Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart


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MACHT DER GAU KRITIK(ER) GLAUBWÜRDIG - ODER: DIE LOGIK DER BETROFFENHEIT DURCH DIE KATASTROPHE

"...der Widerstand gegen die Atomenergie hat jetzt überzeugende Argumente zur Hand - zum ersten Mal vielleicht in diesem Land. Bislang blieben die Einwände abstrakt, da gab es keine Meldungen von erhöhten Strahlenwerten..." (FR-Kommentar v. 6.5.86) So ist das also: Solange die Katastrophe noch nicht da ist, ist Kritik unglaubwürdig. Die Katastrophe ist ja noch nicht da! Es fehlt die Betroffenheit, die konkrete. Die Leute kommen ja zu- recht. Die (Lohn-)Arbeit - halb so schlimm; wenig Geld - man muß sich halt einteilen. Gift in der Luft und in Lebensmitteln - man hält es ja noch aus. (Vielleicht raucht man ja auch zuviel.) Krieg in ... - es ist ja noch woanders und noch nicht der große Krieg. Und Kritiker sind Miesmacher, die den Leuten ihre kleinen Freuden nicht gönnen... Und jetzt? Jetzt ist die Katastrophe da. Noch nicht direkt bei uns, aber auch wir sind betroffen. Also wird jetzt kritisiert, daß die Schwarte kracht! Schluß mit dem Standpunkt des Zurecht- kommens? Denkste! Jetzt heißt die Devise erst recht: Ratschläge und Tips her, wie sich die Scheiße bewältigen läßt. Die "Verantwortlichen" sollen ihre Pflicht tun. "Konkrete Hilfe" lau- tet das Gebot der Stunde - die armen Kinder und die schwangeren Frauen darf man nicht im Regen stehen lassen! Ein Zyniker, wer ausgerechnet jetzt, wo die "Gefahr" so "konkret" ist, sagt, es gelte, sich die Gründe klarzumachen und die aus der Welt zu schaffen. Außerdem "zerredet" er die ganze schöne Betroffenheit, indem er sie - pfui Teufel! - "politisiert". Das Kritisieren ver- schieben wir auf später, wenn wir aus dem Gröbsten raus sind. Also auf den St. Nimmerleinstag, denn dann ist sie ja wieder futsch, die Betroffenheit, und die Kritik wieder so furchtbar ab- strakt... zurück