Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK INNERE-SICHERHEIT - Vom demokratischen Kontrollwesen
zurück
Der demokratische Staatssicherheitsdienst
entlarvt eine abweichende Meinung
KOMMUNISMUS - EINE PERVERSION DES DENKENS
MIT UNMENSCHLICHER ZIELSETZUNG
Die Konstruktion eines Feindbildes in praktischer Absicht Das er-
ste Vergehen gegen den gesunden Menschenverstand, der sich alle-
mal an den Konjunkturen der nationalen und Weltpolitik orien-
tiert; leistet sich die MG schlicht dadurch, daß es sie gibt. "Im
Gegensatz zu der anhaltenden Krise anderer, revolutionär-marxi-
stischer Zusammenschlüsse" weist sie "eine ungewöhnliche Stabili-
tät" auf. Das überzeugt. Wo gibt's denn sowas, daß jemand sein
von der geistigen Umwelthygiene festgelegtes Haltbarkeitsdatum
einfach überschreitet? "Unbeeindruckt vom Kollaps des realen So-
zialismus" man höre das noch für den letzten Idioten zu berück-
sichtigende Gebot, sich dem Hoch auf die Marktwirtschaft anzu-
schließen - halten da Leute etwas von einer Organisation, und zu
ihr, "die auch heute noch die Welt kommunistisch umgestalten
will." Und was ist, wenn die schöne Welt bis heute noch nicht, in
keinem ihrer Winkel, wo Reichtum und Armut, Gewalt und ihre Opfer
so harmonisch zusammenwirken", kommunistisch umgestaltet" worden
ist? Wenn es Leute gibt, die den geständigen und gescheiterten
Realsozialisten von Leipzig bis Baku, von Budapest über Prag bis
Warschau einen anderen Vorwurf machen als den, sie hätten sich
a m K a p i t a l i s m u s v e r s ü n d i g t? Was ist, wenn
der überlegenen Staatsraison am Ende des 20. Jahrhunderts, dem
siegreichen Wirtschaftssystem von ein paar Kritikern in der Bun-
desrepublik nicht gleich das Kompliment verabreicht wird, sie
würden den letzten Schrei des menschlichen Zusammenlebens, die
Verwirklichung aller verwirklichbaren Werte, die einzig vernünf-
tige Koexistenz von Überfluß und Beschränkung organisieren? Was
ist, wenn ein paar tausend Leute daran zweifeln, daß ein totaler
Bombenkrieg im Nahen Osten eine Art Wiedergutmachung für Ausch-
witz sei, wenn sie Wert auf die Feststellung legen, daß die Be-
sichtigung aller Leistungen des Kapitalismus a l s
P r o b l e m e verlogen ist? Was ist, wenn die ganzen
"Probleme", welche moderne Umwelt-, Menschenrechts-, Armuts-,
Friedens- und Stabilitätskommissionen so wortreich betränen, gar
keine Probleme sind? Sondern die erlesenen Produkte von Geschäft
und Gewalt, die von allen diesen Kommissionen gleich den Auftrag
erhalten, sich "Lösungen" um Gotteswillen selber vorzubehalten ?
Überhaupt nichts ist dann. Es geht nämlich gar nicht darum, einer
mickrigen Organisation wie der MG einen Fehler vorzurechnen, wenn
man ihr ihre Abartigkeit bescheinigt. Es ist vollkommen egal für
demokratische Antikritiker, wofür sich die MG je stark gemacht
hat. Kenntlich gemacht werden muß eine unzulässige Abweichung.
Deswegen ist es auf der zweiten Seite der Spezialausgabe deut-
schen Verfassungsschutzdenkens auch wieder vorbei mit dem Schein
eines Nachweises, der einer Minderheit einen Irrtum zur Last
legt. Munter widmet sich das staatssicherheitsdienliche Pamphlet
einer ernsten Sache:
"Häufig ist das 'Schwabingerbräu', ein typisch bayerisches
Schankhaus, der Versammlungsort. Hier trifft man sich, um unter
Gleichgesinnten den Worten der ideologischen Großmeister zu Lau-
schen."
Wenn das der Witz und das Schlimme dazu an MG-Veranstaltungen
ist, dann müßte sich das Bundesinnenministerium längst des Poli-
tischen Aschermittwochs, der Parteitage renommierter Bundestags-
vereine und jeder Sonntagspredigt dazu annehmen. Kommt es nicht
doch ein bißchen darauf an, was in den heiligen Hallen bayeri-
scher Großbrauereien gesagt und gehört wird?
Keineswegs. Das Übel liegt im Folgenden: "Solche Veranstaltungen
werden sorgfältig vorbereitet." Na also. Und nicht nur das:
"Diese Versammlung hat unsichtbare Besonderheiten und erprobte
Spielregeln." Und wer hat sie gesehen? Unser Innenministerium,
seine Observanten und die gelehrten Knalltüten, die vor lauter
Eifer nicht einmal merken, was sie da zum Kennzeichen höchster
Verwerflichkeit ernennen. "An den Türen, im Saal, auf der Empore
überwacht ein organisationseigener Ordnerdienst die Teilnehmer."
Offenbar haben die Eiferer noch nie etwas davon gehört, daß ein
Veranstalter vom Rechtsstaat dazu gehalten ist, für alles mögli-
che vorzusorgen. Und von den Befürchtungen der MG, gewisse poli-
tisch Andersdenkende könnten ihre Versammlungen aufmischen,
scheinen diese Kenner von Versammlungsrecht und -wirklichkeit
einfach nichts zu halten. So bleibt uns nur die traurige Pflicht,
unsere Versammlungskritiker, die eine ordentliche Portion Zwi-
schenfragen auf solchen Veranstaltungen vermissen, auf zweierlei
hinzuweisen. Erstens: Hätten sie sie doch gestellt! Zweitens: Die
Behandlung, die uns zu einer Zeit, als wir auf CSU- und CDU-Ver-
anstaltungen noch Zwischenfragen wagten, zuteil geworden ist, ge-
hört nicht zum Aufgabenbereich unseres Ordnungsdienstes. Der or-
ganisationseigene Ordnungsdienst jener demokratischen Vereine hat
uns damals schlicht vermöbelt.
Aber so sind wir eben. Ob wir wirklich je "unbedarfte Frager",
die wir erst mit viel Mühe, nämlich mit "Tonnen von Papier", ver-
suchen zu unseren Veranstaltungen zu bewegen, deswegen mit guten
oder schlechten Auskünften beschieden haben, ist so eine Sache.
Deswegen weil jemand "eine Art Zeremonie gestört hat" ist jeden-
falls noch nicht einmal ein angetrunkener Nationalist schlecht
behandelt worden. Aber auch dieser Frage des guten Benimms, der
mit dem Alkoholkonsum steht und fällt nimmt sich das Innenmini-
sterium in seiner Dokumentation an:
"Da war es in der Tat faszinierend zu beobachten, wie 400 MGler
fünf Stunden lang mucksmäuschenstill und ohne mit der Wimper zu
zucken ausharrten, um sich das besoffene Gestammel ihrer Vortän-
zer anzuhören. Höhepunkt der Zirkusnummer: Der Abgang des 2. Vor-
sitzenden Dr. Held ins Klo, um sich nach dem Genuß eines Kasten
Biers auszukotzen (ein Teppich, um hineinzubeißen, war nicht vor-
handen). " (11)
Als Quelle dient dem Innenministerium ausnahmsweise ein Zitat des
Kommunistischen Bundes, den es ansonsten genauso wie uns der Ob-
servation und Nachstellung für würdig befindet. Dessen Aussagen
zu Staat und Kapital hierzulande es nie und nimmer als verläßli-
ches Zeugnis über die Realität gelten lassen würde. Dessen wun-
derbare Analyse einer Veranstaltung der MG auf einer
"Sozialistischen Konferenz" aber irgendwie ins Bild paßt, auch
wenn sie die Fähigkeit zum soliden Bierkonsum auf unserer Seite
gnadenlos entstellt, um im damaligen Konkurrenzkampf linker Min-
derheiten ein bißchen Rufschädigung zu betreiben. Dabei wird uns
nicht von Bier, wohl aber von zum Nationalismus geläuterten So-
zialisten und von Verfassungsschutzberichten schlecht, die sich
auf solche berufen.
Völlig unverständlich wird die amtlich verbriefte, auf Ungehöri-
ges immer nur anspielende Darstellung des "Phänomens" MG, wenn
sich mitten zwischen so launigen Falschmeldungen über die Folgen
übermäßigen Alkoholgenusses und anderen bedeutsamen Vorkommnissen
- "am Vorstandstisch unterhalb der Rednertribüne zeichnet ein
Tonband die Veranstaltung auf" - auch noch ein Argument findet,
das einer Entlastung gleichkommt:
"Es stimmt: Die MG will die Revolution, aber sie legt keine
Brandsätze, wirft keine Steine auf Polizisten, besetzt keine Häu-
ser."
Natürlich haben wir keinem Menschen je ein Haar gekrümmt und die
ausgiebige Anwendung von Gewaltmitteln, welche die Wirkungsweise
der erwähnten Bastelarbeiten bei weitem übersteigt, immer nur auf
seiten der allseits verehrten Staatsgewalten festgestellt, er-
klärt und kritisiert; aber vor dem Urteil derer, die allen ande-
ren predigen, daß Gewalt kein Mittel der Politik zu sein hätte,
haben wir dennoch nichts an Achtung gewonnen. Einerseits sitzen
dort, wo das Tonband läuft, "nur hochrangige Funktionäre", was
angesichts des hohen Ranges schon einigen Anlaß zum Fürchten bie-
tet. Andererseits kündigt ausgerechnet der Abschnitt, der uns Ge-
waltverzicht bescheinigt, das Schlimmste an: "Ihre revolutionären
Konzepte sind von anderer Art." Das macht neugierig.
Von wegen harmlos! Extrem funktionstüchtig.
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Kaum ist bei der ersten "Annäherung an ein Phänomen", das wir
sind, nichts herausgekommen, was einen Anhänger von Kapitalismus
und Demokratie zu stören braucht, geht es los. "Apparat, Anhänger
und Ausbreitung" sind einfach zu groß, zu viel, zu fortgeschrit-
ten. Wofür: Für solche wie die MG. Die "Landplage" (eine weitere
vom KB entliehene Kennzeichnung) mit ihren vielen Veranstaltungen
macht sich bemerkbar, was die Frage aufwirft, wie (sich) solche
so viel leisten können. Über "mehr als zehntausend fest eingebun-
dene Anhänger" verfügen sie, über ein "umfangreiches Netz für den
Druck und Vertrieb von MG-Publikationen" und über Adressen für
ihre Läden dazu. Wahnsinn. Da kommt der Fachmann für allenfalls
zulässige Dimensionen öffentlich-kritischen Wirkens schnell zu
dem Befund, von einem "technisch sehr leistungsfähigen Medienkon-
zern" der MG zu schwärmen. Wir kennen da zwar ganz andere Grup-
pen, die "ohne Rückgriff auf Fremdfirmen innerhalb kürzester Zeit
Flugschriften in sechsstelligen Auflagen, aber auch Bücher" zu
erstellen in der Lage sind. Aber wer von der Sache, die wir in
Wort und Schrift vertreten, genug hat, dem ist natürlich der gar
nicht konzern-taugliche Schrotthaufen, mit dem wir unsere Publi-
kationen gefertigt haben, entschieden zu viel. Zumal die MG-For-
schung zweifelsfrei ermittelt hat, daß wir gar nicht wie die an-
deren hochanständigen Medienkonzerne unseren Reibach machen, son-
dern glatt selbst für unseren Haushalt geradestehen.
"Ihre umfangreichen publizistischen Aktivitäten, aber auch die
Alimentierung der hauptamtlichen Funktionäre, finanziert die MG
aus Beiträgen ihrer Anhänger."
