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Bochumer Professoren präsentieren Ausländerfragen
1. Theodor Schmidt-Kaler
BLEIBT DEUTSCHLAND DEUTSCH?
Der Entwicklung seiner Bevölkerung widmet der Staat einige Auf-
merksamkeit. Denn für ihn sind seine Einwohner dazu da, zu arbei-
ten und ihr Leben einzusetzen, um den nationalen Reichtum zu meh-
ren und die lebenswichtigen Interessen des Staats dann zu vertei-
digen, wenn der sie für bedroht erklärt. Das staatliche Interesse
an seinem geliebten Volk ist also eins an seinem Gebrauch
(weswegen auch manche Dienste für die Nation von Ausländern ver-
richtet werden können, wie deren tatkräftiger Einsatz für das
Wirtschaftswachstum hierzulande zeigt.) Von daher hat der Staat
natürlich auch ein Urteil über die angemessene Anzahl seiner
Staatsbürger, welches er sie nicht nur über die öffentliche Pro-
paganda wissen läßt, sondern ihnen auch mit mancherlei familien-
politischen Maßnahmen, die den Wunsch der jungen Paare nach einem
Kind in die gewünschte Richtung lenke, zur praktischen Beachtung
anempfiehlt. Diese praktizierte Sorge um den Nachwuchs an Staats-
volk wird von Wissenschaftlern, die sich dieses Themas annehmen,
auf eine nicht minder widerwärtige Weise überhöht:
Daß die Lage des Volkes staatlicherseits unter der Rubrik
"Verharmlosung", wenn nicht gar "als Tabu behandelt" werde, be-
klagt ein Herr SCHMIDT-KALER, ortsansässiger Ordinarius für
Astronomie, als deutscher Professor aber vor allen Dingen
"daneben Fachmann für Bevölkerungswissenschaft", und erhebt in
der FAZ über eine halbe Seite hinweg seine Stimme, um mit solchen
beschönigenden und gefährlichen Fehlurteilen aufzuräumen - denn
eigentlich gehörte sich eine ganz andere Sorge um die Deutschen:
"Wenn 1980 schwach steigende Geburtenziffern als Beweis dafür
hingestellt werden, daß sich die Lage geändert habe, so ist dies
eine Irreführung. Denn die starken Geburtenjahrgänge der sechzi-
ger Jahre werden jetzt zur Elterngeneration. Der Stau von Unver-
heirateten zeigt erste Zeichen, sich aufzulösen. Ob die Trends
anhalten, läßt sich aus dem Datum eines halben Jahres nicht able-
sen. Entscheidend ist die Netto-Reproduktionsrate; diese ist auch
1978 und 1979 weiter gesunken. Tatsache ist jedenfalls, daß nach
wie vor jährlich beinahe 40% der Geburten zur Bestandserhaltung
der Deutschen in der Bundesrepublik fehlen."
Dieses Lamento über das Versagen der deutschen Gebärmaschinen vor
dem Maß der "Netto-Reproduktionsrate", das so tut, als gäbe es
irgendeinen objektiven Grund dafür, warum für jeden verstorbenen
Deutschen ein neuer in die Welt gesetzt gehört, zeugt von einer
ganz besonderen Spinnerei: das Volk wird hier nicht als Mittel
für den Staatszweck gewürdigt, sondern bekommt die rein selbst-
zweckhafte Aufgabe zugesprochen, für die eigene "Bestands-
erhaltung" da zu sein. Der Standpunkt der Rasse, der so in die
Welt gesetzt ist, verdankt sich dem Umstand, daß er vor lauter
Begeisterung für den Staat vergißt, daß d e s s e n Existenz
der Grund dafür ist, warum man von Geburt an Deutscher ist, und
verklärt die Staatsbürgerschaft des Menschen zu dessen Natur. Dem
Gedeihen der deutschen Rasse gilt jeder Gedanke, und es ist immer
der gleiche, denn der Bevölkerungswissenschaftler bewegt sich in
einer Welt, die nur das eine Kriterium kennt: dient oder schadet
es der Arterhaltung? Daß die Deutschen, an dieser fiktiven Elle
gemessen, schlecht abschneiden, weil es bei ihnen mit dem
"bestandserhaltenden" Paarungsvermögen hapert, ist seine ganze
Sorge, zumal das Schicksal einer so schwachen Art schnell durch
den Auftritt starker, weil geburtenstarker Fremder besiegelt wird
- weltweit gilt nämlich die SCHMIDT-KALERsche Rassenlehre,
"daß eine Nation mit zurückbleibender Fruchtbarkeit von der welt-
weiten Bevölkerungsentwicklung aufgesogen wird."
