Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK HAUSHALT - Steuern erhalten die Herrschaft
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Der Veranstaltungskommentar
"STAATSVERSCHULDUNG"
Um Interpretationen des bundesdeutschen Staatsschuldenbergs
ging's beim "Bonner Hochschulforum" am 23.11., veranstaltet von
der Fachschaft Jura. Aus allen vier im Bundestag vertretenen Par-
teien war ein Vertreter eingeladen, um dem Publikum darzulegen,
daß und inwiefern speziell seine Partei
a) für das Zustandekommen dieses "schwerwiegenden", "untragbaren"
Zustands auf keinen Fall verantwortlich zu machen sei (Hauser,
CDU: "Man soll nicht Schulden, die eine sozialistische Regierung
gemacht hat, der konservativen zuschreiben oder Schulden, die die
Konservativen gemacht haben, der sozialistischen zuschreiben",
und so weiter, jeder reihum);
b) dafür aber zur Lösung derselben mißlichen Lage einzig befä-
higt, wohingegen alle anderen Parteien sich an einem solchen Ver-
such nur maßlos blamieren können, wie zum Beispiel die CDU, wenn
sie versucht, an den weltwirtschaftlichen Glanzleistungen der SPD
anzuknüpfen ("Die Bundesrepublik hat einen Spitzenplatz in der
Welt. Ich wünsche Ihnen viel Glück, diesen Platz zu halten",
Horst Ehmke).
Dieser Politiker-Wahlzirkus, in dem jeder nach Kräften versuchte,
sich in Szene zu setzen, um die Kontrahenten umso drastischer des
Verbrechens am Gemeinwohl bezichtigen zu können, lief im Juridi-
cum unter der Bezeichnung einer universitätsöffentlichen
D i s k u s s i o n s veranstaltung ab. Dabei hätte man durchaus
jederzeit bemerken können, daß die Herren auf dem Podium sich
i n d e r S a c h e sowieso absolut einig waren, und auch, in
welcher Sache: übereinstimmend trugen sie alle die Lüge vor,
Staatsschulden gebe es eigentlich nur deshalb in dieser Höhe,
weil der Staat seinen Bürgern immerzu zu viele Geschenke beschert
habe. Die Jammerei über ein "überzogenes", immer noch nicht
"gebrochenes" "Anspruchsdenken" der Bürger war d e r Schlager
des Abends:
Der CSU-Mann GLOS stelle unwidersprochen die Behauptung in den
Raum, die Politiker seien "wie Faschingsprinzen durch die Stras-
sen" gegangen und hätten "Bonbons verteilt". Man fragt sich, in
welchem Narrenhaus dieser Mann die letzten Jahre verbracht hat,
daß er jetzt den Bürgern einen ewigen Aschermittwoch verordnen
will. Wenn sein liberaler Kollege ZUMPFORT dann verdolmetschte,
zu diesen "Bonbons" seien "Krankenhäuser, Schwimmbäder, Schulen"
zu zählen, dann war damit jedenfalls klargestellt, daß die abso-
lute Anspruchslosigkeit der deutschen Untertanen, die von den Po-
litikern - und zwar nicht erst seit dem Regierungswechsel - in
aller Freiheit tatkräftig ins Werk gesetzt wird, für diese Herren
die größte Selbstverständlichkeit ist. Daß niemand anderes als
diese Untertanen neben Krankenhäusern, Schulen, Schwimmbädern,
Renten und Politikern auch die von diesen gemachten Staatsschul-
den finanzieren, wurde denn auch durchaus nicht verschwiegen, und
zwar von Alo HAUSER ("Von 100.- DM Verdienst müssen 60.- DM an
Steuern und Abgaben gezahlt werden"), der dies aber keineswegs
als Beweis für die unverschämten Ansprüche von seitens der Poli-
tik verstanden wissen wollte, sondern dafür, daß es Hausers
braucht, um diese Gelder vor den maßlosen Ansprüchen der Bürger
zu schützen ("...es gibt keine Moral mehr bei den Bürgern...")
Dem SPD-Vize EHMKE schließlich blieb es vorbehalten, so ganz ne-
benbei auszuplaudern, wofür die Politiker diese Freiheit im Um-
gang mit den Finanzen der ihnen Unterworfenen nun eigentlich so
nötig brauchen: "200 Millionen Einsparungen beim Bafög sind doch
gar nichts. Dafür können Sie noch nicht mal 2 Tornados kaufen!"
Recht hat er! Was sind schon 200 Millionen Verzicht bei den Bür-
gern angesichts der Summen die für die Aufrüstung gegen den Osten
aufgebracht werden wollen?
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