Offenbar gibt es Leute, die d a s für einen Skandal halten.
Fast möchte man schon fragen, was an der Solidarität unter Leu-
ten, die für die Politik der MG etwas übrig haben, so störend
wirkt. Außer eben der Tatsache, daß da Leute ihre Zeit und ihr
Geld für eine Sache einsetzen, die das Bundesinnenministerium für
das demokratische Leben der Republik gar nicht bestellt hat. Da
kommt auch schon der nächste Hammer. Die Führung dieser Organisa-
tion
"legt vor den Anhängern keine Rechenschaft über die Verwendung
der Mittel ab. Quittungen über die in bar abgelieferten Beträge
werden nicht ausgestellt."
Fürwahr ein dicker Hund. Bei diesem Haufen denkt einfach keiner
daran, eine Quittung zu verlangen, weil er gar nicht wüßte, wo er
sie zum Zwecke der Steuerersparnis vorlegen könnte. Dieser Tip
war aber offensichtlich auch gar nicht gemeint. Eher schon der
Verdacht, der in unseren Reihen - mit Verlaub noch nie aufgekom-
men ist. Daß wir uns wechselseitig bescheißen, ist in der lang-
jährigen Praxis der MG noch keinem Beteiligten je in den Sinn ge-
kommen. Zu auffällig und eindeutig ist die Rechenschaft über die
Verwendung des Zasters ausgefallen: Er wurde einfach für die Pu-
blikationen, für Mietkosten und für das Bier der "Hochrangigen"
verpulvert. Den armen "Knechten", denen, die sich mehrmals wö-
chentlich an Schulungen beteiligen, pardon: "sich zu unterwerfen
haben", war seltsamerweise immerzu bewußt, daß sie sich nicht in
einer jener famosen staatsbürgerlichen Vereinigungen herumtrei-
ben, in denen ganz andere Dinge geschehen. In denen ganz andere
Beträge herumgeschoben werden, in denen die Führung mit Quittun-
gen bescheißt, wo immer es geht, wo Spenden die Bilanz und die
Karriere fördern. An den dort üblichen Maßstäben gemessen, das
geben wir zu, ist die Marxistische Gruppe verdächtig. Eben immer
nach dem Muster: Wo gibt's denn sowas:
Insofern konnte die Anmahnung von Quittungen zur Einsicht der Be-
hörden auch nicht der letzte Schlag bleiben. Der nächste folgt
sogleich:
"Innerhalb der MG gelten keine demokratischen Prinzipien. Es gibt
keine Wahlen zur Besetzung von Führungsgremien, keine Abstimmun-
gen über Aktionsvorhaben, nicht einmal zentrale Delegiertenkonfe-
renzen."
Ob unsere Superdemokraten in ihrem Bedürfnis danach, uns grober
Vergehen gegen alles Liebe und Teure im abgekarteten Spiel des
deutschen Demokratiefilzes zu überführen, hier nicht etwas
leichtsinnig werden? Wenn bei uns auf der einen Seite
"Führungsstärke" (was Demokraten in ihrem Hang zum Personenkult
bei ihren "Aussitzern" und "Hoffnungsträgern" so sehnlich herbei-
wünschen) ausgeprägt ist, wie in diesem Sicherheitsbericht be-
klagt; wenn auf der anderen Seite die Neigung der Gefolgschaft
zur "Unterwerfung" eindeutige Zeichen von knechtischem Wesen an-
nimmt, wie es der Bericht ebenfalls empört vermerkt dann sollten
sie mit der Forderung nach Wahlen, Abstimmungen und Delegierten-
konferenzen lieber etwas vorsichtiger sein. Die hätten wir wohl
auch noch hingekriegt. Die MG hatte solchen Firlefanz bloß nie
nötig.
Reden wir mal im Klartext, was hier an uns vermißt wird: Einheit
herstellen durch parteiinterne Einpeitscher, durch Fraktionszwang
und karrieregeilen Opportunismus, das Handwerkszeug von Vereinen,
die einen Kampf um die Macht über andere, im Staat und innerhalb
ihrer eigenen Mannschaft führen, das kennen und schätzen Demokra-
ten. Daß es so zugeht, wie "ein MG-Leitungskader erklärte, man
diskutiere in der MG, bis man sich einig sei, und wenn man sich
nicht einigen könne, trenne man sich" - solche Zustände erachten
dieselben Leute glatt für einen Mangel, nämlich für das Fehlen
einer respektablen Herrschaftstechnik. Genau um die ist es in der
langjährigen Geschichte der MG allerdings nie gegangen. Und wenn
die studierten und beamteten Kritiker ihren Verbotsantrag ernst-
haft mit dem Vorhandensein einer H i e r a r c h i e begründen
wollen, so können wir ihnen nur eines raten: Fangt doch mit dem
Verbieten gefälligst in eurer eigenen staatsnatürlichen Umgebung
an, ihr Heuchler!
Irgendwie scheint das sorgsam zusammengetragene Elaborat von Vor-
würfen gegenüber einer Gruppe, der die Verkehrsformen des bürger-
lichen Oben und Unten zuwider sind, von dem Bedürfnis getragen zu
sein, daß Klartext nottut. Der hört sich dann so an:
"Die wie ein Geheimbund arbeitende, logenähnliche Organisation
wuchs von der Öffentlichkeit fast unbemerkt zu ihrer heutigen
Größe an."
Aber auch nur fast. Unser Papier weiß nicht nur über das Alter,
das Geschlecht, also die Frauenquote, über die elternhäusliche
Herkunft und über die Berufe der MG-Anhänger Bescheid. Es beruht
natürlich auch - sonst gingen solche" Statistiken" nämlich gar
nicht - auf der Kenntnis von Namen und Gesichtern.
"Die in den letzten 15 Jahren geworbenen und fest in die Struktu-
ren der MG eingebundenen Anhänger rücken nach Abschluß der Aus-
bildung zunehmend in wichtige Positionen in Staat und Gesell-
schaft vor. Sie bilden dort verdeckt arbeitende Einflußnetze und
Seilschaften, mit deren Hilfe jüngere Genossen unauffällig nach-
gezogen werden. Da die MG unter Studenten einen relativ größeren
Anteil an Geisteswissenschaftlern für sich gewinnen konnte, domi-
nieren heute die entsprechenden Berufsgruppen in der Organisa-
tion. Dazu zählen vor allem Lehrer an Schulen, Hochschulen und in
Einrichtungen der Erwachsenenbildung, aber auch Zeitungs- und
Rundfunkjournalisten, Künstler und Verwaltungsfachleute. Die MG
verfügt über eigene Rechtsanwälte, Ärzte und Psychologen. MG-Mit-
glieder aus technischen Berufen, z.B. EDV-Fachleute, sind teil-
weise bei Großkonzernen in interessanten Positionen tätig." (13)
Das ist ein Hammer. MG-Anhänger verdienen sich glatt ihren Le-
bensunterhalt wie alle Welt. Und das tun sie dann auch noch in
Berufen, in die man mit einem Studium zumeist hineingerät. An-
dersherum: Wenn sonst ein Verein mit einer äußerst ehrenwerten
Berufsstruktur (oder sind die Staatsschützer inzwischen Feinde
von Trägern ihrer "Leistungsgesellschaft"?) aufwarten kann, ge-
reicht es ihm dann zu einem guten oder schlechten Ruf? Die ganze
Konstruktion des Bösen, das sich da in den Reihen einer für
untragbar erachteten Organisation versammelt haben soll, geht nur
durch die höchst absichtliche Verdrehung eines Sachverhalts. Es
mag ja sein, daß ein paar Leute aus den genannten Berufszweigen
die MG unterstützen - die Umkehrung allein aber liefert dem Ge-
geifer der innenministeriellen Lohnschreiber ihr Material: "Die
MG verfügt über..."
Diese Umkehrung drückt nichts anderes als den Wunsch von erklär-
ten Freunden des Systems aus, das sich die Marxistische Gruppe zu
kritisieren traut. Den Wunsch, daß solche Kritiker das Recht ver-
wirkt haben, in und "von" der Gesellschaft zu leben, die ihnen
nicht paßt. Das ist er eben, der neue Typus von Kommunistenver-
folgung: Er kokettiert mit der sattsam bekannten Moral, daß es
Gegner der Grundrechnungsarten des Kapitals und der Ordnungsvor-
stellungen des Staates einfach nicht verdient haben, gemäß den
herrschenden Regeln etwas zu verdienen. Schon gleich nicht etwas,
das ihnen erlaubt, ihre Gegnerschaft zu Gehör zu bringen. Gar
nicht kokett ist das Gebot, welches mit dieser Umkehrung innenmi-
nisteriell in Kraft gesetzt wird. Es lautet: Vernichtet die MG
dort; wo ihr sie treffen könnt. Sie gehört weg, auch wenn das,
was sie mit der Befürwortung des Kommunismus meint und will, in
ihrer Erfolgsbilanz gar nicht auftaucht. Eine Arbeiterbewegung,
der sich die MG dienstbar macht, ist nämlich hinten und vorne
nicht zu sehen. Der bloße R a t z u m Klassenkampf, der Kommu-
nismus als T h e o r i e darüber, wie sich die Opfer und Be-
diensteten von Kapital und Staat nicht mehr für die Sachzwänge
benützen lassen, die andere stiften, wird nicht geduldet. Die
Verfasser und Herausgeber der rechtsstaatlichen Hetzschrift be-
lassen es keineswegs bei der Häme darüber, daß die eigentlichen
Adressaten der MG ihr Interesse mehr schlecht als recht im
M i t m a c h e n wahren wollen. Sie begnügen sich gar nicht mit
dem süffisanten Hinweis darauf, daß den von der Geschichte über-
holten Marxisten niemand glaubt noch folgt. Ihr Bedürfnis nach
einer keimfreien politischen Landschaft, in der jedermann das
ökonomische und politische System gutheißt und seine unangenehmen
Wirkungen als "Probleme" an deren Urheber zurückdelegiert, fällt
gründlich aus.
Deswegen bemühen die Saubermänner der wehrhaften Demokratie auch
noch die ausgefallensten Verrenkungen des akademischen Geistes,
um der Marxistischen Gruppe die Polizeiwidrigkeit ihrer paar Ge-
danken nachzuweisen. Deswegen werden sie auch auf eine denkbar
rohe Weise ausfällig, wenn sie der Marxistischen Gruppe den ver-
brecherischen Charakter ihrer Zielsetzungen anhängen wollen. So
kommen in einem Traktat, welches allein der S t a a t s-
s i c h e r h e i t, Marke West, zu einem letzten Erfolg ver-
helfen soll, ganz disparate und abwegige Ideen zu höchsten Ehren.
Ideen, über die wohl das Amt Gehlen noch herzlich gelacht hätte.
Einerseits eine w i s s e n s c h a f t s t h e o r e t i-
s c h e Darlegung der Doktrin, daß die MG wert ist, zugrun-
dezugehen; andererseits die Vorstellung, daß die europäische
Führungsmacht BRD damit befaßt sei, sich des S t e i n z e i t-
k o m m u n i s m u s zu erwehren.
"Die Gedanken sind frei" - oder:
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Anstandsregeln beim Denken verletzt
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Daß sich unsere Befunde über "das Leben" - in Uni und Betrieb, in
den neuen Bundesländern und in der alten NATO - erheblich von den
Auffassungen anderer Leute unterscheiden, hat auch der Brain-
Trust des Innenministeriums gemerkt. Das war insofern nicht
schwer, als wir ja über Jahre hinweg gegen die land- und weltläu-
figen Ansichten polemisch aufgetreten sind. Dabei mußten wir im-
mer wieder feststellen, daß zwar die MG viel Mühe darauf verwen-
dete, andere Zeitgenossen vom Leitartikler über den Professor bis
zum Bundespräsidenten zu widerlegen. Umgekehrt hingegen hat von
denen niemand auch nur versucht, seine Ablehnung unserer Meinun-
gen in derselben Weise zu begründen. Vielmehr ist man uns in
schöner Regelmäßigkeit mit dem Vorwurf gekommen, wir würden un-
sere Gedanken zu selbstsicher vorbringen und anderen antragen,
weil wir sie für W i s s e n halten. Und das würde sich eben
nicht gehören.
