Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK INNERE-SICHERHEIT - Vom demokratischen Kontrollwesen
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Münchner Hochschulzeitung Wahl-Spezial, 26.06.1984
Die MG - zum x-ten Mal
ENTLARVT!
Zum Ende des diesjährigen Sommersemesters hat der Lehrkörper der
Universität Hamburg Post bekommen. Von zwei entschlossenen Kolle-
gen. Entschlossen in Sachen 'Marxistische Gruppe' und unsere gar
nicht erlaubten, geschweige den bestellten Einwände gegen man-
cherlei verkehrte akademische Lehre. Ihr Entschluß:
"Es handelt sich jetzt nicht mehr darum, ob dies oder jenes Theo-
rem wahr sei sondern ... ob polizeiwidrig oder nicht." (Aus Marx'
Kommentar seinerzeit zum Ende der "wissenschaftlichen bürgerli-
chen Ökonomie")
Dirk Käsler
Herbert Schnädelbach
Notwendige Aufklärung über die "Marxistische Gruppe (MG)"
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Seit längerem sind Lehrende und Lernende der Universität Hamburg
den Aktionen der sogenannten "Marxistischen Gruppe (MG)" ausge-
setzt. Dabei reagieren die Betroffenen meist mit Verwirrung und
sitzen eklatanten Fehleinschätzungen auf, was sie in der direkten
Konfrontation mit der "MG" zu Fehlreaktionen verführt. Einer der
wichtigsten Gründe hierfür ist, daß die Erfahrungen mit der "MG"
immer nur quasi-privat gemacht werden, d.h. vor allem die Lehren-
den haben Schwierigkeiten, das was sie erleben, mit den Erlebnis-
sen ihrer Kolleginnen und Kollegen zu vergleichen, um daraus Leh-
ren zu ziehen. Häufig sind die Studierenden viel besser über die
"MG" informiert als der Lehrkörper. Auf dieser Isolierung der
Lehrenden voneinander beruht zum ganz wesentlichen Teil die Ef-
fektivität von Aktionen der "MG". Die Ereignisse im Fach Philoso-
phie während des SS 84 sind der Anlaß für den Versuch, dies zu
durchbrechen und ein Gespräch über die "MG" in Gang zu bringen.
Klarstellungen zu einem militanten Verfolgungswahn
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Seit längerem sehen sich an verschiedenen Hochschulen der BRD Do-
zenten und Studenten einer gewissen Zumutung ausgesetzt. Entgegen
allen Gepflogenheiten moderner Wissenschaft wird da die Frage
aufgeworfen, ob das Gelehrte und zu Lernende überhaupt stimmt.
Statt dem wohlfeilen "Verdacht", alles Denken sei eben
"standortgebunden" und ein allemal respektvoll zu diskutierender
"Versuch", eine Sichtweise unter Beachtung anerkannter Formulie-
rungsregeln in das Gewand einer "Theorie" zu stecken; statt ver-
ständnisvoller Anteilnahme am "komplexen" Wissenschaftsgetue wird
schlicht K r i t i k an den Denkfehlern vorgetragen, die den
Verstand an staatstreue "Standorte binden" - und an den
"Standorten" selbst, die nur mit Hilfe falscher Schlüsse einzu-
nehmen sind.
Für Hochschuldozenten ist das ein schlimmes Erlebnis. Und zwar
deswegen, weil sie den Unterschied zwischen richtigen und
falschen Theorien nicht mehr kennen - also ihren Kram auch nicht
verteidigen können und wollen. Dafür berufen sie sich schlicht
auf ihr Amt, auf die heutzutage gängigen Gepflogenheiten im Reich
des Geistes sowie auf die guten Sitten einer Anstalt namens
"demokratische Hochschule". "Liberalität und Toleranz" schätzen
sie über alles; so sehr, daß sie in dem Beharren darauf, daß die
an der Uni verhandelten Lehren auch noch stimmen sollen einen un-
menschlichen Anschlag auf sich und alle anderen wittern. "Sich
g e m e i n s c h a f t l i c h der MG erwehren!" - lautet ihr
Motto. Und um die Niedertracht dieses Feindes gehörig vorstellig
zu machen, verfertigen sie eine sozialpsychopathologische Dia-
gnose, die es in sich hat. Besonders bewährt haben sich in dem
Papier die Bekenntnisse des soziologischen Sektenpredigers Käs-
ler, der aus der Münchener Zentrale nach Hamburg gekommen ist und
an seiner alten Wirkungsstätte schon einiges geleistet hat. Bei
ihm reichte der Auftritt von MG-Studenten lässig aus, um Ausweise
zu kontrollieren, nach dem Hausrecht wie der Polizei zu rufen und
mit hochrotem Gesicht Räume zuzusperren, damit der Gerechtigkeit
kein Haar gekrümmt wurde.
"Was ist die 'MG'?"
