Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 12, 13.05.1981
       

ATOMPOLITIK UND ATOMTECHNOLOGIE

Wieder einmal hat es einen "Zwischenfall" beim Betrieb eines Atomkraftwerks gegeben; diesmal in Tsuruga in Japan. Die Tatsache, daß 48 Arbeiter, die mit Putzlumpen und Eimern das ausgetretene "hochradioaktive Wasser" in die naheliegende Meeres- bucht geschafft haben und bei dieser Entsorgungsaktion entspre- chend verseucht wurden, ist Anlaß genug, "die Lehren aus Tsuruga" zu ziehen: Hierzulande kann es zu solchen Pannen nicht kommen, weil diese "Lehren" längst gezogen wurden; hier werden die herangezogenen Tagelöhner nicht einfach unkontrolliert verseucht, sondern bei jedem einzelnen wird - wie man bei der Entseuchung von Grundrem- mingen bewundern durfte - darauf geachtet, daß er nur so lange radioaktives Wasser wegschafft, bis er seine amtlich anerkannte Lebensdosis beieinander hat; da können sich die 1400 verheizten Arbeiten ganz sicher sein und die deutsche Journalisten die eigentlichen Fragen aufwerfen. "Aber die schwersten und durch nichts zu entschuldigenden Sünden wurden in Tsuruga von der Werksleitung durch ihre bewußte Ver- heimlichung des schweren Zwischenfalls begangen." (Südd. Zeitung, 25./26.4.81) Was die "Verantwortlichen" zu Anwärtern fürs Fegefeuer macht, ist, daß "solche Gepflogenheiten verheerende Folgen haben können" - für was wohl? Na klar, für die staatliche Atompolitik, denn so- was schafft doch bloß unnötigerweise "gesteigertes Mißtrauen"! Bei solchen Debatten ist die Notwendigkeit des "Einsatzes der Kernenergie" längst kein Problem mehr. Ein schlichter Verweis auf Prozentzahlen der Ölimporte für den Energiebedarf eines Staates genügt, um sich als - wenn auch bedenklicher - Parteigänger die- ser Art der nationalen Energiesicherung aufzuführen. Was in diesen Debatten ausgelesen, ideologisch aufbereitet und verantwortungsvoll zurechtgestutzt wird über die Zwecke, die öko- nomischen und politischen Kalkulationen, die Art und Weise, wie diese nicht beherrschte Technik sicher und profitabel gemacht wird, dies alles und noch einiges mehr ist nachzulesen in der Broschüre der MG: Atomtechnologie und Atompolitik Eine Fallstudie über Parteilichkeit in der Naturwissenschaft, das staatliche Atomprogramm und die Ideologien seiner Kritiker. zurück