Quelle: Archiv MG - BRD INNENPOLITIK AUSLAENDER - Von der Sortierung der Leute
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Lafontaine zur Ausländerfrage:
DER SCHÖNHUBER DER SPD AUF STIMMENFANG
Bekanntlich sind Ausländer bei uns ein "Problem". Da mag natür-
lich auch ein Kanzlerkandidat nicht mit seiner Meinung hinter dem
Berg halten:
"Es ist nicht zu übersehen, daß die Toleranz mit dem Abstand zu
den Problemzonen wächst. Für Eltern, die im eigenen Haus wohnen
und ihre Kinder in eine Waldorfschule schicken, ist es leicht,
Toleranz gegenüber Ausländern und ihren Kindern zu predigen ...
Häufig ist der einzelne gar nicht allein schuld an seinen Vorbe-
halten gegenüber Ausländern. ... Beide stehen vor dem Problem,
nur niedrige Mieten bezahlen zu können. Und so entsteht in be-
stimmten Stadtvierteln ein heftiger Konkurrenzkampf um knappen
Wohnraum. Die Begegnungsstätte dieser Deutschen mit Ausländern
ist der Aldi-Laden, nicht das Feinkostgeschäft." (Oskar Lafon-
taine, Deutsche Wahrheiten)
Was will er denn jetzt damit sagen, der Oskar? Etwa daß das ganze
Gerede vom "Ausländerproblem" ein einziger Quatsch ist und die
wirklichen Probleme der Leute materieller Natur sind, weil sie zu
wenig Geld haben? Also daß die K l a s s e n f r a g e weitaus
w i c h t i g e r ist für Arbeiter als die saudumme Frage: Wer
hat welchen Paß? Das wär' ja mal eine ordentliche Auskunft!
Aber natürlich hat Lafontaine was anderes gemeint. "Toleranz" ge-
genüber Ausländern, sowas hält er für einen L u x u s, den sich
bloß die Bessergestellten leisten können. Ein einfacher Arbeiter
dagegen, der sich Feinkostgeschäfte nicht leisten kann und bei
Aldi einkaufen muß, für den soll es ganz n o r m a l sein, wenn
er Ausländer nicht mag. Mit dem puren Hindeuten darauf, daß es
der "kleine Mann von der Straße" auch nicht einfach hat, gibt La-
fontaine dessen Haß auf alle Fremdländer r e c h t. Dabei in-
teressiert es ihn gar nicht weiter, ob dieser Zusammenhang zwi-
schen Klassenzugehörigkeit und Einstellung zu Ausländern über-
haupt s t i m m t.
Immerhin übersieht da der Kanzleranwärter eine Kleinigkeit, aber
das mit voller Absicht. Selbst ein Hilfsarbeiter ohne Schulab-
schluß mit wenig Geld und auf Wohnungssuche muß schließlich erst
einmal
Zwei gar nicht normale Fehler
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hinter sich bringen, um seinen gesunden Haß auf "die Ausländer"
hinzukriegen:
- Der Mensch muß erstens die Gründe seiner beschissenen Situa-
tion, den K a p i t a l i s m u s, der ihm die Konkurrenz sogar
um das Lebensnotwendige aufzwingt, als S c h u l d f r a g e
auffassen. In dieser Sicht sind es dann gar nicht mehr die Kapi-
talisten, die einem das Leben schwer machen, sondern die Mitkon-
kurrenten. Ausgerechnet denen, die g e n a u s o wie man selbst
dem kapitalistischen Diktat der Konkurrenz ausgesetzt sind, nimmt
man also das e r z w u n g e n e Konkurrieren p e r s ö n-
l i c h übel. Das ist überhaupt nicht "menschlich verständlich",
sondern grundverkehrt!
- Der Mensch muß zweitens auch noch unter seinen Mitmenschen in
gleicher Lebenslage eine U n t e r s c h e i d u n g vornehmen.
Nämlich die, welchen P a ß sein Mitkonkurrent zufällig hat. Er
muß also seine S t a a t s a n g e h ö r i g k e i t als
P r i v i l e g mit dem Anspruch auf eine Sonderbehandlung auf-
fassen. Die Wirklichkeit sieht zwar ein bißchen anders aus -
einen deutschen Paß zu besitzen, bringt schließlich keine müde
Mark extra ein, ist weder eine Garantie für bezahlbare Wohnungen
noch für sonst irgend etwas Handfestes! -; aber das "Deutschsein"
s o l l t e sich doch irgendwie auszahlen. Zumindest im Ver-
gleich mit Ausländern, die von Staat und Kapital gefälligst ein-
deutig s c h l e c h t e r behandelt gehören. Diese reife Lei-
stung ist zwar üblich bei Nationalisten mit ausgeprägtem Rechts-
bewußtsein, aber eben schädlich und verkehrt: Schließlich geht es
einem selber um keinen Deut besser, wenn die mit dem anderen Paß
noch mieser behandelt werden!
Eine schlechte Lebenslage führt also keineswegs automatisch zu
Ausländerhaß. Für d i e s e n Übergang muß ein Mensch von den
wirklichen Gründen seiner schlechten materiellen Situation gerade
vollkommen absehen, um dann in Ausländern einen einzigen Anschlag
auf sein Wohl zu entdecken. Das ist ein Fehlschluß, der für die
Leute selber schädlich ist, die so "deutsch" denken und kal-
kulieren. Für Lafontaine aber offenbar so normal, daß er diese
Einstellung würdigt als eine Art "Naturgesetz": Ausländerfeind-
schaft bei einfachen Leuten? Na klar, die können gar nicht an-
ders, und dafür hat man V e r s t ä n d n i s aufzubringen!
Fragt sich bloß,
Warum Lafontaine dieser nationalistischen Dummheit
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soviel Ehre erweist
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Denkt er, der sicher nicht bei Aldi einkauft, selber so? Oder ist
es ihm für seine politischen Zwecke nur recht, wenn die Leute so
denken? Wahrscheinlich beides. Auf alle Fälle b e n u t z t er
die Dummheit von Ausländerfeinden, um sich dem einfachen Volk als
dessen verständnisvoller Anwalt zu präsentieren. Immerhin ist
W a h l k a m p f z e i t, und er will Kanzler werden. Also spe-
kuliert er auf die Stimmen aller Ausländerfeinde, die sich ihren
beleidigten Nationalstolz nicht nehmen lassen wollen.
Schon gar nicht von den "Großkopferten" mit ihrem "Wohnen im ei-
genen Haus" und so. Wer die nicht leiden kann und sich angesichts
jedes gut Betuchten, der seine Semmeln im "Feinkostgeschäft"
kauft, beleidigt und "ungerecht" behandelt fühlt, hat gleich noch
einen Grund dazu, den volkstümlichen Oskar zu wählen. Darin be-
steht nämlich die zweite Masche, mit der Lafontaine Arbeiterstim-
men auf seine Seite bringen will: Er bedient den Neid, also das
Gerechtigkeitsempfinden des "kleinen Mannes" gegenüber allen
Bessergestellten, mit abfälligen Andeutungen über deren Le-
bensgewohnheiten. Sowas hebt natürlich den proletarischen Lebens-
standard enorm.
So sieht also der "linke" Kampf des Oskar Lafontaine gegen den
"rechten republikanischen Ungeist" aus: Ausländerfeindschaft in
Schutz nehmen und Sozialneid schüren, also kurz: sich als der
b e s s e r e S c h ö n h u b e r i n d e r S P D profilie-
ren. Das sorgt für Stimmung beim Stimmvieh!
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