Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Vor'm rem da sind wir alle gleich. (Teil II)
G. AMENDT *):
ANGST MACHEN SEELE STARK!
*) G. Amendt: "Tschernobyl: Zum Problem von Trauma und Traumati-
siserung"
Die These von G. Amendt lautet:
Die Angst vor AKWs ist ein Widerstandspotential gegen sie. Deswe-
gen komme es darauf an, die Angst wach zu halten und allen Versu-
chen zu widerstehen, die Angst zu verdrängen.
Diese These ist falsch:
Aus der Angst vor AKWs und der Atompolitik folgt, daß man sich
den Gegenständen der Angst zuwendet, untersucht, ob die Angst be-
gründet ist und sich im zutreffenden Fall daran macht, den Grund
der Angst zu beseitigen. Sich mit seiner Angst zu beschäftigen,
diese zum Gegenstand seines Denkens und Tuns zu machen, ist die
Abkehr von jedem Widerstand gegen den Grund der Angst. Nichts ist
unpraktischer, als sich beispielsweise im Fall eines Versagens
der Bremsen während einer Autofahrt seiner Angst zu widmen, statt
der Frage, wie man das Auto ohne Gefahr für das eigene Leben zum
Stehen bekommen kann. (Vorsicht, Psychologe am Steuer!) Die Kul-
tivierung der Angst ist - nicht nur in diesem Beispiel - gleich-
bedeutend mit der A u s l i e f e r u n g a n d i e
S i t u a t i o n, die begründetermaßen Angst bereitet. Und dies
ist bekanntlich das G e g e n t e i l v o n W i d e r-
s t a n d.
Wenn obendrein von Amendt behauptet wird, auch die für die Atom-
politik Verantwortlichen würden ihre Zustimmung zum Bau von Brok-
dorf, Wackersdorf und Kalkar nur geben, weil auch sie ihre Angst
verdrängen, dann sind dank psychologischen Geschicks die politi-
schen Macher der atomaren Verseuchung ebenfalls in die Reihe der
Betroffenen und potentiellen Widerständler eingegliedert. Späte-
stens da wird psychologische Theorie gemein und zum Handwerkszeug
von Schreibtischtätern: Da wirbt sie nicht allein für die Unter-
lassung jeder Maßnahme gegen die Atompolitik, sondern betreibt
darüber hinaus handfeste Propaganda gegen jeden Versuch, über-
haupt noch zwischen T ä t e r n und i h r e n O p f e r n zu
unterscheiden.
Das sind die Fortschritte der kritischen Psychologie:
Unter dem Titel "Was tun?" greift sie begeistert jede Katastrophe
auf, allein um die Wichtigkeit ihrer Disziplin zu beweisen. Kein
Wunder, daß im Seminar von G. Amendt jede Beschäftigung mit
Tschernobyl und bundesdeutscher Reaktorpolitik nur vom psycholo-
gischen Thema ablenken würde.
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