Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute
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Münchner Hochschulzeitung, 15.11.1983
Sonderausgabe Sozialwesen
Ausländer - der bayerische Städtetag empfiehlt:
"UNSERE STADT SOLL SAUBER WERDEN!"
Die Delegierten des bayrischen Städtetags haben sich des
"Ausländer-Problems" angenommen. Vorletzte Woche kamen dort fol-
gende Lösungsvorschläge zur Sprache:
"Soll man Ausländer in deutschen Städten lieber konzentrieren"
(gut: Da hat man sie im Ghetto - Pardon, das waren ja die Nazis
-: in der Wohnsiedlung unter Kontrolle; schlecht: na sind sie
dann zusammengerottet) "oder lieber verstreuen?" (gut: Da fallen
sie nicht so auf; schlecht: Da sind sie ja überall und verschan-
deln das Stadtbild).
"Sind 30% Ausländer in einem Wohngebiet zu hoch, sind nicht 15%
sinnvoll?"
Sauber, die Herren Oberbürgermeister! Wie Kammerjäger, die sich
um die Bekämpfung lästiger Schadstoffe Sorgen machen, haben sie
sich aufgeführt. "Wie hoch darf der MAK-Wert (MAK = Maximal zu-
lässige Ausländer-Konzentration) sein? Wie und wo soll das Zeug
gelagert werden?"
Schon mal überlegt, daß die so selbstverständliche Konzentration
deutscher Politiker für die Lebensqualität eines Arbeiters, ganz
egal wie sein Paß aussieht, so ziemlich das Schädlichste ist, was
es gibt?!
*
Oder gehören Sie vielleicht auch zu der Gattung des braven deut-
schen Arbeiters, der sich nicht daran stört,
- daß er jeden Morgen um 6 Uhr im Betrieb anzutreten hat;
- daß er dort mindestens 8 Stunden täglich am Band oder sonstwo
seinen Mann zu stehen hat und davon auch nicht gerade jünger und
schöner wird;
- daß der Lohn, den er dafür bekommt, vor allem zu einem taugt:
Man bleibt in Sachen Einteilen und Sparen in Übung;
- daß selbst dieses trostlose Dasein keineswegs sicher ist: Sein
Lebensunterhalt wird nämlich gestrichen, sobald das Kapital be-
findet, daß eine weitere Benutzung sich nicht mehr lohnt. Für
einen deutschen Arbeiter sind das alles kleine Fische, lässig zu
verkraften. Aber wenn er dann abends in die U-Bahn steigt, und da
sind dann zuviele Türken, oder gar in der Wohnung nebenan: das
schlägt dem Faß den Boden aus!
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