Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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TSCHERNOBYL UND SAVANNAH RIVER KANN MAN NICHT VERWECHSELN
Es gab einmal einen Reaktorunfall in Tschernobyl. Das liegt be-
kanntlich in der Sowjetunion. Deshalb konnte man damals als Bür-
ger des Freien Westens viel aus dieser Katastrophe lernen - zwar
weniger über atomare Strahlung, Atomkraftwerke und Energie- und
Rüstungspolitik, dafür umso mehr über die Vorzüge unseres frei-
heitlichen Systems mit seiner unvergleichlichen Presse-und Mei-
nungsfreiheit. Nach dem Motto 'Drüben herrscht Finsternis, hier
das Licht' hatte die "Süddeutsche Zeitung" anläßlich des Reaktor-
brands von Tschernobyl damals folgenden Geistesblitz:
"Der unbequeme Preis der Demokratie - das Dauer-Duell zwischen
der Macht und dem Bürger - entpuppte sich wieder einmal als ihr
eigentlicher Profit. Die demokratische Verfassung hat zwar den
Unfall von Three Mile Island nicht verhindern können; die offene
Auseinandersetzung hat aber dazu beigetragen, daß ähnliche Kata-
strophen nicht mehr über uns hereingebrochen sind."
Jetzt erfährt man folgendes:
"Zwischen 1957 und 1985 soll es in den fünf Reaktoren der soge-
nannten 'Savannah River Fabrik' in Süd-Carolina dreißig schwere
Zwischenfälle gegeben haben. Dabei sei es unter anderem zu einer
Teilschmelze in einem Reaktorkern und zu folgenreichen Strah-
lenunfällen gekommen... Die Vorfälle seien zwar dem Energiemini-
sterium gemeldet worden. Die Meldungen wurden dort jedoch ebenso
wie der Bericht aus dem Jahre 1985 geheimgehalten." (FAZ,
7.10.88)
Hört man jetzt vielleicht mal irgendeine Äußerung aus den frei-
heitlich-liberalen Redaktionsstuben, daß sie mit ihren früheren
Lobliedern auf die Demokratie - von wegen Dauer-Duell und ähnli-
cher Quatsch - schwer daneben gelegen haben?! Weit gefehlt - die
unbequeme demokratische Öffentlichkeit macht sich andere Sorgen.
"Bei Abschaltung der Anlagen der 'Savannah River Fabrik' wäre die
Herstellung der US-Atomwaffen gefährdet."
Das wäre ja ein Ding - wenn das Material zur Verteidigung unserer
einzigartigen Meinungs- und Pressefreiheit ausgehen könnte. Zumal
der widerliche Charakter des Hauptfeinds im Osten gerade neulich
wieder deutlich wurde: "Sowjetunion verschwieg 1978 Reaktorun-
fall" (SZ, 24.10.88). Typisch!
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