Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Der GAU in Tschernobyl:
ATOMKRAFT UND SYSTEMFRAGE
Ein "größter anzunehmender Unfall" - das Durchschmelzen der ato-
maren Brennstäbe und die Entzündung des umgebenden Grafitblocks -
ist in einem sowjetischen Atomkraftwerk passiert.
Noch wußte keiner was Genaues, da wußten "Bild"-Zeitung und Rie-
senhuber zwei Dinge schon ganz genau: So etwas kann bei uns über-
haupt nicht passieren; so etwas kann bloß bei den Russen passie-
ren. Damit war auch schon die Leitlinie für die nachfolgende auf-
geregte Diskussion festgelegt; außer Ausmalungen haben die aus-
giebig befragten Experten in den letzten Tagen diesem nationalbe-
wußten Kommentar nichts wesentliches hinzugefügt.
U n s e r e Reaktoren besitzen eine vierfache Notkühlung;
u n s e r e Reaktorgebäude halten jede austretende Radioaktivi-
tät hermetisch dicht unter Kontrolle. Die R u s s e n dagegen
lassen sich nicht kontrollieren; erst wenn es zu spät ist, kommen
sie zu u n s e r e n hervorragenden Sicherheitsspezialisten ge-
laufen; aber nicht einmal dann lassen sie ihre Schrottdinger un-
ter u n s e r e nationale Oberaufsicht stellen!
Also: Entwarnung in der A t o m k r a f t f r a g e; eindeutige
Zuspitzungen dagegen in der S y s t e m f r a g e.
Verlogen ist beides.
Die Angeberei mit deutscher Reaktorsicherheit -
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und was sie verrät: AKWs sind prinzipiell unsicher
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Was die Entwarnung in bezug auf die bundesdeutschen AKWs be-
trifft, so ist das stolze Herumreiten auf den weltrekordverdäch-
tigen Sicherheitsvorschriften hierzulande in der Sache gar nicht
beruhigend, sondern einigermaßen entlarvend. Diese Maßnahmen be-
weisen allesamt nämlich nur: In AKWs darf einfach absolut nichts
schiefgehen, weil die Zerstörungskraft des radioaktiven Prozes-
ses, der dort Energie erzeugt, so ungeheuer groß ist und über
weite Gebiete nicht wieder gutzumachende Schäden verbreiten kann;
dabei sorgen die Tücken eben dieser Sorte Energiefreisetzung
selbst dafür, daß 100-prozentiges Funktionieren gar nicht zu ga-
rantieren ist; d e s w e g e n ja die mehrfachen Sicherungssy-
steme und am Ende noch ein stabiler Betonkasten um das Ganze, da-
mit im Ernstfall nicht gleich ganze Landstriche entvölkert bzw.
evakuiert werden müssen. Und im "Normalbetrieb", solange (noch)
nichts schiefgeht, müssen die Sicherungssysteme deswegen so zahl-
reich sein, weil sie allesamt die portionsweise Freisetzung ge-
sundheitsschädlicher radioaktiver Strahlung nicht verhindern,
sondern gerade u n t e r d i e G r e n z w e r t e
d r ü c k e n sollen, die Vater Staat in seiner tiefen Weisheit
- und mit seinem noch tieferen Verständnis für die Kostenprobleme
der AKW-Betreiber - als Maß für z u m u t b a r e Schädigung
f e s t g e l e g t hat.
Der Grund für all die Kompliziertheiten, die da nötig werden, ist
einfach. Damit ein AKW schwungvoll läuft, werden radioaktive Zer-
fallsprozesse i n G a n g g e s e t z t, die sich n i c h t
m e h r s t o p p e n lassen: Das Zeug strahlt; Behälter,
Dampferzeugungsapparate, der Dampf selber, das Gebäude usw.
strahlen mit und hören damit so schnell nicht wieder auf. Und das
g e f ä h r d e t nicht bloß die Gesundheit der Leute im Betrieb
und der Umgebung, sondern s c h ä d i g t s i e i m m e r z u.
