Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute
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Diskussionsveranstaltung
Die Politik erledigt das "Asylantenproblem"
INLÄNDER & AUSLÄNDER - DER KLEINE MÖRDERISCHE UNTERSCHIED
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Schon mal einen "Asylanten" getroffen? Schon mal einen
"Wirtschaftsflüchtling" aus dem Libanon oder dem Iran gefragt,
warum er seine letzten Groschen zunmengekratzt hat, um das Weite
zu suchen? Zugegeben, Sie können nur deutsch und verstehen das
Persische nicht. Hat Sie denn wenigstens schon mal ein Tamile am
Straßenbahnfahren, Einkaufen oder Bezahlen, oder am Gang zum Ar-
beits- bzw. Studienplatz gehindert? Wo "wir" doch eine
"Schwemme", eine "Springflut" und drohende "Überfremdung" im Land
haben?! Ist auch egal. Die Politiker sagen einem schon, wie
schlimm es mit uns steht. Sonst hätten "wir" es womöglich gar
nicht gemerkt!
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Monaco ist kein Einwanderungsland. Aber ein Wirtschaftsflüchtling
wie Boris Becker, der an die "Fleischtöpfe" des dortigen Steuer-
paradieses heran will, ist dort hochwillkommen. Aber der ist ja
mit den Elendsgestalten der "Dritten Welt" nicht zu verwechseln.
Schließlich hat unser Boris massenhaft Geld und die entsprechen-
den Sorgen, zwei anerkannte Gründe also, seinen Wohnort dort zu
nehmen, wo es ihm am besten geht. Die BRD ist auch kein Einwande-
rungsland. Und die hoffnungslosen Gesellen, die sich in ihren Ge-
burtsländern nur noch verschiedene Sorten des Zugrundegehens aus-
rechnen können, sind hierzulande äußerst unbeliebt. I h r e
Probleme sind nicht respektabel. Dafür heißt es: sie s i n d
eines. I n w i e f e r n und f ü r w e n eigentlich, braucht
man da erst gar nicht zu sagen.
Daß der freiheitliche bundesdeutsche Staat mit seinem ach so
großzügigen Asylrecht diesen Leuten nach Kräften P r o b l e m e
m a c h t - Arbeitsverbot, besseres Hundefutter, Konzentration in
schäbigen Lagern Abschiebung ohne Rücksicht auf drohende Folter
etc. - stört kaum einen. Für die christliche Regierung und ihre
sozialheuchlerische Opposition mit dem weiten Herzen für alle Ge-
beutelten steht fest, daß es den Habenichtsen aus Asien und
Afrika hier noch viel zu gut geht. Und sie tun alles, um das zu
ändern. Ob mit oder ohne Änderung des Grundgesetzes die
"Asylantenflut" gestoppt werden soll, gibt zusätzlich noch einen
ausgezeicheten demokratischen Wahlkampfknüller ab.
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Undifferenzierte Ausländerfeindschaft kann man der hiesigen Ob-
rigkeit nicht vorwerfen. Sie behält es sich vor, zu unterschei-
den. Sie schätzt den amerikanischen Präsidenten Reagan und seine
Soldaten als Garanten ihrer weltpolitischen Freiheit und Frech-
heit gegenüber "unseren östlichen Nachbarn" inclusive der Welt-
macht Sowjetunion. Sie unterhält "Völkerfreundschaften" zu Staa-
ten jeder Hautfarbe, weil sie deren Kapital bzw. deren lebendige
und tote Rohstoffe als Bereicherungsmittel für die eigene Wirt-
schaft erschließen und vernutzen will. Sie holt vorurteilslos
Millionen türkische und andere auswärts brachliegende Arbeits-
kräfte in ihr Reich, auf daß diese sich fürs deutsche Wirt-
schaftswunder krumm legen. Und schmeißt selbige wieder raus, wenn
sie in ihrer Funktion als Material kapitalistischer Profitproduk-
tion überflüssig sind. Sie heißt russische und ostdeutsche Dissi-
denten herzlich willkommen, weil diese ihr als lebendige Zeug-
nisse für die Forcierung ihrer Feindschaft gegen den sozialisti-
schen Herrschaftsbereich gerade recht kommen. Kurz und gut: die
westdeutsche NATO- und Wirtschaftsmacht definiert Freund- und
Feindschaften rund um die Welt ganz nach ihrem Bedarf, also frei
nach ihren materiellen Kalkulationen.
