Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK INNERE-SICHERHEIT - Vom demokratischen Kontrollwesen


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       Nach gründlichen Recherchen hat die "BSZ" es herausgefunden:
       

"GEFÄHRLICH: DIE SOG. MG"

Nach RCDS, SLH, Jusos und MSB will nun auch die AStA-Zeitung "BSZ" nicht länger abseits stehen und veröffentlicht "die Recher- che der beiden Hamburger Professoren Dirk Käsler und Herbert Schnädelbach über die sog. "Marxistische Gruppe" serienmäßig als "Beitrag für die BSZ". Es fragt sich allerdings: Wußten und wissen die jeweils presse- rechtlich Verantwortlichen überhaupt, wer der Auftraggeber jenes dubiosen "Dossiers" ist? Daß es mal in Hamburg mal in München und mal in Bochum auftaucht, läßt auf einen "straff organisierten" Verteilerring schließen. Daß es kommentarlos mal im Yuppie-Maga- zin "UNICUM"; mal in linken Publikationen abgedruckt wird, läßt die politische Ausrichtung des Machwerks als hochgradig "undurchsichtig" erscheinen - Phänomene, die ganz offensichtlich den "Vergleich mit einem Mafia-ähnlichen Geheimbund nahelegen". "Mafia-ähnlicher Geheimbund"? Sollte etwa die MG eigenhändig...?! Sollten etwa die Herren "Käsler und Schnädelbach" in Wirklich- keit, unter dem "Tarnmäntelchen" des Anti-Marxismus...?! Sollte das Pamphlet etwa ein raffiniert inszeniertes Ablenkungsmanöver von den wahren Absichten der MG sein? Sollte "die Systemfrage" etwa dadurch salonfähig gemacht werden, indem man lauter ausge- machten Schmarrn (= bayrisch für Kappes!) gegen sie in Umlauf setzt...?! Wir wissen es auch nicht. Wir wissen nur, daß uns gestern ein ex- trem 'autoritär" gehaltener Anruf aus unserer "Zentrale" in Mün- chen oder so (oder war es Pullach bei München?) erreichte, in dem uns "ohne wesentliche Delegierung von Verantwortung nach unten" (oder war es oben?) bei gleichzeitiger Androhung des Entzugs un- serer "sozialen und psychischen Abhängigkeit von der Organisa- tion" befohlen wurde, die von langer Hand vorbereitete Kritik an "diesem saublöden Artikel in der BSZ" abzudrucken. Wird gemacht, Don! All jenen, die an den niedergelegten Vorwürfe gegen die MG etwas finden, können wir deren Widerlegung also auch diesmal nicht er- sparen. "Gefährlich: Die sog. MG In Seminaren sprengen sie mit ihren nihilistischen Wortbeiträgen und ihrer Reduzierung aller Fragen auf die Systemfrage des Kapi- talismus jede Diskussion. Im Mensa-Foyer protzen se mit ihrer Bochumer Hochschulzeitung. Daß unter dem Tarnmäntelchen des Mar- xismus eine gefährliche Sekte mit reaktionär-konservativem Gedan- kengut steckt, haben zwei Hamburger Wissenschaftler recherchiert. Den ersten Teil der BSZ-Serie über die sog. Marxistische Gruppe auf Seite 2" Allgemein ist vorauszuschicken, daß die sog. "notwendige Aufklä- rung über die MG" ihre immense Spannung aus der "Erkenntnis" be- zieht, daß die MG stets sozusagen v e r m u m m t argumentiert und auftritt. Die Experten in Sachen "MG" weisen die Universi- tätsbevölkerung darum vorsorglich darauf hin, daß den Argumenten der MG beim besten Willen nicht zu entnehmen sei, "was sie will" und "wer sie ist" - dies gälte es vielmehr erst durch das Zusam- mentragen bisher unbekannter Hintergrundinformationen zu entlar- ven. Diese Einschätzung wundert uns dem schon ein bißchen. Obwohl uns bescheinigt wird, mit einer "Flut von Publikationen, Plakaten und permanenten Veranstaltungen in Erscheinung zu treten" (was ver- dächtig ist), sollten wir es tatsächlich geschafft haben, konse- quent damit hinterm Berg zu halten, was wir wollen? Das wäre aber dumm - für uns. Andererseits glauben wir daran nicht so ganz. Noch der ahnungsloseste Leser wird mitgekriegt haben, daß wir ge- gen die lebensgefährliche Politik der NATO und der BRD sind; ge- gen den gewalttätigen Reichtum der Nation und die nützliche Armut der Lohnarbeiter, gegen die Dummheit der betriebenen Wissen- schaft. Da in besagten Einlassungen über die "wahren Absichten der MG" aber weder Erkundigung nach, noch Kritik an diesem Standpunkt auch nur probiert wird, können wir uns des