Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK HAUSHALT - Steuern erhalten die Herrschaft


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       Wochenschau
       

DIE HAUSHALTSDEBATTE IM BUNDESTAG

ist von den berufsmäßigen Fans und Reportern des Parlamentarismus ziemlich einmütig als mattes Spektakel verrissen worden. Eine "deprimierende Veranstaltung" beklagen die "Stuttgarter Nachrich- ten", von einem "ermüdenden Schlagabtausch" spricht der "Südkurier" in Konstanz, die "Süddeutsche" hat nur "abgegriffene Formeln von Regierung und Opposition" gehört, und selbst die FAZ entdeckt "Schatten" und "keine Höhepunkte." Woran liegt's? Mit Sicherheit kann ausgeschlossen werden, daß die Damen und Herren Volksvertreter diesmal noch abgeschmackter, unverschämter oder bescheuerter debattiert hätten als die Jahre vorher. Im Gegen- teil: Es fehlten diesmal die einsamen Glanzleistungen auf diesen drei Ebenen. Es fehlten nämlich diesmal so heiße Alternativen wie Pershing vor, mit oder nach Verhandlungen. Deswegen zog sich der Schlagabtausch zwischen Regierungsbank und Opposition rein auf die Stereotype j e d e r demokratischen Debatte zusammen. Die Regierung tut nichts - die Opposition hat keine Alternativen. Die G r ü n e n haben sich anscheinend auch in der F o r m zur "Politikfähigkeit" entschlossen und lassen ihre H a u s- h a l t s e x p e r t e n brav Kürzungs- bzw. Erhöhungsvor- schläge einbringen: DM 70.000 weniger für Helmut Schmidts Aus- tragsbüro, DM 100,- mehr für Sozialhilfeempfänger - das braucht der deutsche Wald. Trotzdem ist es falsch, diese Parlamentsdebatte als "ereignis- und bedeutungslos" abzuhaken. Es ist nur so, daß auch ein alter- natives Blatt wie z.B. die " taz " keine "Sensibilität" für die Gemeinheit hat, die sich da öffentlich darstellt und demokrati- sche Politik heißt. Nur ein Beispiel: Da diskutierten am Mittwoch ein Minister mit ca. 15.000 DM im Monat und etliche Abgeordnete aller Fraktionen, die auch am Tag zweimal warm essen können, eine geschlagene Stunde darüber, o b e s d e n R e n t n e r n s c h l e c h t e r, s c h l e c h t, g u t o d e r b e s- s e r geht. Blüm meinte natürlich, selbst alte Leute, denen er "weniger als DM 600,-" für ihre lebenslangen Zwangsbeiträge zurückzahlt, könnten sich einen flotten Lenz machen, denn sie verfügten größtenteils aus von ihm nicht näher ausgeführten Quellen "über ein Gesamteinkommen von mehr als DM 2000." Die SPDler lamentierten über "Lösungen des Renten-Problems", die sie selber an der Regierung nicht mehr zu Ende führen durften - und die Rentner vorm Fernseher dürfen sich jetzt je nach parteipolitischer Vorliebe frei entscheiden, ob es ihnen gut oder schlecht geht. zurück