Zweitens werden die Brennstäbe durch die radioaktive Kettenreak-
tion so heiß, daß sie mit ziemlicher Sicherheit kaputtgehen oder
sogar durchschmelzen, wenn die Dämpfung der Kettenreaktion und
der Abtransport der Energie - durch überhitztes Wasser, das indi-
rekt die stromerzeugenden Turbinen treibt - auch nur einen Moment
lang nicht klappt. Schon bei jeder kleinen Undichtigkeit - die
sich in einem normalen Kraftwerk bloß als geringfügiger Lei-
stungsabfall bemerkbar machen würde - wird auf alle Fälle eine
Extraportion Radioaktivität frei, u.U. aus den nicht mehr ganz
dichten Brennstäben selbst, die Mensch und Vieh nicht gut be-
kommt. Außerdem droht gleich ein Zusammenbruch der unerläßlichen
"Kühlung" des atomaren Brennstoffs. Dessen Energieproduktion läßt
sich nicht abschalten - wie ein Motor, der keinen Treibstoff mehr
bekommt -, sondern nur nach verschiedenen Methoden bremsen; und
dafür kann es im Nu zu spät sein, wenn die Brennstabe sich bei
Überhitzung verformen.
Kurz: Ein AKW muß immer 100prozentig klappen, nicht bloß damit es
seinen Zweck erfüllt und Strom liefert, sondern damit es nicht
zur Katastrophe kommt. Dabei strapaziert jedoch die Art der Ener-
gieerzeugung selbst, vor allem die radioaktive Strahlung, die ge-
samte Installation fortwährend ganz extrem; das Risiko wird durch
den Betrieb selbst schnell immer größer. Bei den vorbeugenden Re-
paraturen, die deswegen dauernd nötig sind, wird fortwährend die
Umgebung mit strahlendem Dampf und verstrahlten Ausbauteilen an-
gereichert. Noch so viel Angeberei mit nationalen Sicherheitsvor-
schriften setzt weder diese dauernde Schädigung noch das kalku-
lierte unkalkulierbare Katastrophenrisiko außer Kraft - ganz ab-
gesehen davon, daß Vorschriften noch etwas anderes sind als ihre
Einhaltung, wie jeder weiß.
Die öffentliche Entwarnung bezüglich bundesdeutscher Atomkraft-
werke ist denn auch ziemlich albern ausgefallen: D e r
"Unfall", den die Russen hingekriegt haben, ist bei uns nicht
drin. Na klar, Grafit kann nicht in Brand geraten, wenn man es
gar nicht verwendet. Aber sonst haben die heimischen Experten
doch im Nu Bescheid gewußt, wie so ein "Störfall" abläuft, wie
man ihm vielleicht vorbeugen und was man im Schadensfall machen
kann. Das heißt doch wohl: Mit s o ä h n l i c h e n Katastro-
phen wird ständig gerechnet! Die vielen Sicherheitsvorkehrungen
in westdeutschen AKWs haben nämlich ihren guten Grund: Sie sind
noch viel riskanter konstruiert. Bis zum GAU galten die sowjeti-
schen "Primitivreaktoren" auch nach westlicher Expertenmeinung
als vergleichsweise sicher. Außerdem sind AKWs auch keine Un-
schuldslämmer, solange sie nicht "durchgehen", wie das hiesige
Katastrophengeschrei glauben machen will. Für das wöchentliche
Wölkchen und die halbjährliche Wolke aus radioaktivem Dampf
braucht man gar nicht auf den GAU, den g r ö ß t e n anzuneh-
menden Unfall, in einem bundesdeutschen AKW zu warten. Die fallen
immer wieder an, werden übrigens auch nicht gerade vor laufenden
Fernsehkameras abgeblasen - sondern z.B. j e t z t, wo sowieso
an jeder "erhöhten Radioaktivität" automatisch die Russen schuld
sind! - und treiben die Krebsstatistiken für die Umgebung solcher
strahlender Energielieferanten in die Höhe. Ganz zu schweigen vom
Normalbetrieb einer Wiederaufbereitungsanlage, wie sie unbedingt
nach Wackersdorf soll: Das britische Vorbild hat, nach neulich
bekanntgemachten Messungen, die irische See zum radioaktivsten
Gewässer der Erde gemacht.