Eindrucks nicht erweh- ren, daß diese "Aufklärer" unsere Zeitungen und Auftritte viel zu gut verstanden haben - und sie deshalb für "unverständlich" = diskussionsunwürdig deklarieren! Von wegen: nix kapito! Weil wir gegen all das sind, was ihnen lieb und teuer ist, fällt ihnen die Klarstellung ein, daß es sich nicht gehört, Einwände dagegen vorzubringen, und bemühen den für diese Fragen dann noch einzig kompetenten Kronzeugen: "Wer ist, was will eigentlich die MG? Darüber ist kaum etwas be- kannt. Man muß schon den Verfassungsschutzbericht (1985, S. 103/105) bemühen, um zu erfahren, daß die MG mindestens 1700 Mit- glieder und einige tausend Sympatkisanten hat." Also macht man sich nun munter an die Aufdeckung von "Hintergründen" und "Motiven" dieser organisierten verwerflichen Gesinnung und verfaßt unter dem Vorwand, über diesen Verein end- lich Aufklärung leisten zu müssen, einen sozial-psychopathologi- schen Steckbrief. (Wir zitieren im folgenden aus dem Original). 1. "Was ist die MG?" -------------------- "Auch wenn sie sich ursprünglich aus den Ende der 60er Jahre ent- standenen "Roten Zellen" entwickelt hat, darf sie nicht mit den der DKP nahestehenden Studentenorganisationen oder den sog. K-Gruppen verwechselt werden. Es handelt sich bei der MG um eine straff zentralistisch und streng hierarchisch organisierte Verei- nigung, die an rund 40 Hochschulen im Bundesgebiet vertreten ist... Gliederung und leitende Gremien der MG wenden streng geheim ge- halten... Die Finanzquellen der MG sind undurchsichtig, es gibt Informatio- nen darüber, daß von Mitgliedern und "Kandidaten" erhebliche Ein- kommensanteile abgepreßt werden... Wesentliche Merkmale der MG sind; strikte Geheimhaltung - nach außen und innen - von Organisationsstruktur, Mitgliedschaft, Fi- nanzierung und politischer Zielsetzung eine extrem hierarchische Verbandsgliederung bei gleichzeitigem autoritärem Führungsstil der Zentrale, ohne wesentliche Delegierung von Verantwortlichkeit nach unten; die Forderung ständiger Bewährung des einzelnen "Sympathisanten", "Kandidaten", "Mitglieds" mit entsprechend ri- gider Uberprüfung, die Durchsetzung materieller, sozialer und psychischer Abhängigkeit der Einzelmitglieder von der Organisa- tion. Dies zusammen legt den Vergleich der MG mit einer Jugend- sekte oder einem Mafia-ähnlichen Geheimbund nahe; es wäre naiv zu glauben, die MG wäre nur eine studentische Hochschulgruppe und nichts sonst..." Wir sind einfach unverwechselbar - schlecht. Aber woran mag das liegen? - Am "straffen Zentralismus" und der "strengen Hierarchie"? Das ist bei Opel, der katholischen Kirche, dem Deutschen Fußballbund doch ein übliches und zumeist anerkanntes Organisationsprinzip. Außerdem: Würden die Entdecker dieses Prinzips eigentlich gerne "Verantwortung von unten" übernehmen wollen in einem Verein, den sie sowieso nicht leiden können?! - An der Abschirmung gegen die Neugier von Verfassungsschützern und Denunzianten? Sollen wir unsere Mitgliederkartei gleich an Zimmermann schicken? - An den "undurchsichtigen Finanzquellen"? Da muß eine Verwechs- lung mit der F.D.P., der Konrad-Adenauer-Stiftung oder dem Opus Dei vorliegen. Unser Spendenkonto lautet ganz offen auf den "Verein zur Förderung des studentischen Pressewesens" und hat die Nummer 10609-800 beim PSchA München; Spendenquittungen gibt es allerdings keine. - Am "Abpressen erheblicher Einkommensteile"? Aber klaro! Schließlich sind wir eine Zwangskörperschaft, bei der jeder Deutsche seinen Obulus abzuliefern hat und den wir im Namen unserer "Sachzwänge" ganz "erheblich" schröpfen: mit Freibeträgen ab dem dritten Kind, sofortigem Abzug an der Quelle bei Kleinverdienern und garantiert marxistischer Steuerfahndung. - An der "Forderung ständiger Bewährung"? Mit der Pfadfindermo- ral, jeden Tag aus lauter Bewährung vor einem "guten" = höheren Zweck eine Oma über die Straße zu zerren, haben wir nichts zu schaffen. - An der "materiellen, sozialen und psychischen Abhängigkeit der Einzelmitglieder von der Organisation"? Das riecht doch ein biß- chen nach Projektion. In