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Auch wenn sie sich ursprünglich aus den Ende der 60er Jahre ent-
standenen "Roten Zellen" entwickelt hat darf sie nicht mit den
der DKP nahestehenden Studentenorganisationen oder den sogenann-
ten K-Gruppen verwechselt werden. Es handelt sich bei der "MG" um
eine straff zentralistisch und streng hierarchisch organisierte
Vereinigung, die an rund 40 Hochschulen im Bundesgebiet vertreten
ist. Ihre zentrale personelle und ideologische Leitung befindet
sich in München; die offiziell geschätzte Mitgliederzahl wurde
für Ende 1981 mit ca 700 Mitgliedern angegeben, der "Sympathi-
santenkreis" mit ca. 4.500. Gliederung und leitende Gremien der
"MG" werden streng geheim gehalten. Kommunikations-, Planungs-
und Trainingszentren sind der "Verein zur Förderung des
studentischen Pressewesens e.V.", die "MHB-Gesellschaft für Druck
und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH" und der
"Resultate-Verlag", alle mit Sitz in München In fast allen größe-
ren deutschen Universitätsstädten gibt es örtliche Filialen, der
Hamburger "MG"-Laden befindet sich in der Hartungstraße 7.
Die Finanzquellen der "MG" sind undurchsichtig, es gibt Informa-
tionen darüber, daß von Mitgliedern und "Kandidaten" erhebliche
Einkommensanteile abgepreßt werden. Allein die "Hamburger Hoch-
schulzeitung" der "MG" wird semesterwöchentlich in einer Auflage
von 10 000 Exemplaren kostenlos verteilt, bei einem Minimum an
Anzeigen und einer kostspieligen Drucktechnik. Es ist klar, daß
es keiner anderen studentischen Organisation mit viel breiterer
"Massenbasis" möglich ist, in vergleichbarem Umfang mit Zeitun-
gen, Flugblättern, Plakaten, sonstigen Publikationen und perma-
nenten " Teach-Ins ", "Diskussionsveranstaltungen" und "Arbeits-
kreisen" in Erscheinung zu treten.
Wesentliche Merkmale der "MG" sind; strikte Geheimhaltung - nach
außen und innen von Organisationsstruktur, Mitgliedschaft, Finan-
zierung und politischer Zielsetzung; eine extrem hierarchische
Verbandsgliederung bei gleichzeitigem autoritären Führungsstil
der Zentrale, ohne wesentliche Delegierung von Verantwortlichkei-
ten nach unten; die Forderung ständiger Bewährung des einzelnen
"Sympathisanten", "Kandidaten", "Mitglieds" mit entsprechend ri-
gider Überprüfung; die Durchsetzung materieller, sozialer und
psychischer Abhängigkeit der Einzelmitglieder in der Organi-
sation. Dies zusammengenommen legt den Vergleich der "MG" mit
einer Jugendsekte oder einem Mafia-ähnlichen Geheimbund nahe; es
wäre naiv zu glauben, die "MG" sei nur eine studentische Hoch-
schulgruppe und nichts sonst (übrigens hat die "MG" in ihrem
dritten Flugblatt zur Vorlesung "Vernunft und Praxis" (Schnädel-
bach) den in dieser Veranstaltung geäußerten Vergleich der "MG"
mit einer Jugendsekte nicht zurückgewiesen.)
Mit DKP, MSB und "K-Gruppen" tatsächlich nicht zu verwechseln.
Aber woran mag das liegen?
- Am "straffen Zentralismus" und der "strengen Hierarchie"? Das
ist bei der DKP, der katholischen Kirche, dem Deutschen Fußball-
bund doch ein übliches und zumeist anerkanntes Organisationsprin-
zip. Wollen eigentlich Käsler & Schnädelbach im Namen aller übri-
gen studierten Menschen in einem Verein mitreden, den sie verach-
ten und hassen?
- An der Abschirmung gegen die Neugier von Verfassungsschützern
und Denunzianten? Daran, so wollen wir hoffen, lassen auch andere
Linke es nicht fehlen.
- An den "undurchsichtigen Finanzquellen"? Da müssen Käs-
ler/Schnädelbach uns glatt mit der FDP, der Konrad-Adenauer-Stif-
tung, dem Opus Dei oder der universitären Auftragsforsehung ver-
wechselt haben. Unser Spendenkonto lautet ganz offen auf den
"Verein zur Förderung des studentisehen Pressewesens", hat die
Nummer 10609-800 beim PSchA München; Spendenquittungen gibt es
keine.
- Am "Abpressen erheblicher Einkommensteile"? Na klar! Wir sind
eine Zwangskörperschaft, berufen uns auf unsere Wähler, die wir
zu Opfern ermuntern und im Namen von "Sachzwängen" schröpfen: mit
Freibeträgen fürs dritte Kind, Abzug an der Quelle bei Kleinver-
dienern und marxistischer Finanzpolizei.
- An der "strikten Geheimhaltung" der "politischen Zielsetzung"?
Ein ziemlich lächerlicher Vorwurf - speziell im Anschluß an die
Beschwerde, wir würden viel massiver mit Veröffentlichungen, Dis-
kussionsveranstaltungen usw. in Erscheinung treten als "andere
studentische Organisationen".
