Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 5, 12.12.1984
KERNKRAFT
- harmlos ...
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"Die Strablenbelastung der Bundesbürger durch Atomkraftwerke hat
nach Angaben des Bundesinnenministeriums in den Jahren 1981 und
1982 erheblich unter den genehmigten Werten gelegen. Nach einem
von Bundesinnenminister Zimmermann dem Bundestag vorgelegten Be-
richt macht die Strahlung aus Kernkraftwerken weniger als ein
Prozent aller künstlich erzeugten Strahlen aus, an deren Spitze
Röntgenstrahlen aus der Medizin stehen. Etwa zweimal so hoch wie
die künstliche sei die natürliche Strahlenbelastung, die zum
überwiegenden Teil aus dem Erdboden und aus im menschlichen Kör-
per enthaltenen natürlichen radioaktiven Substanzen stamme. Ein
Teil der natürlichen Strahlenbelastung stamme aus dem Weltall,
die insgesamt gegenüber den Vorjahren nicht zugenommen habe."
(AP)
Daß der Minister überhaupt noch von "Belastung" reden mag, wo sie
doch glatt unter den von ihm selbst so niedrig angesetzten Grenz-
werten liegt. Genaugenommen der reinste Strahlengenuß, beträgt
sie doch nur lächerliche 1% (also weit unter der 5%-Hürde) der
Strahlung aus Deutschlands veralteten Röntgenapparaten. Übrigens
ein bißchen an den Haaren herbeigezogen der Vergleich, schließ-
lich gibt's Röntgenstrahlen nur im Falle eines Falles und auf
Krankenschein, AKW-Strahlung aber immer und für jeden, dafür aber
kostenlos. Andererseits ist die künstliche Strahlung nur halb so
groß wie die natürliche. Da braucht wenigstens keiner Angst zu
haben, daß ihm die natürliche nicht reicht!
Das Schlimme an der natürlichen Radioaktivität ist, daß man fast
nichts dagegen machen kann. Hemmungslos läßt die Natur das hoch-
radioaktive Radongas aus allen Erdritzen. Deutsche AKWs dagegen
lassen nur bestes Strontium 30, Xenon 135, Tritium und ca. 30 an-
dere wertvolle Spurenelemente in die Umgebung. Und immer vor-
schriftsmäßig verdünnt mit bestem Trinkwasser und gesunder baye-
rischer Atemluft! Im Grunde ist man über jedes Fleckchen Erde
froh, das unsere Kraftwerksindustrie mit meterdicken Betonfunda-
menten völlig gasdicht gegen das böse Radon versiegelt hat. Über-
haupt kann die Strahlenbelastung ja gar nicht steigen, wo doch
Jahr für Jahr gutbezahlte Wissenschaftler alles, was irgendwie
strahlt, Ziegelsteine, Röntgengeräte, Mesonen, Alphateilchen,
Gammastrahlen, Radon, Xenon, UV und Strontium zusammenzählen. Äp-
fel und Birnen?
Das geht, wenn man nur will! Und wenn man das alles schön rechne-
risch über die Bundesrepublik verteilt, hat jeder nur ganz wenige
millirems weg. Und wie gesagt, mehr kann's gar nicht werden, wo
doch die künstliche Strahlung vom letzten Jahr, in Form von
langlebigen Isotopen im menschlichen Körper, die natürliche
Strahlung des nächsten Jahres mitabgibt. Und Hiroshima, Bikini-
atoll, Komaruru Atombombenfabriken, Brennelementefabriken, Wie-
deraufbereitungsanlagen, Endlagerstätten sind immer mit drin.
Letzten Endes ist schließlich alles aus bestem natürlichen Uran
gemacht. Von wegen Strahlung aus AKWs nicht gestiegen,
wahrscheinlich sinkt sie schon längst, und die laschen Heinis in
der Regierung haben's wieder mal verpennt!
... und gesund!
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"Das Gesundheitsrisiko von Beschäftigten in der Kernkraftindu-
strie, die mit radioaktiver Strahlung zu tun haben, ist nach Mit-
teilung des Deutschen Atomforums nicht höher als das anderer Per-
sonen in Büroberufen. Bei einer Fachtagung des Atomforums zum
Thema 'Arbeitswelt Kerntechnik' in Bonn sagte ein Sprecher, daß
die Arbeiter und Angestellten in Kernkraftwerken mit rund 13 Un-
fällen auf 1000 Beschäftigte den 'höchsten Grad der Arbeitssi-
cherheit' im Bereich der feinmechanischen und elektronischen Be-
rufe erreichten. In konventionellen Kernkraftwerken und bei der
Stromwerteilung liege die entsprechende Zahl bei 33 Unfällen.
Auch bei den Beschäftigten, die in Anlagen des nuklearen Brenn-
stoffkreislaufs, wie bei der Brennelementeherstellung oder bei
Entsorgungsanlagen, tätig sind, liege die Zahl bei 13 Unfällen
pro 1000. Einen Strahlenverletzten habe es in deutschen Kern-
kraftwerken noch nie gegeben." (ddp)
Tag für Tag in die Arbeit, das kann gar nicht ungesund sein. Und
gefährlich? Gut, wenn mal einer nicht aufpaßt, ein Finger viel-
leicht mal, manchmal mehr. Aber im Büro? Da muß ja eine schon mit
dem heißen Wasser beim Kaffeekochen, Sehnenscheiden, Bandschei-
ben, die Nerven ...? Na klar, älter werden wir alle.
Und im AKW? Also ehrlich, alles blitzsauber, kannste vom Boden
essen, sogar Luftfilter. Die Arbeiter in schmucken orangen Over-
alls. Und bei Schichtende werden die Overalls sofort gewaschen,
und die Arbeiter dürfen nur geduscht nach Hause, da freut sieh
die Mama. Wo die doch bei der Arbeit kaum schwitzen, ist sowieso
alles automatisch. Und wie man im AKW-Werbefilm vom selben Atom-
forum bewundern kann, lassen die nicht mal das Wasch- und Dusch-
wasser direkt in den Kanal, sondern das wird vorher extra
"entseucht". Also gesünder als auf der Intensivstation. Wenn
wirklich was schief geht, kann ja mal vorkommen, holen die sich
extra Aushilfskräfte vom Arbeitsamt zum Großreinemachen, Dauer-
fälle, Penner und so was. Auch dann gibt's keine Verletzten und
Toten. Wann ist in den letzten 10 Jahren schon mal einer im AKW
gestorben? Sterben tun die zu Hause, wie die andern auch, am Al-
kohol und Raucherkrebs. Im AKW, ausgeschlossen! Wenn da einer
seine "Lebensdosis" weg hat, kommt ein anderer dran, und wenn die
1000 verbrauchen in ein paar Wochen. Die achten auf deine Gesund-
heit. Besser als im Büro, wo du dir heute leicht schon mal das
Bildschirmflimmern holen kannst. Also nichts wie hin!
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