Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT TARIFPOLITIK - Von Lohnrunden ohne Lohn


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 29, 27.01.1981
       
       Teach-In
       
       Zur Tarifrunde 1981
       

ARBEITERORGANISATION ODER SCHWARZROTGOLGENE ARBEITSFRONT

Was ein Student von der westdeutschen Gewerkschaft wissen sollte 1 Wenn die IG Metall mit folgender Erklärung in die Tarifrunde 1981 geht - "Wir waren und sind bereit, in freien Verhandlungen mit der Ar- beitgeberseite zu tarifpolitischen Lösungen zu kommen, die zur Vermeidung sozialer Katastrophen in den 80er Jahren beitragen." (H. Janßen in der Frankfurter Rundschau vom 15.12.1980) - dann sollte man allen Ernstes davon Abstand nehmen, die Gewerk- schaft von einer Vorstellung über ihren eigentlichen guten Zweck aus zu beurteilen. Statt sich von ihr Nutzen zu erwarten, sie also grundsätzlich als Organisation der Arbeiterklasse zu beja- hen, sollte man sich vom Ergebnis der "härtesten Tarifrunde seit langem" gar nicht erst enttäuschen lassen, sondern prüfen: wem nützt das, was sie tut? 2 Das 2,5%-Angebot des Metallkapitals ist der Gewerkschaft zufolge keine Katastrophe für die soziale Lage der arbeitenden Klasse, sondern ein "ernstzunehmendes Alarmsignal für die Entwicklung un- seres demokratischen Gemeinwesens." Die Verantwortung d a f ü r soll bei der Unternehrnerseite lie- gen, weil sie ihr Angebot als "Lohndiktat" auf den Tisch geknallt hat, ohne es sich in "freien Verhandlungen" als "eine ta- rif p o l i t i s c h e Lösung" abringen zu lassen. D a r u m und um nichts anderes geht es in der Tarifrunde und die markigen Töne der IG Metall entzünden sich an der nationalen Verantwor- tungslosigkeit des Tarif p a r t n e r s. 3 Ein westdeutscher Gewerkschaftler gelangt 1980 zu dem harten Vor- wurf ausgerechnet an die "Arbeitgeber", sie verfolgten eine "profitorientierte Lohnpolitik" und wollten "ihre ökonomisch un- verantwortliche und sozial schädliche Lohnideologie auch in die Praxis umsetzen." Der Wahnwitz dieses Vorwurfs liegt darin, daß man sich ganz auf den Standpunkt des Volksganzen stellt, um den Gegner der nationa- len Unzuverlässigkeit in schweren Zeiten anzuklagen: die "profitorientierte Lohnpolitik" der Unternehmer sei "sozial ver- antwortungslos"gegenüber unserem sozialen Gemeinwesen. Folglich treibt die v e r a n t w o r t u n g s b e w u ß t e Gewerk- schaft keine lohnorientierte Lohnpolitik, worauf orientiert sie aber dann? 4 Die Arbeiterorganisation hat sich der Förderung der A r b e i t verschrieben, wofür sie ihre Mitglieder, die Arbeiter, Opfer er- bringen läßt: "Die Einführung eines Arbeitsmarktbeitrages für alle Erwerbstäti- gen zur Finanzierung der im kommenden Jahrzehnt noch bedeutsamer werdenden Arbeitsmarktpolitik ist unverzichtbar." und: "Arbeitslosigkeit ist kein individuelles, sondern ein gesell- schafts- und wirtschaftspolitisches Risiko." (ÖTV-Magazin, Nr. 1/81) Staatlicher als der Staat, der in seinem Streben nach nationalem Reichtum ganz auf die l o h n e n d e Benutzung des Arbeits- kräftepotentials durch die Kapitalisten setzt (also ihnen gerade nicht die Vorschrift macht, a l l e in die Arbeit zu nehmen), beweist die Gewerkschaft ihre nationale Pflichterfüllung, indem sie als Lösung der nach ihrer Ansicht so unökonomisch-verschwen- derischen Arbeitslosigkeit das Opfer aller A r b e i t e n d e n vorschlägt, damit der a r b e i t s l o s e Teil kein "gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Risiko" darstelle. Wohlgemerkt: die Gewerkschaft spricht sich nicht für den staat- lich verordneten Arbeitsdienst aus, sondern für eine Politik, die denselben Effekt haben soll. 5 Die westdeutsche Einheitsgewerkschaft, nach den eigenen und den Aussagen ihrer intellektuellen Fans die schönste Errungenschaft der westdeutschen Arbeiterbewegung ist also wirklich eine "Säule unserer Demokratie". Und das so sehr, daß sie sich auch dann ih- rer Verantwortung stellt, wenn die Arbeiterklasse auf dem Felde der Produktion Staat und Ökonomie fit machen soll für die kom- menden Aufgaben. Auch auf dem Schlachtfeld? 6 Das alles ist ein starkes Stück und verlangt haarklein nachgewie- sen zu werden am aktuellen Material, das Theorie und Praxis der Gewerkschaften in der laufenden Lohnrunde liefern. Das Teach-In der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) wird nicht zuletzt deutlich machen, daß der Vorwurf der "Gewerkschaftsfeindlichkeit" aus welchen Gründen auch immer die Entwicklung des real existierenden DGB verpaßt hat. zurück