Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK HAUSHALT - Steuern erhalten die Herrschaft


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       Wochenschau
       

DER ETAT 1983

ist unter Dach und Fach und damit der "Fortbestand der Koalition vorerst gesichert". (Süddeutsche Zeitung vom 1. Juli). Daß hier allerdings die "Sozialdemokraten Eingriffe im Sozialbereich h i n g e n o m m e n" hätten, ist ebenso falsch wie die Behaup- tung, die "Liberalen stimmen Belastungen für B e s s e r v e r- d i e n e n d e zu". Im Ergebnis, was den Haushalt betrifft, konnte sich der Kanzler in der eigenen Fraktion auf die FDP berufen, um sein "Sparprogramm" konsequent fortzusetzen und den Abbau von Sozialleistungen des Staates als Retter der K o a l i t i o n durchsetzen. ("Ich bin Sozialdemokrat. Aber ich bin auch Kanzler einer Koalition!") Die FDP hat sich lediglich bereit erklärt, zu den 8 Milliarden beim Sozialetat noch über 1 Milliarde "im Bereich der Finanzhilfen" (fürs Ka- pital) im Rahmen von "Chefgesprächen über Einzelheiten der Haus- halte der Ressorts" mit sich reden zu lassen. Auf das, was un- ter'm Strich bei diesem "Kanzlerkompromiß" herauskommt, wird jetzt kaum und später ausführlich allenfalls unter den Betroffe- nen geredet: Die Rentner zahlen endgültig s e l b e r einen Krankenversicherungsbeitrag und dies gleich projektiv in einer Höhe von 4%, die Bezahlung von Medikamenten durch die AOK wird langsam zur Farce, wenn pro Rezeptposten DM 2,50 geblecht werden müssen und eine Kur wird bei DM 10.- pro Tag Selbstbeteiligung wirklich zum "Urlaub", den man sich nicht mehr leisten kann. Das alles wird die Volksgesundheit erheblich sanieren, d.h. die Kran- ken bleiben krank, aber das öffentliche Gesundheitswesen bekommt eine gesunde finanzielle Basis. D a r u m geht es aber in den Kommentaren zum Etat 1983 den Kommentatoren nicht: Koalition "gerettet", aber wie lange noch? heißt der Tenor, mit dem der "Inhalt" von "wochenlangen Verhandlungen" auf den Begriff ge- bracht wird. Die FDP hat sich anscheinend entschlossen, den mas- siven "Eingriff ins soziale Netz" noch von den Sozialdemokraten mitverantworten zu lassen, ehe sie auf der Grundlage damit ge- schaffener neuer Fakten im Umgang mit dem Bürger zu neuen Ufern mit den Unionschristen aufbricht. Die SPD ihrerseits ratifiziert in der Endphase ihrer Regierungsverantwortung die von ihr selbst mitgesetzten Notwendigkeiten, deren Auswirkungen sie dann als Op- position vehement geißeln kann, um damit den übernächsten Macht- wechsel zu befördern. Reges demokratisches Leben also, mit dem die Parteien leben können und die Betroffenen es müssen. zurück