Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Atomprofessor D. Schwarz nimmt Stellung:
GEFÄHRLICH AN DER KERNENERGIE SIND IHRE KRITIKER
Daß die Kernenergie ein einzigartiger Segen für die Menschheit
ist, der er sich aus beruflicher Profession verpflichtet weiß,
davon ist der "Christ, Ingenieur und Planer von Kernkraftwerken,"
Prof. D. Schwarz - "in dieser Reihenfolge" (oder vielleicht doch
umgekehrt?) - zutiefst überzeugt. Umso weniger kann er
G e g n e r der Kernenergie leiden. Mit dem ersten Tag seiner
Berufung an die UniDo fühlt er sich deshalb berufen wie kein an-
derer, ihnen mal ganz gründlich die Leviten zu lesen und sie ei-
nes durch und durch verantwortungslosen Kritikastertums zu über-
führen. Zwar konzediert er in seinem Thesenpapier "Ethik und Ker-
nenergie" den Atomkraftgegnern jeder Couleur mit einem tiefen
Griff in die moralische Prinzipienkiste christlicher Weltanschau-
ung à la Nächstenliebe, Gottesfurcht und Schöpfungsauftrag ganz
ungefragt die "gleichen ethischen Ziele", aber nur um sie daran
ganz gehörig zu blamieren. Von Argumenten und Einwänden gegen
Atomkraftwerke, etwa wegen ihrer auch von ihm nicht bestrittenen
Gefährlichkeit hält er nämlich gar nichts. Die sind samt und son-
ders inkompetent, was er als Fachmann und Mitkonstrukteur des HTR
in Hamm-Uentrop schließlich wissen muß. Sein Befund lautet näm-
lich:
"Um ein Vielfaches gefährlicher als die Kernenergie ist die Kern-
energie-Diskussion: So wie sie geführt wird, verstellt sie den
geistigen Zugang zu Problemen, auf deren Lösung mindestens die
halbe Menschheit angewiesen ist."
Das sitzt ja wohl! Um wieviel millirem Caesium mehr enthält denn
1 Teil Diskussion im Vergleich zu 1 Teil Kernenergie? Sei's drum:
Verantwortungslos handeln diejenigen, denen die Kernenergie nicht
so recht einleuchten will. Welche Gründe sie haben, spielt keine
Rolle. Sie weigern sich schlicht, die Kernenergie als einzigarti-
gen Dienst an der Menschheit zu begreifen und sie im Lichte der
doch für alle Menschen guten Willens anstehenden Lösung der
"Weltprobleme" zu verhimmeln. Und solche Leute sind in den Augen
des Professors unmoralisch und müssen sich den Vorwurf der Mit-
schuld am Elend der Welt machen lassen.
Ihre Schlagkraft beziehen des Professors "Argumente" dabei al-
leine aus dem Gedankenexperiment, daß man sich bloß mal vorzu-
stellen braucht, es gäbe hierzulande keine AKWs, und schon hätte
man Katastrophen von weltweitem Ausmaß zu gewärtigen: Die
"ökologische Zerstörung der Dritten Welt, Verschlechterung der
klimatischen Bedingungen, Verteilungskämpfe und Völkerwanderun-
gen" noch und nöcher kämen mit der schicksalhaften Wucht von
Naturkatastrophen über die Menschheit.
"Es würde bedeuten, daß die Überlebenschancen ganzer Völker und
Völkergruppen vermindert würden. Das geschähe aktiv, da die Indu-
strieländer durch ihren Verbrauch Energiepreise und klimatische
Belastungen bestimmen."
Klar: Jemandem, dem es offenbar als die größte Selbstverständ-
lichkeit und wie ein warmer Regen vorkommt, daß die
"Industrieländer durch ihren Verbrauch" dem Rest der Welt, spezi-
ell der "Dritten", die Energiepreise diktieren und überdies die
Maßstäbe für die weltweite Naturzerstörung setzen, will es natür-
lich wie eine kalte Dusche erscheinen, wenn er sich eine Welt
ohne die Geschäftsmittel Atomstrom und Reaktoren ausmalt. Sie
wäre eindeutig ärmer! Bloß für wen? Da Prof. Schwarz, BR Deutsch-
land - bescheiden, wie er ist - ungern von sich redet, krampft er
sich lieber dreimal den "Nachweis" ab, daß die sowieso (!) schon
armen Völker auch in diesem Fall wieder die Gelackmeierten wären:
- Die Ölpreise stiegen! Ja und? Für wen soll das jetzt gut oder
schlecht sein? Zu Zeiten eines niedrigen Ölpreises verhungern we-
niger Leute? Gut, daß es über verlogene Zusammenhänge keine Sta-
tistiken gibt!