"In einer Welt großer Geburtenüberschüsse in Asien, Afrika und
Lateinamerika wird die Bundesrepublik Deutschland mit Sicherheit
nicht eine Oase abnehmender Bevölkerungsdichte sein. Vielmehr
wird (wenn eine vernünftige Bevölkerungspolitik nicht zu einer
Erholung der deutschen Geburtenrate zu bestandserhaltenden Werten
führt) der weltweite Bevölkerungsdruck einerseits, die wirt-
schaftliche Attraktivität andererseits zur Einwanderung von Aus-
ländern führen."
Für diesen Rassenfanatiker ist es die Gebärmutter, in der über
Gedeih und Verderb der Nationen entschieden wird. Weil sie als
Rasse so furchterregend prächtig gedeihen, drängt es die Asiaten
in jene dünnbesiedelte Zone in Westeuropa, deren Volk ihnen kei-
nen ausreichenden Widerstand an der Bevölkerungsfront entgegenzu-
setzen vermag, so daß von den Fremden auch der reichgedeckte
Tisch "wirtschaftliche Attraktivität" abgeräumt werden kann. So
tobt der Rassenkampf! Seinen Ausgang inszeniert SCHMIDT-KALER so:
"Noch vor dem Jahr 2050 könnten ebensoviele Ausländer unser Land
bevölkern wie Deutsche. Damit würde die Bundesrepublik zum Viel-
völkerstaat.",
und der Untergang des Deutschtums auf der Welt wäre abgeschlos-
sen. Denn die Möglichkeiten, die sich seinerzeit den Amis boten,
sind der deutschen Rasse heute versperrt. Anders als bei den USA
- stünden die Deutschen mit ihren Vielvölkern mal wieder ohne
Raum da:
"die Einwanderung erfolgt unter anderen sozialräumlichen Bedin-
gungen, es ist keine Landnahme möglich."
- und wäre eine Verbindung der deutschen Edelrasse mit den Ein-
wanderern ihr Ruin, denn das Angebot an Fruchtbarkeit ist bei
SCHMIDT-KALER nur von minderer Qualität:
"die Einwanderung geschieht unter anderen sozialkulturellen Be-
dingungen: das Gros der Einwanderer in den Vereinigten Staaten
war christlich und europäisch - bei uns kann es nur islamisch,
asiatisch, afrikanisch sein."
Diesen horror-fiction-Film von einem im Kampf um seine Arterhal-
tung untergehenden deutschen Volk, den der Bochumer Rassonom da
vorgeführt hat und voller Verantwortungsbewußtsein den Verant-
wortlichen anempfiehlt:
"Es müßte verantwortungsbewußte Staatsmänner besorgt machen, daß
zum ersten Male in über tausend Jahren deutscher Geschichte sich
eine ethnische Minderheit auf deutschem Boden etabliert" -
wird gewiß nicht dazu führen, daß sein Verfasser wegen faschisti-
scher Hetze mit einem Berufsverbot für sich rechnen müßte. Und
das ist auch gar nicht ungerecht, denn zum einen ist die Moral
seiner Faschismen:
"Was nützt der Wohlstand der gegenwärtigen Generation, wenn die
Identität, das Weiterleben des deutschen Volkes in künftigen Ge-
nerationen gefährdet ist?",
eine durchaus allgemein geteilte, zum andern fällt seine Rassen-
lehre auch als Antwort auf die Frage: "vor welchen Problemen
steht die Bundesrepublik in den nächsten Jahren" keineswegs aus
dem Rahmen der Freiheit der Wissenschaft. Mögliche Gefährdungen
für das Staatswesen sich auszuspinnen - das gereicht einem poli-
tischen Geist noch allemal zur Ehre, und für faschistische Theo-
rie-Varianten gibt es Platz unter der Rubrik "unkonventionelle
Betrachtungen" mitten in der demokratischen FAZ.
Zitate aus: "mit wieviel Fremden die Bundesrepublik leben kann",
FAZ vom 30.9.80
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