Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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GAU IM OSTEN: EIN GLÜCKSFALL FÜR DEN WESTEN!
Der GAU im Osten wird von allen maßgeblichen und unmaßgeblichen
Instanzen der westlichen Welt ausgeschlachtet. Schamlose Leichen-
fledderei, die unsere Politiker beschämt? Ach was! Westliche De-
mokratien, die mit ihrem AKW-Programm die Verstrahlung auch ihrer
eigenen Leute einplanen, werden angesichts russischer Leichen ja
wohl nicht gerade von Gewissensbissen geplagt werden. Hätte es
den GAU in Tschernobyl nicht gegeben, der Westen hätte ihn erfin-
den müssen! Ein solcher Glücksfall ist dieser große Knall
* für Atomexperten und Strahlenkundler:
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"Unsere" Naturwissenschaftler sind ja so nützlich! G a n z
g e n a u können sie den radioaktiven Dreck ermitteln. Zehnmal
täglich werden Werte bekanntgegeben und von Regierungsfachleuten
mit Physikkenntnissen mit dem Stempel "Vorsicht!" oder "Keine Ge-
fahr!" versehen. Je nachdem, ob gerade die Linie "Warnung" oder
"Entwarnung" im Kanzleramt für angebracht gehalten wird, um das
Volk an der Kandare zu halten. Dazu gehört, daß Wetterberichte
und Meßergebnisse zur geheimen Verschlußsache erklärt werden.
Auch dabei beweisen unsere Naturwissenschaftler ihre Nützlich-
keit. Sie halten sich an Zimmermann und ihre Schnauze! Bis auf
einige wenige. Die fordern mehr Meßstellen und sammeln für frei-
willige Geigerzähler. Ein angebliches Versäumnis des Staates wol-
len sie mit der Fortsetzung genauester Messungen der Radioaktivi-
tät korrigieren. Wer soll damit eigentlich wovor geschützt wer-
den? Wem nützt so etwas? Den Konsumenten nicht: Die Halbwertzeit
von Caesium beträgt 30 Jahre.
* für den Wahlkampf der SPD:
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Dieser Haufen hat die Atomkraftwerke unter Schmidt gebaut, die
Kohl beute als die sichersten der Welt verteidigt. Das ist für
einen Wahlkampf blöd: Zwei Atom-Parteien, wie soll da der Wähler
wählen? Ein Unterschied muß her, damit man beide AKW-Parteien un-
terscheiden kann. Hier ist er nun: Die SPD nennt den Weiterbe-
trieb der Kernkaftwerke ab sofort "Ausstieg aus der Kernenergie".
Schrottreife Kernkraftwerke werden auf Herz und Nieren geprüft.
Brauchbare Atommeiler sollen bis zu ihrem endgültigen Verschleiß
weiter Strom und Strahlung produzieren. Mit diesem "Ausstieg"
kann die SPD dann in den Wahlkampf einsteigen und doppelt Stimmen
absahnen: Kein einziges AKW abgeschaltet und aus allen ausgestie-
gen! Tschernobyl, wir danken dir! Ohne GAU wäre die SPD nie auf
den "Austiegsdreh" gekommen! Das Thema AKW war ja schon tot.
* für grüne Anwälte ohnmächtiger Betroffenheit:
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Rechtzeitig zur Niedersachsenwahl ein GAU! Spitze! Ärgerlicher-
weise hat die Bande von der SPD den Grünen das Ausstiegsdrehbuch
geklaut. Also muß ein Parteitag her. "Sofortige Stillegung" for-
dert der. Fürs Parteiprogramm. Das sitzt und gilt für die näch-
sten zehn Jahre. Damit kann man schon mal die Grünen von der SPD
unterscheiden. Praktisch wird natürlich in der AKW-Koalition mit
Börner über ein realistisches Ausstiegsszerario verhandelt. Damit
kann man die Grünen dann von kommunistischen Systemveränderern
unterscheiden. Also her mit dem Wahlkreuz, von CDU-Omas genauso
wie von Bauzaun-Spezialisten aus Wackersdorf.
