Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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STATT "ATOMKRAFTWERKE ABSCHALTEN" -
DIE ATOMPOLITIKER AUSSCHALTEN!
Nach der Atomreaktor-Katastrophe in Tschernobyl ist in der BRD
die Forderung aufgekommen, die Atomkraftwerke hier 'abzuschal-
ten', und zwar umgehend.
Neben einigen Lügen über die unvergleichliche Sicherheit der bun-
desdeutschen Atomstromproduktion wurde dieser Forderung gleich
die "Frage" entgegengehalten: Wie soll die Stromversorgung denn
sonst geregelt werden?
Bevor man sich diesen Einwand zu eigen macht oder eigene Fachsim-
peleien dagegen setzt, empfiehlt es sich, auf die berechnende
Bösartigkeit dieser Entgegnung einige Aufmerksamkeit zu ver-
schwenden.
1. Da haben einmal ein paar Leute entdeckt, wie schädlich die
Sorte Energiefreisetzung ist, mit der in AKWs Strom erzeugt wird.
Da ist mal einige Verwunderung darüber laut geworden, wie locker
die Vergiftung von Land und Leuten auch hierzulande ins nationale
Stromversorgungsprogramm einkalkuliert ist. Aber bevor sie sich
beschweren und auf Abhilfe dringen dürfen, sollen sie gleich ein
komplettes Alternativprogramm aus der Tasche ziehen. So werden
Bedenken nicht widerlegt, sondern schlicht mundtot gemacht.
2. Ein "realistisches" Stromversorgungsprogramm o h n e Atom-
kraftwerke, wie es da verlangt wird - und über das sich jetzt auf
einmal alle politischen Parteien und sogar unser aller Bundesprä-
sident ganz furchtbar angestrengt den Kopf zerbrechen -, soll
selbstverständlich h a a r g e n a u d a s s e l b e leisten
wie die Energieproduktion m i t AKWs. So wird von vornherein
jeder Gedanke an die wirtschaftlichen Zwecke, denen die gefährli-
che und gesundheitsschädliche Atomstromerzeugung so prächtig
dient, mit einem dicken Verbot belegt. Dafür wird nicht einmal
mehr groß mit der Lüge herumhantiert, AKWs wären für "unsere"
Kühlschränke und Glühbirnen unerläßlich. Sie werden gebraucht,
z.B. damit die Strategen in Bonn die Versorgung der Nation mit
Energie immer souverän im Griff behalten, sich von niemandem
einen Preis diktieren lassen müssen - sondern das selber tun -;
und auch damit die NATO unter Reagans Kommando Libyen bombardie-
ren kann, ohne daß gleich wegen dem libyschen Öl
"Versorgungsprobleme" auftreten. AKWs werden gebraucht, z.B. da-
mit die Strategen in Bonn unter eigener Hoheit eine Atomindustrie
beieinander haben, mit der bei Bedarf von heut' auf morgen eine
A t o m m a c h t herzustellen ist. Das alles soll selbstver-
ständlich so weitergehen - wie soll man da eine "realistische Al-
ternative" ohne Atomkraft hinkriegen? Allenfalls durch energi-
sches Vorwärtsdenken: So wie nach der einfachen Atombombe die
Wasserstoffbombe kommt, so nach der Energieproduktion durch Uran-
Kernspaltung vielleicht die durch Wasserstoff-Kernfusion - da-
durch würde zwar nichts sicherer, aber Deutschland bliebe Spitze!
