Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart


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TÖPFER "ENTSORGT"

I. Stand bis 14.1., 15:12 Uhr: Atommüll-Transport-Skandal --------------------------------------------------------- Anläßlich der Verschiebungspraktiken der Firma Transnuklear ist in aller Ausführlichkeit zu erfahren, daß es überhaupt gar keine Methoden zur Beseitigung von Atommüll gibt, sondern eben nur Techniken der A u f b e w a h r u n g. Dabei erscheint bei- spielsweise die - zum Zweck der Vertrauensstiftung extra so ge- nannte - "Endlagerung" sogar den Zuständigen offensichtlich so riskant, daß zur Zeit auch sie bei den hochgelobten Salzstöcken skeptisch sind, ob man sich damit nicht eine kleine Zeitbombe ins Land legt. Alles natürlich, ohne deswegen auch nur daran zu den- ken, die laufende Produktion des sogenannten Atommülls zu stop- pen. Alles Wissenswerte zu diesem Thema tischt der "Spiegel" auf, um anschließend den zuständigen Minister zu befragen. Der zustän- dige Minister nimmt die Gelegenheit wahr, um mit einer bodenlosen Dreistigkeit gegen alle bekannt gewordenen Sachverhalte das Thema auf die regierungsdienliche Sichtweise zuzuschneiden. Lüge Nr. 1: ----------- "Wir nutzen eine Technik und lernen während dieses Prozesses im- mer wieder zuvor unerkannte Schwachstellen kennen." Ach nein, die Strahlungseigenschaften, Spaltprodukte und Halb- wertzeiten wollen die Herren Atomwirtschaftler zu Beginn noch gar nicht gekannt haben?! Immerzu strahlende Abfälle produziert und dann erst gemerkt, daß man die doch irgendwie und -wo unterbrin- gen müßte?! Lüge Nr. 2: ----------- "Durch die Vorgänge bei Transnuklear werden wir mit Macht wieder darauf gestoßen. Hier ist etwas noch nicht aufgearbeitet, noch nicht gelöst." Äußerst glaubwürdig auch das, daß die staatlichen Gründer und Be- treiber der Atomwirtschaft allein deshalb, weil sie ein Trans- portunternehmen aufgemacht haben, geglaubt haben wollen, damit wäre die Entsorgungsfrage schon ganz schön gelöst. Und daß ihnen die erst jetzt, wegen undurchsichtiger Verschiebungen, wieder eingefallen wäre. Lüge Nr. 3: ----------- hantiert bereits schöpferisch mit der Trennung von Staat und sei- nen Unternehmen, womit sich die Atomwirtschaft erfolgreich in ein Verhältnis von (guter) Kontrolle und (schlechten) Menschen auf- löst: "Schon deshalb kann der Beleg, daß jemand bestechlich - also kri- minell - ist, uns nicht zu einer grundsätzlichen Neubewertung dieser Technik führen." So ist das also: Nicht die Atomtechnik produziert Abfälle en masse, nicht die Abfälle strahlen, sondern die allgemein men- schliche Kriminalität ist die Gefahr. Alles in Ordnung, wären die Fässer nur vorschriftsmäßig transportiert worden. Wohin eigent- lich und wozu? Lüge Nr. 4: ----------- "Wer in diesen Wirtschaftszweigen arbeitet, muß intensiv über- prüft werden. Gefahren für Mensch und Umwelt wegen der Unzuver- lässigkeit von Mitarbeitern müssen ausgeschlossen werden." Einerseits ist der Minister auch mal ehrlich: Gefahren, die nicht sein müssen, sollte man auch vermeiden. Die, die sein müssen, müssen aber sein, weil ein so ambitionierter Staat wie die BRD auf eine so brisante Technik nicht verzichten "kann", weil er nicht w i l l. Die unvermeidlichen Gefahren siehe - "natürliche Strahlung". Andererseits, daß die "Unzuverlässigkeit" seines geschmierten Personals auch schon gleich die Gefahr v e r u r s a c h e n soll, das soll man ihm abkaufen? Eine G e s i n n u n g s- p r ü f u n g von Atomangestellten als probates Mittel gegen strahlenden Müll?! Für wie dumm hält Minister Töpfer eigentlich sein Publikum? Oder anders - warum ist der "Spiegel", nachdem er einige sachliche Argumente gegen die Ideologie von "Entsorgung" aufgezählt hat, im Gespräch mit dem Minister so scharf darauf, n u r n o c h die Frage zu erörtern, ob sich die Politik - nach Barschel - schon wieder einen V e r t r a u e n s v e r l u s t leisten kann? Man erfährt immerzu Klartext, was der deutsche Staat seinem Volkskörper mit dem Beschluß zur Atomwirtschaft an "Risiken" zu- mutet - und der "Spiegel" bietet dem zuständigen Minister genau das als die allerbeste Gelegenheit zu Ausflügen in "ethische Grundfragen" und zu dummdreister Propaganda für die Politik und sich selbst. Wo lebt man hier eigentlich? Daß russische AKWs die halbe Menschheit vergiften und daß das am dortigen System liegt, hat nach Tschernobyl jeder gewußt. Nun wird einiges über die Ver- sorgung der Nation mit exklusiv bundesdeutschem Atommüll bekannt; und der "Spiegel", ganz kritisches Organ der Nation, stellt sich der Regierung zur Verfügung, damit die unglaublich glaubwürdig versichern kann, die Frage der Entsorgung sei in der Person ihres Umweltministers allerbestens aufgehoben: Immerhin wäre er der einzige, der in seine eigene Seele blicken kann, und da hätte er noch nichts Böses drin gefunden. II. Stand ab 14.1. 16:10 Uhr: ----------------------------- Atomwaffenrohmaterialverschiebungs-Skandal ------------------------------------------ 1. Alle Probleme sind immer noch dieselben, wie sie die Regierung deutet und sieht, bloß nicht ganz; 2. weil nämlich die Mär vom zwar sorg- und verantwortungslosen, aber immerhin eifrigen U m g a n g m i t A b f a l l auch noch erledigt ist. 3. Es geht neuerdings um die sachkundige Verwendung der Reste, um ein sog. r e c y c l i n g; die Jungs, die Bestechungsgroschen von 21 Mill. herumgeschoben haben, scheinen sich als Müllmänner zu bescheiden vorgekommen zu sein - 4. deswegen haben sie nicht nur abtransportiert, sondern in Ge- brauchtwarenhandel gemacht. Womit? Mit gutem, aufgebügeltem Müll, der keiner mehr war, son- dern getrennt vom Müll eine gefragte Ware. Ob davon die diversen Abteilungen der vereinigten Atomkonzerne wirklich nichts gewußt hätten, fragen sich Journalisten und Politiker. Warum wollen sie denn nichts davon wissen, wozu ihr nationaler Brennstoffkreislauf gut ist, obwohl noch nicht offiziell freigegeben? Jedenfalls sind die Urheber der ganzen Atomwirtschaft jetzt schon wieder in der Pose des Untersuchungsrichters. Wg. Vertrauen, das auf gar keinen Fall einen Schaden erleiden darf. Immerhin sind ja die ganzen Märchen von Gorleben bis Wackersdorf, Kalkar bis Alkem ad absurdum geführt, in deutschen Atomfabriken kämen nur die allerfriedlichsten, allersichersten und unverfäng- lichsten Technologien zur Anwendung. Immerhin sind mit einem Schlag alle Gerüchte bestätigt, die als böswillige Unterstellun- gen und absurde Verleumdungen von den einschlägigen Herren immer so entschieden zurückgewiesen worden sind: In der Republik 'fällt massenhaft spaltfähiges Material an', d.h. Plutonium, Uran 235 usw. wird in dieser Republik gesammelt, hergestellt, angerei- chert, verarbeitet; in atomwaffenfähigen Mengen, geht es unbehel- ligt durch nationale und internationale Kontrollbehörden den Weg, den Geschäfte mit den höchsten Gütern einer Nation, den Waffen, immer gehen - den des 'grauen' Handels, der den ordentlichen staatlichen Waffenexport ergänzt und ihm nicht selten auch dient. Man stelle sich vor, die DDR wäre auch nur in den Verdacht gekom- men, von ihrem Boden könnte Atombombenmaterial an Interessenten in der 'Dritten Welt' ausgegangen sein. Verständnis für die Schwierigkeiten einer unberechenbaren kriminellen