besseren bürgerlichen Berufen soll es das ja geben: Da gilt man nämlich als feiner Maxe, wenn man dar- über befindet, wieviel Geld andere Leute verdienen, auf welche Stufe der Karrierenleiter sie gehören und ihnen auch noch das Ge- fühl gibt, in der Firma bestens aufgehoben zu sein. - Am "autoritären Führungsstil der Zentrale"? Das Unfehlbarkeits- dogma hat die katholische Kirche erfunden, nicht wir. Und über "Führungsqualitäten" läuft so manche demokratische Konkurrenz um die Macht im Staate ab - ohne daß studierte Leute gleich das Fin- sterste vermuten; im Gegenteil. Gegen nichts von alledem haben die Erfinder dieses Steckbriefes auch nur das Geringste einzuwenden, wenn a n e r k a n n t e A u t o r i t ä t e n der bundesdeutschen Gesellschaft es wirk- lich treiben. All "dies zusammen" ergibt - bei den F a l s c h e n - freilich die Beschwörung einer dunklen Gefahr: "Jugendsekte", "Mafia". Was der bürgerliche Verstand für Merkmale des organisierten Verbrechens hält, ist messerscharf dingfest ge- macht worden: es ziemt sich nicht und wird trotzdem planmäßig be- trieben. So ist die Botschaft klar, auch wenn keine der benutzten Beschwörungsformeln sie begründet: ein "Geheimbund", dessen Poli- tik darin besteht, seine wahre Natur zu verschleiern - dies das passende Bild, das nach Entlarvung förmlich schreit: 2. "Was vertritt die MG?" ------------------------- "Die MG ist vor allem keine marxistische Organisation; schon eine flüchtige Lektüre ihrer Publikationen zeigt, daß das Wort "marxistisch" bloße Fassade ist. Kurse über das "Kapital" sollen der MG Mitglieder zuführen, sonst aber kommt Marx nicht weiter vor... Überhaupt ist schwer auszumachen, was die MG positiv ver- tritt; im Prinzip "reißt sie alles herunter", was irgendwann von irgend jemandem vertreten wind. Dieser bodenlose und grenzenlose Kritizismus ist die Außenseite einer nihilistisch-zynischen Grundhaltung, die ideologiegeschichtlich aus dem Präfaschismus wohlbekannt ist. "Aufklärung" heißt bei der MG immer: "Entlarvung" aller Positionen, Theorien und Interessen durch de- ren Reduktion auf eine bloße Machtfrage; der Rest ist Menschen- verachtung..." Vor allem - aufgemerkt! -: garantiert keinen Marxismus. Das span- nen Rechte, Liberale und Linke "schon nach flüchtiger Lektüre" - und die kennen sich da ja aus. So gut, daß sie sich locker vor- stellen können, ausgerechnet Kurse über "Das Kapital" seien der Köder, "Mitglieder gewinnen" zu können, - wäre es da nicht nahe- liegender, Surf- und Segelkurse, Computerführerschein und gesel- liges Beisammensein mit Alten Herren und erfolgversprechenden Jungpolitikern anzubieten? Und: Wäre den Kritikern unsere Agitation denn lieber, wenn sie sich - wo eigentlich? - das Gütesiegel "garantiert marxistisch" verdient hätte? Oder soll damit gesagt sein, daß sie für einen echten "Marxisten" nur den zu halten belieben, der seine Gesin- nung gleich in fürchterlich konstruktive Vorschläge übersetzt, was man alles "besser machen" könnte? Und etwas "Positives" wäre bei uns ja "überhaupt schwer auszumachen". Genau das leuchtet uns nämlich an dem alten Marx so ein, daß er in seiner "Kritik der politischen Ökonomie" sämtliche Errungenschaften der kapitalisti- schen Wirtschaftsweise einfach "heruntergerissen" hat, ohne sich auf die Dummheit festlegen zu lassen, dann müßte er aber auch dazu eine Alternative liefern. Schon Marx ist dabei ganz ohne "Grundhaltung" ausgekommen: eine "nihilistisch-zynische" hat er wahrhaftig nicht gebraucht, um an Eigentum und Geld, Lohnarbeit und Kredit zu entdecken, daß sie überhaupt nichts Erhaltenswertes an sich haben; eine "positive Grundhaltung", die noch an allen Methoden, den Menschen übel mitzuspielen, eine ehrenwerte gute Absicht entdecken will, hat sich ihm sehr folgerichtig verboten. So halten wir es auch nach Kräften. Solange man uns unsere Kritik des Kapitals und der staatlichen Gewalt, die seine Erfolge hier- zulande und weltweit sichert und fördert, sowie der Ideologien, die das Funktionieren dieser Gewalt als Ordnungsstiftung verklä- ren, nicht widerlegt, müssen wir