Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart


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       Der Veranstaltungskommentar
       

ROBERT JUNGK

besuchte letzten Samstag die RUB und gab Sätze von sich wie die- sen: "Man kann nicht immer nur Protestieren, man muß auch selbst Lö- sungsmöglichkeiten entwickeln." Warum denn? Warum soll man, kaum daß man etwas dagegen hat, daß Staat und Kapital einem gefährliche AKWs vor die Nase stellen, gleich wieder so tun, als könne es einen gemeinsamen Nenner zwi- schen Betreibern und Betroffenen der Anwendung von Kernkraft ge- ben. Ausgerechnet diejenigen, die großzügig mit Strahlenopfern kalkulieren, soll man als "leichtsinnige Zeitgenossen" ansehen, die man durch konstruktive Alternativen moralisch ins Unrecht setzen sollte. Genauso konstruktiv und falsch war denn auch JUNGKs AKW-Kritik: Geradeso, als seien die AKWs nicht j e t z t radioaktiv, ver- legt er ihre Gefährlichkeit als "Risiko" in die Zukunft; als wä- ren bei ihrer Konstruktion die sogenannten Unfälle nicht sauber miteingerechnet (was man nicht nur an der unterstellten Ausla- stung von 60%, also 40% Ausfallzeiten sieht, sondern auch daran, daß sich Sicherheitsmaßnahmen Kostenerwägungen unterzuordnen ha- ben), tut er so, als drohe die Gefahr von AKWs vom "Risikofaktor Mensch", womit er gleichermaßen die Unzuverlässigkeit des Bedie- nungspersonals wie auch Terroristen meint: "Atomenergie ist nur in einem sozial befriedeten environment ei- nigermaßen sicher." Und als wäre es nicht der demokratische Staat, der den Bau von AKWs mit einkalkulierter U n s i c h e r h e i t vorantreibt, unterstellt er ihm ein Bedürfnis nach S i c h e r u n g der AKWS, das ihn dazu zwänge, sich zum Schreckgespenst des undemo- kratischen "Atomstaats" zu verwandeln. Naja, wenn sich ein Philosoph die AKWs vorknöpft, kommt's eben nicht so genau darauf an, was mit ihnen los ist, denn es geht ja in Wirklichkeit um Höheres: "Die gesamte technologische Entwick- lung" hat JUNGK ins Visier genommen, wo sie sich daran zu schaf- fen macht, unseren "Globus zu destruieren". Jetzt kriegt, "das Problem" doch endlich Dimensionen, die des JUNGKschen Geistes würdig sind! Und einen ebenso würdigen Inhalt: Das größte Problem an der von Staat und Kapital sehr handfest betriebenen Offensive in Sachen Kernkraft ist nämlich nicht die von ihnen in die Welt gesetzte Strahlung, sondern die Tatsache, daß sie das von JUNGK eigens für sie erdachte Phänomen der "Horizontverdunkelung" nicht bedacht haben (ein pfiffiger Konter auf die Behauptung der AKW- Bauer, ohne Kernkraft würde sich unser Wohnzimmer verdunkeln!). Dieses Phänomen soll bedeuten: die vornehmste Wirkung der Radio- aktivität bestehe darin, daß die Leute Angst vor ihr haben und daher "keine Pläne mehr machen" und "die Lebensfreude verlieren", kurz: es verliert wieder mal alles seinen ach so nötigen Sinn... Hat man erst mal diese hohe Warte erklommen, so sieht natürlich die simple Gegnerschaft gegen AKWs sehr bescheiden aus. Toll da- gegen erscheinen Versuche mit "ökologischem Landbau", "Energie- inseln" und ähnlichem Quatsch, allein schon deswegen, weil es bei ihnen nicht darauf ankommt, ob sie funktionieren oder ob sie sich materiell über Wasser halten können, sondern auf die Demon- stration, daß es auch anders geht und Spaß machen kann. zurück