Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE ALLGEMEIN - Von der strahlenden Gegenwart
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Kernenergie
EIN 'HISTORISCHER KOMPROMISS'
Zwei Beteiligte der von der Bundesregierung eingesetzten Enquete-
Kommission für die künftige Energiepolitik haben die von den Kom-
missionsmitgliedern unlängst selbst geäußerte Sorge, die von ih-
nen entworfenen 'Szenarien' für das Jahr 2030 würden überhaupt
nicht zur Grundlage der Energiepolitik gemacht, sondern seien nur
die Begleitmusik zu den nach anderen Kriterien getroffenen Ent-
scheidungen, eine salomonische Antwort gefunden. Nachdem der Bun-
deskanzler selbst schon auf die Idee gekommen war, die verstärkte
Förderung von Kohle und damit in Zusammenhang stehender techni-
scher Verfahren als A b k e h r von der Kernenergie zu verkau-
fen, also als Zugeständnis an Kernkraftgegner, die nun ihrerseits
als echte Demokraten für die existierenden und künftig gebauten
Kernkraftwerke zu sein hätten, haben sich zwei wissenschaftliche
Geistesriesen den Trick abgeschaut: Die zukünftige Energiepolitik
muß ein "Kompromiß" sein. Die beiden Größen - der eine Prof. Dr.
Klaus-Michael Meyer-Abich, Leiter der Arbeitsgruppe Umwelt, Ge-
sellschaft, Energie der Uni Essen; der andere Prof. Dr. Wolf Hä-
fele, Mitarbeiter der "west-östlichen Denkfabrik" Laxenburg bei
Wien - konnten zwar noch kein schnelles Ergebnis vermelden, weil
sich die Experten noch streiten, waren sich aber immerhin der po-
litischen Tragweite ihres Auftrages und der damit verbundenen
Wirkung auf ihren wissenschaftlichen Ruf voll bewußt.
"Sollte die Kommission ohne Einigung auseinander gehen, würde
ihre Empfehlung an den Bundestag so gut wie kein Gewicht haben."
(Süddeutsche Zeitung, 30.5.1980)
Eine ausgewogene 'Empfehlung', die sich nicht als völlig neben
den Entscheidungen der Politiker liegend blamiert, sieht so aus,
daß auf alles, was Energie hergibt und einspart, gesetzt wird,
und somit auch Verfechter 'alternativer' Energiequellen zu ihrem
Recht auf Gehör kommen. Zur einen Seite des "historischen Kompro-
misses", den die Wissenschaftler vorschlagen, gehört also das
Kernenergieprogramm der Bundesregierung, so wie es betrieben
wird.
"Die andere Seite des Kompromisses bedeutet, daß der alternative
Weg der sogenannten 'weichen Energiequellen' wie Energieeinspa-
rungen" (das Hobby Meyer-Abichs) "sowie Sonnen- und Windenergie
ernsthaft beschritten wird... Erst wenn eine echte Vergleichbar-
keit beider Wege hergestellt sei, könne man Entscheidungen fäl-
len, welcher zu gehen sei."
Sehr diplomatisch., die Herren Professoren, und fast so gut wie
die Unverfrorenheit der Regierung, das Kernenergieprogramm als
'Offenhalten von Optionen' oder, noch besser, als 'Ausstieg aus
der Kernenergie' zu verkaufen. Die entwickelte Vorstellung einer
Entscheidung im Jahre 2000 soundso ist zwar saublöd, weil die
Sonnenenergie selbst mit dem schönsten Forschungsprojekt nur zu
einer Alternative wird, wenn sie tatsächlich eine rentable ist,
und die Einsparung von Energie schon gleich auf deren ständigem
V e r b r a u c h beruht, aber die collegae können gegen eine so
philosophische Lösung - man kann sie noch um Stein- und Braun-
kohle, Erdwärme und Wärmespeicher ergänzen - im Grunde nichts
mehr einzuwenden haben. Schließlich waren sie sich ja auch nicht
zu blöde, bei dem Projekt, den energiepolitischen Maßnahmen des
Staates die Aura naturwissenschaftlicher Notwendigkeit zu verlei-
hen, mitzumachen.
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