Die Schelte, wir glaubten uns wohl im "Besitz" der Wahrheit, gar
der "absoluten", ließ nie lange auf sich warten. Da hat es uns
auch wenig genützt, darauf hinzuweisen, daß sich jeder Gedanken
macht, Urteile fällt und Schlüsse zieht und daß es eben darauf
ankommt, ob es stimmt, was sich der eine oder andere für eine Er-
klärung dessen zurechtlegt, was er so in Erfahrung bringt. Daß
Wahrheit jemand ausschließlich g e h ö r t, so daß sie andere
nie zu fassen kriegen, haben wir immer für eine alberne Vorstel-
lung gehalten und das auch gesagt. Allerdings auch, wer warum auf
diesen Schwachsinn verfällt.
Und was müssen wir jetzt schon wieder lesen: "Die MG beansprucht
für ideologische Fragen ein Erkenntnismonopol." Deshalb zum letz-
ten Mal: Wir werden uns erstens hüten, etwas zu beanspruchen, was
es gar nicht gibt. Zweitens sind wir mit unseren Urteilen über
Gottes schöne Welt an die übrige Menschheit herangetreten und ha-
ben damit eine äußerst antimonopolistische Grundhaltung an den
Tag gelegt. Wer andere von seinen Gedanken überzeugen will, legt
nämlich keinen Wert auf ausschließliche Verfügung über dieselben.
Aber die guten Menschen, die ihre Meinung wie ein Eigentum behan-
deln, das ihnen böse Kommunisten e n t w e n d e n wollen, wenn
sie kritisieren gehen, sind ziemlich stur. Sie sind im Unter-
schied zu uns offensichtlich sehr scharf auf ihre e i g e n e
Meinung - so sehr, daß es sie nicht einmal interessiert, ob ihr
Schatz an Auffassungen auch stimmt. Als ob ein paar Korrekturen
an dem einen oder anderen Befund etwas daran ändern würden, daß
sie es sind, die da denken, werden sie recht unverschämt und
stellen die Eigentumsfrage, wo sie einfach nichts verloren hat.
Dies ist nämlich i h r e Art, ohne Widerlegung "fremde" Ansich-
ten zurückzuweisen und jeden zur Relativierung seiner Auffassun-
gen aufzufordern, ohne den geringsten Grund dafür zu sagen. Sie
bestehen darauf, daß es gerade beim Denken einen Unterschied zwi-
schen richtig und falsch nicht gibt; und daß sich im Denken des-
halb für jeden Zurückhaltung und Bescheidenheit ziemt. Locker
dogmatisch beharren sie darauf, daß man ohne diese Zurückhaltung
nicht nur nichts für Wissenschaft taugt, sondern auch wenig fürs
Zusammenleben. Ohne die Würdigung mit Anerkennung von jedem Mist,
den andere von sich geben, sei man auf dem Sprung dazu, mit den
ach so eigenen Gedanken dem anderen auch noch die Würde zu
klauen. Im Grunde sei der mangelnde Respekt vor eigenen Meinungen
schon der Anlauf zur Gewalt, die ja immer in Betracht gezogen
werden muß, wenn Eigentum im Spiel ist.
Diese Meinung ist sehr verbreitet. Sie hat so viele Anhänger, daß
es schon wieder verwundert, wie schrecklich viel sich jeder von
ihnen darauf einbildet, daß er eine so gängige und dem ansonsten
so ausgeprägten Bedürfnis nach Originalität hohnsprechende Aller-
weltsware zu seinem ureigensten Besitz zählt. Weniger verwunder-
lich ist dagegen, daß die guten Menschen dieses Glaubens die paar
Abweichler in Wissensfragen zu stellen trachten; sie beschimpfen
sie aufs heftigste, stellen sie ins Abseits und erfinden allerlei
üble Nachreden, um die Exkommunizierung aus dem Kreis rechtschaf-
fener, sich selbst relativierender Denker zu vollziehen. Darauf
verstehen sich auch die für Affären der Staatssicherheit rekru-
tierten Geistesschaffenden. Sie zerren eine eher profane Angele-
genheit - es sollen ja nur ein paar Kommunisten dingfest gemacht
werden - in die lichten Höhen der Erkenntnistheorie.
Wie man mit der Waffe der Wissenschaftstheorie
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auf "anders Denkende " einholzt
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"Äußerungen und Verhalten von MG-Angehörigen bleiben für Außen-
stehende schon deshalb häufig ganz unverständlich, weil die MG
einen vom 'bürgerlichen' Denken stark abweichenden Erkenntnis-
gang bevorzugt. Positivistische 'bürgerliche 'Wissenschaft ver-
wendet einen sogenannten induktiven Erkenntnisgang. Er nimmt
zunächst die in der Realität auffindbaren Einzelphänomene zur
Kenntnis, sortiert und systematisiert sie nach bestimmten Merkma-
len oder Erfahrungswerten. Aus diesem Vorgang wird eine Theorie
entwickelt, welche eine Vielzahl von Einzelphänomenen allgemein
erklären soll. Versagt die Theorie bei ihrer Anwendung auf die
Realität, gilt sie als widerlegt.
Anders die MG: Sie verwendet eine deduktive, von den Axiomen ei-
ner angeblich unwiderleglich 'wahren' Theorie auf die Einzelphä-
nomene der Wirklichkeit schließende Erkenntnismethode. Entschei-
dend für die Wirklichkeitssicht der MG sind nicht Kategorien wie
Empirie und Erfahrung, sondern eine 'Ableitung' aus ideologischen
Vorgaben. Nicht das Faktum als solches gilt als entscheidend,
sondern seine 'richtige' Bewertung nach ideologischen Axiomen.
Tritt ein Widerspruch zwischen Fakten und dem erwünschten
'Ableitungsergebnis' auf, gibt die MG der 'Ableitung' den Vor-
zug." (18 f.)
Der unbedingte Respekt vor Andersdenkenden ist eine Sache. Was
wir davon halten, zitieren die Staatsanwälte des guten Benimms in
geistigen Auseinandersetzungen völlig richtig.
"Marxisten sind keine Liebhaber der berühmten 'Freiheit der An-
dersdenkenden'- sie wollen lieber wissen, was der andere denkt,
und denken dann entweder dasselbe oder argumentieren dagegen. Und
sie befürworten keine Toleranz, die es verbietet, Interessenge-
gensätze auszutragen, und die damit nur denen zugute kommt, die
sowieso die Macht haben." (34)
Natürlich nicht ohne einen Kommentar, der vor Freude darüber
strotzt, auf eine so "entlarvende" Stelle bei uns gestoßen zu
sein. Den Beweis für die Dummheit, die solcher Freude zugrunde-
liegt, liefern sie gleich mit:
"Konkurrierende, vorgeblich 'falsche' Auffassungen sind zu be-
kämpfen und möglichst zu vernichten. Das von der MG reklamierte
Erkenntnismonopol zielt auf praktische Durchsetzung." (34)
Zur leidigen Frage des Monopols ist bereits alles Nötige gesagt.
Daß es falsche Auffassungen nur in Anführungszeichen und vorgeb-
lich dazu gibt, nehmen wir Leuten nicht ab, die ihre Dienstherrn
mit Ausführungen über einen "induktiven Erkenntnisgang" rechtfer-
tigen, in dem durchaus auch von einer W i d e r l e g u n g von
Theorien die Rede ist. Dabei machen wir uns überhaupt nichts dar-
über vor, daß ein Wissenschaftstheoretiker, wenn er von Widerle-
gung spricht, etwas ganz anderes im Kopf hat als das Aufzeigen
und Korrigieren von Fehlern beim Urteilen und Schließen. Daß er
bestimmte Sorten Gedanken aus dem Reich der approbierten Wissen-
schaft ausschließen will, daß er den rechten Gang des Erkennens
so lange zurechtdefiniert, bis er Unzulässiges von Wohlgelittenem
scheiden kann, ist ihm allemal geläufig. Und wenn er mit Popper,
Stegmüller, Schnädelbach, Becker etc. so weit ist, wird er sich
hüten, über Gedanken der MG zum Beispiel ein anderes Urteil zu
fällen als: nicht durch den TÜV gekommen. Bzw. "gilt als wider-
legt". Die Gültigkeit ist eine praktische.
Schließlich möchten wir noch ganz bescheiden anmerken, daß die
mit den Bildern "bekämpfen" und "vernichten" so süffisant be-
rührte Gewaltfrage, die uns da angehängt werden soll, schon
gleich gar keine Sache der MG ist. Wir kriegen sie vielmehr lau-
fend gestellt, diese Frage, und zwar schon lange bevor sich die
arbeitende Menschheit ein paar Erklärungen von uns Marxisten,
ihre Lage, ihre Leistungen und Opfer für Kapital und Staat be-
treffend, durch den Kopf gehen läßt und auf ihren Interessen be-
steht. Umgekehrt wagen wir zu bezweifeln, daß Leute früh um halb
sechs in eine Rüstungsfabrik marschieren, weil sie einen
"induktiven Erkenntnisgang" der "deduktiven Erkenntnismethode"
der Marxistischen Gruppe vorziehen. Kein Zweifel hingegen besteht
daran, daß die Kommentatoren unseres Zitats nur seine Richtigkeit
bestätigen, wenn sie aufgeregt vermelden: "zielt auf praktische
Durchsetzung". Ihre wissenschaftstheoretische Polemik gegen
'richtig' und 'falsch', gegen Sicherheit des Wissens, hat eben
mit einer innertheoretischen Auseinandersetzung nicht das
geringste zu tun. Das dogmatische Leugnen der bloßen Vorstellung,
es könnte so etwas wie Wissen um Gründe und Notwendigkeiten in
der kapitalistischen Hausordnung geben, wendet sich überhaupt
nicht gegen einen theoretischen Irrtum. Vielmehr gegen den
Willen, der sich aus gewissen Einsichten ergeben könnte.
Aber wem sagen wir das. Wir haben es ja gar nicht mit Leuten zu
tun, die ihren Weltanschauungen jede praktische Konsequenz unter-
sagen. Bloß mit dem kleinen Unterschied zu uns bestehen sie dar-
auf, daß ihren Vorstellungen auch ganz ohne den Anspruch, sie
würden stimmen, das Recht zuteil wird, für den insgesamt ziemlich
gewalttätigen, demokratischen, marktwirtschaftlichen, weltord-
nungsmäßigen Gang der Dinge b e s t i m m e n d zu sein. Dabei
spielt es noch nicht einmal eine Rolle, daß sich von den maßgeb-
lichen Instanzen dieser Welt keine einzige an ihre komplizierten
Denkvorschriften hält.
Insofern brauchen Leute, die den demokratischen Imperialismus
ausgerechnet mit Spielregeln des geistigen Verkehrs gleichsetzen
und rechtfertigen, eine Verlegenheit nicht zu befürchten. Wenn
sie die Marxistische Gruppe aus dem Geiste der Wissenschaftstheo-
rie für gefährlich erklären, müssen sie keine Angst haben, daß
ihre Theorie je versagt. Wie sollte ihre Theorie der Falsifizie-
rung von Ergebnissen ihres induktiven Erkenntnisgangs je in Kraft
treten: "Versagt die Theorie bei ihrer Anwendung auf die Reali-
tät, gilt sie als widerlegt." Keine Anwendung, kein Versagen,
keine Widerlegung - nur brauchbar.
Von solchen Geistesriesen kriegt die Marxistische Gruppe einen
Steckbrief verpaßt.