- Am "autoritären Führungsstil der Zentrale"? Das Unfehlbar-
keiotsdogma hat die katholische Kirche erfunden, nicht wir: über
"Führungsqualitäten läuft manche demokratische Konkurrenz um die
Macht im Staate ab - ohne daß zwei Professoren das Finsterste
vermuten; in der Verfolgung und behördlichen Beseitigung unlieb-
samer (auch Lehr-)Meinungen hat sich die Institutsleitung von
Käslers Münchner Heimat hervorgetan, nicht wir; und die innerpar-
teiliche Demokratie, die den jeweiligen Parteichefs - Brandt
Strauß, Genscher, Kohl - die Souveränität über ihr Parteivolk si-
chert, überlassen wir den verfassungstragenden Machterwerbsverei-
nen.
- An der "Forderung ständiger Bewährung" usw.? Mit Käs-
ler/Schnädelhachs Pfadfindererinnerungen - "Jeden Tag eine gute
Tat" - haben wir nichts zu schaffen.
- An der "materiellen sozialen und psychischen Abhängigkeit der
Einzelmitglieder von der Organisation"? Wir sind - da müssen die
Autoren wieder was verwechselt haben - keine Universität, in der
die Verwaltung die Professoren mit Staatsgeldern alimentiert, er-
wachsene Menschen unter Anleitung eines soziologischen Trainers
ihre soziale "Isolierung" überwinden lernen sollen und studierte
Personen durchdrehen, wenn man ihre Fachidiotie nicht ehrt.
Gegen nichts von alledem haben Käsler/Schnädelbach auch nur das
Geringste einzuwenden, wenn anerkannte Autoritäten der bundes-
deutschen Gesellschaft es wirklich treiben. Alles "dies zu-
sammengenommen" aber kommt die Beschwörung einer finsteren Gefahr
heraus: "Jugendsekte", "Mafia". Zwar nicht die wirklichen, wohl
aber die soziologisch wohl definierten und mit einem moralischen
Malus versehenen Merkmale des organisierten Verbrechens sind
dingfest gemacht: Es gehört sich nicht, und wird trotzdem planmä-
ßig betrieben. So ist die Botschaft klar, auch wenn keine der be-
nutzten Beschwörungsformeln sie begründet. Daß uns der Vorwurf
"Jugendsekte" zu blöd ist um ihn ernsthaft zurückzuweisen, ver-
bucht ein methodisch geschulter Fachsoziologe zusätzlich als be-
weiskräftiges Eingeständnis
"Was vertritt die 'MG'?"
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Die "MG" ist vor allem keine marxistische Organisation; schon
eine flüchtige Lektüre ihrer Publikationen zeigt, daß das Wort
"marxistisch" bloße Fassade ist.
Kurse über das "Kapital" sollen der MG" Mitglieder zuführen,
sonst aber kommt Marx nicht weiter vor. Auch Nichtmarxisten müs-
sen die haltlose Inanspruchnahme - des Namens von Karl Marx durch
die "MG" zurückweisen. Und dies gilt erst recht für Marxisten
oder die, die sich dafür halten; so kommt eine auf detailliertem
Studium des Schrifttums der "MG" beruhende Publikation zu folgen-
dem Ergebnis:
"Mit Marx hat die 'MG' nichts gemein. Wer mit Marx ist, muß gegen
die 'MG' sein. Die 'MG' tritt überheblich auf und wirkt elitär,
weil sie sich gegen selbständiges Handeln, gegen eigenes Engage-
ment jedweder Art wendet. Durch die 'MG' soll der Skeptiker, der
Resignierende zum aktiven Zyniker werden, der für die Herrschen-
den am Ende nur noch Bewunderung und für die Kämpfenden Verach-
tung übrig hat. Das ist die reaktionäre Konsequenz der
'MG'-Positionen." (Bernd Gäbler: Mit Marx gegen die 'MG'. In:
ders., Hersg.: Das Prinzip Ohnmacht. Eine Streitschrift zur Poli-
tik der "Marxistischen Gruppe". Dortmund: Weltkreis Verlag, 1983,
S. 33)
(In dem schon genannten Flugblatt gab sich die "MG" keine Mühe,
für marxistisch gehalten zu werden, dies wurde als unsinnige Er-
wartung des Lehrenden abgetan)
Überhaupt ist schwer auszumachen, was die "MG" positiv vertritt;
im Prinzip "reißt sie alles herunter" was irgendwann von irgend-