Doch nach dem Motto "Jetzt erst recht!" bleiben Zimmermann, Rie-
senhuber und die Atomindustrie bei ihrer Parole: "Von deutschen
Werken keine Gefahr!" Eine kritische Debatte über Atomkraft paßt
eben überhaupt nicht zu unserer großartigen "Wende"-Republik.
Der Grund der Atomkatastrophe: Das System...
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Da trifft es sich hervorragend, daß ausgerechnet den Sowjets ein
noch großartigerer Unfall gelungen ist als vor sieben Jahren den
amerikanischen Atomstromproduzenten in Harrisburg. Es ist ja
längst kräftig an dem Vorurteil gebastelt worden in letzter Zeit
hauptsächlich mit theoretischen Vergleichen zwischen den Waffen
und Rüstungsvorhaben in Ost und West! -, das sowjetische System
wäre zu technischen Glanztaten irgendwie gar nicht fähig. Für den
ewigen prowestlichen Systemvergleich macht sich ein brennendes
sowjetisches Kernkraftwerk eben ganz hervorragend!
...des gewinnbringenden Wirtschaftswachstums um jeden Preis
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In der Tat: eine "Systemfrage" ist ein solches "Unglück" durch-
aus; ausgerechnet die hat aber mit dem Unterschied der Wirt-
schaftssysteme in Ost und West ausnahmsweise nichts zu tun.
Drüben wie hierzulande soll die Energieproduktion dem wirtschaft-
lichen Wachstum dienen, wofür den Produzenten dieses Wachstums
einiges zugemutet wird.
Dieses kapitalistische Prinzip k r i t i s i e r e n die regie-
renden "Realen Sozialisten" im "Ostblock" schon längst nicht
mehr; sie eifern im Gegenteil den vorbildlichen Erfolgen nach,
die die wirkliche "Marktwirtschaft" h i e r b e i vorzuweisen
hat. Daß sie das unter anderen Produktionsverhältnissen betreiben
als die Konkurrenzgeier im Westen, macht sie bei den gewählten
Methoden kaum weniger skrupellos als die demokratischen AKW-Fans.
Beide Systeme verbuchen es als U n k o s t e n und lästige
Rücksichtnahme, daß man auf die geringe Widerstandskraft des Men-
schentiers gegen harte Strahlung achten muß, wenn AKWs hochgezo-
gen werden.
So kriegt die Menschheit weltweit durch jeden technischen Fort-
schritt auch immer gleich ein zusätzliches "Lebensrisiko" be-
schert. Wie eben z.B. das "Restrisiko" eines AKW und eine Dauer-
berieselung mit Radioaktivität in kleinen Portionen aus dieser
Quelle. Oder auch wie das Gift von Seveso; oder die Giftwolke von
Bhopal...
Überall wird aus Geschäftsgründen mit Zeug hantiert, das gar
nicht unschädlich zu machen ist, dessen Wirkung nur durch x-fache
Abschirmung zu dämpfen ist. Ziemlich lächerlich, aber auf dem
Mist eines unverwüstlichen Feindbildes gewachsen, ist da die
Lüge, w e s t l i c h e Katastrophen wären allemal bloß
Z u f ä l l e, dagegen lägen d i e ö s t l i c h e n "a m
S y s t e m".
