Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK INNERE-SICHERHEIT - Vom demokratischen Kontrollwesen
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WIE KOMMEN MARXISTEN IN DIE SCHLAGZEILEN?
Leicht ist es wirklich nicht. Genau genommen können sie machen
was sie wollen, ohne daß sich eine "Bild"-Zeitung, eine
"Abendzeitung" oder eine "Morgenpost" für sie interessiert. Da
ist der Beckenbauer mit seiner schwarz-rot-goldenen Aufstellung,
das Wetter im Englischen Garten, ein prominenter Selbstmörder,
der Gauweiler mit seinen Aids-Rezepten allemal wichtiger. Marxi-
sten von RHZ oder MAZ mögen das ganze Jahr über reden und schrei-
ben und verteilen, an der Uni, den Schulen und Betrieben - keine
anständige Zeitung will ihr Zeug aufgreifen. Geschweige denn auch
noch dafür Stimmung machen.
Das ist auch nicht verwunderlich. Was sie behaupten, ist auf der
einen Seite einfach ebenso bekannt wie wahr: Daß es kein Vergnü-
gen ist, jeden Tag in der Früh in eine Fabrik einzumarschieren,
die Schicht hinter sich zu bringen, sein Geld einzuteilen - sol-
che Sachen sind wirklich keine Offenbarung. Daß Politiker berech-
nende Krampfbeutel sind, kann man ihnen auch nicht abstreiten.
All das weiß man schließlich "aus Erfahrung", und wenn keine Par-
tei des öffentlichen Lebens was gegen die Arbeitslosigkeit unter-
nimmt, obwohl sie alle sagen, die wäre neben "Frieden" und
"Umwelt" auch so ein Riesenproblem, dann hat man sich auch längst
daran gewöhnt. Auf der anderen Seite nerven einen die Marxisten
ewig mit dem Antrag, man solle den ärgerlichen Erfahrungen auf
den Grund gehen, und sich ausgerechnet als Arbeiter nichts gefal-
len lassen. Als ob gewöhnliche Leute nicht schon genug Sorgen am
und um den Arbeitsplatz, mit dem Geld, der Familie und der Ge-
sundheit hätten! Insofern geschieht es ihnen ganz recht, den Kom-
munisten, daß sie keiner so recht ernst nimmt, obwohl sie
manchmal recht haben.
In die Schlagzeilen kommen sie nur, wenn sie es verdienen, ernst
genommen zu werden. Und das haben sie neulich ausnahmsweise ein-
mal geschafft, allerdings nicht aus eigener Kraft. Daß sie in den
Genuß einer öffentlichen Bekanntmachung gekommen sind, verdanken
sie dem Interesse eines aufmerksamen Redakteurs des Bayerischen
Rundfunks. Seine Aufmerksamkeit gilt allen Regungen im Lande, die
er für irgendwie gefährlich hält. Sein Interesse teilt er mit den
Organen der Staatssicherheit, die darüber wachen, daß Kritiker im
Lande auf keinen Fall gefährlich werden. Und mit dieser grundso-
liden Einstellung hat er sich der MARXISTISCHEN GRUPPE angenom-
men.
Herausgekommen ist dabei erst einmal gar nichts. Daß den Versu-
chen der Marxisten, in Wort und Schrift die Leute dahin zu brin-
gen, daß sie zu Gegnern von Staat und Geschäft werden, kein Er-
folg beschieden ist, hat der Mann schnell gemerkt. Deshalb war
ihm die Agitation, das Kritisieren und Flugblattverteilen der
Marxisten auch keine Silbe wert. Umgekehrt hat er sich laut ge-
fragt, wieso es diese Minderheit immer noch gibt, wo sie doch bei
der Verteilung von Macht und Geld offensichtlich nichts putzt.
Und schon war die Geschichte fertig, die seine Kollegen von der
Presse begierig aufgegriffen haben. Er hat nur ein bißchen
P h a n t a s i e auf eine E n t d e c k u n g anwenden müs-
sen, die der Verfassungsschutz alle Jahre wieder in seinem Be-
richt über die Schandtaten der radikalen Opposition im Lande ver-
öffentlicht.