3. Wenn jetzt immer noch Alternativen verlangt werden, dann steht
eins schon von vornherein fest: Wer keine AKWs will, der muß auf
alle Fälle bereit sein, mindestens die gleichen O p f e r zu
bringen wie die, die das nationale Energieprogramm bisher schon
fordert. Der große Strompreis, den die kleinen Abnehmer berappen
müssen, ist da nur ein Posten in der Rechnung. Die Gesundheit ge-
hört genauso selbstverständlich zu den fälligen Kosten. Klassisch
hat das einst der SPD-Bundeskanzler Schmidt ausgedrückt: Wer
keine radioaktive Verseuchung durch AKWs will, der soll sich ge-
fälligst die Arbeitsbedingungen und Todesraten in deutschen Koh-
legruben ansehen... So wird die Schinderei in der Zeche des Ruhr-
gebiets zum guten Grund, eine Jahr für Jahr zunehmende Strahlen-
menge zu schlucken. Und wenn irgendwann neue Zumutungen fällig
werden - oder auch mehr von den altvertrauten: viel Gas in der
Luft und Smog das halbe Jahr über -, weil "Energieversogung" und
"Konkurrenzfähigkeit" es brauchen, dann steht die prima Begrün-
dung d a f ü r schon heute fest: die Strahlenschäden von
Tschernobyl zum Beispiel... Frech wird so getan, als wäre es ein
Sachzwang der Technik oder der Natur, daß immer bloß zwischen
verschiedenen Schäden und Opfern zu wählen ist und nicht der
"Sachzwang" konkurrenztüchtiger Weltgeschäfte, u.a. mit profit-
bringenden Stromerzeugungsapparaten, sowie einer ehrgeizigen
Weltmacht im Herzen Europas.
Wie man es auch dreht und wendet: Die Aufforderung, jeder, der
gegen das Atomenergieprogramm der BRD Bedenken hat, sollte gefäl-
ligst erst einmal eine gleichwertige Alternative garantieren,
legt jedermann auf den kapitalistischen und imperialistischen
Grundsatz fest, daß Opfer und Schäden nur durch andere, größere
Schäden und Opfer zu vermeiden sind. Eine liebliche Rechnungs-
weise!
Leider ist die hierzulande lautgewordene Forderung nach Abschal-
ten der AKWs nie so schlau, wie die Entgegnung frech ist. Ihre
Befürworter fangen alle das Rechnen an, daß "man" doch auch ohne
Atomstrom zurechtkommen könnte - und blamieren sich an den viel
weiterreichenden Erfolgsstrategien der Atomindustrie und ihrer
politischen Betreuer und Benutzer. Es ist eben allemal inkonse-
quent, sich bloß gegen ein paar M i t t e l und nicht gegen die
Zwecke zu wenden, denen die Politik der Stromerzeugung aus Atom-
kraft dient. Wer gegen den nationalen Ehrgeiz beim Beherrschen
des Weltmarkts und beim Aufrüsten in Richtung Atommacht sonst
nichts einzuwenden hat - und diese Fortschritte kosten das
geehrte Volk ja auch ohne radioaktive Verseuchung einiges, an
Verarmung und Krankheit -, der kommt mit seinem Erschrecken über
die einbetonierten Atombomben in den verschiedenen Landschaften
Deutschlands allemal zu spät und kann sich seinen Ruf nach
'Abschaltung' gleich an den Hut stecken: Es wird nie mehr daraus
als ein ohnmächtiges Ideal.
Sehr gescheit ist es allerdings erst recht nicht, wenn den mei-
sten Leuten noch nicht einmal an einem mittelgroßen Reaktorun-
glück in 2000 km Entfernung und dessen verheerenden Auswirkungen
auffallen will, wie die Atomstrompolitiker der BRD mit ihren ge-
schätzten Mitbürgern kalkulieren. D e r e n Rechnung ist sehr
eindeutig: Entweder e s l o h n t s i c h, in Deutschland und
mit dem bundesdeutschen Volk dem Rest der Welt einen erfolgrei-
chen Konkurrenzkampf aufzuwzingen; d a n n sind die die Gesund-
heit der Leute und eine gigantische Verseuchungsgefahr k e i n
z u h o h e r P r e i s. Oder man läßt Vorsicht und Behutsam-
keit beim Umgang mit dem nationalen Menschenmaterial walten; dann
können Staatsgewalt und Geschäftswelt aber gleich ihr Allerhei-
ligstes: ihren Konkurrenzerfolg vergessen. Und dieses "oder"
kommt für keinen bundesdeutschen Politiker in Betracht.
Höchste Zeit, daß d i e R e g i e r t e n sich mal um
d i e s e "Alternative" kümmern...!
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