* für die freie Presse:
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Nie war es so wertvoll wie heute, über eine großformatige Zeitung
zu verfügen, hinter der man seinen klugen Kopf verarschen lassen
kann! "Unsere" Presse enthüllt schonungslos, daß drüben nichts
veröffentlicht werden darf. Bei "uns" dagegen ist die Pressebe-
richterstattung der beste Berstschutz und die günstigste Lebens-
versicherung! Jeder Unfall im Westen, der nicht totgeschwiegen
wird, kommt garantiert in die Presse! Das macht "unsere" AKW so
sicher. Man mag schon gar nicht mehr fragen, welche AKW-Unfälle
z w i s c h e n den vielen Unfallmeldungen eigentlich durch die
Zeitungsfritzen verhindert worden sind.
* für die Regierung:
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Die hat endlich einmal mit Tschernobyl einen richtigen kleinen
Ernstfall auf ihrem Gebiet. Da können so begnadete Führer wie
Kohl einmal vorexerzieren, was für ein patentes Volk sie regie-
ren. Ein ausgewachsener GAU - und keiner reißt seine freche
Schnauze gegen die eigenen AKW auf! Radioaktiv verseuchter Regen
- und kein Volksgenosse bleibt seinem Arbeitsplatz fern. Dem
deutschen Wirtschaftswunder krümmt kein Mensch ein Haar. Schon
gar nicht die, die sich dafür krumm legen. Die sitzen nach Feier-
abend brav am Volksempfänger und meiden Freilandsalat und Spa-
ziergänge im Regen, den sie tagsüber im Job friedlich schlucken.
Das ist doch ein gutes Zeichen für den Ernstfall, in dem die
Feindberührung etwas direkter ausfällt als bei Tschernobyl! Da
sind doch gleich die nächsten praktischen Schritte dafür fällig:
kein Neubau mehr ohne eingebauten Bunker...
* für das Kräfteverhältnis, wie es der Imperialismus haben will:
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Die USA bieten ein paar Tonnen Trockenmilch für die Brüder in Po-
len als Hilfe an. Gleichzeitig werden die letzten erfrorenen Pen-
ner des vergangenen Winters aus New Yorker U-Bahnschächten wegge-
räumt, wie die beschenkte polnische Regierung in ihrem Dankeswort
nicht zu Unrecht vermerkt hat. Aber die Trockenmilch ist eben
auch nicht auf Hilfe, sondern auf einen ideologischen Schlag ge-
gen den Osten berechnet!
Einen materiellen Schlag gegen die Russen bereiten gleichzeitig
Kohl und Bangemann vor: Schadenersatzforderungen an die So-
wjetunion. Bleiben nur noch drei kleine Schönheitsfehler dieser
Attacke: Erstens berufen sich die Kremlleute auf einen tausendmal
ausgestrahlten Satz von Meineid-Zimmermann: "Der Bevölkerung der
BRD droht keine Gefahr." Wofür also Schadensersatz? Zweitens mel-
den die Blödmänner vom Weser-Kurier, daß sicherheitsentscheiden-
des Reaktorzubehör aus der BRD nach Tschernobyl geliefert wurde.
Jetzt überlegen sich glatt die Russen, von Kohl Schadensersatz zu
verlangen. Und drittens: Es hapert mit der Vollstreckung des
westlichen Bescheids. Jedenfalls solange noch die Russen in Ruß-
land regieren...
Aber eines geht schon in V o r kriegszeiten: ein satter Osthan-
delsboykott mit der moralischen Wucht im Rücken, hier würde der
Westen sein Menschenmaterial gegen russische Verstrahlung schüt-
zen. Mit einer kleinen Ausnahme: Die DDR ist in diesen Boykott
nicht einbezogen. Die radioaktive Wolke und die Windverhältnisse
respektieren offenbar die Grenzen von 1937, die Bonn den Ostlern
erst noch einbleuen muß!
* Und was ist mit den Marxisten?
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Wollen die nicht am eifrigsten ihr politisches Süppchen auf dem
Atomunfall kochen? Das haben die Leute von 'Buten und Binnen'
gleich vorwurfsvoll bemerkt. Na und? Das wäre wohl unerträglich,
wenn aus dem GAU in Tschernobyl die K r i t i k der bundesdeut-
schen Atomenergiepolitik ohne Wenn und Aber folgen würde! S o
ein E i n s p r u c h gegen die Atompolitiker der Nation gilt
hierzulande als der e i n z i g e "größte anzunehmende Unfall",
der ausgeschlossen bleiben muß! Sauber.
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