"Die Axiome ihrer Ideologie gelten den MG-Anhängern als unver-
rückbare Wahrheiten; sind sie einmal 'wissenschaftlich' festge-
legt, bedürfen sie keiner Veränderungen mehr."
Wenn man uns bei dieser Gelegenheit wenigstens die "Axiome" hin-
geschrieben hätte, nach denen sich in unseren verbildeten Gemü-
tern alles richtet! Wenn die professionellen Festleger des Er-
laubten und Verbotenen im Reich der Wissenschaft wenigstens ver-
raten würden, was in unseren Reihen je festgelegt worden ist! Wir
wären dankbar für einen so handlichen Mechanismus, den wir - man
hat ja schließlich studiert - ausschließlich aus der Wissen-
schaftstheorie kennen. Den wir ablehnen, weil wir auf ein paar
Einsichten scharf sind, und die Anpreiser der einschlägigen Er-
kenntnismodelle glaubwürdig versichern, ja darauf bestehen, daß
mit ihrem Erkenntnisapparat garantiert keine Erkenntnis zustande-
kommt.
Abschreckend wirkt auf uns außerdem der einzige uns bekannte
Fall, wo nach solchen Prinzipien vorgegangen wird, was aber die
Staatssicherheit weniger stört. Mit 2 bis 3 Axiomen über Gott,
den Menschen und andere Engel packen die Kirchen die komplette
Welt ein, ganz nach dem vom Innenminister verteufelten Modell:
"Nicht das Faktum als solches ist entscheidend, sondern seine
'richtige' Bewertung nach ideologischen Axiomen."
Trotz der allgemeinen Beliebtheit, der sich dieses erschöpfend
angewendete Verfahren erfreut, können wir damit wenig anfangen.
Mehr als eine universelle Deutung der Realität, bei der hinter
allem eben immer dasselbe steckt, kommt dabei nicht heraus. Und
die taugt bloß zu einer Untertanengesinnung, die in allem mords-
mäßig viel Sinn ausmachen darf, also so ziemlich das Gegenteil
von Kritik darstellt. Deshalb hat der Verfassungsschutz im übri-
gen da, wo der Kommunisten angedichtete "Erkenntnisgang" wirklich
veranstaltet wird, trotz einer gewissen Entfernung der Lehre von
der Realität kaum Bedenken gegen die Großsekten, die das betrei-
ben...
Für den Steckbrief ist natürlich das Dümmste gerade gut genug.
"In der Praxis bedeutet dies: Deckt sich die Wirklichkeit nicht
mit den Erfordernissen der Theorie, werden die Fakten solange
falsch dargestellt oder bewertet, bis sie als aus der Theorie
scheinbar stimmig 'abgeleitet' erscheinen. " Hier scheinen ein
paar durchgedrehte Intellektuelle für den alten Freud reif zu
sein, der sich ausgiebig mit dem Phänomen der Projektion ausein-
andergesetzt hat. In dem Bemühen, statt einer Widerlegung von MG-
Behauptungen (da müßte man ja glatt wieder richtig und falsch
scheiden können und etwas wissen wollen) etwas ganz anderes zu
leisten: den Beweis einer s y s t e m a t i s c h e n
U n b e l e h r b a r k e i t zu erbringen, rügt ausgerechnet
eine Schrift des Innenministeriums einen politischen Gegner des
Frevels an methodischen Regeln der Wissenschaft. Nicht die Aus-
einandersetzung mit den Andersdenkenden - davon hält man in sol-
chen Kreisen nichts - ist angesagt, sondern die Kennzeichnung
a n d e r s D e n k e n d e r, von Leuten, die einen K a n o n
v e r l e t z e n. Dafür ersinnen sich Geistesschaffende, denen
unsere Gesellschaft (auch das spricht nicht für sie) den Status
geistiger Autorität verleiht, ein Modell von "deduktiver Theo-
rie", das weder mit Deduktion, noch mit Axiomatik, noch mit Ab-
leitung etwas zu tun hat. Es scheint uns, daß diese Wissenschaft-
ler von allen drei Dingen keine Ahnung haben, weshalb sie auch
gleich zweisprachig "Empirie und Erfahrung" als Korrektiv anmah-
nen. Andererseits ist nicht zu übersehen, daß sie uns mit dem uns
zuerkannten Erkenntnismethödchen zumindest eines bescheinigen
möchten: den gesalzenen Grad von Paranoia, dessen es ihrer Mei-
nung nach bedarf, um Kommunist zu sein.
Deshalb soll auch der Gipfel der Beweisführung in Sachen "die
spinnen deduktiv mit ihren Axiomen und sehen die Welt nicht mehr"
nicht aus Platzmangel verschwiegen werden.
"Dabei kann es bisweilen zu grotesken Ergebnissen kommen. Ein
Beispiel dafür lieferte die MG mit ihrer "wissenschaftlichen Ana-
lyse" der Fluchtwelle aus der DDR im Sommer 1989. Als sich damals
Tausende von DDR-Bewohnern in die Bundesrepublik Deutschland ab-
setzten, mochte sich die MG nicht mit dem Gedanken anfreunden,
daß Gründe für die Massenflucht im politischen und wirtschaftli-
chen System des SED-Regimes liegen könnten. Vielmehr hatte sie
bereits zuvor bekundet, schuldig am Ausbluten der DDR sei die
Bundesrepublik. Sie habe sich im Wiedervereinigungsgebot des
Grundgesetzes ein imperialistisches Programm gesetzt und der DDR
- durch die Nichtanerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft - die
Souveränität über ihre Bevölkerung streitig gemacht." (20)
Wir werden uns hüten, unser Zitat noch einmal abzudrucken, das
soll jeder Interessierte selbst nachlesen in MSZ 5/1989. Es sei
nur bemerkt, daß das Zitat selbst und der ganze Artikel sich aus-
führlich mit den Gründen der Massenflucht befassen und zwar aus-
drücklich auch mit denen, die i m System der DDR liegen. Es
rechnet allerdings mit einer Besonderheit dieses Systems, und die
besteht in einem Verhältnis zur BRD und zu den anderen Ostblock-
staaten. Kaum erwähnen wir das, wollen unsere wissenschaftstheo-
retischen Interpreten selbst den Genscher-Dank an Gorbatschow, an
Ungarn und die Tschechoslowakei - die immerhin der bundesrepubli-
kanischen Nichtanerkennung einer DDR-Staatsbürgerschaft ihre
praktische Gültigkeit verschafft haben - nicht mehr zur Kenntnis
nehmen, bloß weil sie die MG einer "Deduktion" überführt haben
wollen! Dabei kennt jedes Kind die einschlägige Sachlage, jeder
weiß, daß sich dabei Staaten auf die Seite der BRD geschlagen und
die Macht der DDR über ihre Bewohner gebrochen, Grenzen dafür ge-
öffnet haben, die sonst kein Asylant ungeschoren überschreitet.
Jeder kennt das Wechselspiel von inneren und äußeren Gründen,
aber mit Realität dürfen diese Gründe nichts zu tun haben, der
MG-Analyse werden sie als reelle bestritten - weil die Autoren
eben diese Analyse von Gründen verwechseln, identisch setzen wol-
len, mit etwas ganz anderem, nämlich einer Klärung der
S c h u l d f r a g e. Wenn die Marxistische Gruppe sich am Wäl-
zen der Schuldfrage nicht beteiligen, sondern vielmehr erklären
will, auf welch sonderbare Weise ein Staat zugrundegeht, dann
läßt sie die Moral vermissen, mit der die wissenschaftlichen Fans
der BRD die Massenflucht einzig und ausschließlich beglückwünscht
sehen wollen. Das ist der ganze Realitätssinn, den die Anhänger
einer "induktiven" Methode selbst an den Tag legen.
Irgendwie wartet man auch auf den Nachweis des Fehlers, den die
MG begangen haben soll, indem sie im Grundgesetz ein imperiali-
stisches Programm entdeckt haben will. Es ist ja unüberhörbar,
daß den deutschen Gelehrten unsere Vokabeln nicht schmecken; aber
die Sache zu bestreiten, daß mit dem Wiedervereinigungsgebot ein
Staat das Existenzrecht eines anderen grundsätzlich und systema-
tisch nicht anerkennt, folglich auch nicht den Paß von dessen
Bürgern, und daß die BRD im Sommer 1989 eben dieses Programm mit
Hilfe der anderen Ostblockstaaten in die Realität umgesetzt hat -
das zu bestreiten trauen nicht einmal sie sich. Und was die
"Verwechselung von Ursache und Wirkung" betrifft - von wegen!
Drittweltbewohner können angesichts der Unzuträglichkeiten des
Systems, unter dem sie leben, noch so zahlreich den Wunsch hegen,
BRD-Boden zu betreten; Ursache für die Wirkung, daß die BRD ihnen
diesen Wunsch erfüllt, wird das nie. Ursache für die Öffnung der
Grenzen war ebensowenig der bloße Wunsch der DDR-Bewohner, son-
dern schon der Einfluß der BRD, mit dem sie ihrem Wiedervereini-
gungsprojekt im gesamten Ostblock Geltung verschafft hat. Alle
diese Gründe sind in dem inkriminierten Artikel gründlich be-
trachtet und aufgeführt worden, aber mit der Schuldfrage nach dem
Muster 'DDR böse, BRD gut' können wir den Spezialisten methodisch
kontrollierten Denkens leider nicht dienen.
Das zweite Beispiel für die Vergewaltigung der Realität, die das
MG-Denken angeblich vornimmt, hört sich so an:
"Erbringt beispielweise eine westliche Demokratie wirksame Sozi-
alleistungen, obwohl sie nach ideologischen Vorgaben der MG nur
Ausbeutung, Elend und Gewalt hervorbringen kann, so gilt der so-
zialpolitische Fortschritt als, Beweis besonderer Heimtücke."
Wo, bitte, haben die MG-Exegeten bei uns etwas von Heimtücke ge-
lesen? Wir behaupten etwas anderes, nämlich 1. daß die demokrati-
schen Sozialleistungen auf der Armut beruhen; und zwar nicht zum
Beweis marxistischer Theorie, sondern aufgrund der Tatsache, daß
es sie gibt. Wären alle Demokratiebewohner gut ausgestattet, wä-
ren Sozialleistungen nämlich schlicht überflüssig. 2. legen wir
Wert auf den kleinen, ebenfalls in der Realität vorfindlichen Un-
terschied, daß nicht die Demokratien die Sozialleistungen
"erbringen", sondern immer noch die Lohnarbeiter selbst in Ge-
stalt sogenannter Sozialabgaben, die ihnen zwangsweise vom Lohn
abgezogen werden, was auch in gewisser Hinsicht auf so etwas wie
Armut hinweist. Vermögendere Gesellschaftsmitglieder pflegen sich
nämlich freiwillig und besser zu versichern. Wer ist jetzt wirk-
lichkeitsfremd? Die MG, die auf die Funktionalität der Sozialpo-
litik für die Benützung einer Arbeiterklasse hinweist, auf die
Funktionalität eines Zwangsversicherungswesens dafür, daß Arbei-
ter bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter nicht gleich
ganz ohne Geld und Wohnung dastehen und daher bei Bedarf auch
wieder zur Benützung tauglich sind. Oder die Herren Wissen-
schaftstheoretiker, die sich lieber erst gar nicht für den Sozi-
alstaat und seine Organisationsweise interessieren, weil sie das
nämlich in ihrer Lobhudelei angesichts der lieben Demokratie nur
stören könnte? Wer nicht einmal hinschauen will, wie die Sozial-
leistungen funktionieren, der vermißt - sehr axiomatisch und de-
duktiv - das Lob auf das Ding. Und hängt höchst wissenschaftlich
und objektiv der MG sein erfundenes "obgleich" als d e r e n
Widerspruch an. In Wissenschaftstheoretikerkreisen muß die
"induktive" Betrachtungsweise von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe
ergeben haben, daß es kein Pech, sondern ein Glück ist, ins
"soziale Netz" zu fallen. Zumindest im Vergleich, aber auch nur
durch den Vergleich mit Elendsgestalten in anderen Ländern stellt
sich dann wohl heraus, daß jede Ähnlichkeit dieser Lebenslagen
mit Not und Elend in der Realität ausgeschlossen werden muß.