Die E n t d e c k u n g der berufsmäßigen Fahnder und ihrer
Spitzel ist die: die MARXISTISCHE GRUPPE ist zwar klein, aber zu
groß, um übersehen zu werden. In ihr sind ein paar Tausend Leute,
die den Kommunismus, den Klassenkampf für die notwendige Antwort
auf die unvermeidlichen Schäden halten, die das freiheitliche Sy-
stem schon vielen "kleinen Leuten" zufügt. Und diese paar 1000
Linksradikalen halten zusammen, treffen sich regelmäßig, beraten
sich und finanzieren ihren Laden und ihre Abteilung Druck und Pa-
pier selbst, weil sie ja keine gemeinnützige Stiftung sind und
deswegen keine Steuergelder kriegen. Die einzelnen Mitglieder
zahlen also aus eigener Tasche etwas für ihren Verein, weil sie
ihn unterstützen. Natürlich können sie nur zahlen, soweit sie
selber was verdienen. Manche verdienen ihr Geld, wenn sie ein
bißchen studiert haben, in akademischen Berufen. Das ist zwar
nichts Außergewöhnliches, für den Verfassungsschutz aber sehr be-
deutend, weil er mit seinen Ermittlungen auch die Kandidaten für
Berufsverbote feststellt.
Die P h a n t a s i e der Mannschaft, die für Schlagzeilen und
Sensationen zuständig ist, hat damals ihre Meldung gemacht: Die
Beiträge zum Verein sind "Ausbeutung"; damit sie gezahlt werden,
müssen die Leute in höheren Berufen gut verdienen, und weil sie
als Marxisten in solchen Berufen gar nichts zu suchen haben, sind
sie aus ganz anderen Gründen drin. Die "Strategie" der MARXISTI-
SCHEN GRUPPE ist entlarvt - sie will keinen Streit g e g e n
Staat und Kapital anzetteln, sondern d e n S t a a t
u n t e r w a n d e r n. Und das wäre - im Unterschied zu den
sonstigen Anstrengungen der Gruppe, die schon früh um sechs beim
Verteilen polizeilich beobachtet und kontrolliert wird - eine
G e f a h r. Nicht auszudenken, wenn die hochanständigen Men-
schen wie Lamsdorff und Barschel durch Radikale verdrängt würden!
Das Leben würde zu Hölle - und in der ganzen schönen Demokratie
würde das Volk noch nicht einmal was merken davon!
Einerseits haben sich die Herren Journalisten also nur für den
Radikalenerlaß stark gemacht und dazu aufgehetzt, einer radikalen
Minderheit so gründlich das Handwerk zu legen, daß sie verschwin-
det. Andererseits haben sie eine Kleinigkeit über die Demokratie
verraten: Mit der Verteilung von Posten, mit dem, was in höheren
Ämtern passiert, haben die gewöhnlichen Leute offenbar sowieso
nichts zu tun. Und diejenigen, die im Staat das Sagen haben, pas-
sen sorgfältig darauf auf, daß außer ihnen und ihresgleichen kei-
ner was zu melden hat. Insofern kann das liebe Volk auch wieder
ganz beruhigt sein und arbeiten, wählen und Steuern zahlen. Die
rechtmäßigen Inhaber der Staatsgewalt lassen schon nichts anbren-
nen - und mit ihren "straff organisierten" Verfassungsschutz ma-
chen sie noch jeden ausfindig, der seiner Gesinnung wegen gar
nicht zu ihrer "Elite" gehört.
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Wie kommt ein Marxist ins Ministerium?
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Extremisten Alarm in Bayern
R. H. München - Alarm beim Staatsschutz: In einem bayerischen Mi-
nisterium sitzt ein Marxist. Er hat den Rang eines Regierungsrats
und ist unbemerkt durch die Maschen des im Freistaat besonders
streng angewandten Radikalen-Erlasses geschlüpft. Verfassungs-
schutz-Chef Hubert Mehler bestätigte den Fall gestern im
"Zeitspiegel" des Bayerischen Fernsehens.
Darin berichtete ein Mitglied der linksradikalen Marxistischen
Gruppe (MG), seiner Organisation sei es gelungen, in allen Bun-
desländern einflußreiche Stellungen zu besetzen. Ein MG-Mann
sitze als Regierungsrat in einem bayerischen Ministerium. Auf
Rückfrage von "Zeitspiegel"-Redakteur Winfried Böhm bestätigte
Verfassungsschutz-Chef Mehler. "Jawohl, so ist es." Details nann-
ten weder er noch das Innenministerium.
Die straff organisierte Marxistische Gruppe, vom Verfassungs-
schutz als mitgliederstärkste Organisation der Neuen Linken be-
zeichnet, bekämpft die Demokratie als "Staatsform der bürgerli-
chen Ausbeutung" und will den Staat über eine sozialistische Re-
volution abschaffen. Selbst beutet sie jedoch ihre Mitglieder
aus: Sie müssen monatlich bis zu 4000 Mark an die Gruppe abfüh-
ren, die so alle vier Wochen eine Million Mark an der Steuer vor-
bei kassiert.
("Abendzeitung")
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