Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK INNERE-SICHERHEIT - Vom demokratischen Kontrollwesen
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AGENTEN ZUR UNTERHALTUNG
Die Welt der Spione und Agenten bietet dem Publikum einiges an
Unterhaltungswert - natürlich weitgehend losgelöst von Grund und
Zweck subversiver Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Der Agent ist
der letzte vorstellbare Abenteurer, noch dazu mit Orden und Pen-
sionsberechtigung. Ihn hemmen weder das Straf- noch das Bürgerli-
che Gesetzbuch, und die Verkehrsregeln sind zum Durchbrechen da.
Es ist der Duft der großen weiten Welt von Freiheit und Aben-
teuer, der sich hier filmisch und als Thriller inszenieren läßt.
Das wird dann je nach Geschmack so variantenreich-eintönig von
der Unterhaltungsbranche dargeboten wie aktuell im jüngsten Film
der James-Bond-Streifen ("Sag niemals nie") oder in der Fernseh-
serie "Smiley's Leute" nach dem Roman von John Le Carre.
I. 007 oder leben und sterben lassen
"Naßgeworden? - Macht nichts, mein Martini ist trocken geblie-
ben." (Sean Connery als James Bond)
Die Realität der Geheimdienste des Freien Westens interessiert
die Bond-Filmer und ihr Publikum ebenso wenig wie den Italo-We-
stern die Durchsetzung des Gewaltmonopols beim Staat in den USA.
Der Agent ist - neben seiner "license to kill" - mit allen physi-
schen und charakterlichen Merkmalen ausgestattet, die es braucht,
um sich bei Frau und Feind durchzusetzen. Dazu stellt ihm das
britische Empire das Geld - und alle denk- bzw. undenkbaren tech-
nischen Mittel vermittels der Trickabteilung der Filmgesellschaft
zur Verfügung. Daß das Ganze sich im Dienst des Guten gegen das
Böse auf der Welt abspielt, versteht sich so sehr von selbst, daß
auf jeglichen "differenzierten Realitätsbezug" verzichtet werden
kann. Die westliche Staatenwelt wird bedroht - nicht von den Rus-
sen, sondern von einem verbrecherischen Einzelnen, den nicht-au-
torisierter Machthunger treibt, weswegen er der US-Army 2 Cruise
Missiles klaut, die Bond am Happy-end erfolgreich in die zum Ein-
satz solcher Erpressungs- und Kriegsmittel allein berufenen Hände
zurücklegt. Daß es im "Geheimdienst ihrer Majestät" mindestens
ebenso brutal zugeht wie bei den "Mr. Largos", wird nicht skrupu-
lös "vermittelt", sondern ist einfach die klare moralische Ge-
schäftsgrundlage. Da fällt nicht nur für den Helden Pflicht und
Genuß problemlos in eins; da kann man auch als Zuschauer Späße
wie die Eliminierung der feindlichen Agentin bis auf die rauchen-
den Sandalen in Ruhe genießen und Hauptdarsteller Connery bewun-
dern, wie er selbst mit Toupet und eingezogenem Bauch die feind-
liche Schwachstelle Weib knackt.
II. Smiley's Leute oder Spione, die in die Kälte gehen
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"'George, du hast gewonnen', sagte Guillam, als sie langsam zum
Wagen gingen. 'Ja, tatsächlich, es sieht so aus.'" (John Le
Carre, Smiley's People)
John Le Carres Geschichten um seinen Oberspion George Smiley zeh-
ren demgegenüber von einem penetranten "Realismus", der sich den
"persönlichen Erfahrungen" des ehemaligen Whitehall-Ministerial-
beamten Le Carre verdanken soll. Natürlich würde deshalb niemand
einen Roman lesen, vielmehr ist es die Psychologisierung des
Agentenberufs, die die weltweite Le-Carre-Gemeinde mit George
Smiley f ü h l e n läßt. Ein alternder Superprofi des Gewerbes,
stets gelascht von karrieresüchtigen, inkompetenten Ehrgeizlin-
gen, die skrupellos Smileys "Lieblingsschüler" opfern, nur um vor
dem Minister gut dazustehen. Le Carre füllt endlose Seiten mit
den grüblerischen Selbstzweifeln seines "tragischen" Helden (im
Fernsehfilm als kotzlangweilige Kamerafahrten über das Buchhal-
tergesicht des Alec Guiness umgesetzt), nur um für ein
"anspruchsvolles" intellektuelles Publikum auch noch das letzte
der gängigen Klischees des Feindbilds für den Beweis moralischer
Überlegenheit des Westens über die östlichen Ritter der Finster-
nis "eindringlich zu gestalten". Während der Normalmensch seinem
Alltagsleben nachgeht, der Normalpolitiker mit seiner Eitelkeit
und Unfähigkeit ständig die Nation zugrunde richtet, ruiniert Ge-
orge Smiley sein Eheleben und dispensiert sich vorübergehend von
seinen feinen Manieren als Gentleman aus Patriotismus, hinter dem
alles Private zurücktreten muß. Was seine Sache heiligt, obwohl
er zu ihrem Sieg zu genau den gleichen Mitteln greifen "muß" wie
die Gegenseite, ist eben die S a c h e: Britain expects every
man to do his duty! Indem so wenigstens einer, nämlich "good old
George" die Fahne hochhält, reinigt er alle Flecken, die unwür-
dige Diener der eigenen Seite auf ihr hinterlassen. Umso grandio-
ser der Sieg über den Erzfeind "Karla" vom KGB, den Smiley über
einen gänzlich unerwarteten menschlichen Zug am Russen - die
Liebe zu seiner Tochter - einfängt. Zum politischen Erfolg ge-
sellt sich der moralische in Form eines tiefen L e i d e n s an
den Brutalitäten, die das Vaterland unerbittlich einfordert. Des-
sen Dank bleibt natürlich aus - ein Pluspunkt mehr auf dem mora-
lischen Konto des Helden. Unausgesprochen, aber umso eindeutiger
die Botschaft: Bei uns bewegt sich selbst der Untergrund - uner-
kannt mitten unter uns - auf dem Boden der freiheitlichen
I d e a l e und bringt e i n s a m e C h a r a k t e r e her-
vor, die für u n s von Berufs wegen noch im
s c h m u t z i g s t e n G e s c h ä f t nichts als ihre
P f l i c h t tun.
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