Streng induktiv verkünden unsere Realisten:
"Dieses angebliche Wissen über die Verhältnisse in der Bundesre-
publik Deutschland bezieht die MG - gemäß ihrer Denkmethode -
nicht aus einer Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Realität,
auch nicht aus einem Vergleich der Bundesrepublik Deutschland mit
anderen Staaten. Die Realität ist für die MG grundsätzlich kein
Maßstab ihrer Bewertungen."
Daß wir nicht zur Kenntnis genommen hätten, daß es in Deutschland
einen Sozialstaat mit diversen Kassen ebenso gibt wie haufenweise
Leute, die auf diese Einrichtungen angewiesen sind, glaubt ihr ja
wohl selbst nicht. Soweit wäre eigentlich der Streit um die groß-
spurige "Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Realität" schon ein-
mal entschieden. Es geht aber eben doch um etwas anderes. Nämlich
um die B e w e r t u n g dieser banalen Tatsache, der wir uns
tatsächlich nicht anschließen wollen. Zumal mit dem methodisch
vorbildlichen, wissenschaftlich einwandfreien Tip, die Verlaufs-
formen moderner Armut - die, was auch Realität ist, auch anderen
Leuten nicht übermäßig gefallen - nicht einfach einer
E r k l ä r u n g zuzuführen, schon wieder ein Streit entschie-
den ist. Mit der Bewertung, wie wir sie versäumen, ist schlicht
das Verbot ausgesprochen, das banale Unbehagen bei der Besichti-
gung von Leuten, denen es schlecht geht, festzuhalten. Wenn dann
noch der geniale Vorschlag ins Spiel kommt, statt einer Klärung
der Frage, ob und warum das so sein muß, lieber erst einmal einen
Vergleich anzustrengen, ist endgültig jeder Zweifel beseitigt.
Dieser Vergleich beruft sich nämlich auf Menschen, denen es noch
dreckiger geht - möglichst solche aus der Dritten Welt, mit der
die Exportnation nie und nimmer etwas zu tun hat -, damit er auch
so ausfällt, wie es einer Bewertung ansteht. Dann sind zwar die
paar Realitäten aus dem leidigen Sozialbereich garantiert kein
Grund mehr, an der lieben Bundesrepublik herumzukritisieren. Denn
es wurde ja bewertet und nicht erklärt. Fraglich ist nur, ob sich
nicht die Bewertung insofern von der Realität mehr entfernt, als
es tausend MGler in 20 Jahren je fertig gebracht haben. Denn ei-
nes steht fest: Durch die Bewertung geht es ja keinem besser;
aber darauf kommt es der leicht verbesserten Sicht des deutschen
Sozialwesens ja ohnehin nicht an. Soviel zu den verschiedenen
Weisen der Berücksichtigung der Realität. Und zu dem unverschäm-
ten Versuch, unserem Denken zwar keinen Fehler, aber ganz viel
Abartigkeit nachzuweisen.
Überhaupt: Das Menschliche
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Bei den Mitarbeitern des Innenministeriums ist man der Auffas-
sung, daß es uns ziemlich fehlt. Zaghafte Hinweise auf durchaus
vorhandene Leidenschaften, wie Biertrinken und Anknüpfen ge-
schlechtlicher Kontakte, können nichts daran ändern. Wir sind ab-
grundtief zynisch, achten keine Ideale und Werte, glauben also
genau genommen an nichts.
Ein "unverwechselbarer, von beißendem Zynismus und belehrender
Überheblichkeit geprägter Stil" zeichnet schon unsere Sprache
aus. Das ist furchtbar leicht zu sehen, für den, der es sehen
will. Wenn ein um die Sicherung der Arbeitsplätze besorgtes Mana-
gement seinen Sprecher verkünden läßt: "Wir müssen abspecken! ",
macht sich kein Geisteswissenschaftler der Nation gemeinsam mit
gewissen Behörden die Sorge, ob da nicht vielleicht ein von bei-
ßendem Zynismus beseelter Verein besondere Beachtung verdient.
Wenn aber die MG, einfach mal zur Abwechslung, d i e
R e a l i t ä t z i t i e r t und schreibt: "Ein Konzern senkt
den cw-Wert seiner Belegschaft", dann ist beißender Zynismus am
Werk. Und der verdient jede Menge Aufmerksamkeit, die natürlich
ganz der Menschenwürde verpflichtet ist.
"Ein typisches Beispiel für diesen Zynismus lieferte ein MG- Pam-
phlet aus dem Jahr 87. Dort heißt es:
'Zwei Millionen Arbeitslose
- keiner will sie
- keiner braucht sie
-jeder beklagt sie'
Nachdem die MG so ihre Verachtung für zwei Millionen menschliche
Schicksale bekundet hat - Arbeitslose werden hier nur in Katego-
rien von Brauchbarkeit und Nutzen, wie beliebige Gegenstände be-
wertet - dient sich die Gruppe an, den arbeitslosen 'Proleten'
Grund und Zweck ihrer Existenz zu erläutern:
'Warum und wozu gibt es sie dann?'" (43)
Wir sind uns nicht ganz sicher, auch das gibt es bei uns, wie wir
dieses Beispiel für die Sicherheit daß es sich bei uns um eine
zynische Bande handelt, bewerten sollen. Auf jeden Fall paßt die
ganze Sache nicht zu dem Vorwurf, wir würden uns weigern,
"auch nur Ausschnitte der Wirklichkeit zu erfassen: unbeeindruckt
von der Realität predigt er die Ergebnisse seiner
'Ableitungen'..."
Eher schon sieht es so aus, als hätten da gewisse überhebliche
MGler schlicht einen saftigen Ausschnitt aus der landesüblichen
Wirklichkeit kopiert, in der offenbar fehlgeschlagenen Absicht,
andere Leute darauf aufmerksam zu machen, wie der landesübliche
Zynismus in Sachen Arbeitslose beschaffen ist. Nachdem die
ethisch fundiert argumentierenden Intellektuellen das nicht ver-
standen haben, müssen wir uns fragen, ob wir nun überheblich oder
sie leicht auf den Kopf gefallen sind. Denn das zieht sich durchs
ganze Pamphlet des Stasi-West durch: Die eher einfältige und gar
nicht überhebliche literarische Technik zu sagen, wie es ist,
bzw. wie es die Verantwortlichen sagen, ist diesen Trotteln ein-
fach nicht verständlich. So kommen sie darauf, den real existen-
ten Umgang mit den Arbeitslosen ausgerechnet uns in die Schuhe zu
schieben, nur weil wir ihn hersagen. Nach der eigentümlichen Lo-
gik, daß nicht die Verhältnisse brutal sind, sondern diejenigen,
die die Brutalität beim Namen nennen. Diesen Anwälten der Men-
schenwürde hätte es auch nichts geholfen, wenn wir als vierte
Zeile hinzugefügt hätten: "Alle bedauern 2 Millionen menschliche
Schicksale."
Darum ist es nämlich gegangen. Um die Charakterisierung der öf-
fentlichen Heuchelei, die Arbeitslosen betreffend, einer Heuche-
lei, die maßgeblich von denen betrieben wird, die "Verantwortung
tragen". Von denen, die darauf bestehen, daß jeder Arbeiter, der
sein Geld verdient, i h n e n für die Bereitstellung eines Ar-
beitsplatzes zu danken hat. Die umgekehrt ebenso darauf bestehen,
daß sie Entlassungen 'nicht verhindern' können, weil die Sach-
zwänge des Marktes, über die sie selber gebieten, es ihnen ver-
wehren würden. In der Abteilung "Warum und wozu gibt es sie
dann?" haben wir im übrigen dargelegt, was wir für Antworten auf
diese Frage haben - und solange die mitschreibenden Observanten,
die auf dieser Veranstaltung anwesend waren" zu blöd sind, die
Richtigkeit unserer Antworten zu überprüfen, weigern wir uns, den
Vorwurf des Zynismus zu akzeptieren.
Auch der andere Vorwurf an den MG-Agitator
"die Forderung, darzulegen, wie dem Kritikwürdigen abgeholfen
werden könnte, wird er ebenso zurückweisen wie Zumutungen, für
die Verbesserung der kritisierten Wirklichkeit Verantwortung zu
übernehmen" -
ist äußerst ungerecht. In Sachen Abhilfe haben unsere Antworten
auf das Warum und Wozu erschöpfend Auskunft gegeben. Das hat aber
nur dazu geführt, daß unsere Kritiker die letzten wären, uns
überhaupt ein Gramm Verantwortung zuzugestehen. Wieder nicht ver-
standen? Na gut. Dann soll hier wenigstens einmal erwähnt werden,
daß die MG über Jahre hinweg ihren Beitrag zur Sicherung einer
Reihe von Arbeitsplätzen geleistet hat - in den Reihen derer, die
sich mit ihr so aufmerksam befassen durften. Aber vor lauter Ob-
servation halt doch alles verpaßt haben, was an uns interessant
ist.
Was die Verbotsfanatiker vom Stasi-West unter "Kritik" verstehen
----------------------------------------------------------------
Daß eine Behörde der Staatssicherheit besser die Finger von so
heiklen Dingen wie "sprachliche und normative Aspekte der MG-Agi-
tation" gelassen hätte, wird selbst blutigen Laien an folgenden
Stilblüten klar:
"MG-Sprache ist stark mit Adjektiven, Adverben und sonstigen
Füllwörtern angereichert."
Erstens muß man sich fragen, was nun daran schon wieder schlimm
sein soll. Zweitens fällt der Vorwurf auf die Kritiker selbst zu-
rück. In manchen Sätzen der staatlich subventionierten Hetz-
schrift kommen benannte Wortarten gleich mehrfach vor. Zuzugeste-
hen ist nur eine gewisse Beschränkung auf das Adjektiv 'zynisch',
das ein paar Seiten lang auf Kosten anderer schöner Wörter domi-
niert. Gänzlich unverständlich werden die Bemerkungen über ge-
wisse Umständlichkeiten in unserem Satzbau die sich wie ein Rat-
geber zu effektiverer Agitation lesen. Den können wir nun leider
nicht mehr beherzigen, die guten Ratschläge aber zurückgeben.
Schreibt doch das nächste Mal einfach: "MG böse!", und fertig ist
die Laube.
Dieser Rat ist ernst gemeint. Denn jedesmal, wenn die "Themen zur
Inneren Sicherheit" zum Beweis schreiten, wird zwar nicht ihre
Sache, wohl aber der Beweis peinlich.
Dazu eine Vorbemerkung. Um einer Organisation ihre
V e r f a s s u n g s w i d r i g k e i t nachzuweisen, bedarf
es keiner Wissenschaft. Das Geschäft, das hierzu vonnöten ist,
beschränkt sich auf ein ödes Vergleichs- und Subsumtionsverfah-
ren, ergänzt durch eine schlichte Entscheidung darüber, ob man
sie gewähren läßt oder wegputzt. Die gesamte Durchführung beruht
auf der Anwendung von Gewalt, die ihre Prinzipien und Anwendungs-
regeln rechtlich formuliert. Um eine Organisation zu kritisieren,
muß man sie erst einmal kennen. Begreifen, aus welchen Gründen
heraus sie ihrer Sache nachgeht, um dann, mit solchem Wissen
(sic) ausgestattet, die Vorhaben und Zwecke des Vereins mit sei-
nen eigenen Interessen zu vergleichen und seine Entscheidung zu
treffen. Falls diese Entscheidung wider die Organisation aus-
fällt, hält man ihr seine Kritik vor, begibt sich in einen Streit
und sucht ihn zu bestehen.
