Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK INNERE-SICHERHEIT - Vom demokratischen Kontrollwesen


       zurück

       Spionage
       

FEIND HÖRT MIT! - FRAGT SICH BLOSS, WAS.

Kanzler Kohl ist empört. Mitten in seinen friedlichen Urlaub im Weinland Österreich hinein hat die DDR "Mißtrauen gesät". Statt wie anständige Deutsche in der "Bild-Zeitung" und im "Spiegel" nachzulesen, was die Bundesregierung vorhat und bei geheimen Sa- chen schamhaft wegzuschauen, hat sie in Bonner Ministerien, im Atombunker der Bundesregierung, sogar im Verfassungsschutz, Ab- teilung Spionageabwehr - unser Grundgesetz lassen wir uns nämlich nicht ausspionieren! -, und wer weiß wo sonst noch Spitzel und V- Leute eingeschleust. Nicht genug damit, daß sie unsere betont harmlosen Touristen am Fotografieren von Militäranlagen hindert, das Aushorchen bestraft und ihre Geheimsachen wegschließt: Sie tut glatt so, als hätten wir was zu verstecken, und will es auch noch rauskriegen! Und wie bösartig sie dabei zu Werk geht. Sie nützt schamlos aus, daß ihre Typen fließend Deutsch sprechen und hierzulande gar nicht auffallen - wo wir doch die fortbestehende "Einheit der Na- tion" für uns gepachtet haben. Bei jeder menschlichen Schwäche setzt sie an: Vereinsamte Bonner Sekretärinnen betört sie mit gutgewachsenen Sachsen, trunksüchtige Verfassungsschützer stürzt sie durch Mißerfolge in geistige Verwirrung (so eine der regie- rungsamtlichen Ideologien zum Fall Tiedge), sofern nicht sogar ihre eigenen Leute die bundesdeutsche Spionageabwehr aufgebaut haben (dies die andere in Betracht gezogene Möglichkeit). Und da- zwischen unser gutgläubiger Bundeskanzler, der sich auf gar nie- manden mehr verlassen kann! Kommt der Genscher nicht auch von drüben? Sieht der Geißler nicht aus wie ein ostzonaler Schwimm- trainer? Auf alle Fälle gehört jetzt alles gründlich durchleuchtet. Am be- sten gleich das ganze Volk - wozu haben wir denn den Verfassungs- schutz. Und unsere Brüder und Schwestern gleich dazu - wofür be- zahlen wir denn einen BND. Zwar hat unser Abschirmdienst es lei- der versäumt, so wie der KGB in Moskau jeden einreisenden Ostler mit einem garantiert nicht wahrnehmbaren Pulver zu bestreuen, das überall seine Spuren hinterläßt: Dann hätten wir jetzt wenigstens eine Republik voller unsichtbarer Spuren. Aber immerhin haben wir ja Datenschutzgesetze, die vielleicht irgendetwas verbieten, was unsere Geheimdienste tatsächlich noch nicht machen. Blöd wäre es nur, wenn der CSU-Spranger, oder wer da in Bonn die Nachrichtendienste koordiniert, selber nicht ganz sauber wäre. Dann würden zwar Regierung, Behörden und Polizei alles wissen, was sie brauchen, um die Nation unter Kontrolle zu halten. Aber die drüben wüßten das. Was sie davon hätten, ist zwar gar nicht absehbar. Aber das ist es ja gerade: Unabsehbarer Schaden ist der BRD entstanden. Nun ist sie doch eine "offene Gesellschaft", in der nichts verborgen bleibt - schon gar nicht vor den eigenen ge- heimen Staatsdienern -; aber dann bringen es die Falschen in Er- fahrung, und man muß alles zudecken und geheim machen und bewah- ren mindestens vor den Bürgern. So ruiniert die DDR die Liberali- tät in unserem Land! Ob am Ende alles eine Verschwörung ist? * Zur Aufklärung über das staatliche Aufklärungsgewerbe siehe die Titelgeschichte der MSZ 3/84: "Geheimdienste in der BRD. Wozu braucht die Demokratie Spitzel und Spione?" zurück