jemandem vertreten wird. Dieser bodenlose und grenzenlose Kriti-
zismus ist die Außenseite einer nihilistisch-zynischen Grundhal-
tung, die ideologiegeschichtlich gesehen aus dem Präfaschismus
wohlbekannt ist. "Aufklärung" heißt bei der "MG" immer:
"Entlarvung" aller Positionen, Theorien und Interessen durch de-
ren Reduktion auf eine bloße Machtfrage; der Rest ist Menschen-
verachtung. Dieser Vulgär Nietzscheanismus zeigt sich auch in dem
elitären Intellektualismus, in dem sich die Akteure der "MG" of-
fenbar selbst gefallen; die Studierenden werden von ihnen in der
Regel verächtlich behandelt - so als lohnte es sich gar nicht, zu
versuchen, sie auf die eigene Seite zu ziehen. Daß die "MG" sich
trotzdem an der Universität halten kann, ist wohl nur entwick-
lungspsychologisch zu erklären: Sie vermag bei einigen anzuknüp-
fen an eine allgemeine Adoleszenzkrise, die sich in der Entwick-
lungslogik des moralischen Bewußtseins (nach Kohlberg auf der
Stufe 4b) notwendig vollzieht, und die zunächst im Abstreifen
sämtlicher traditionaler und konventioneller Normenorientierungen
besteht. In dieses Vakuum, das bei den meisten Menschen den Über-
gang zu einem höherstufgen Moralbewußtsein darstellt, versucht
die "MG" hineinzustoßen und es für sich zu nutzen. Dies gelingt
ihr dann, wenn sie die frisch Geworbenen in ihrem jugendlichen
Nihilismus so zu bestätigen und zu fixieren vermag, daß sie be-
reit werden, als Ersatz für die abgelegten Traditions- und Kon-
ventionsregulationen nun die unbedingte Autorität einer diktato-
rischen Führung zu akzeptieren. Dafür hält die "MG" Gratifikatio-
nen bereit: eine stabilisierte persönliche Identität als Mitglied
einer Elite-Gruppenzusammengehörigkeit und familienartige Gebor-
genheit trotz der Massenuniversität Aufstiegschancen innerhalb
der Organisation mit kleinen Anteilen an der "Macht", die vor al-
lem Macht über die anderen Mitglieder der "MG" bedeutet. Nur so
sind die psychischen Energien zu erklären, die die Akteure der
"MG" immer wieder dazu befähigen, in extremen Minderheitspositio-
nen und ohne die Beherrschung zu verlieren, sich zu behaupten und
die Aggressionen der Mehrheit an sich ablaufen zu lassen.
Vor allem: keinen Marxismus - meinen Käsler & Schnädelbach, die
sich da wohl auskennen. So gut, daß sie sich glatt vorstellen
können, man könnte ausgerechnet durch "Kurse über 'Das Kapital'"
"Mitglieder gewinnen", ohne daß es für die Mitgliedschaft irgend-
wie darauf ankäme, Marx' Argumente bezüglich Lohnarbeit und Kapi-
tal einzusehen und zu teilen. Um der MG "Marxismus" abzusprechen,
leuchtet diesen Kritikern eines "autoritären Führungsstils" die
Autorität eines MSB-lers voll ein; das Kompliment "detailliert"
ersetzt da jedes Argument. Daß Marxismus irgendwie anders gehen
muß als bei uns, möchten sie dem Bernd Gäbler schon glauben, auch
wenn sie dem "Weltkreis-Verlag" sonst kein Wort abnehmen. Daß wir
den Vergleich unserer Kritik mit den Vorstellungen dahergelaufe-
ner Soziologie- und Philosophiedozenten vom wahren "Marxismus"
für zu lächerlich erachten, um ihm Genüge tun zu wollen: das ist
dann wieder einmal sehr entlarvend.
"Marxismus" also nicht - wäre Käsler/Schnädelbach unsere Agita-
tion denn recht, wenn sie sich - wo eigentlich? - das amtliche
Gütesiegel "garantiert marxistisch" verdient hätte? Und wenn's
das falsche Etikett wäre: Was hätten wir damit verbrochen? Wo
hätten wir denn verlangt, man sollte uns auf die Autorität des
alten Marx hin etwas g l a u b e n? Nebenbei: Bei wem könnte
ein solches Ansinnen heutzutage denn noch verfangen?!
