Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute
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Was tun gegen Ausländerhaß?
IMMER AN DEUTSCHLAND DENKEN!
Diese Botschaft bringt uns ein Leitartikel aus der Feder des
"akut"-Chefredakteurs Jörg C. Dietzel auf den Tisch. Dessen Arti-
kel zeichnen sich immer wieder dadurch aus, mit dem pubertären
Charme des durch tausend Besinnungsaufsätze systematisch verdumm-
ten deutschen Oberschülers in stets traumwandlerischer Sicherheit
die geforderte nationale Denkart zu treffen und breitzutreten.
Kurz vor Weihnachten gehört sich selbstverständlich ganz beson-
ders besonnen und so fragte sich der Leitartikler nach den
"möglichen Ursachen der Ausländerfeindlichkeit".
Die Antwort, ein einziges Verständnis dafür:
"Ich glaube, Audänderfeindlichkeit entspringt - gerade hier in
Deutschland - einer tiefen Unsicherheit in Bezug auf unsere Na-
tionalität. Seit dem Nazi-Regime, von dem nationale Gefühle
skrupellos mißbraucht wurden, konnten wir kein ungestörtes
Verhältnis zu unserer Nation aufbauen. Zu welcher Nation auch?
Das geteilte Deutschland macht es unschwer, uns als Deutsche zu
fühlen."
Die ganze schmierige Penetranz neudeutschen Selbstbewußtseins
wird hier offenkundig. Gedacht wird überhaupt nur noch in der 1.
Person Plural, so als sei es quasi n a t ü r l i c h, sich als
s e i n e ersten Sorgen und Empfindungen diejenigen d e r
N a t i o n zu machen, der man zufällig angehört. Nichts wichti-
ger daher, als zu dieser ein "ungestörtes Verhältnis" zu haben.
Und das heißt eben nicht, v o n diesem Verein bei der Verfol-
gung der eigenen Anliegen ungestört zu bleiben, sondern oberstes
Maß und Ziel menschlichen Handelns soll im Gegenteil die vollkom-
mene Harmonie mit den Interessen der Nation sein.
Daran glauben solche Burschen wie Jörg. Sie glauben so sehr
daran, daß man für sich und alle seine Nachbarn nichts sehnlicher
wünschen soll als ein porentief reines "Verhältnis zur Nation".
Der Witz dabei: Wer über den angeblichen M a n g e l einer
solch perversen Liebesbeziehung klagt, der h a t solch ein un-
gestörtes Verhältnis, ungestörter geht's gar nimmer. Sonst würde
er ja nicht darüber jammern, daß ihm die gewollte Affenliebe so
furchtbar schwer gemacht wird.
So liegt es in der Logik des nationalistischen Arguments - dem
die Zwangsverleihung eines deutschen Passes "Argument" und Grund
genug sind, zu diesem Land mit all den Einrichtungen seiner Herr-
schaft "Vater" zu sagen -, daß die beschworene "Störung" selbst-
verständlich nicht darin bestehen darf, eine S c h ä d i g u n g
der eigenen Interessen durch die Nation festgestellt zu haben.
Das wäre ja ein handfester Scheidungsgrund! Nein, der deutschen
Nation ist übel mitgespielt worden:
- Erst durch die Nazis, wobei zunächst völlig unerfindlich ist,
wieso deren Verbrechen ausgerechnet im "M i ß brauch nationaler
Gefühle" gelegen haben soll. In Sachen "Deutschland, Deutschland
über alles", dem ach so wichtigen "ungestörten Verhältnis zur Na-
tion" also, haben es die Faschisten doch wahrlich an nichts feh-
len lassen. Ergo muß die Vorsilbe "Miß-" sich allein der posthu-
men Würdigung der B R D-Untertanengesinnung verdanken, die über
de Faschismus überhaupt nur noch eines lernt und d i e s
furchtbar an ihm findet: daß er den Krieg, das Ansehen und die
Größe der Nation vergeigt hat.
- Dann durch die Teilung Deutschlands; wobei zunächst wiederum
völlig unerfindlich ist, warum diese den Rest der alten Nation
daran hindern sollte, sich gänzlich "ungestört" als neue aufzu-
rühren. Aber da ist nationale Gesinnung etwas eigen: ausgerechnet
sie will keine Grenzen mehr kennen, "weil die Liebe zum Vater-
land" es mit sich bringt, daß das O b j e k t der Liebe immer
etwas zu klein ist.
Und was hat all dies mit dem Thema "Ausländerfeindlichkeit" zu
tun? Eigentlich gar nichts. Denn das beklagte "gestörte Verhält-
nis zur Nation" kann nie und nimmer der Grund für ein Verhalten
sein, das sowieso n u r nationale Gedanken in Anschlag bringt,
wenn es Ausländer haßt, w e i l sie Ausländer (= Kanaken, Spa-
ghettis, Kümmeltürken) sind. Das ist ein dicker Hund: Sich zu ei-
ner der höchsten Formen des Nationalismus formell in kritische
Distanz setzend, wird - als Abhilfe! - Besinnung auf noch mehr
Nationalismus gefordert!
Die billige Auflösung dieser dialektischen Empfehlung folgt dann
auf dem Fuß. Unter Abbau der Ausländerfeindlichkeit soll nämlich
verstanden werden,
"den im Rahmen des westlichen Bündnisses hier stationierten
Truppen nicht das Leben schwer zu machen, sondern ihnen allen die
Eingliederung in unsere Gesellschaft zu erleichtern."
In diesem Sinne wünschen wir all unseren ausländischen Mitsolda-
ten zum neuen Jahr ein herzliches
YANKEE GO HOME!
Auf deutsch:
KOHL LEB WOHL!
VOGEL GEH MIT!
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