Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute
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ALTUN-STRASSE
soll nach dem Beschluß von 'SPD' und Grünen in Kassel demnächst
auf einem Straßenschild stehen, in Erinnerung an den Abschiebe-
häftling, der in Berlin aus dem Gerichtsgebäude in den Tod
sprang. Eine noble Geste, der Opfer des Rechtsstaats nachträglich
im Stadtbild zu gedenken. Nur, wenn dieser ehrenwerte Beschluß
Schule machen sollte, wo bleiben dann die Heuss-, Adenauer-, Wil-
helm- und Hohenzollernstraßen? Doch wird man sich wohl für ein
bleibendes Straßen-Andenken auf die sogenannten tragischen Fälle
beschränken, die "internationales Aufsehen erregt" haben und sich
parteipolitisch ausschlachten lassen. Denn das gehört schon dazu,
damit ein paar oppositionelle Moralisten sich über die "Pannen"
bei der rechtsstaatlichen Behandlung unerwünschter Ausländer de-
monstrativ schämen und so die Ehre der Nation wiederherstellen.
Unsere Demokratie funktioniert also, bis zum letzten Straßenna-
men!
*
Wohl kaum inspiriert durch die Kasseler Initiative, aber um das
Maß posthumer Kulanz des Rechtsstaats vollzumachen, hat das zu-
ständige Verwaltungsgericht in Westberlin "dem Bundesbeauftragten
für Asylangelegenheiten, der gegen einen vorherigen Asylbescheid
zugunsten Altuns Einspruch eingelegt hatte, die Kosten des Ver-
fahrens auferlegt." Eine dpa-Meldung "Posthum Asyl für Altun" de-
mentierte das Gericht allerdings postwendend, "da dies rechtlich
nicht möglich ist". Bei den Spesen läßt der Rechtsstaat mit sich
rechten, sein Standpunkt bleibt hingegen Recht bis ins Grab der
Opfer hinein.
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