Etwas "Positives" wäre überhaupt "schwer auszumachen". Ja, genau
das leuchtet uns an dem alten Marx so ein, daß er in seiner
"Kritik der politischen Ökonomie" sämtliche Errungenschaften der
kapitalistischen Wirtschaftsweise einfach "heruntergerissen" hat,
ohne sich auf die Dummheit festlegen zu lassen, dann müßte er
aber auch d a z u eine Alternative liefern. Schon Marx ist da-
bei ganz ohne "Grundhaltung" ausgekommen: Eine "nihilistisch-zy-
nische" hat er wahrhaftig nicht gebraucht, um an Eigentum und
Geld, Lohnarbeit und Kredit zu entdecken, daß sie überhaupt
nichts Erhaltenswertes an sich haben; eine "positive Grundhal-
tung", die noch an allen Methoden, den Menschen übel
mitzuspielen, eine ehrenwerte gute Absicht entdecken will, hat
sich ihm sehr folgerichtig verboten. So halten wir es auch nach
Kräften. Solange man uns unsere Kritik des Kapitals und der
staatlichen Gewalt, die seine Erfolge hierzulande und weltweit
sichert und fördert, sowie der Ideologien, die das Funktionieren
dieser Gewalt als Ordnungsstiftung verklären, nicht widerlegt,
müssen wir den Vorwurf eines "bodenlosen und grenzenlosen
menschenverachtenden Zynismus" an jene elitären Intellektuellen
zurückgeben, die bei Kritik gleich gar nicht erst auf das
vorgebrachte Argument achten, sondern auf einen defekten
Geisteszustand oder Böswilligkeit oder beides "schließen". Woher
diese Sicherheit, daß der Wille, Schädliches abzuschaffen, nie
und nimmer begründet sein kann? Ein so bedingungsloser Anti-
Kritizismus im Namen "des Positiven" ist uns jedenfalls aus dem
demokratischen Autoritätsglauben nur allzu gut bekannt: und wir
brauchen gar nicht in die Ideologiegeschichte zurückzugehen, um
darin den "Sumpf" des faschistischen Ordnungskreuzzugs gegen
"zersetzende Kritik" zu "entlarven". (Im übrigen verrät die
Ansicht, im Faschismus wäre der Nihilismus zum Zuge gekommen,
einiges über die wissenschaftliche Kompetenz der Autoren. So viel
weiß doch noch jeder über jene "Bewegung", daß sie alles viel
ordentlicher machen und ganz viel Führer- und Untertanengesinnung
inszenieren durfte!)
Diese "Geisteshaltung" ist außerdem auch der Nährboden für so un-
gemein menschenfreundliche Entwicklungspsychologien, die vom
staatsbürgerlichen Ideal der selbstbewußten Unterwerfung her
gleich eine ganze "Entwicklungslogik" konstruieren um schon das
bißchen pubertären Trotz, den die bürgerliche Gesellschaft (unter
4.b!) ihrem Nachwuchs zu gesteht, zum Werte-"Vakuum" hochstili-
sieren, das unbedingt nach Füllung durch Moral verlangt. Ohne
Knute mögen Käsler/Schnädelbach sich den Verstand junger Menschen
nicht vorstellen: Wenn's nicht die der "Normen" ist, dann muß es
"die unbedingte Autorität einer diktatorischen Führung" sein, die
das moralische "Vakuum" füllt. Es mag ja sein, daß die beiden Do-
zenten nicht ohne "geistige Führung" auskommen: wir finden eine
solche Sehnsucht eher widerlich und das von ihr bestimmte Men-
schenbild schon gleich!
Genauso widerlich wie die "Gratifikationen", die eine Mit-
gliedschaft in der MG angeblich mit sich bringt. Sich als Elite
fühlen; Familienartiges in der Masse; Macht über andere: Wie müs-
sen Leute beieinander sein, denen so etwas als Belohnung ein-
leuchtet? Sollten das vielleicht die Genüsse sein, durch die Do-
zenten vom Schlage Käsler & Schnädelbach sich - außer durch's
Geld - für ihren Job entschädigt sehen?
Zum demokratischen Autoritätsglauben gehört schließlich auch das
Rätsel, wie Leute "in extremen Minderheitspositionen, ohne die
Beherrschung zu verlieren", ihre Sache vertreten können. Für
wertorientierte Norm-Bürger einfach unvorstellbar, daß jemand in
einer Diskussion einmal nicht Selbstwert- und Selbstbehauptungs-
"Probleme" durchexerziert und auf Beifall für seine werte Persön-
lichkeit aus ist.
"Wie arbeitet die 'MG' an der Universität?"
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Sie organisiert nicht die wissenschaftlichen und politischen In-
teressen von Studenten, die sie zumeist offen verachtet und ab-
lehnt, sondern sie arbeitet konspirativ. Fachfremde Mitglieder
der "MG", die manchmal nicht einmal Studenten sind, müssen in
Lehrveranstaltungen agitieren; dabei kontrollieren sie sich ge-
genseitig, und sie werden zusätzlich von höheren Funktionären be-
obachtet und beurteilt. Sie verteilen sich in der Regel unauffäl-
lig im Auditorium und übernehmen dann vor allem zwei Rollen: Die
einen sammeln durch ständiges Mitschreiben Material für völlig
entstellende und unqualifizierte Beitrage in den Publikationen
der "MG", während andere als studentische Teilnehmer zu erschei-
nen suchen und sich an den Diskussionen "beteiligen". Deren
Agitationsstrategie besteht dann entweder aus "Kannitverstahn",
um den Lehrenden zu verunsichern und zu ständigen Wiederholungen
des von ihm Gesagten zu verleiten, oder aus "Super-Kritik", die
durch rein sophistisch-formalistische Argumentation zu glänzen
versucht. Da es sich dabei im wesentlichen um das planmäßige Ab-
solvieren verschiedener Etappen eines Agitadonstrainings handelt,
dessen Erfolge und Mißerfolge "oben" registriert werden, kann und
darf sich der "MG"ler weder durch Unmutsäußerungen der Studieren-
den noch durch Proteste der Lehrenden von seinem Tun abbringen
lassen. Sich in einem "Heer" von "Feinden" "bewährt" zu haben -
dies ist das Ziel der Agitationsexerzitien der "MG" und nicht
primär die Mitgliederwerbung oder gar die argumentative Überzeu-
gung Andersdenkender.