Diese Vorbemerkung wollte einerseits auf den kleinen Unterschied
zwischen Verbot und Kritik hinweisen, andererseits festhalten,
daß Fanatiker eines Verbots in der Pose von Kritikern eine außer-
ordentlich schlechte Figur abgeben. Ausgerechnet an einem Aufsatz
über Kritik, ausgerechnet an seinem Schluß, der mehr mit Hegels
Urteil des Begriffs zu tun hat als mit innerer Sicherheit, wollen
die intellektuellen MG-Hasser herausgefunden haben, daß man die
MG auch mit Argumenten, die von ihr selbst stammen,
w o h l b e g r ü n d e t absägen kann.
"'Entweder ich teile den gewußten Zweck der Sache (... ), aber
ihr Zweck ist schlecht verwirklicht. (...) Die Sache entspricht
nicht ihrem Begriff. Sie ist an sich in Ordnung, aber ihre beson-
dere Ausprägung ist unvollkommen - gemessen an ihrem Begriff (...
). Kritik ist dann das konstruktivste Geschäft der Welt.'
Von ihren Anhängern erwartet die MG hingegen nicht
'konstruktive', sondern kompromißlos 'destruktive' Kritik:
'Oder das Wissen um die Sache offenbart etwas ganz anderes. Ihr
Zweck steht im Gegensatz zu meinem Interesse, die Unangemessen-
heit meinem Anliegen gegenüber ist notwendig (... ). Die Sache
hat nicht einen Mangel, der in meinem Interesse zu beheben wäre,
sondern sie ist der Grund meines Schadens. Man macht sich dann
besser nicht zum Anwalt ihrer Verbesserung, (...) sondern zum An-
walt ihrer Beseitigung.' (MSZ 3/89)
Welche Art der Kritik sich auf einen Sachverhalt anwenden läßt,
hängt nicht zuletzt vom Werthorizont des Kritikers ab. Man kann
z.B. der MG zum Vorwurf machen, daß sie im Sinne einer revolutio-
nären Organisation nicht richtig funktioniert ('konstruktive'
Kritik) oder man kann gute Gründe anbringen, dieser Organisation,
da sozialschädlich, keinen Bestand zu wünschen ('destruktive'
Kritik). Die Entscheidung für die zweite Möglichkeit ergibt sich
bei diesem Beispiel problemlos aus dem Werthorizont der freiheit-
lich demokratischen Grundordnung.
Also muß es auch einen Wertmaßstab geben, der für die MG eine Be-
seitigung von Freiheit, Gleichheit und Demokratie wünschenswert
erscheinen läßt. Diesen Wertmaßstab gilt es zu finden; er liegt
offenbar in den politischen Zielen der Gruppe begründet." (46)
Das zumindest muß man den Rechenkünstlern, die da aus dem wissen-
schaftstheoretischen Ghetto herausgetreten sind, bescheinigen:
Sie sind anpassungsfähig. Eine Argumentation, die über Kritik
handelt und zwar ausdrücklich so, daß sie das Wissen um die Ei-
genarten und Notwendigkeiten des kritisierten Objekts zur Bedin-
gung dafür erklärt, daß die Kritik eine begründete - und nicht
eine willkürliche, einer Laune oder einem Standpunkt, einem Vor-
urteil geschuldete - ist, gefällt ihnen. Plötzlich vergessen sie,
daß für sie Wissen überhaupt nicht existiert, es sei denn in der
Anmaßung antidemokratischer Elemente. Sie übergehen das Wort und
die mit ihm verbundene Forderung, die überhaupt den ganzen Witz
des zitierten Artikels ausmacht, um eines festzuhalten: daß
schließlich auch MG-amtlich zu Protokoll gegeben ist, daß beim
Kritisieren immer g e m e s s e n wird, und zwar von einem
Standpunkt aus. Damit ist nicht nur die ganze erste Hälfte des
zitierten Artikels erschlagen und vergessen; damit ist auch genau
der Standpunkt eingenommen, den besagte erste Hälfte des Artikels
als Grundlage der Dummheiten, Naivitäten und Gemeinheiten moder-
ner Kritik vorführt. Aber eben nicht nur das. Es würde ja gar
nichts ausmachen, wenn die Ghostwriter von Lochte und Co. einen
Artikel der Marxistischen Gruppe nicht verstanden hätten. Der
Gipfel der "Anwendung" einer theoretischen Äußerung von uns be-
steht darin, daß unter perfekter Mißachtung des Inhalts des Zi-
tierten - auch eine Art der Nicht-Wahrnehmung von Realität - MG-
Äußerungen zur methodisch kontrollierten Rechtfertigung einer MG-
Liquidierung herangezogen werden.
Dieses Kunststück bringen tatsächlich nur Leute fertig, die sich
die Frage vorgelegt haben, ob man der MG "Bestand wünschen soll".
Unter dem Vorwand, mit A r g u m e n t e n der MG prüfend umzu-
gehen, wird eben jede Wortmeldung dieses Vereins nur nach dem
oben genannten Gesichtspunkt der Verfassungswidrigkeit besich-
tigt. Deshalb auch die lockere Abwendung vom "Wissen", das im Zi-
tat vorkommt, zum "Werthorizont", der "nicht zuletzt" also ganz
zuerst entscheidet, wen man ins Unrecht setzt. Nicht theoretisch.
Die Sicherheit bezüglich der Existenz eines "Wertmaßstabs, der
für die MG eine Beseitigung von Freiheit, Gleichheit und Demokra-
tie wünschenswert erscheinen läßt", kündet von zweierlei - einem
Versäumnis und einer Absicht.
Das Versäumnis besteht darin, daß diese Sophistiker des Verfas-
sungsschutzdenkens, diese 'Ich-weiß-daß-ich-nichts-weiß-Säuberer'
einfach bei der Bestandsaufnahme der Realität versagt haben. Mehr
noch bei der Erklärung dessen, was sie selbst einmal als
"Widrigkeiten der Welt" locker erwähnen. Wer auf die FDGO nichts
kommen lassen will, der weigert sich auch auf Teufel komm raus,
ihr das anhängen zu lassen, was der ihr verpflichtete Staat mit
seiner Währung, seinem Genscher, seinem Beitrag zur Weltordnung,
zur alten wie zur neuen, mit seinem Giftgas und Lome-Abkommen,
mit seiner nahost-militaristischen Wiedergutmachung und überhaupt
mit seinem Export und Import, Umwelt eingeschlossen, daheim und
in der Welt anrichtet. Also nichts mit Wertmaßstab. Die
Geschädigten von "Freiheit, Gleichheit und Demokratie" reichen
voll und ganz, um ihnen keinen Bestand zu wünschen. Spätestens
dann, wenn man w e i ß, daß die Schäden von diesen drei großen
Werten, verkörpert in ein paar mächtigen Staaten, ausgehen. Aber
jetzt kommt sicher wieder die Leier mit dem Wissen...
Die Absicht zielt auf die Behebung eines ganz anderen Versäumnis-
ses: Mit der Feststellung, daß die MG die braven Werte aller an-
ständigen Macher und Mitmacher der freien Welt ablehnt, ist das
eigentliche Motiv für die feststehende Niedertracht erst noch
auszumachen. Wie in jedem ordentlichen Gerichtsverfahren gehört
zur Handlung eben ein Vorsatz - andernfalls der Inkriminierte we-
gen Fahrlässigkeit billig davonkommt. In diesem Vorsatz entdeckt
dann selbst das Bundesinnenministerium, mit welcher Sorte Feind
es zu tun hat. Das wäre ohne die Mitwirkung von professoralen
Kammerjägern nicht möglich gewesen.
Die wirkliche Bedrohung: Die Brutalos ante portas
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Es ist guter Brauch in der Demokratie, daß man Kritiker fragt,
wie sie es mit der Gewalt halten. Da nützt es dann gar nichts,
wenn die Kritiker entgegnen, nach ihrem Geschmack gäbe es von
diesem hohen Gut schon viel zu viel. Die Frage ist anders ge-
meint.
Nämlich gar nicht als Frage. Denn was da als "letztes" Kriterium
daherkommt für die Entscheidung, welchen Kredit man den Kritikern
einräumt, gerät schlicht zum ersten und einzigen. Es zeugt davon,
daß die Fragesteller unbekümmert um Argumente und Gründe von Leu-
ten, die alles mögliche geändert sehen möchten, der Kritik nur
dann eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen, wenn sie ga-
rantiert nicht "mit Gewalt verbunden" ist. Und das ist, gelinde
gesagt, eine Heuchelei, aber eine in praktischer Absicht. Da wird
so getan, als wäre jede ansonsten noch so wohlmeinende Absicht
verwerflich, wenn zu ihrer Verwirklichung Gewalt zum Einsatz
kommt. Das Schöne an dieser noblen Einstellung ist, daß ihre Ver-
fechter zielstrebig darauf verzichten, ihren radikalen Test an-
derswo als an Gesellschaftskritikern und vielleicht zusammen mit
ihnen an den maßgeblichen Instanzen der Gesellschaft durchzufüh-
ren, zu der sie stehen.
Statt dessen ist sowohl den Herrschaften aus Politik und Wirt-
schaft als auch den Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur
etwas ganz anderes geläufig. Die Ordnung, in der sie das Sagen
haben, gilt ihnen mit ihren Verkehrsformen, ihren ökonomischen
Zielen und Mitteln als so heilig und hochwertig, daß zu ihrer
'Verteidigung' ganz viel Gewalt legitim ist. Ohne den geringsten
Anflug von schlechtem Gewissen bekennen sie sich im Innern der
Gesellschaft zur Wahrnehmung des Gewaltmonopols, wo immer sich
jemand störend bemerkbar macht. Dazu erfinden sie an Universitä-
ten sogar ein "unwertiges" "Menschenbild", demzufolge die ganze
Meute der Untertanen von demokratischen Staaten konsequent faust-
rechtlich aufeinander losgehen würde, wenn nicht... Mit dem be-
sten Gewissen der Welt befürworten sie die Beschaffung und den
Einsatz von Gewaltmitteln für die Durchsetzung der Sache von
"freedom and democracy" auf dem ganzen Globus - und müssen noch
nicht einmal befürchten, daß der Ruf dieser Sache bei ihren Völ-
kern darunter etwas leidet. Bei der Besichtigung anderer Staaten,
die ihnen mit der Verfügung über dieselben Mittel in die Quere
kommen, die es gar wagen, ihre Kriegsmaschinerie in Marsch zu
setzen, werden sie dann wieder Kritiker der Gewalt; und die Er-
gebnisse der Waffengänge, die natürlich des zielstrebig mit
"Gewaltlosigkeit" verwechselten lieben Friedens wegen stattfin-
den, heißen "Weltordnung" oder so ähnlich.
Kurz: Nichts, aber auch gar nichts in der stets mit ihren
"Werten" Freiheit und Gleichheit charakterisierten Welt funktio-
niert ohne den dauernden Gebrauch von Gewalt. Überall, von der
häuslichen Pflege des Rechts bis zu weltpolitischen Großaktionen,
die die auswärtigen Rechte gewisser Nationen sichern, ist sie am
Werk. Und niemand stört es, außer eben ein paar Kritiker. Genau
umgekehrt dürfen sich diese ein hemmungsloses Bekenntnis zur Ge-
walt nach dem anderen anhören - und sich die Gewaltfrage stellen
lassen.