den Vorwurf eines "bodenlosen und grenzenlosen menschenverachtenden Zymismus" an jene elitären Intellektuellen zurückgeben, die bei Kritik gleich gar nicht erst auf das vorgebrachte Argument achten, sondern auf einen defekten Geisteszustand oder Bösartigkeit oder beides "schließen". Woher diese Sicherheit, daß der Wille, Schädliches abzuschaffen, nie und nimmer begründet sein kann? Ein so bedingungsloser Anti-Kritizismus im Namen des "Positiven" ist uns jedenfalls aus dem demokratischen Autoritätsglauben nur allzu gut bekamt; und wir brauchen gar nicht in die Ideologiege- schichte zurückzugehen, um darin den "Sumpf" des faschistischen Ordnungskreuzzuges gegen "zersetzende Kritik" zu "entlarven". 3. "Wie arbeitet die MG an der Universität?" -------------------------------------------- "Sie organisiert nicht die Wissenschaftlichen und politischen Interessen von Studenten, die sie zumeist offen verachtet und ablehnt, sondern sie arbeitet konspirativ. Fachfremde Mitglieder der MG, die manchmal nicht einmal Studenten sind, müssen in Lehrveranstaltungen agitieren; dabei kontrollieren sie sich gegenseitig, und sie werden zusätzlich von höheren Funktionären beobachtet und beurteilt. Sie verteilen sich in der Regel unauffällig im Auditorium und übernehmen dann vor allem zwei Rollen: Die einen sammeln durch ständiges Mitschreiben Material für völlig entstellende und unqualifizierte Beiträge in den Publikationen der MG, während andere als studentische Teilnehmer zu erscheinen suchen und sich an den Diskussionen "beteiligen"... Da es sich dabei im wesentlichen um das planmäßige Absolvieren verschiedener Etappen eines Agitationstrainings handelt, dessen Erfolge und Mißerfolge "oben" registriert werden, kann und darf sich der MGler weder durch Unmutsäußerungen der Studierenden noch durch Proteste der Lehrenden von seinem Tun abbringen lassen. Sich in einem "Heer" von "Feinden bewährt" zu haben - dies ist das Ziel der Agitationsexerzitien der MG und nicht primär die Mitgliederwerbung oder gar die argumentative Überzeugung Andersdenkender..." Mit dieser Klarstellung - weil wir g e g e n a l l d a s etwas haben, was dieser Staat seinen Leuten an Lebensbedingungen serviert, sind wir recht eigentlich f ü r n i c h t s Bestimmtes - verbleibt nur noch ein Daseinszweck der MG: und der besteht in der puren Demonstration dieses inhaltslosen Kritikastertums selbst. Im Lichte dieser "Erkenntnis", die bei so manchem in Verfolgungs- wahn ausartet, ist das Normalste von der Welt zum Indiz. Leute, die unsere Kritik teilen, sitzen nicht auf ihrem Hintern, sondern verteilen sich konspirativ "unauffällig" im Raum, so daß es jedem gleich ins Auge springen muß. Die "Damen und Herren der MG sind stets korrekt gekleidet" - auffällig korrekt: sie haben ja was zu vertuschen! Für "entstellende Beiträge" machen sie sich die Mühe, "ständig mitzuschreiben" - als wären "unqualifizierte Beiträge" nicht einfacher zu haben. Sie beteiligen sich an der Diskussion (natürlich in Anführungszeichen), nur um sie zu zerstören - dann könnten sie ja auch gleich das Maul halten oder trommeln! Ein "Agitationstraining" soll das Ganze sein, eine Art Härtetraining im Feindesland, ohne jemand in seinen Auffassungen beeinflussen zu wollen - wozu sollten unsere Leute das dann auch noch "trainieren" müssen, wenn es Oropax hierfür auch täte! Die Auflösung ist ganz einfach. Die Parteigänger solch alberner Auffassungen wollen über den I n h a l t unserer Einwände glatt hinweghören - und werfen mit ihrem Pamphlet ein bezeichnendes Licht auf ihre eigenen Beurteilungsmaßstäbe wissenschaftlichen A n s t a n d s! Mit ihrem Sachverstand haben sie die Kritiker nämlich nach den Maßstäben begutachtet, die fürs Konkurrieren im bürgerlichen Ausbildungsbetrieb nun einmal gelten. Sitzen sie ordentlich da? Geben sie den vorgekauten Schwachsinn verständnisvoll wieder? Versuchen sie nach dem Geschmack des Prüfers intellektuell zu glänzen? Und wenn ein paar Leute sich nicht wie Prüflinge aufführen, sondern die vorgetragenen Gedanken prüfen, dann ist das einfach p f u i! zurück