Die "MG" hat inzwischen in Städten mit stärkerer organisatori-
scher Infrastruktur ihre Agitation ähnlich intensiv auf außeruni-
versitäre Felder ausgeweitet: kommunal und allgemeinpolitische
Versammlungen, Gewerkschaftsveranstaltungen, Mediendiskussionen
usf. Es gibt ferner Hinweise darauf, daß die "MG" inzwischen ver-
sucht, in bestimmten Sektoren der Gesellschaft einflußreiche Po-
sitionen mit ihren Mitgliedern zu besetzen.
Im Lichte eines wissenschaftlich methodisierten Verfolgungswahns
wird das Normalste zum Verbrechen. Leute, die unsere Kritik tei-
len, sitzen nicht einfach auf ihrem Hintern, sondern verteilen
sich "konspirativ" "unauffällig" - so daß es Käsler/Schnädelbach
gleich auffällt. Für "entstellende Beiträge" machen sie sich die
Mühe, "ständig mitzuschreiben" - als könnte man es sich für
"unqualifizierte Entstellungen" nicht einfacher machen. Sie
"beteiligen" sich an der Diskussion nur in Anführungsstrichen -
ja sollen sie als Kritiker methodischer Fehler vielleicht ein-
fühlsam mitmachen beim Auspinseln verkehrter "Modelle" und Welt-
bilder? Ein "Agitationstraining" soll das Ganze sein, eine Art
Härtetraining im Umgang mit dem Haß von Dozenten und Studenten,
ohne jemanden in seinen Auffassungen beeinflussen zu wollen -
wozu sollten unsere Leute das dann wohl "trainieren"?
Wahrscheinlich haben Käsler & Schnädelbach wirklich über den
I n h a l t unserer Einwände glatt hinweggehört. Mit soziologi-
schem Sachverstand haben sie die Kritiker nach den Maßstäben be-
gutachtet, die fürs Konkurrieren im bürgerlichen Ausbildungsbe-
trieb nun einmal gelten: Sitzen sie ordentlich da? Geben sie den
vorgekauten Schwachsinn verständnisvoll wieder? Versuchen sie
nach dem Geschmack des Prüfers, intellektuell zu glänzen? Nun
war's aber mal umgekehrt: Ein paar Leute haben sich nicht als
Prüflinge aufgeführt, sondern die vorgetragenen Gedanken geprüft.
Das läßt sich ein gelehrter Staatsbeamter nicht gefallen! Die Be-
urteilung seiner Gedanken, die ja wohl nicht in ihrer Wiederho-
lung besteht, ist da allemal eine "Entstellung".
Das mit den "einflußreichen Positionen" - Bundeskanzler? - demen-
tieren wir nicht. Wir warten darauf, daß Käsler/Schnädelbach dem-
nächst ein Seminar über "Aufstiegsstreben in der liberalen Tole-
ranzgesellschaft" abhalten; dann können sie allen Widerlingen,
die es zu was gebracht haben, ihren Haß entgegenbringen. Im übri-
gen können sie darüber rätseln, wie weit wir es schon gebracht
haben beim Unterwandern.
"Was will die 'MG' an der Universität?"
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Die Universitäten sind für die "MG" ein leicht zugängliches, re-
lativ ungefährliches Trainingsfeld: Für die Einübung agitatori-
scher Fähigkeiten, für die Rekrutierung potentieller
"Sympathisanten" und für den Erwerb berufsqualifizierender Ab-
schlüsse. Offen sichtbar von diesen drei Funktionen sind aus-
schließlich die Auswirkungen der ersten. Hierfür sucht sich die
"MG" sowohl die Fächer aus, in denen es leichter als in anderen
möglich ist, als völlig Fachfremder "mitzureden", als auch Leh-
rende, deren Liberalität und pädagogisch didaktisches Gewissen es
ihnen ermöglicht, sich Plattformen für ihre Agitation zu
"erobern".
Durch ihre Agitationsmethoden erzielt die "MG" bei den Lehrenden
häufig nervöse Gereiztheit und den Beginn eines allgemeinen Miß-
trauens gegenüber "den" Studenten. Im übrigen spekuliert sie auf
einen wohlbekannten Mechanismus: emotionale Überreaktionen der
Lehrenden sollen bei den Studierenden Mitleid und Solidaritätsge-
fühle mit den "armen Opfern" erzeugen. - Bei den Studierenden
kann die Agitation der "MG" leicht zur Übernahme einer passiven
Zuschauerrolle und zur hämischen Desolidarisierung mit ihrer ei-
genen Lehrveranstaltung führen. Diese verwandelt sich dann plötz-
lich in eine Bühne, auf der man den spektakulären Kampf zwischen
dem Lehrenden und der "MG" genüßlich beobachten kann.
Na klar: für eine Agitation schulen, die nie stattfindet. Auf
einen "Mitleidseffekt" spekulieren, der nie eintritt - siehe
"extreme Minderheitsposition".