Energie, War- nungen vor internationalem Gezeter würden da sicher nicht laut. Mindestens der Vorwurf, da handele es sich um eine Störung der internationalen Ordnung und einen aggressiven Akt. Da ist man gleich fast sicher, daß diese Nation selber an einer Atommacht arbeitet, alle Voraussetzungen für eine Atombombe in der Hand hat und arme 3. Welt-Länder dafür einspannt. Für unser Land, für un- sere Regierung soll man das jetzt mehr denn je ganz anders sehen. Die Urheber der ganzen Atomwirtschaft sind jetzt schon wieder in der Pose des unabhängigen Untersuchungsrichters in Sachen 'Schlampigkeit', 'menschliche Unzulänglichkeit' und 'unhaltbare Geschäftspraktiken'. Da soll man sich kapitalistisch an einer 'äußerst schwierigen Spurensuche' beteiligen, statt 'vorzuverurteilen' - und erfährt dabei alles über die Connections und Schiebereien zwischen Atom- wirtschaft, staatlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden und Waffenunteressenten aus anderen Ländern. Zuguterletzt soll man sich beruhigen, oder als Nationalist auch wieder darüber Sorgen machen, daß womöglich bloß die belgische Firma in die Geschäfte mit Pakistan und Libyen verwickelt war. Daß eine Nation, in der ein Waffenskandal dem anderen folgt, bis in die letzte Fabrik militärisch engagiert ist, also wohl auch in der kriegsentscheidenden nationalen Großtechnologie, die unter dem Firmenschild Atom-Energie-Wirtschaft läuft, entsprechend kal- kuliert - so darf man das natürlich nicht sehen. Bestenfalls sol- len 'gewissenlose Manager' am Werk sein. Und diese Klagen über einen 'ungeheuerlichen Verdacht' soll man Politikern abnehmen, die gerade mit Befriedigung einen illegalen U-Boot-Deal mit Süd- afrika, weil offiziell nicht bis zuende gediehen, ad acta gelegt haben und laufend über die Schranken ihrer Waffenexportbestimmun- gen rechten. Mehr denn je soll man dasselbe Material das einemal bloß als Abfall, strahlenden Atommüll, um den sich gesorgt werden muß, auffassen, in der Hand von Töpfer, Vogel, Kohl nämlich - das andere Mal aber als gefährliches Waffenmaterial, wenn unberufene Politiker, die 'weltweit für jedes terroristische Szenario gut' sind, darüber verfügen. Nationale Atompolitiker haben eben ein sauberes Unterscheidungsvermögen und pochen bei ihren Bürgern darauf: Der Atommüll, garantiert unbrauchbare Zeug, das gehört am besten - man erinnere sich an Kohls jüngsten China-Besuch - in die Wüste Gobi. Das brauchbare, wiederaufbereitete oder für Wie- deraufbereitung fähige kostbare Strahlengut aber garantiert in keine andere als deutsche Hand. Soll das deutsche Volk nun ernst- lich darunter leiden, daß der Wüstensohn eine Atombombe haben könnte und wir nicht?! Soll es tatsächlich dazu übergehen, den Verlust nationaler Atom- hoheit zu bedauern, und über diesem Bedauern vergessen, was ihm seine nationale deutsche Atomindustrie als lauter 'technische' Betriebsnotwendigkeiten beschert. Und zwar ganz sicher. Und soll man sich jetzt wirklich beruhigen, wenn die nationalen Politiker wie ein Mann nach politischer Kontrolle rufen, und be- klagen, daß die Bundesrepublik, ihre allerfriedlichste Atompoli- tik, ihre allersicherte Atomwirtschaft Schaden gelitten haben und Hauptopfer des Skandals sind?! Ein neues Transport- und La- gerkonzept, garantiert nur im eigenen Land, mit kurzen Wegen und unter Aufsicht eines Bundesamtes für kerntechnische Sicherheit: die 'verstaatlichte Entsorgung', also der vollendete und geneh- migte nationale Brennstoffkreislauf - ausgerechnet das soll das angeblich so angeschlagene Vertrauen wiederherstellen?! Offenbar werden die Herren mit jeder Enthüllung immer anspruchsvoller, zurück