Und dabei schätzt sie es, wenn ihre "Inländer", welche sie sich
infolge ihrer, deutschen" Geburt als "natürliche" Verfügungsmasse
zueignet, sich einbilden, ihr Dasein als deutsche Staatsbürger
sei ein einziges Privileg, welches "Deutschland" gegen Ansprüche
fremder Nationalitäten mit allen Mitteln zu "verteidigen" habe.
Denn solch eine schwarz-rot-goldene Einstellung von unten läßt
sich von oben prächtig steuern, in jede gewünschte Richtung. Und
sie garantiert die fraglose Dienstbarkeit für jeden noch so har-
ten Anspruch, den deutsche Wirtschaft und Politik auf die Tages-
ordnung setzen. Unabhängig vom Preis, den der geforderte Einsatz
kostet, ob im Normal- oder im Ernstfall.
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Der demokratische Rassismus, der von Bonn aus die Menschheit sor-
tiert in nützliche und überzählige, gute und böse Exemplare und
Arten, geht mit dem besten Gewissen vor. Die alte Nachkriegsheu-
chelei vom unverbesserlichen deutschen Schuldbewußtsein ist offi-
ziell passé. Mit der gewachsenen Macht des neudeutschen Imperia-
lismus ist auch die Arroganz gewachsen, mit welcher den
"Ausländern" ihr Schicksal verordnet wird:
"Ich habe es mir abgewöhnt, mich täglich dafür zu entschuldigen,
daß es Hitler gegeben hat. Außerdem ist Hitler nicht schuld an
dem Schicksal von Irakern, Iranern und Tamilen." (Innenminister
Zimmermann in der Frankfurter Rundschau vom 24.7.86)
Helmut Kohl ist nicht Adolf Hitler. Wer wollte das bestreiten.
Hitler ist tot. Und Hitler ist wirklich nicht schuld an dem
"Schicksal", das Kohl, Zimmermann und Co den Irakern, Iranern,
Tamilen etc. heute bereiten. Die gegenwärtigen Opfer, welche die
BRD als stolzer Mitgestalter der NATO-Weltwirtschaftsordnung in
allen Weltgegenden p r o d u z i e r t, haben ihre Not natür-
lich selber zu verantworten. Wie damals die Juden. Und die BRD
hat das gute Recht, zu entscheiden, daß sich die auswärtigen Op-
fer ihrer Politik aus so banalen Gründen wie Krieg, Elend und
Folter nicht davonstehlen aus den Weltgegenden, wo man sie haben
will, oder auch nicht.
5
Kohl, Zimmermann und Rau berufen sich allzugerne auf die
"verständlichen Gefühle", die sie er "deutschen Bevölkerung" ab-
gelauscht haben wollen. Sie meinen damit eine gewisse "Angst vor
Überfremdung" und Ausländer-raus!-Parolen. Auf diese elegante
Tour s c h ü r e n sie den Nationalismus ihrer Untertanen. Und
stehen auch noch als "Mäßiger" desselben da, wo sie die
"notwendigen Maßnahmen" treffen, also jene Parolen nach ihren
Maßstäben v o l l s t r e c k e n? Nach dem Motto: Wenn die Po-
litiker die Asylanten raushauen, bringen sie "Volkes Stimme", die
dies fordert, am ehesten zum Verstummen. Das bringt's - schon im
Interesse der Menschenwürde "unserer ausländischen Mitbürger".
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Es gibt keinen harmlosen und anständigen Nationalismus!
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