- Das Klima verschlechtere sich! Sein prima Klima durch strahlend
saubere AKWs will der Neger doch nicht tauschen gegen Ölpest,
Ozonloch und Hitze? Sein Freund Schwarz unterrichtet ihn in der
westlichen Kunst der Auf-Rechnung!
- Der Weltuntergang stünde kurz bevor! Dies das stärkste und ehr-
lichste Argument unseres Katastrophenprofessors: daß sich ange-
sichts des Größten anzunehmenden Unkenrufes ein Atom-GaU ganz
klitzeklein ausnimmt, ist nun wirklich nicht von der Hand zu wei-
sen!
Also gilt:
Was "erspart" die Kernenergie den Armen der Welt nicht alles!
Wenn das keine Chancen aufs Überleben sind! "Die Nutzung der Ker-
nenergien ist ethisch geboten", folgert Schwarz, und wem das
nicht einleuchtet, kann der Professor ein gewisses Maß an wahn-
hafter Phantasie nicht absprechen:
"Die selektive Wahmehmung von Risiken der Kernenergie ist das Er-
gebnis einer unbewußten oder bewußten Steuerung der Fantasie."
Und solche Leute sind bekanntlich schwer von ihren einmal gefaß-
ten Vonrteilen zu heilen. Aber sie müssen sich vom auch nicht
ganz fantasielosen Fachmann sagen lassen:
"Eine reine Risikobetrachfung würde als Ergebnis ausweisen, daß
das heute erreichte Maß an Sicherheit aus ethischer Sicht zu hoch
ist. Berücksichtigt man jedoch, daß diese (deutsche) Sicherheit
bisher zumindest zur überwiegenden Akzeptanz deutscher Kernkraft-
werke beigetragen hat und unnötig teure Kernenergie mehr Nutzen
stiftet als gar keine, dann scheint unter Berücksichtigung der
Schwäche menschlicher Natur ein gewisser sicherheitstechnischer
Luxus zwar nicht gerechtfertigt, aber doch hinnehmbar zu sein."
Wie gnädig, der Herr - Er, der sich doch auf seine Fähigkeiten in
Sicherheitsfragen einiges zugute hält, kann die Sicherheitstech-
nik deutscher AKWs mit seinem Gewissen eigentlich nicht vereinba-
ren. Aber worauf muß man nicht alles Rücksicht nehmen, wenn man
sich als Baumeister von Gottes Gnaden wähnt und sich an den
"Schwächen der menschlichen Natur abarbeiten muß. Daß der Otto
Normalverbraucher nur mit übertriebenem Kostenaufwand in punkto
Sicherheit zur "Akzeptanz" gebracht wurde, ist zwar eine Lüge -
die Dinger werden den Leuten schließlich auf staatlichen Beschuß
einschließlich der offenbar unerläßlichen Katastrophenschutzmaß-
nahmen vor die Nase gesetzt -, sie kennzeichnet aber den Geistes-
zustand dieses Atomprofessors: Was AKWs anbelangt, sind die Leute
einfach nicht ganz bei Trost. Da wäre z.B. Tschernobyl: So etwas
ist doch, laut Schwarz, hier schon wegen der anderen Technik gar
nicht möglich. Klar, die Möglichkeit einer dicken radioaktiven
Wolke will auch er nicht einfach leugnen. Bloß, aufgepaßt vor
"selektiver Wahrnehmung", man denke nur mal an die sonst überall
lauernden Gefahren des täglichen Lebens, die "wir zurecht igno-
rieren"! Oder das berüchtigte Plutonium - da kennt der Fachmann
noch ganz andere "leicht zugängliche natürliche und chemische
Giftstoffe", die man doch auch ganz selbstverständlich schluckt,
ohne sich künstlich aufzuregen. Kurz: Man muß nur das Kindergar-
tenargument beherrschen, die Kernenergie mit allen anderen mögli-
chen Gefahren vergleichen, um wieder auf den Boden der Tatsachen
vernünftig denkender Menschen zu kommen. Und schon kann man auch
den "abschließenden Vergleich" des Atomexperten mitmachen:
"Nach meiner Schätzung sind die Risiken der Kernenergienutzung
etwa eine Million mal kleiner als die Risiken eines Verzichts auf
Kernenergie."
Quod erat demonstrandum!
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