Wenn dann folgendes geschieht:
"Die MG bekennt im übrigen offen, daß die Beseitigung des bürger-
lichen Staates nach ihrer Einschätzung nur gewaltsam möglich sei:
Auf einem Teach-In 'Marxismus und Gewalt' im Sommer 1989 erklärte
MG-Hauptagitator Karl Held dazu ganz unverblümt ('Was jetzt
kommt, ist zum Mitschreiben für den im Saal anwesenden Verfas-
sungsschutz gedacht'): Marxisten beantworten die Frage, inwieweit
Gewalt angewendet werden dürfte ausschließlich nach Zweckmäßig-
keitsgesichtspunkten. So sei das Bombenlegen durch Terroristen
als idiotisch zu beurteilen. Gewaltanwendung sei erst in einer
revolutionären Situation lohnenswert und notwendig." (48) -,
dann wird nicht etwa die Zurückhaltung honoriert, die sich da im
Vergleich zu den Befürwortern des Systems weltweiter Freiheit of-
fenbart. Da hilft es gar nicht, daß da welche auf die
E r g ä n z u n g der Gewaltorgien um noch ein paar Schlachten
keinen Wert legen; weil sie nämlich nur das Nötige, das aber
schon in Betracht ziehen, um dem ausgiebigen Gebrauch der Gewalt
e i n E n d e z u s e t z e n. Was sie mit "revolutionärer
Situation" umschreiben, ist im übrigen überhaupt kein Geheimnis.
Wenn nämlich ihre Kritik von denen für die brauchbare Formulie-
rung ihres Interesses gehalten wird, die unter dem famosen System
unserer Tage immer etwas zu kurz kommen, kracht es ohnehin schon
wieder. Und zwar schlicht deswegen, weil sich gewisse Abteilungen
der Demokratie gar nicht dem "Druck der Straße" beugen und das
Volksbegehren mit einer Verfassungsänderung samt Rücktritt beant-
worten. Für solche Fälle hat jede Demokratie ihre Schubladen mit
Plänen darin. In diesem Fall - soweit geht das "unverblümte" Be-
kenntnis - kann sich der Hauptagitator einfach auch nichts an-
deres vorstellen.
Wie gesagt, solche Zurückhaltung wird nicht gewürdigt. Genauso
wenig würde die Beteuerung, man sei allemal auf eine "friedliche
Revolution" aus, etwas nützen. Daß d i e Verfassungsänderung,
die Kommunisten wollen, völlig automatisch und gerechterweise
dazu, die Macht des Rechts auf den Plan ruft, das außer Kraft ge-
setzt werden soll, wissen die Fragesteller selbst am allerbesten.
Freudig würden sie uns entgegenschmettern: "Geht gar nicht ohne
Gewalt!" - und der Dialog wäre auch wieder zu Ende.
Und zwar mit dem einzigen Ergebnis, dessen er von seiner Anlage
her fähig ist: Diejenigen, denen die sinnige Gewaltfrage gestellt
wird, sind als A n w e n d u n g s f a l l d e r a m t i e-
r e n d e n G e w a l t vorgesehen, sonst nichts! Mit dem
Abschluß des demokratischen Lackmus-Test ist auch die ganze
komplizierte Ermittlung abgeschlossen, die auf die Feststellung
der Verfassungswidrigkeit geht. In dem genialen Dokument, das
über die MG vorliegt und nur wegen des abgeschlossenen Tests her-
auskam, ist freilich noch lange nicht Schluß. Weil nämlich die
Herren Mitarbeiter - Frauen trauen wir aufgrund unserer guten Er-
fahrungen mit dem anderen Geschlecht solche Anfälle von Haß ein-
fach nicht zu - von der Sektion Geist den staatlichen Befund un-
bedingt durch einen Beweis legitimieren wollen. Der zeigt, warum
wir es verdienen, als Feind ansehnlichen Kalibers behandelt zu
werden.
Wer Werte kritisiert, frißt auch kleine Kinder!
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Getreu dem bei Geisteswissenschaftlern verbreiteten Aberglauben,
das R e c h t sei nicht das banale Regelwerk für das, was die
S t a a t s g e w a l t zu richten sich aufträgt (Achtung ihr
Verfassungsschützer: Das war jetzt Adorno-Stil! ), sondern recht
eigentlich die Vollstreckung der M o r a l, der sich jedermann
verpflichtet weiß, findet ein Tribunal statt. Die MG wird darauf-
hin begutachtet, was ihre Aussagen im Lichte der von allen Men-
schen guten Willens geteilten menschlichen Werte für ihre Be- und
Verurteilung hergeben.
Da trifft es sich erst einmal gut, daß wir uns gerade zu Fragen
der Werte und ihres Verhältnisses zur Realität, zur gewöhnlichen
Praxis in der Welt des Schachers und der Macht sehr eindeutig ge-
äußert haben. Freiheit und Gleichheit z.B. haben wir des öfteren
gar nicht erst als Werte hochleben lassen, wie es sich für zivi-
lisierte Einwohner des wilden Westens gehört. Statt dessen hinge-
schrieben, daß es sich um sehr schlichte, durch Gewalt herge-
stellte und bewahrte, Verkehrsformen des bürgerlichen Eigentums-
verteilungsparadieses handelt.
Dasselbe haben wir an dem Wert "Frieden" verbrochen: mit einer
ausführlichen, über Jahre hinweg fortgeführten Bestandsaufnahme
der "Realität". Herausgekommen ist eine herbe Enttäuschung über
den stets so hoch gehandelten "Weltfrieden" - ein Zustand der uns
gleich in mehrerer Hinsicht keinen Anlaß zur Freude gibt. I n
diesem Zustand gehören staatlich-völkerrechtlich organisierter
Mord und Totschlag zur Tagesordnung; gehungert und gelitten wird
so sehr, daß selbst der Bundeskanzler einmal an einem Afrika-Tag
noch vor der Unterzeichnung des nächsten Lome-Abkommens einen
Hunderter in eine Büchse getan hat. Und was das Schönste ist
Kriege größeren Formats sind wegen "unserer" Interessen ständig
im Programm, ohne daß die Interessenvertreter oder die Rüstungs-
fabrikanten vor dem Weltfrieden erschrecken würden. Im Fall Irak
ist im freien und gleichen Westen ein "Hurra" zum Krieg ausgebro-
chen, das nur durch spezielle deutsche Berechnungen, die sich al-
lerdings nicht auf Geldspenden auswirkten, etwas versaut wurde.
Inzwischen hat sich das wieder gelegt und ganz viel Gewalt für
die neue Weltordnung wird in Amerika und Europa zusammengestellt.
Diesen real existierenden Zynismus des Weltgeschehens haben die
Freunde von der Sitte uns übelgenommen. Und einmal auf die Fährte
unserer "zynisch-menschenverachtenden Agitation" gestoßen, sind
sie in noch viel gravierenderen Fällen fündig geworden. Im Norden
der Republik haben es MGler gewagt, dem Fanatismus zu widerspre-
chen, der im Namen des "Lebens" forderte, auf jeden Fall behin-
derte und zu mehr als bloßem Leben nicht fähige Kinder zur Welt
zu bringen. Sie haben dabei ausnahmsweise nicht mehr Verständnis
für die Abtreibung in solchen Fällen gezeigt, als es unser
Rechtsstaat und seine Ethik-Kommissionen bisweilen auch tun - und
dennoch:
"Von solchen Auffassungen bis zur Forderung nach Vernichtung
'unwerten Lebens' scheint nur ein kleiner Schritt zu sein." (52)
Nachdem wir die Theorie und Praxis der ökologischen Bewegung ei-
ner ausführlichen Betrachtung nach der anderen unterzogen hatten,
konnten wir nicht umhin auszusprechen, was uns an der Sorge um
die "Umwelt" mißfällt. Erst recht dann, wenn sie höchstoffiziell
in einem Ministerium dieses Namens praktisch tätig wird. Unsere
Bestandsaufnahme der Realität hatte ergeben, daß zwar mit der
Aufnahme der Rubrik "Umwelt" in die politischen Diskussionen, in
die Parteienkonkurrenz und ins Kabinett die S k a n d a l e im-
mer mehr werden. Daß aber der Verbrauch der natürlichen Lebensbe-
dingungen durch das weiterhin freie und gleiche Geschäft der
Marktwirtschaft überhaupt n i c h t g e b r e m s t oder gar
v e r h i n d e r t wird, daheim und auswärts. Das führt bei den
Gutachtern zu dem messerscharfen Schluß, daß wir dann wohl
"... ökologische Fragen für belanglos halten."
Dieser aller modernen Moralität ins Gesicht schlagenden Rück-
sichtslosigkeit sind sie in denkbar origineller Weise auf die
Schliche gekommen. An anderer Stelle und recht häufig haben wir
die logischen Schnitzer aufs Korn genommen, durch die die Notwen-
digkeit des Kapitalismus mit dem Argument der Knappheit bewiesen
werden soll. Es wollte uns nicht recht einleuchten, sich "die"
Wirtschaft als einen mehr oder minder raschen V e r b r a u c h
von Ressourcen, die unter die Menschheit verteilt werden, vorzu-
stellen; um dann auch noch und gerade die flotte
P r o d u k t i o n s tätigkeit des modernen Kapitalismus auf der
ganzen Welt als d i e p a s s e n d e A n t w o r t durchge-
hen zu lassen, die das "Knappheitsproblem", akademisch und reif-
lich überlegt, erzwingt. Wir haben unserer Auffassung Ausdruck
gegeben, daß an solchen Theorien nichts stimmt - weder die
"Prämissen", noch die "Konklusion"; wir haben den Zusammenschluß
des Knappheitstheorems mit dem Wunsch nach Schonung von Erde,
Wasser und Luft als Lebensmittel für wissenschaftlich unhaltbar
erklärt. Und was entnehmen aus solchen "Einlassungen" unsere
Fahnder von der politischen Sitte: Bei uns käme
"das Phänomen (!) ökonomischer Knappheit nicht vor. Wer derge-
stalt behauptet, materielle Produktion könne unbegrenzt gestei-
gert werden, wird auch ökologische Fragen für belanglos halten."
Selbstredend hat dann die MG auch nichts übrig für den
"... Erhalt der Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen".
(50)
Da dürfte es auch wenig Sinn haben, zu vermelden, daß uns der
Quark von wegen "unbegrenzt" noch nie gekommen ist; daß hier ein
paar intellektuelle Spinner nur ihren Einfall von der Knappheit
wiederholen und überhaupt nicht mehr wahrnehmen, wie kapitali-
stisch tätige Instanzen flott und "umweltschädlich" dazu ihre
Produktion steigern, ohne die geringste Rücksicht auf die näch-
sten Generationen. Am liebsten möchten wir auch noch vorbringen:
Nicht einmal die jetzige Generation kann sich halbwegs ernähren
unter der Fuchtel der geldwirtschaftlichen Löser des Knapp-
heitsproblems, ihr Idioten!
Aber was hülfe das in einem Schauprozeß, der sich nur um den
Nachweis unserer abgrundtief verwerflichen Gesinnung bemüht. Der
zeigen will daß wir von den großen und kleinen Titeln nichts hal-
ten, deren Pflege Zeugnis davon ablegt wie sehr sich ein respek-
tabler Bürger heutigentags um das G e l i n g e n der im Grunde
vorbildlich eingerichteten freien und sozialen Marktwirtschaft
s o r g t. Die ein ums andere Mal aufgelegte Platte, daß die
K r i t i k e r des Geschehens wie seiner wohlwollenden Deutun-
gen diese Sorgepflicht vernächlässigen, führt zu einer Liste von
C h a r a k t e r m e r k m a l e n, vor denen sich erstens der
gebildete Zensor, zweitens die gesamte Öffentlichkeit angewidert
abwenden kann. Damit die Zuwendung, die wir durch die Behörden
erfahren, aus dem Geiste der Menschlichkeit begründet ist, geht
es rund durch den Garten menschlicher Lüste. "Solidarität und
Nächstenliebe": Bei der MG Fehlanzeige, was eben irgendein Gegen-
teil bezeugt! Die haben ein M e n s c h e n b i l d, das nur
das Schlimmste befürchten läßt. Sie können sich den Menschen nur
als "Materialisten" vorstellen; "menschliche Eigenschaften, die
über materiellen Konsum hinausgehen, will die MG eliminieren" -
lautet die Fortsetzung, und schon steht fest, daß wir unser dem
Menschen zuwiderlaufendes Bild von ihm auch auf seine Kosten exe-
kutieren. Wer eines "Sammelbegriffs" des Typus "Moralkacke" fähig
ist, der ist zu allem fähig. Dazu zählt die MG
"... alle Äußerungen des Gefühls, aber auch humanistische Anlie-
gen, wie z. B. die Ideale der Französischen Revolution." (51)
Unter der MG geht es einerseits zu wie im Fernsehen. Da gibt es
nämlich immer so feine Filme, wo ganze Planeten an Mannschaften
herumlaborieren, denen böse Kommandeure ihr Gefühlsleben verboten
haben. Auf der anderen Seite wird das Leben einfach unerträglich.