Mißtrauen der Dozenten gegen die Studenten provozieren - das ist
zwar nie unser Zweck, aber mal ein schönes Eingeständnis: So wie
Hochschuldozenten heute geistig beieinander sind, fühlen sie sich
schon durch jedes ehrliche oder naive "Warum?", durch jedes nicht
abgeklärt zynische "Stimmt das?" gleich in die Ecke getrieben.
Denn von ihren Studenten erwarten sie "Solidarität" und nichts,
was wie Kritik aussieht! Bloß wobei und warum eigentlich?
"Wie können wir uns gegen die 'MG' wehren?"
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Dies ist kein Aufruf zur Jagd auf "MG"ler! Genau dies kame der
"MG" sehr gelegen, denn dann könnte sie sich zur verfolgten Min-
derheit stilisieren und durch den "underdog"-Effekt weitere Pu-
blizität und vielleicht neue Mitglieder gewinnen. Aber Lernende
und Lehrende müssen gemeinsam ihre Lehrveranstaltungen vor mani-
pulativ-strategischem Mißbrauch schützen:
- Der Versuch, sich argumentativ mit den Agitatoren der "MG" aus-
einanderzusetzen, kann in den Lehrveranstaltungen einzig der "MG"
nützen. Deren rein taktisches Diskussionsuerhalten, verbunden mit
einer völlig formalistischen "Argumentations"strategie, verur-
teilt jeden diskursiven Einigungsversuch von Anfang an zum Schei-
tern. Wer's nicht glaubt und mit der "MG" diskutieren möchte, be-
suche die zahlreichen "MG"-Veranstaltungen; deren Inszenierung
zeigt, was die "MG" unter "Diskussion" versteht.
- Die Lehrenden dürfen sich durch die selektive Agitation der
"MG" nicht auseinanderdividieren lassen, etwa in jene, bei denen
die "MG" (gerade) ist, und jene, die (gerade) "verschont" sind.
Dem "Sankt-Florians"-Prinzip muß entschlossen entgegengearbeitet
werden. Vor allem müssen wir die "MG" endlich ernstnehmen, ironi-
sche Geringschätzung ist zu wenig. Wer diese Organisation weiter-
hin als eine moderne Variante von traditionellem Studentenulk
verharmlost oder als Verein von "Spinnern" abtut, unterschätzt
den systematischen Angriff der "MG" auf die Prinzipien der Libe-
ralität und Toleranz im Wissenschaftsbereich.
- Lehrende und Lernende dürfen sich nicht durch die Agitation der
"MG" gegeneinander ausspielen lassen. Wenn momentane Irritation
einzelner Mitglieder des Lehrkörpers auch einmal zu Überreaktio-
nen verleitet hat, besteht deswegen noch kein Grund, sich sofort
nostalgisch in die Zeit der Studentenrevolte zurückzuversetzen
und wieder das alte Lied von den "autoritären Profs" anzustimmen.
Umgekehrt müssen die Lehrenden der Versuchung widerstehen, in je-
dem "aufmüpfigen" Studenten sofort einen "MG"ler zu wittern und
sich damit von der "MG" das Gesetz der eigenen Reaktionen aufnö-
tigen zu lassen. Eine allgemeine Atmosphäre des Mißtrauens und
der gegenseitigen Befürchtungen wäre genau das, was die "MG" er-
reichen will.
- Alle Beteiligten - Lehrende, Lernende, der AStA, die Fachschaf-
ten, die Universitätsleitung und die Verwaltung - müssen zusam-
menstehen in der Abwehr der Anschläge der "MG" auf die positiven
Resultate der Universitäts- und Studienreform der letzten Jahre.
Die "MG" ist objektiv reaktionär, denn sie nützt denjenigen,
denen die Liberalisierung des Studienklimas schon viel zu weit
gegangen ist, und bestätigt sie sehr effektiv in ihrer Einschät-
zung. Es sind vor allem die Liberalen und Reformmilligen in der
Universität, die die "MG" zu irritieren und zu entmutigen ver-
sucht; zu den harten Vertretern von "law and order" geht sie gar
nicht erst hin. Man darf die "MG" weder dämonisieren, noch auf
die leichte Schulter nehmen, aber sie ist eine wirkliche Gefahr
für eine demokratische Hochschule.
Das wäre "kein Jagdaufruf". Wer, bitteschön, warnt hier wen? Seit
wann gehören "objektiv reaktionäre" Sekten und die "Mafia" nicht
gejagt, ihr Heuchler? Zuerst ausführlich den Verfassungsschützer
herauslassen und dann noch öffentlich vermerken, daß man weiß,
was die eigene Gesinnung im Namen aller bürgerlichen Rechtsgüter
gebietet!
