Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute
zurück
Hamburg aktuell
Skinheads ermorden einen Türken
EIN RASSISTISCHER MORD - UND SEIN DEMOKRATISCHER NÄHRBODEN
Hamburger Skinheads ermorden den Türken Ramzan Avci. Die Öffent-
lichkeit ist einhellig von Bild bis Stern empört. Am Wochenende
demonstrieren 10.000 Bürger ihre Betroffenheit, Dohnanyi und die
anderen Herren stimmen zu. - Ein Türkenmord gehört nicht in diese
Republik; die Täter sind als Neofaschisten mit gefährlicher Ge-
sinnung zu verurteilen. Ein anständiger Demokrat will keine guten
Gründe für eine solche Tat kennen. Dabei haben die Skinheads die
besten, die sich ein ordentlicher Nationalist hierzulande denken
kann.
- "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein."
Ein Skinhead ist für seinen Staat. Er macht nicht nur mit, son-
dern nimmt persönlich Anteil an unserer Nation. Wenn wir siegen,
im Fußball, im Tennis und im Weltraum, dann ist er dabei. Er
weiß, daß die Nation ein Wert ist, dem zu dienen ehrenvoll ist,
und er hat gelernt, daß dieser Wert der höchste ist.
- "Türken sind Ausländer"
Sie gehören zu einer anderen Nation, nicht zu unserer. Das muß
man selbstverständlich unterscheiden, sonst ist man kein richti-
ger Deutscher. Skinheads wissen also auch, daß es besser ist, ein
Deutscher zu sein, als ein Türke; wäre dem nicht so, gäbe es ja
auch gar keinen Grund, sich über unsere Erfolge zu freuen. Boris
Becker hat die S c h w e d e n geschlagen.
- "Ausländer nehmen den Deutschen Arbeitsplätze"
Ein Deutscher hat ein Recht auf einen Arbeitsplatz. Er fragt
nicht, was er dafür bekommt und was er an seinem Arbeitsplatz
leisten muß. Daß die Unternehmer ihm kündigen, wenn sie kein Ge-
schäft mit ihm machen wollen, geht in Ordnung. Daß, wer nicht ar-
beitet, weniger zum Leben hat, ist selbstverständlich. Aber, wenn
er schon so anständig seinen Dienst tut, dann hat er auch ein
Recht darauf, daß Politiker dies würdigen und den Arbeitsplatz zu
ihrer Sorge Nr. 1 erklären. Dann weiß er, daß diese sich um den
Mann auf der Straße kümmern, und dann lohnt es sich auch, ein
Deutscher zu sein, und es leuchtet ein, daß es 3 Millionen Ar-
beitslose geben und das Arbeitslosengeld gekürzt werden muß. Was
nicht einleuchtet, ist, daß Ausländern ein Arbeitsplatz zukommen
soll. Die haben kein Recht, von deutschen Politikern gewürdigt zu
werden, denn sie sind keine Deutschen, so wie er. Wenn man schon
nichts anderes beansprucht als den ideellen Dank, dann darf der
nicht einfach jedem zukommen, sondern nur dem, der ihn wirklich
verdient.
Ausländer verdienen also gar keine Arbeitsplätze, und wenn sie
dennoch draufhocken, dann nehmen sie sie uns weg.
- "Ausländer haben kein Recht,"
sich so aufzuführen wie ein deutscher Untertan. Also gegen einen
billigen Lohn zu arbeiten, für eine teure Miete in irgendeinem
Loch zu hausen, oder auch in Deutschland Familien zu gründen oder
sich in irgendeiner deutschen Kneipe ein Bier zu bestellen.
Schließlich hat ein arbeitender oder arbeitsloser deutscher Un-
tertan auch seinen S t o l z als Deutscher: und den mißt er an
Ausländern seinesgleichen. Er erklärt sie zu Untermenschen und
fühlt sich bemüßigt, das per Gewaltausübung klarzustellen. Daß
die hier auch einfach leben ist schon ein Unrecht, und Verbrechen
muß man bestrafen. Wo kämen wir sonst hin. Das lernt man in der
Schule. Eine Gewalt, die im Recht ist, geht in Ordnung. Schließ-
lich erschießt die Polizei auch Terroristen und schiebt Ausländer
ab.
Wenn das keine guten Gründe für einen Türkenmord sind.
Empört soll man sein und ganz betroffen? So billig ist demokrati-
scher Anstand zu haben. Nein, Türken auf der Straße abschlachten,
das tun wir nicht.
- Aber dann soll es einem auch wieder völlig einleuchten, daß man
Deutscher ist und für seine Nation und unsere Freiheit eintritt.
Man soll stolz auf einen Bundespräsidenten sein, der unsere
Rechte und Interessen vertritt. Und keinesfalls daran denken, was
man davon und von den Erfolgen einer Nation in der Welt des
Sports und der hohen Politik hat.
Auch die Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausländern soll
man teilen und als gar nicht staatliche Tat begreifen. Wegen sei-
ner Sprache und seiner Kultur gehört man zusammen und andere
nicht dazu. So als ginge es um Sprachprobleme, wenn Politiker
zwischen ihrer und einer fremden Nation unterscheiden, so als
wäre die Nation nicht dasselbe wie der Geltungsbereich ihrer Ge-
walt und ihnen der Ausländer nicht deshalb verdächtig, weil er
einer fremden Gewalt untersteht.
Einem Innensenator Lange soll man es selbstverständlich abnehmen,
wenn er Ausländer zu "Wirtschaftsasylanten" erklärt. Den staatli-
chen Beschluß, daß es "zu viele" Ausländer hierzulande gibt, daß
der Staat nur auf solche Bürger Wert legt, die ausschließlich
seiner Gewalt unterstehen, darf man als Schutz unserer Nation vor
Schmarotzern interpretieren. Daß Menschen, die hierher kommen,
"weil es ihnen hier besser geht", hier nicht hergehören, hat als
Begründung für ihre Abschiebung einzuleuchten und Ausländerfreun-
den fällt dagegen auch nicht mehr ein, als daß die Asylanten aus
gar nicht eigennützigen Motiven hergekommen sind.
Und wenn die Türken bisweilen in ihr Heimatland abgeschoben und
dem dort zuständigen Henker zugeführt werden, dann darf man nur
nach einer Begründung fragen: War das Rechtens? Eine andere Frage
wollen auch Kritiker dieser Frage nicht stellen, wenn sie das Ge-
richtsurteil als "Unrecht" bezeichnen. So sehr ist ihnen die
Gleichung: Recht ist begründete Gewalt geläufig. Die Verlesung
des Gerichtsurteils gilt in unserem Rechtsstaat selbstverständ-
lich als guter Grund - auch für einen toten Türken.
Empört soll man sein über einen rassistischen Mord. Warum eigent-
lich? Weil er von einem Deutschen verübt wurde, dem dazu jede Be-
rechtigung fehlt. Weil es eine private Tat war, und alle ihre
guten Gründe nur für die demokratische deutsche Staatsgewalt gel-
ten, und diese Unterscheidung soll man lernen. In einer Demokra-
tie werden Deutsche und Ausländer ganz rechtmäßig als solche be-
handelt. Und wenn dann einer unrechtmäßig umgebracht wird, empört
man sich. Der Staat schiebt Ausländer ab, unterstellt sie seinen
Ausländerbehörden, verweigert und erteilt Aufenthalts- und Ar-
beitserlaubnis, und wenn ein Skinhead durchdreht, erlaubt er sei-
nen Bürgern ganz ausländerfreundlich zu demonstrieren. So tole-
rant ist die Demokratie.
zurück