Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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CÄSIUM AUF DEN TISCH
Was hat ein deutscher Politiker zu tun, wenn radioaktives Gift so
ziemlich jedes Lebensmittel ungenießbar macht?
Erstens legt er eine Giftmenge fest, die dadurch "unbedenklich"
ist, daß sie einerseits den Konsumenten nicht gleich unter die
Erde bringt und gleichzeitig die dauerhafte Versorgung mit sol-
chen Produkten als Geschäftsmittel der heimischen Le-
bensmittelbetriebe sichert. Darüber hinausgehende Konzentrationen
sind furchtbar giftig, so daß mancher Salat und Spinat "aus dem
Markt genommen" und dem Geschäftsmann der Schaden ersetzt wird.
Zweitens ist die Dauerhaftigkeit des Giftes hier nicht uninteres-
sant. Wenn es - wie Cäsium - mindestens dreißig Jahre hält, kommt
ein verantwortungsvoller Politiker umso weniger umhin, es ge-
wissenhaft kontrolliert zuzulassen. Er will immerhin das Überle-
ben des heimischen Agrargeschäfts auf eine lange Zukunft gewähr-
leisten!
Das erfordert drittens, daß er sich mit den anderen EG-Land- und
Wirtschaftsministern auf Vorschriften in Sachen Giftmenge einigt,
die der Nation dadurch nützen, daß sie die Geschäfte mit der Pro-
duktion dieser Nahrungsmittel im europäischen Maßstab fördern.
Dafür darf es keine h i n d e r l i c h e n Grenzwerte geben.
Den übrigen Nicht-EG-Produzenten auf der Welt hat man im Gegenzug
den Zugang zum hiesigen Markt zu erschweren. An d i e s e r
Front läßt man den "Verbraucherschutz" voll zuschlagen. Daß deren
Zeug vielleicht weniger Gift abbekommen hat, soll "unseren" Waren
keine Konkurrenz machen dürfen - je Ausland, desto Gefahr.
Bis irgendeine Gesundheitsbehörde bemängelt, daß so das Angebot
an radioaktiven Lebensmitteln nicht e i n h e i t l i c h gere-
gelt sei. Als seien e i n h e i t l i c h e 600 Becquerel das-
selbe wie gesund. Als hätte der Staat etwas vergessen und nicht
b e s c h l o s s e n, daß er auf europäischen Tischen europäi-
sches Cäsium für ziemlich selbstverständlich hält.
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