Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK HAUSHALT - Steuern erhalten die Herrschaft
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INFLATION GEBÄNDIGT?
Seit zwei Jahren meldet das statistische Bundesamt ständig neue
"Null"-Inflationsraten, Wirtschaftskommentatoren versteigen sich
sogar zu dem euphorischen Urteil, die Inflation sei "gebändigt".
Was weiß man eigentlich, wenn man in der Zeitung liest, daß "die"
Verbraucherpreise 1987 um 0,2%, "die" Mieten um 1,8% gestiegen,
die Preise für Strom, Gas und Heizung um 8,8% gefallen sind, und
gleichzeitig feststellen muß, daß die eigene Miete, die immerhin
fast die Hälfte eines Monatseinkommens verschlingt, um 20% teurer
geworden ist? Es muß etwas damit zu tun haben, wie die Statisti-
ker solche Preissteigerungen berechnen. Sinnfällig gemacht wird
die Inflation über die Veränderung eines Teuerungsmaßstabs, dem
sogenannten P r e i s i n d e x f ü r L e b e n s h a l-
t u n g, der auf Grundlage eines von den Statistikern selbst zu-
sammengestellten imaginären Warenkorbs einer "Durchschnittsfami-
lie" ermittelt wird. Zunächst einmal sind nicht alle Waren und
Dienstleistungen überhaupt in diesem Warenkorb enthalten.
Zweitens werden die berücksichtigten Güter anteilsmäßig so
gewichtet, daß Preisveränderungen je nach Wägungsschema sehr
verschieden zu Buche schlagen können. D.h. drittens, daß sich
hinter einer "durchschnittlichen" Verteuerung sehr unter-
schiedliche Preiserhöhungen bei den einzelnen Gütern verbergen.
1,5% durchschnittliche Mietsteigerung allein im Monat November
1987 stehen da gegen um 5% sinkende Benzinpreise. Die sehr unter-
schiedlichen Auswirkungen auf die "Haushalte" von Lohnempfängern
und Kapitaleignern tauchen in der Preissteigerungsstatistik ge-
rade nicht auf.
Daß die "Entwicklungsländer" ihre Rohstoffe zwecks Schuldenbedie-
nung nur noch zu Schleuderpreisen losgeworden sind, hatte in den
vergangenen Jahren in Verbindung mit der Dollarabwertung zu einem
für die deutsche Geschäftswelt erfreulichen Sinken der Import-
preise für Rohstoffe geführt. Vor allem die über den Dollarsturz
ausgelöste Veränderung der W ä h r u n g s r e l a t i o n e n
hat die sogenannte "Ölrechnung" der BRD auf D o l l a r b a-
s i s enorm verbilligt. Kann man aus diesen rein währungstech-
nischen Verschiebungen schließen, daß es keine Inflation mehr
gibt? Mitnichten! Denn Staat und Geschäftswelt sorgen mit ihren
ständig steigenden Finanzbedarf dafür, daß die "inflationäre
Entwicklung der Preise" nicht abreißt.
Es ist also ein Irrtum zu meinen, in den offiziell gemessenen In-
flationsraten einen brauchbaren Maßstab für die Inflation gefun-
den zu haben. Denn diese geht flott weiter wie bisher.
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