Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 31, 09.02.1981
REAKTORTECHNIK VOM KOCHHERD
Einen genialen Einfall, wie "Kernkraftwerke auch den gefürchteten
Schmelzunfall (Super-GAU) ohne Gefahr für die Umwelt überstehen",
hatte kürzlich der inzwischen als Profikoch und Kochbuchautor be-
rühmt gewordene ehemalige Präsident der deutschen Forschungs-
gemeinschaft, Hans Meier Leibnitz:
"Ein Ventil im Sicherheitsbehälter, das die beim Super-GAU ent-
stehenden radioaktiven Edelgase freiläßt, die relativ rasch in
die Atmosphäre aufsteigen. So würde das nach einer Woche zu er-
wartende katastrophale Platzen des Sicherheitsbehälters verhin-
dert." (Stern 48/80)
Diese geradezu revolutionäre reaktortechnolologische Erfindung
muß dem "deutschen Atomforscher" wohl beim Betrachten seines
Dampfkochtopfes eingefallen sein. Eine bestechende wie auch
"simple Lösung":
1. ist damit für eine 'kontrollierte Abgabe' der Radioaktivität
gesorgt. Die Ausbreitung der radioaktiven Edelgaswolke läßt sich
dann jeweils dem täglichen Wetterbericht entnehmen.
2. wird deshalb in Zukunft niemand mehr bei einem derartigen
Schmelzunfall durch herumfliegende Betonteile getötet und das
"Kernkraftwerk übersteht den Super-GAU ohne Gefahr", was vor al-
lem angesichts der Kosten für den Berstschutz zu begrüßen ist. In
Zukunft lassen sich diese Kosten sogar erheblich senken!
3. braucht man die durch das Durchschmelzen der Brennelemente
entstandenen Löcher nur noch zuzubetonieren (Spannbeton?), und
schon kann die Kernenergiegewinnung lustig weitergehen. Inwieweit
bei der "planmäßigen Entlüftung" des Harrisburg-Reaktors von ra-
dioaktiven Edelgasen und dem täglichen "kontrollierten Ablassen
radioaktiven Wassers", wodurch "die Aktivität im Atomkraftwerk
Three Mile Island allmählich abnimmt", eine noch alte Version
oder bereits schon die Neuentwicklung des 'Superventils' zum Ein-
satz gelangt, ließ sich leider bei Redaktionsschluß nicht mehr in
Erfahrung bringen.
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