Systemkonkurrenz anläßlich einer Katastrophe:
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Freiheitliche Propagandashow schlägt sozialistische Schönfärberei
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Die U n t e r s c h i e d e der Systeme in Ost und West liegen
auf einem ganz anderen Gebiet und sind zu einem guten Teil gerade
eben wieder deutlich geworden. Sie liegen z.B. in der
p r o p a g a n d i s t i s c h e n V e r w e r t u n g des Un-
falls.
Überall im Westen wurde lauthals die anfängliche Schweigsamkeit
der Sowjetführung über das Ausmaß der Katastrophe angeprangert -
als wäre irgendetwas verloren, wenn die Regierung drüben nicht
zuallererst das deutsche Fernsehen an den "Ort des Geschehens"
läßt und die Freie Welt mit Interviews versorgt. Und als wäre
"rechtzeitige Information" auch schon gleichbedeutend mit
"wirksamen Schutzmaßnahmen" - was wurde unseren Behörden im
"Ernstfall" denn einfallen, außer Gemüse waschen, Jodbonbons ver-
teilen und Kinder einsperren? Im übrigen sind die zuständigen Be-
hörden der BRD alles andere als redselig, wenn in einem AKW hier-
zulande was passiert; und die erste Meldung heißt allemal: alles
unter Kontrolle - Meßwerte erhöht, aber harmlos.
Klar, wenn der Unfall unübersehbar ist, dann geht eine demokrati-
sche Öffentlichkeit ganz anders ans Werk. Die macht aus jedem Un-
fall eine Sensation, spürt zielsicher den
U n t e r h a l t u n g s w e r t von Leichen, Bränden und Trüm-
mern auf, zeigt sie dementsprechend groß im Bild und läßt die Op-
fer berichten, wie sie sich fühlen. Und vor allem legt sie so je-
dermann auf d i e r i c h t i g e n S o r g e n fest. Sorge
Nummer 1 hat in solchen Fällen nämlich die zu sein, ob auch ja
niemand den "falschen Schluß" zieht und das flotte Geschäftsleben
kritisiert, das da seine Opfer fordert. Lieber soll man sich den
Kopf darüber zerbrechen, welcher Minister womöglich seiner hohen
Verantwortung nicht genügt hat - die Minister denken auf alle
Fälle an das irgendwie fällige Wahlkreuz und machen sich zur
Hauptperson...
Alle diese unterhaltsamen Sorgen hat die sowjetische Führung ih-
rem Volk vorenthalten; und darum ist es wirklich nicht schade.
Ein einziges wahres Wort über die Atomkraft und ihren bisweilen
tödlichen Haken hat sie allerdings ebenso sorgfältig vermieden
wie Staatsrundfunk und Presse bei uns. Statt dessen - was der
"Bild"-Zeitung nie passieren könnte; oder doch? - ein sinniger
Übergang zu den Atom w a f f e n, deren Gefährlichkeit man nach
dem Atomunfall nur noch besser abschätzen könne; plus Bekenntnis
zum unvermeidlichen Fortschritt und zu friedlicher Atomkraftnut-
zung, wie ein Zimmermann oder Späth es auch nicht zynischer hin-
gekriegt hätten!
Das wiederum hat keine verantwortungsbewußte Demokratenstimme den
russischen Schönfärbern an gekreidet. Der Systemvergleich will
auf etwas viel Grundsätzlicheres hinaus: Als "Lügenregime" - na-
türlich im Unterschied zur Demokratie! - soll die Sowjetunion
sich mit ihrer Schweigsamkeit entlarvt haben; und als technolo-
gisch rückständiges noch dazu; also als eine einzige Gefahr für
die Menschheit, die unter "internationale Kontrolle" gehört. Auf
diese Klarstellung zielen alle die wohlmeinenden selbstlosen
Hilfsangebote aus NATO-Staaten. Mit Krokodilstränen über die
"entsetzliche Katastrophe" wird dem falschen System da drüben
wieder mal genau das um die Ohren gehauen, was für einen braven
Bürger der frech gewordenen NATO die Sowjetunion zum F e i n d
stempelt: keine freie Sensationshascherei, also k e i n e
F r e i h e i t; kein technologischer Erfolg, also k e i n e
Z u k u n f t. W e r t, daß sie zugrunde geht, und reif dafür.
