Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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GAU im Osten:
Ein Glücksfall für die Demokratie!
MIT STRAHLEN AUF STIMMENFANG
Der GAU im Osten wird von allen maßgeblichen und unmaßgeblichen
Instanzen der westlichen Demokratien ausgeschlachtet. In Nieder-
sachsen ist er gar zum Wahlkampfthema Nr. 1 avanciert. Schamlose
Leichenfledderei? Ach was! Deutsche Parteien und Politiker, die
mit ihrem AKW-Programm die Verstrahlung auch ihrer eigenen Leute
eingeplant haben, werden angesichts russischer Leichen nicht von
Gewissensbissen geplagt. Lieber verbreiten sie unterm Wahlvolk
die Losung: Gegen Strahlen helfen Wahlen! Wie macht man aus rus-
sischen Strahlen Stimmen für die hiesige Politik?, heißt ihre zy-
nische Frage. Und was haben sie den Wählern zu bieten?
DIE SPD
hat die Atomkraftwerke unter Schmidt gebaut, die Kohl heute als
die sichersten der Welt verteidigt. Das ist für einen Wahlkampf
blöd: Zwei Atom-Parteien, wie soll da der Wähler wählen? Ein Un-
terschied muß her, damit man beide AKW-Parteien unterscheiden
kann. Hier ist er nun: die SPD nennt den Weiterbetrieb der Kern-
kraftwerke ab sofort "Ausstieg aus der Kernenergie". Schrottreife
Kraftwerke kommen auf den Müll, brauchbare Atommeiler sollen bis
zu ihrem endgültigen Verschleiß weiter Strom und Strahlung produ-
zieren. Mit diesem "Ausstieg" kann die SPD dann in den Wahlkampf
einsteigen und doppelt Stimmen absahnen: Kein einziges AKW abge-
schaltet und aus allen ausgestiegen! Tschernobyl, wir danken dir!
Ohne den GAU wäre die SPD nie auf den "Ausstiegsdreh" gekommen!
Das Thema AKW war ja schon tot.
DIE GRÜNEN
entdecken ihre Chance. Rechtzeitig zur Wahl in Niedersachsen ein
GAU - da müssen sich doch grüne Prozente draus machen lassen!
Leider hat die SPD - gemein wie sie ist den Grünen das Ausstiegs-
drehbuch geklaut. Also muß ein Parteitag her. "Sofortige Stille-
gung" fordert der. Damit kann man schon mal die Grünen von der
SPD unterscheiden. Praktisch will in der AKW-Koalition mit Börner
über ein r e a l i s t i s c h e s Ausstiegszenario verhandelt.
Damit kann man die Grünen dann von kommunistischen Systemverän-
derern unterscheiden. Also her mit dem Wahlkreuz, von CDU-Omas
genauso wie von Bauzaun-Spezialisten aus Wackersdorf.
DIE CDU
läßt sich da nicht lumpen. Schließlich ist sie in der Verantwor-
tung und übt sie fleißig aus. Ihren Konkurrenten von der rot-grü-
nen Front wirft sie "unverantwortliche Panikmacherei" vor;
Albrecht dagegen hat alles im Griff. Das beweist die Landesregie-
rung, indem sie einen richtigen kleinen Ernstfall durchexerziert
und ihrem patenten Volk vorführt, wie sehr es die CDU als Regie-
rung braucht. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, Panik ist von
staatswegen verboten. Die CDU sagt jedem, was er zu tun hat: die
Klappe halten, brav im radioaktiven Regen arbeiten gehen, Frei-
landsalat und Sandkästen meiden. Und CDU - wählen, natürlich.
Dann bleibt uns der Aufschwung erhalten!
DIE FREIE PRESSE
weiß, was die Stunde geschlagen hat. Die Meldungen über verseuch-
ten Salat und verstrahlte Schwimmbäder sind durch die heiße Frage
abgelöst, welcher der Stimmenfänger wohl mit seiner Volks-
verarschungsstrategie am meisten Punkte macht. Hat Albrecht Füh-
rungsstärke bewiesen? Zieht die Ausstiegsmasche als Mehrheits-
bringer für die SPD? Nehmen die Grünen-Wähler ihrer Partei die
Tour ab, radikale F o r d e r u n g e n zu beschließen und re-
alistische P o l i t i k zu machen? Wer sitzt nachher zu wel-
chen Prozenten im Landtag und darf das niedersächsische Wirt-
schaftswachstum samt Gorleben, Stade und Lingen kommandieren? So
wird das Volk in aller demokratischen Freiheit auf die richtigen
Fragen verpflichtet. Schließlich: wer sich das Problem auftischen
läßt, welcher von den Politikmachern das meiste Volksvertrauen
beim "Bewältigen" des "AKW-Problems" verdient hat - der fragt
eben nicht mehr, w a r u m diese Herren sie eigentlich bauen
und betreiben, und was dagegen zu tun ist!
DIE GANZ NORMALE OSTHETZE
geht inzwischen weiter. Die Russen schädigen ist immer gut - da
sind sich Schwarz, Rot und Grün einig.
Auch für Wählerstimmen:
- Die USA bieten den Brüdern im Osten ein paar Tonnen Trocken-
milch an. Wie menschenfreundlich, unsere obersten Verbündeten!
Wie zu CARE-Paket-Zeiten nach dem Krieg. Wem fällt es da schon
ein, ihnen anzukreiden, daß sie bei sich zuhause jede Menge Leute
verhungern lassen. Das bringt die freie Marktwirtschaft eben so
mit sich. Und die mögen ja auch Grüne nicht missen!
- Kohl fordert von der UdSSR Schadenersatz. D e r sorgt sich
vielleicht um sein geschädigtes Volk! Alles, was die R u s s e n
dem zumuten, muß gehörig angeprangert werden. Gleichzeitig po-
saunt ein Zimmermann aus: "Der Bevölkerung der BRD droht keine
Gefahr." Das ist sogar den Russen aufgefallen, daß "keine Gefahr"
mit Schadenersatzforderungen nicht recht zusammenpaßt. Außerdem
kommen die Reaktorteile aus der BRD - die exportiert ja auch die
AKWs, die sie bei sich selbst hinstellt. Peinlich, peinlich?
Für's Feindbild taugt die Masche anscheinend trotzdem...
- Die EG verhängt ein Lebensmittelimportverbot aus Ostblocklän-
dern. Die legen vielleicht viel Wert darauf, daß ihnen ein gesun-
des Volk erhalten bleibt! Dafür semmelt man doch liebend gerne
dem Osten noch einen zusätzlichen Schaden rein, wo der aus
Tschernobyl schon so prima sitzt! Das weiß ja schließlich jeder:
Salat aus dem Osten ist radioaktiv, Salat aus dem Westen demokra-
tisch entseucht. Deswegen darf der aus der DDR auch rein: die
Strahlen haben sich doch glatt an die Grenzen von 1937 gehalten.
Woran man wieder sehen kann: selbst der Wind ist für die Wieder-
vereinigung!
Wenn das keine Argumente für's wählen sind!
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