Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Prof. H.J. Wirth zur "Deutschen Tschernobyl-Hysterie"
VOM AKW ZUM HITLER - EIN KATZENSPRUNG!
Prof. H. J. Wirth aus Gießen hat festgestellt, daß die Deutschen
sich vor der atomaren Verseuchung abnorm stark gefürchtet haben.
Denn normal wäre gewesen, die Sache mit französischer Gelassen-
heit zu tragen. Und das nötigt ihn zu dem Schluß, auf den er es
abgesehen hat:
"Den wahren Grund für die übersensible, in anderen europäischen
Ländern als hysterisch bezeichnete Reaktion der Deutschen auf
Tschernobyl vermutet Wirth im 'Trauma des Faschismus': Tscherno-
byl habe die 'Verdrängungsmechanismen außer Kraft gesetzt', die
Todesangst vor der atomaren Verseuchung sei als unbewußte Reak-
tion auf die Schuld im Verborgenen zu verstehen, als der
'Zusammenbruch einer jahrzehntelangen Vergangenheitsabwehr'."
(taz-Bericht 24.11.86)
Es sei einmal dahingestellt, wie groß die Aufregung bei den bra-
ven Deutschen eigentlich war, die den Weg zur Arbeit wie gewohnt
angetreten sind, radioaktiver Regen hin oder her. Woher hat der
gute Professor eigentlich das Maß, w i e v i e l Angst denn ei-
nem GAU in Kiew exakt entspräche? Er hat natürlich überhaupt
keins. Er definiert einfach, die Deutschen hätten ein
Z u v i e l an Angst an den Tag gelegt, damit er wie gewünscht
fortsetzen kann: Dieses Übermaß an Angst muß eine andere Quelle
als Tschernobyl selbst haben. Nämlich:
Der Mensch erwartet die drohende Strafe für seine Schuld im Fa-
schismus. Wirklich scharfsinnig, wie der Psychologe ermittelt
hat, daß es dabei ausgerechnet um Schuldprobleme aus der Nazi-
Zeit geht und nicht um die verdrängte Angst, beim Scheißen zu
versagen! Aber so weiß man wenigstens, wie man sich zu Tscherno-
byl zu stellen hat: Das wirkliche Problem liegt fast ein Men-
schenleben weit zurück. Also, bitte schön, nichts auf die Herren
Kohl und Co. projiziert, sondern im Gewissenskasten Ordnung ge-
macht!
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