Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart


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       Die SPD  bietet -  was sie schon immer und als einziges zu bieten
       hat - einen durch und durch verlogenen Schein von Alternative
       

OPPOSITIONELLES ZUR ATOMKRAFT

Die SPD leistet zur Atomenergiepolitik der BRD und zur Kunst des heuchlerischen Herumproblematisierens aus der Opposition heraus zwei typisch sozialdemokratische Beiträge. Der eine ist mehr philosophischer Natur und besteht darin, daß der Vogel der Partei Tiefgründiges über die Menschennatur von sich gibt, die den Gefahren der Atomkraft letztlich eben doch nicht gewachsen wäre. Wie immer, wenn Sozialdemokraten das Grü- beln anfangen, ist hier nichts als parteitaktische Berechnung am Werk: Der tatkräftige Einsatz der Partei für Auf- und Ausbau der Atomwirtschaft zu Zeiten, als sie noch an der Regierung war, wird rückblickend zur Konsequenz eines vielleicht etwas übertriebenen Fortschrittsglaubens veredelt. Der angebliche Gesinnungswandel wird als Feier der eigenen Lernfähigkeit inszeniert, um de- retwillen man allein schon SPD wählen soll. Dabei ist der neue Standpunkt aus solchen Phrasen gezimmert, daß man damit alles rechtfertigen kann, insbesondere die ungebrochene F o r t f ü h- r u n g der bisherigen Atompolitik: Da die "Fortschritts-Sünden der Vergangenheit" ja einmal begangen und nicht rückgängig zu machen sind, "muß" im Ernstfall eines Wahlsiegs natürlich auch ein "nachdenklich gewordener" Vogel "gemeinsam mit den Experten" nach den "besten Lösungen" suchen. Was selbstverständlich um so leichter fällt, je mehr "unveränderliche Erblast" die jetzige Bundesregierung noch aufhäuft... Beitrag Nr. 2 ist die "Warnung vor einem Einstieg in die Plutoni- umwirtschaft". Auch die ist, typisch sozialdemokratisch eben, auf berechnende Weise verlogen. Denn natürlich weiß man auch in der SPD - und zwar nicht erst seit dem Hanauer Skandal -, daß die Bundesrepublik längst eingestiegen ist in die "großtechnische Plutoniumwirtschaft"; schließlich ist sie unter SPD-Führung im Bund und im Land Hessen zum weltweit maßgeblichen Aktivisten beim Umschlag auch dieses Materials geworden. Das alles fällt also schon mal nicht unter die "kerntechnischen Risiken", denen die Partei in letzter Minute auszuweichen verspricht. Und wenn die regierende Koalition erst Wackersdorf fertigstellen läßt und wo- möglich auch noch den Schnellen Brüter in Betrieb nimmt, dann ist der gefürchtete "Einstieg" passiert - und eine sozialdemokrati- sche Mannschaft wäre die letzte, die es sich mit einem Wieder- Ausstieg "einfach machen" würde... So schickt die SPD sich an, mit ihrem typischen entschlossenen "leider" haargenau das weiterzumachen, wovon sie sich bei den re- gierenden Christen distanziert, um mit "Problembewußtsein" bei den Atomkraftgegnern und -skeptikern Wählerstimmen abzusahnen. Das grüne Sonderangebot: ------------------------ Folgenlose Triumphe für ein beleidigtes --------------------------------------- oppositionelles Rechtsempfinden ------------------------------- Die Grünen, mit denen die SPD da konkurriert, unterscheiden sich von der sozialdemokratischen Position durch ihre größere Entfer- nung von der Regierungsmacht. Denn daß alle "Schicksalsfragen" der modernen Gesellschaft G e w a l t f r a g e n sind und durch die politische M a c h t entschieden werden, die man nicht brechen, sondern erst einmal demokratisch erobern muß, das ist für sie die unantastbare Grundlage aller Politik; das ist ihr ganzer Daseinsgrund und -zweck als parlamentarische Partei. Und daß abweichende Auffassungen von den "nationalen Schicksalsfra- gen" sich immer mehr verlieren müssen, je näher sich eine Partei an den Beruf der Ausübung nationaler Macht heranarbeitet, ist den Grünen ebenfalls geläufig; das ist der Inbegriff ihrer "Politikfähigkeit", auf die sie so stolz sind. Je nachdem, wie nahe sich ein Parteiflügel oder -prominenter der Staatsgewalt fühlt - und da denkt eine Parlamentsfraktion allemal "machtbewußter" als eine auf griffige Wahlkampfunterscheidungen bedachte Parteispitze und ein Ex-Minister "realistischer" als eine Philosophentochter -, nähert sich die grüne Alternative wie von selbst der sozialdemokratischen an. In der Definition der nächstliegenden praktischen Oppositionsauf- gaben unterscheiden sich die Grünen ohnehin kaum noch von ihrem "großen Bruder". Da tun sie schlicht, was das staatstragende Amt der Opposition in der Demokratie gebietet: Sie schauen den Regie- renden auf die Finger und hauen ihnen drauf - mit starken Worten -, wenn die allzu sichtbar vom Ehrenkodex ihres Jobs abweichen. Darunter braucht die grüne P e r s p e k t i v e natürlich nicht zu leiden: "Die Offenlegung der Akten und die Offenlegung der Fakten, die Beweise für die jahrelange Illegalität der Atombetriebe könnten unter ganz legalen Gesichtspunkten einen enormen Stillegungsdruck auf die Hanauer Atomfabriken ausüben.'' (J. Fischer zum grünen Endzweck des Untersuchungsausschusses des Hessischen Landtags) D i e s e n "Druck" werden die Hanauer Betriebe leicht aushal- ten; um so leichter, nachdem sie von der CDU-Regierung "unter ganz legalen Gesichtspunkten" einer gründlichen rechtlichen Weiß- wäsche unterzogen worden sind. Fischer weiß selbst, daß seine theatralische "Offenlegung" von "Beweismitteln" nur eines bewir- ken k a n n: eine blöde moralische Genugtuung unter ehemals em- pörten Gegnern. Ist es vermessen anzunehmen, daß er mehr auch nicht w i l l?! zurück