- "Nicht argumentieren!", denn "das kann einzig der 'MG' nut-
zen!". Fast möchten wir's für ein Kompliment halten! Mit ihrer
Warnung haben Käsler/Schnädelbach allerdings recht: "E i n i-
g u n g s versuche" sind nicht unser Zweck, wenn es um die
E r k l ä r u n g von irgend etwas geht. "Diskussionen", die
bloß darauf aus sind, den widersprechendsten Einfällen ihre
menschliche Koexistenz zuzusichern, "inszenieren" wir tatsächlich
nicht; dazu ist uns sogar die Zeit des Publikums zu schade. Für
uns fällt Diskutieren nicht mit dem polizeilichen Anliegen zusam-
men, über das Existenzrecht der diskutierenden Personen und ihren
demokratischen Anstand zu richten.
- Gemeinsam "die Prinzipien der Liberalität und Toleranz im Wis-
senschaftsbetrieb" retten, vor dem "systematischen Angriff der
'MG'". Danke für Kompliment Nummer 2. "Liberalität und Toleranz"
sind T u g e n d e n d e r G e w a l t. Nur wer den Drang
verspürt und die rechtlichen Möglichkeiten besitzt oder darauf
spekuliert, anderer Leute Existenz zu vernichten; nur wer seinen
Mitmenschen aus ihren Meinungen einen Strick drehen will, was im-
mer eine obrigkeitliche Aufsicht auch übers Denken voraussetzt;
nur für solche L i e b h a b e r d e r M a c h t ü b e r
M e n s c h e n gibt die Mahnung einen Sinn, es nicht zu bunt zu
treiben und einer abweichenden Meinung gegenüber auch einmal
Großzügigkeit walten zu lassen - die ist dementsprechend eine wi-
derrufliche Gnade von oben herab. Das "im Wissenschaftsbereich":
das ist keine wissenschaftliche Forderung, sondern das g u t e
G e w i s s e n v o n K o n t r o l l e u r e n d e s D e n-
k e n s. - Umgekehrt, wenn "Liberalität und Toleranz" als Forde-
rung an Leute wie unsereinen daherkommen, die weder die Macht
noch den Willen haben, anderen Leuten Vorschriften zu machen:
Noch das geringste Interesse und, "im Wissenschaftsbereich",
schon das leiseste Beharren auf einem Argument wird da umgedeutet
in einen Machtanspruch - und zwar einen ganz und gar
ungesetzlichen. "Toleranz" ist da der zutiefst rechtmäßige und
(am liebsten) gewaltsame Einspruch gegen jedes Verlangen nach
Wissen und Überzeugung - das gesetzlich geschützte Refugium offi-
zieller, anerkannter Dummheit. - Tatsächlich, dagegen sind wir;
so systematisch, wie's geht.
- Noch viel gemeinsamer: "die positiven Resultate der Universi-
täts- und Studienreform der letzten Jahre" verteidigen, und zwar
ausgerechnet gegen uns (ist ja auch viel leichter als gegen eine
rechtmäßige Kultusbürokratie!). Aber bitte, wenn man fragen darf:
Welche Errungenschaften denn? Etwa die, daß die Wahrheit einer
Lehre den Ausschlag gibt, wenn ein Nachwuchsdenker zum prüfungs-
berechtigten Hochschullehrer berufen wird? Das war noch nie der
Fall! Allenfalls sind die Methoden, das Beamtenrecht als letztes
Wahrheitskriterium durchzusetzen, etwas widerlicher geworden.
Über ein kritisches "Warum?" am besten gar nicht erst diskutie-
ren: Ist das vielleicht ein verteidigenswertes Resultat der Hoch-
schulreform?
Eine Dokumentation
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(Die Autoren wollen versuchen, eine Dokumentation über die Akti-
vitäten der "MG" an der Hamburger Universität zu erstellen. Zu
diesem Zweck bitten sie alle Lehrenden und Studierenden um knappe
Berichte über Erfahrungen, die mit der "MG" in Lehrveranstaltun-
gen gemacht wurden, und um Zusendung an eine der folgenden Adres-
sen:
Prof. Dr. Dirk Käsler
Institut für Soziologie
Allende Platz 1
2000 Hamburg 13
Prof. Dr. Herbert Schnädelbach
Philosophisches Seminar
Von-Melle-Park 6
2000 Hamburg 13)
über die Verbrechen der MG wollen Käsler/Schnädelbach erstellen.
Zu wessen Händen?
Selten haben Soziologie und Philosophie sich so offen zu dem
selbstgewählten Auftrag bekannt, Fahndungsund Ermittlungsstellen
gegen unbotmäßiges Denken zu sein. MG/XY ungelöst - die Zimmer-
männer aus Hamburg nehmen Ihre privaten Observationen und eides-
stattlichen Zeugenaussagen im rechten Geiste entgegen!
Eine professorale Kampfansage unter Fahndungsgesichtspunkten ge-
gen den "Nihilismus" - für "positives" Denken; zugunsten einer
Universität, wo "alle gemeinsam" an den pluralistischen Lebenslü-
gen der bundesdeutschen Republik stricken; in Hamburg wie in Mün-
chen und überall: Das ist sie, die F r e i h e i t d e r
W i s s e n s c h a f t 1 9 8 4.
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