Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute


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       Hamburg aktuell
       
       Senat und Bürgerschaft rufen "Ausländerhaß" zur Ordnung:
       

DIE FRIEDENSSTIFTER

Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg hat sich mit einem Appell an seine Bürger gewandt, namentlich an die "Jungen". Er möchte "Frieden stiften" zwischen Deutschen und Aus- ländern. Und schon ist sie perfekt, die Pose des edlen Landesva- ters, der schlichtend auf einen Konflikt einwirkt, so als habe er nicht im entferntesten mit seinen Gründen etwas zu schaffen und als sei er mit nichts ausgestattet als der Überzeugungskraft sei- nes ehrenwerten Anliegens. Immerhin, durch das Amt des Stadtfür- sten autorisiert äußert er, was der Hamburger Wille ist: Und wie kam der Unfrieden in "unsere Stadt"? "Ich weiß wohl: Diese Vorfälle sind nicht typisch für das Zusam- menleben der Deutschen und Türken in Hamburg." (Dohnanyi) Gewiß, einen Türken auf der Straße niederzumachen, das gehört sich nicht. Aber kennt der "Frieden", den "Hamburg will", nicht die Gewalt? Sie ist aus dem Frieden dieser Stadt nicht wegzuden- ken. Wie sonst, wenn nicht durch Gewalt, wird es zu einem wirkli- chen Unterschied, ob ein Arbeiter bei "Blohm + Voss" und Mieter der "Neuen Heimat" einen deutschen oder türkischen Paß besitzt? Dieser Unterschied ist keiner in irgendeiner Anschauung, sondern einer, den das Gesetz herstellt. So wird der "Frieden in Hamburg" gesichert: - Leute, die auch noch einem anderen Staat untertan und ver- pflichtet sind, werden hier mit einer Extrabehandlung versorgt. An ihnen wird die kapitalistische Lebensregel exekutiert, daß hier nicht leben soll, wer nicht als Arbeitskraft gebraucht wird. Also werden Türken u.a. dahin zurück verfrachtet, wo "ihr" Staat wohnt. - Leute, die das Asylrecht mit einer Überlebensgarantie verwechseln, werden umgehend eines besseren belehrt. Der Umgang mit Asylanten wird nach dem Zweck der A b s c h r e c k u n g praktiziert. Dafür wird eine philippinische Familie auch mal mit extra demonstrativer Rücksichtslosigkeit außer Landes geschafft. Schließlich unterhält das "Tor zur Welt" seine nutzbringenden Be- ziehungen zu den Folterkammern und Hungerregionen des Imperialis- mus nicht dafür, daß die Opfer dem Aufschwung der Nation hierzu- lande zur Last fallen. Freilich, dieser alltägliche a m t l i c h e T e r r o r soll nicht Gewalt heißen, weil er doch Recht und Gesetz ausführt. Des- sen Hüter wissen es im übrigen sehr zu schätzen, wenn ihre Volks- genossen diese Unterscheidung wie überhaupt die Unterordnung un- ter die deutsche Amtsgewalt mit einem Vorzug verwechseln. Da mag ein Dohnanyi zuallerletzt widersprechen, wenn ein Arbeitsmann den kümmerlichen Ertrag seiner Anstrengungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt nicht den Geschäftsleuten zur Last legt, mit denen er es dabei zu tun hat, sondern lieber darauf zurückführt, daß ein Mensch gleicher Lebenslage, aber anderer Nationalität sich etwas herausgenommen hat, was nur einem Deutschen als Recht zu- steht. Der Dummheit der Vaterlandsliebe dient unzweifelhaft dem Frieden, dem sozialen. Deshalb werden die Dohnanyis auch nicht müde, die "lieben Hamburger" in der Sichtweise zu erziehen, daß "unsere ausländischen Mitbürger" ein nicht gering zu schätzendes P r o b l e m darstellen, wenn sie denen welche bereiten. Und der Innensenator muß furchtbar aufpassen, daß von ihm sortierte "Wirtschaftsflüchtlinge" sich nicht als Schmarotzer am deutschen Volkskörper gütlich tun. Rassismus von Amts wegen? Nie gehört! Derselbe Innensenator ruft doch sogar zur "Toleranz" auf. Eben, "wir Deutsche" e r t r a g e n sogar die Ausländer. "Alle Deutschen und Türken können in Frieden in Hamburg miteinan- der leben, wenn Sie es wollen." (Dohnanyi) Wenn die Politik selbst den Rassismus mitten in der Demokratie zur Welt bringt, dann kann sich ein Dohnanyi gegenüber den ge- walttätigen Produkten des rassistischen Wahns als moderater Be- schwichtiger aufführen. Die erzwungene Zugehörigkeit zur deut- schen Nation - jenseits aller Pflichten und Kosten - zum wert- vollen Vorzug gegenüber allen zu erheben, die nicht Deutsche, weil Untertanen einer anderen Nation sind - diesen N a t i o- n a l i s m u s schätzen demokratische Politiker als Volks- m e i n u n g sehr hoch. Aber an ihm praktisch Maß zu nehmen und die fällige Behandlung der Ausländer festzulegen, das wollen sie ihrer souveränen Entscheidung vorbehalten wissen. Mit seinem Appell an den "guten Willen" wünscht Dohnanyi den von ihm und seinesgleichen erzeugten Rassismus auf das rechtsfriedliche Maß beschränkt. "Frieden" ist dann, wenn Bürger sich vor allem als "Deutsche" wissen, die s e l b s t A u s l ä n d e r für Menschen halten und deren praktische Behandlung den zuständigen Behörden überlas- sen. Um der "Bitte" nach einer solchen Haltung Nachdruck zu verleihen, ist dem Senat noch ein Argument eingefallen, an das Politiker of- fenbar immer als erstes denken: Jede Menge Polizei wird dafür sorgen, daß nirgendwo dem Recht ein Haar gekrümmt wird. Als Dreingabe erhalten "die Jungen" ein paar zusätzliche Sozialarbei- ter sowie ein "Fan-Projekt" beim HBV, auf daß ihnen beigebracht werde, sich an einer Idiotie so zu begeistern, daß es sich nicht weiter störend bemerkbar macht. zurück