel- ben Dummheiten und Moralismen in die Welt hinauszuposaunen, die sie schon immer abgesondert hat. Diesmal nur lauter. Also wieder einmal eine Katastrophe, die nichts und niemanden ändert. So vielseitig diese furchtbar betroffene und kritische Bande ihre menschenfreundliche Heuchelei auch variieren mag, das Resultat ist so eintönig wie gemein: Eine einzige Ablenkung von AKW und der Kritik ihrer politökonomischen Auftraggeber. Wären diese Be- amtenwissenschaftler noch nicht vom Staat bezahlt, jetzt hätten sie sich ihren Sold mal wieder endgültig verdient. zurück