Denn dann hört sich unter beamteten wie aus dem Amateurlager re-
krutierten Spitzeln das Französisch-Lernen auf. Nix mehr
"egalite" und so, und schon gar nichts mehr mit dem in diesen
Kreisen beliebten Studium der Kriege, mit dem das revolutionierte
Frankreich die Umwelt überzogen hat. Es wird die Hölle! Das erste
Dekret der drohenden MG-Regierung verbietet allen Opfern ihren
Hölderlin, das leise Abklimpern von Beethoven-Sonaten und - zu
allererst: Gefühlsäußerungen! Das zweite ruft auf zu einem Fest:
"das größere Fressen für die eigenen Kader."
Endgültig entlarvt!
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Diese Science Fiction einer MG-Herrschaft stammt ausnahmsweise
nicht von den Staatssicherheitsgelehrten des Innenministeriums,
sondern - bis auf das Zitat am Schluß - von uns. Unser Kommentar
ist hier ausnahmsweise nicht zynisch, sondern eher verwundert.
Wir haben uns nämlich schon an manches gewöhnt, was die Nachstel-
lungen der Behörden angeht. Auch an vieles, was in der öffentli-
chen Auseinandersetzung unsereinem an Vorwürfen zuteil wird, die
leicht unter dem "Respekt vor der Menschenwürde" angesiedelt
sind. Insbesondere von Seiten fanatischer Hochschullehrer, die
teilweise ihre bescheuerten Meriten der Studentenbewegung verdan-
ken. Von denen wurde radikalen Kritikern nie die "Ehre" einer wie
immer streitbaren Auseinandersetzung gewährt. Sondern Invektiven
und Ordnungsrufe. Bisweilen auch so matte Zurückweisungen des
'Typs, wir hätten kein Recht, den Namen der historischen Be-
rufungsinstanz Marx zu führen. Nun sieht die Sache etwas anders
aus. Die Redaktion des Innenministeriums hat sich etwas einfallen
lassen. Sie hat nur das Dümmste aus zwei Jahrzehnten "Kampf der
MG" für würdig befunden in einer amtlichen Verlautbarung, über
die MG Platz zu finden. Weil sie es für das Beste erachtet hat.
Wenn der Staat der BRD nach einer guten Begründung für seinen Um-
gang mit den paar überflüssigen, aber vorhandenen und organisier-
ten Kommunisten verlangt - so scheinen da ein paar berufene Gei-
ster gedacht zu haben -, so ist die Ernennung der MG zum
H a u p t f e i n d d e r M e n s c h h e i t genau das Rich-
tige.
Das Projekt ist, wie man sieht, gelungen. Hier wird nicht der
Witz erzählt, daß, wer Roth Händle raucht, auch kleine Kinder
frißt. Hier wird ernst gemacht mit "Erkenntnissen", die endgültig
niemandem mehr die Wahl lassen. Dem Antrag, einen
p r a k t i s c h e n Beitrag zur geistigen und politischen Hy-
giene im Lande zu leisten - also endlich einmal etwas zu tun für
die Lösung eines Problems des Landes, dem sie sich verpflichtet
wissen - sind ein paar studierte Beamte mit einem Eifer gefolgt,
der uns das Fürchten lehrt. Denn wir wissen gar nicht genau, ob
sie die Geschichten von Menschen, die anderen die Gefühle versa-
gen, nicht wirklich glauben. Es ist uns also auch nicht danach
zumute, sie darauf hinzuweisen, daß dergleichen nicht geht. Aber
auch nicht danach, zu betonen, daß mancher Mensch beiderlei Ge-
schlechts in der MG seine Gefühle gar nicht so schlecht bedient
sah. Vielmehr nehmen wir erschreckt zur Kenntnis, daß die Mär von
den U n - M e n s c h e n, die sich da an die Idylle der real
existenten bürgerlichen Gesellschaft zum Zwecke des
V e r n i c h t e n s alles Lebenswerten heranmachen, auch noch
über einen Beleg verfügt:
"Das ihrer Ideologie zugrundeliegende Menschenbild ist ethisch
extrem unwertig"
so hebt ein Abschnitt in der Stasi-Schrift an, der sich auf die
endgültige Beantwortung der Frage wirft, worum es uns nun letzt-
lich ginge. Was man von solchen "ethisch extrem unwertigen" Men-
schenbildnern zu erwarten hat, verspricht dieser Abschnitt zu
klären. Und das geht so:
"Intellektuelle Berührungspunkte scheint es auch mit einer ande-
ren Spielart des 'Steinzeit'- Kommunismus zu geben: Sie geht auf
ein radikales Revolutionsmodell zurück, das in den 50er Jahren
eine Gruppe Studenten aus Indochina unter Führung eines gewissen
Saloth Sar an der Universität Paris ausgearbeitet hatte. Es wurde
zunächst allgemein für eine Entgleisung intellektueller Sektierer
gehalten. Aber mehr als 20 Jahre später setzte Saloth Sar, der
sich jetzt Pol Pot nannte, seine Utopie mit äußerster Konsequenz
in die Tat um. Unter seinem Regime wurden in der 'Demokratischen
VoLksrepublik Kamputschea' zwischen 1975 und 1979 mehr als eine
Million Menschen umgebracht; das Land nach den ideologischen Vor-
stellungen der 'Roten Khmer' umgestaltet. Handel, Gewerbe und
Geldwirtschaft wurden radikal abgeschafft. (Beseitigung der
'Sachzwänge des Kapitals'). Die wirtschaftlichen und politischen
Verbindungen mit der Völkergemeinschaft wurden weitgehend gekappt
('Unabhängigkeit vom Imperialismus'). Das kulturelle und reli-
giöse Leben des Landes wurde vernichtet (Beseitigung
'affirmativer Elemente' in der Oberflächenbewegung des Kapitals).
Intellektuelle, die im Verdacht standen, nicht bedingungslos Li-
nientreu zu sein, wurden liquidiert, das Schul- und Hochschulsy-
stem zerstört ('Kritik bürgerlicher Wissenschaft'). Werkzeug die-
ses Terrors war eine konspirativ arbeitende 'Organisation'- in
die Landessprache übersetzt 'Angkar Leu'. In ihr entschieden
Sachwalter revolutionärer 'Wahrheit', wer zu leben und wer zu
sterben hatte. Daß eine solche Politik allen Standards der Moral,
der Vernunft und der historischen Erfahrung widersprach, beein-
druckte die ideologischen Dogmatiker der 'Roten Khmer' nicht. Pol
Pots Stellvertreter dazu 1977: 'Wir machen etwas, das es in der
ganzen Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat'. Diesem Re-
gime war zur Verwirklichung seiner steinzeitlichen Utopie kein
Preis zu hoch; weder Völkermord, noch die Zerstörung der zivili-
satorischen Substanz des Landes: 'Scheitern ist für sich genommen
kein Argument, (...) solange man am vorgenommenen Zweck fest-
hält'." (54 f.)
Das sitzt. Und zwar ganz ohne "intellektuelle Berührungspunkte",
die es womöglich zu dieser Kunst der Zuordnung auch noch gibt.
Presse und Volk sind aufgeklärt darüber, wen sie vor sich haben,
wenn einer von der Marxistischen Gruppe einen Zettel verteilt und
ein paar Schnitzer der letzten Vorlesung eines Professors der So-
ziologie, Pädagogik oder VWL erläutert. Da läuft der Anhänger ei-
ner "steinzeitlichen Utopie" herum, der keinen Völkermord scheut.
Unwichtig ist, ob der Zettel, den er verteilt, nicht gerade einen
Artikel gegen den letzten Völkermord enthält. Da steht dann si-
cher auch etwas vom "Imperialismus" drin, und wer sich mit dem
anlegt, zwecks "Unabhängigkeit", will eben nicht nur kleine Kin-
der fressen. Der läßt auch nicht locker, wenn dabei nichts Großes
herauskommt. T e r r o r ist seine "Utopie", und in der Kritik
von schönen Histörchen der modernen Volkswirtschaftslehre hat er
bewiesen, daß das so ist:
"Welche Konsequenzen eine dergestalt menschenverachtende Politik
hätte, ist aus geschichtlichen Erfahrungen mit kommunistischen
Diktaturen bekannt. Da die Grundtatsache ökonomischer und ökolo-
gischer Knappheit auch von der MG nicht aus der Welt geschafft
werden kann, müßte sie die materiellen Bedürfnisse der Bevölke-
rung auf niedrigem Niveau gleichschalten, um überhaupt ihre Plan-
barkeit zu ermöglichen. Um in der entstehenden Mangelwirtschaft
die zu erwartende Unruhe niederzuhalten und noch bestehende Ei-
gentumsunterschiede zu nivellieren, wäre ein flächendeckender Ge-
waltapparat erforderlich, der kompromißlos gegen alle Regungen
menschlicher Individualität vorgeht." (54)
Zugleich ist von der Fahndungsgruppe "Menschenverachtung" ermit-
telt worden, daß die in der MG herumsektierenden Typen die Be-
rufsqualifikation zum Pol Pot längst erworben haben:
"Bei MG-Anhängern liegen die zu solcher Gewaltanwendung erforder-
lichen psychologischen Voraussetzungen vor; sie ergeben sich aus
dem zynisch-verächtfichen Menschenbild und aus dem von der Gruppe
erhobenen Wahrheitsmonopol. Die Utopie der MG erinnert letztlich
an eine radikalkommunistische Zwangsgesellschaft, aus der kul-
turelle und zivilisatorische Traditionen weitgehend eliminiert
wurden."
Na wenn die Sache so ist, solltet ihr euch besser warm anziehen.
Nein, nicht was ihr meint. Die Bundesregierung und andere frei-
heitliche Staatsführungen haben - aus unerfindlichen Gründen -
mitten in der UNO jahrelang die solideste Anerkennungspolitik ge-
genüber dem von Pol Pot erhobenen Wahrheitsmonopol betrieben.
Denen waren die "Regungen menschlicher Individualität" ziemlich
egal, als die Kamputscheaner geschunden wurden. Aber vielleicht
wollt ihr bloß davor warnen, daß sowas bei uns passiert und die
MG die "zivilisatorische Substanz des Landes" zerstört. Was ja
allemal dasselbe ist wie die Beseitigung der "Sachzwänge des Ka-
pitals".
Diese Warnung ist gut gelungen. Insgesamt weiß man freilich nicht
mehr genau, wo die "Realität" ist, an der die Studiengruppe MG
sich orientiert. Aber einfach einmal so - schließlich sind die
Verfasser des Schäuble-Papiers unbelastet von der anmaßenden For-
derung nach "Wissen", und ein Wahrheitsmonopol haben sie gleich
gar nicht zu vertreten - geht das schon. Das Böse hat schon zu
allen Zeiten seine Bilder angeheftet gekriegt, die es verdient.
Damit die Menschen auch gescheit erschrecken und ihren Staat zum
rechtzeitigen Eingreifen anhalten. Insofern geht die Sache ei-
gentlich in Ordnung. Nur noch das Innenleben des Bösen bedarf der
interessanten Analyse.
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