Für die Konkursabwicklung steht d e r W e s t e n bereit.
So wird die Katastrophe in Tschernobyl - je tödlicher, desto bes-
ser - zum Gottesgeschenk für die demokratische Vorkriegs-Stim-
mungsmache.
***
"Müssen wir Kernkraftwerke stillegen?
Kann Tschernobyl auch bei uns passieren, müssen wir alle Kern-
kraftwerke stillegen?
Es antwortet Prof. Hans-Peter Dürr (56, Direktor am Max-Planck-
Institut für Physik in München:
Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Wichtig scheint mir
die Wahrscheinlichkeit, mit der etwas passieren kann. Da stimme
ich mit unseren Kraftwerksbauern überein, daß sie so sicher
bauen, wie sie nur können. Ein Land, das wie die Sowjetunion
wirtschaftlich schlechter dasteht, spart eher an der Sicherheit.
Unsere Reaktoren sind wesentlich sicherer. Stillegen? Nein. Den
Straßenverkehr legen wir auch nicht still - obwohl er jedes Jahr
über 8000 Tote fordert. Aber ich glaube, daß wir langfristig von
der Kernkraft wegmüssen, weil sich damit auch für unsere Kinder
so viele Gefahren anhäufen. Der Ersatz der Kernkraft durch
Sonnenenergie müßte in einem Jahrzehnt möglich sein."
(Bild am Sonntag, 4.5.86)
Demokratische Entseuchung, vorgeführt von dem berüchtigten Frie-
densfreund Dürr:
Bloß keine falschen Sorgen in unserer strahlenden Republik.
***
Der Reaktor-Unfall in der Sowjetunion beweist:
"Unsere Kernkraftwerke sind sicher!" (Zimmermann, Riesenhuber und
andere)
Und warum sind "unsere" sicher?
* Ein s o l c h e r Unfallablauf wie in Tschernobyl wäre bei
uns undenkbar!
Ein "solcher" vielleicht. Andere Reaktortypen haben auch ihre ei-
genen Unfallabläufe.
* Wir haben m e h r e r e Sicherheits- und Notkühlsysteme!
Wozu sind die wohl erforderlich, wenn nicht dazu, den
e i n g e t r e t e n e n "Störfall" möglichst ein Stück weit
einzudämmen.
* Wir haben ausgefeilte Katastrophenschutzpläne für den Fall des
Falles!
"Unsere" Kernreaktoren sind also deswegen so sicher, weil schon
jetzt die Feldbetten für die Opfer eines GAU gewartet werden.
* Bei uns wird jeder Unfall ö f f e n t l i c h gemacht!
Den todsicher einkalkulierten Opfern ist also eines auf jeden
Fall sicher: sie kommen in die Zeitung! Nicht durch die Verhinde-
rung von Opfern, sondern durch ihre Bekanntgabe nehmen westliche
Minister ihre Verantwortung wahr. Das ist der "Preis des Fort-
schritts", den sie verordnen. So wie in Harrisburg. Das tut den
Hinterbliebenen gut und setzt den Dahingeschiedenen ein
"Kriegerdenkmal" in Friedenszeiten: gestorben für eine strahlende
Nation.
Warum sind sie also so sicher, die bundesdeutschen Atommeiler?
Weil der Staat es so befiehlt. Basta. "Die Frage nach der AKW-Si-
cherheit darf bei uns nicht neu gestellt werden. Dazu gibt es
keinen Grund." (Bundesinnenminister Zimmermann in der ZDF-Sonder-
sendung am 29.4.86)
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