Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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SACHVERSTÄNDIGE DEKONTAMINIERUNG
An dem "Schutz" der hiesigen Menschheit vor Jod 131 und CS 137 in
Luft und Lebensmittel wird natürlich unaufhörlich gearbeitet. Die
Experten aus den Reaktorsicherheits- und Strahlenschutzkommissio-
nen, die Herren Professoren Birkhofer und Oberhausen, befinden
sich in einem öffentlich herausgekehrten und selbstgefälligen
Dauerstreß. Tagsüber einigen sie sich auf die Grenzwerte für
Milch und Spinat, damit sie abends auf allen TV-Kanälen dem Pu-
blikum, das "in km/h, Gemüse/kg zu denken gewohnt ist"
(Oberhausen) und nicht in Strahlentote/mrem, um so unbedenklicher
das Trinken der strahlenden Milch anempfehlen können.
Bei der Milch liegt "der optimale Gesundheitsschutz" genau bei
500 Becquerel. Warum? Weil in der Milch schlicht soviel Strahlung
drin ist. Je mehr Radioaktivität Luft und Lebensmittel enthalten,
desto mehr kann der Mensch dann von ihr fressen, so lautet die
wissenschaftliche Dosis/Verträglichkeitsrechnung. Also kriegt ab
sofort der notorische Milchsäufer und Spinatmampfer Baby bis zum
17. Mai 3 Rem "zulässige Strahlenbelastung" die Woche verpaßt.
Dieser Wert mußte natürlich von den Experten besonders kleinlich
kalkuliert werden, weil sie sich in ihre 2. Strahlenschutzverord-
nung hineingeschrieben haben, daß bei "5 Rem Ganzkörperdosis pro
Jahr von einzelnen der Bevölkerung" (AKW-Personal ausgenommen)
der nationale Katastrophenfall auszurufen ist; wobei in der
Strahlenschutzkommission vorsorglich Einigkeit erzielt wurde, daß
ein russischer GAU noch lange kein deutscher ist, weshalb das Jod
131 aus Tschernobyl auf deutschen Landen auf keinen Fall nach der
deutschen Strahlenschutzverordnung behandelt gehört.
Ab dem 17. Mai wird natürlich die Milch ganz automatisch immer
strahlungssauber, weil zumindest das Jod in seinem radioaktiven
Zerfall sich an die zeitlichen Dekontaminationsvorstellungen des
Gesundheitsministeriums hält, weshalb die Grenzwerte sich an der
Halbwertszeit des Jod 131 ausrichten dürfen und ab dem 28. Mai
nur noch 90 Becquerel erlaubt sind. Praktizierter Zynismus? Si-
cher. Natürlich wissen diese wissenschaftlichen Sachwalter der
dosierten Verstrahlung, daß jedwede Strahlung jedwede Menge ge-
sundheitsschädliche Wirkungen zeitigt. Aber wieso sollten ausge-
rechnet jetzt andere Beurteilungsmaßstäbe und Prinzipien in Sa-
chen "zulässiger Strahlenbelastung" zur Anwendung gelangen, als
sie längst von eben diesen Herren für den Betrieb deutscher Atom-
meiler als Richtlinien festgelegt worden sind. AKWs strahlen. Wo-
für spricht das? Daß die Strahlung "kontrolliert" freigesetzt
werden muß. Dafür gibt es "Strahlenschutzbestimmungen". Die Defi-
nition der "ungefährlichen Strahlenbelastung" gehorcht dem einfa-
chen Prinzip: Wo viel Radioaktivität rauskommt, muß der Mensch
mehr Strahlung ertragen. Also verträgt er sie auch. Was sich seit
der Atombombe auf Hiroshima an Radioaktivität in der Atmosphäre
angesammelt hat, gilt als "natürlich" und damit als
"verträglich". Wenn es innen im AKW an den Ventilen ganz normal
mit 30 Rem rauszischt, dann beträgt "für beruflich exponierte
Personen die Strahlenbelastung der Haut, der Knochen und der
Schilddrüse 30 Rem je Jahr". Logisch. Ohne Arbeit keinen AKW-
Strom. Und zusperren geht schon wegen "unserer Zukunft" nicht.
Für die Anwohner schaut die Dosis mit zusätzlichen 30 mrem/jahr
günstiger aus als in der 1. Strahlenschutzverordnung, weil sich
inzwischen herausgestellt hat, daß die Schlote im Normalfall mehr
nicht ausspucken. Und für Störfälle gelten sowieso andere Dosen
und Werte. Fazit der öffentlichen Entwarnungshearings mit den
Strahlenschutzexperten: "Der Bürger kann die Strahlengefahr nicht
bemessen, deshalb sollte er denen Vertrauen schenken, die es wis-
sen" (Oberhausen). Sicher. Die Umrechnungen von Kilowattstunden
und Millirem in Krebsrisiken und Leichen beherrschen berufsmäßig
immer noch diese Herren am besten.
Und wem das nicht als Argument dafür reicht, daß er sich auch
künftig wegen eines radioaktiven Wölkchens aus deutschen AKWs
keine Sorgen um seine Gesundheit zu machen braucht, dem liefern
die "renommiertesten Experten" ihr letztes, schlagendstes Argu-
ment nach: "Im übrigen sollte ein jeder sich vor Augen führen,
daß nicht zuletzt kleinste Strahlenmengen, z.B. die natürliche
Radioaktivität, doch wohl auch die Mutation zum Menschen begün-
stigt haben" (Strahlenschutzexperten antworten dem besorgten Bür-
ger). Bleiben noch 2 Fragen: Welchem AKW verdanken wir Herrn
Oberhausen, und was für eine H-Bomben-Explosion hat Fritz Zimmer-
mann auf dem Gewissen?
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