Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT TARIFPOLITIK - Von Lohnrunden ohne Lohn
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Tarifrunde '82
NATIONALE GEWERKSCHAFTSSTRATEGIE - LOHNRUNDE OHNE LOHN
Lohntarifrunden sind der Streit um die Festsetzung eines neuen
Verhältnisses von Lohn und Leistung - und zwar der Streit um die
eine Seite: den Verdienst, den die Arbeiterschaft für die Lei-
stungen erhält, die von Kapitalistenseite beständig verändert und
gesteigert werden. Mit dem organisierten Anspruch auf mehr Geld
verteidigt die Arbeiterklasse ihre Notwendigkeit, von diesem Geld
leben zu müssen, und zwar gegen die das Jahr über von den Anwen-
dern der Arbeit durchgesetzte Entwertung des Lohns im Interesse
ihrer Gewinne. Für die Unternehmer ist diese Summe die Kost für
die Benutzung der Arbeitskraft, eine Kost, die sich über Verände-
rungen in der Produktion und Preissteigerungen laufend einträgli-
cher und billiger benutzen läßt. Sie verteidigen also die gelun-
gene Plusmacherei und das Mittel ihrer Fortsetzung. Der Nutzen
der Arbeit für die jenigen, die sie leisten, wird also offen-
sichtlich laufend gefährdet durch die Dienste, auf die die Unter-
nehmer mit der Bezahlung Anspruch haben. Deswegen sind die Arbei-
ter die Fordernden, nämlich die Geschädigten, und unterliegen da-
bei allen möglichen staatlichen Beschränkungen beim Einsatz ihres
Kampfmittels, der Arbeitsverweigerung. Sie hätten also allen
Grund, den Anspruch auf Lohn möglichst rücksichtslos anzumelden,
da die gegnerische Seite die Rücksichten schon zu Genüge erzwin-
gen will und mit gebotener Unverschämtheit fordert.
Hierzulande sind solche Gedanken allerdings von der Gewerkschaft
längst als kommunistisches Gedankengut entlarvt und unter Gewerk-
schaftsfeindschaft eingereiht. Hierzulande sind Tarifrunden etwas
anders - sie sind nationale Veranstaltungen. In ihnen wird die
nützliche Zurichtung der arbeitenden Klasse von ihren Verwaltern
wie auch Gegnern in e i n e r Zahl und ihrer Kommentierung zu-
sammengefaßt. Entsprechend steigt die Unerträglichkeit dieser
Veranstaltungen mit der Härte des Programms, für das sie stehen.
Der Form nach werden sie ja noch als Streit um den Lohn ausgetra-
gen, als "Tariftheater" eben. In dem Maße aber, wie die nationale
Hauptgefahr, die Lohnansprüche der Arbeiter, Manövriermasse der
Verhandlungen sind und zum Material ganz anderer, höherer Ge-
sichtspunkte gemacht worden sind, erledigen die Tarifrunden den
Gegensatz, in dem Lohn und Nation stehen - und zwar erledigen sie
ihn sehr einseitig. Der Arbeiter bekommt nur soviel, wie die
Wirtschaft für verträglich erklärt, und das bedeutet mehr als den
(angeblich nur zeitweiligen) Verzicht auf ein Stück
"Lebensqualität" zugunsten einer mehr oder weniger guten gemein-
samen Sache. Das bedeutet in jedem Sinne Freiheit - für die Un-
ternehmer, rentabel weiterzuwirtschaften; für die Politiker, den
wachsenden nationalen Reichtum zu verwalten und auf die staats-
bürgerliche Vernunft des arbeitenden Volkes zu bauen; für die Ar-
beiter, sich die Weisen des immer mehr zur unausweichlichen Not-
wendigkeit gemachten Einteilens auszusuchen; für die Gewerkschaft
schließlich, sich an diesen Erfolgen und ihrer politischen Ver-
waltung kräftig zu beteiligen.
Die Ehre der deutschen Gewerkschaft...
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Was eigentlich ist das Großartige daran, daß die deutsche Arbeit-
nehmerschaft über eine Einheitsgewerkschaft verfügt, über eine
einheitliche Vertretung also, die, von "Spalterorganisationen"
unbehelligt, das Arbeitnehmerinteresse der deutschen Arbeiter
West zu vertreten in der Lage ist? Worin liegt eigentlich der
Nutzen für die Metallarbeiter z.B., daß sie Mitglieder in einem
2-Millionen-Verein sind, so daß sie mittels dieses Vereins mit
einer Stimme gegenüber ihrem Interessengegner, den Metallarbeit-
gebern, sprechen können? Das ganze Jahr über hat ein Metallarbei-
ter mit den Metallarbeitgebern und ihrer gewerkschaftlichen Er-
gänzung herzlich wenig zu tun. Jeden Morgen geht er in seinen Be-
trieb, an seinen Arbeitsplatz, wenn er nicht gerade versetzt wor-
den ist. Mit seinem Lohn und seinem Arbeitsplatz muß er zurecht-
kommen, und seine Interessen, auf denen er als einzelner wegen
seiner Abhängigkeit nicht ohne Schaden beharren kann, werden von
seinem Betriebsrat vertreten. Mit Willen und zumeist im Namen der
Gewerkschaft werden da die Betriebsnotwendigkeiten überprüft und
Arbeitsplatzveränderungen, Entlassungen und übertarifliche Zah-
lungen im Sinne des Betriebsfriedens mitbestimmt. Bei jeder Ver-
änderung in seinem Betrieb, die ihm vielleicht den Lohn senkt,
die Arbeitsbedingungen verschlechtert oder durch die sein Lohn -
und der von -zig seiner Kollegen mitunter dazu - vielleicht
schlicht zu einer überflüssigen Kost gemacht wird, ist sein Ein-
heitsverein allenfalls als Rechtsberater des Betriebsrats betei-
ligt. Hier bestimmt sein Arbeitgeber zusammen mit dem betriebli-
chen Interessenvertreter, dessen Rücken bei der Behauptung von
Arbeitnehmerinteressen von keinem Millionenverein gestützt wird.
Daß letzterer bei Nichterfüllung seiner Forderungen nur im Nach-
barbetrieb anzurufen bräuchte, und schon stünden die Kollegen -
straff organisiert, wie sie sind - auf der Matte, ist eine ab-
surde Vorstellung, fern jeder betrieblichen und einheitsgewerk-
schaftlichen Realität. Schließlich ist ja schon im e i g e n e n
Betrieb der Betriebsrat die Existenzweise der gewerkschaftlichen
Gegenwehr.
Was den einzelnen Lohn betrifft, so hat hier sowieso der Arbeit-
nehmer mit, seiner Leistung geradezustehen, und er kann ruhig
vergessen, daß er Mitglied der stärksten Einzelgewerkschaft der
Welt ist: es nützt ihm eh nichts.
Enthaltsamkeit, Kommentierung der Opfer und Rechtsberatung der
Betriebsräte, in mehr besteht sie nicht, die gewerkschaftliche
Politik gegenüber dem Kapital; oder besser gesagt: das ist Ge-
werkschaftspolitik das ganze Jahr über.
Was die DGB-Vereine einheitlich den Unternehmern von Jahr zu Jahr
zu bieten haben, ist die Freiheit ihrer Nichteinmischung, tarif-
vertraglich fixiert, so daß die Sauberkeit der Betriebe von stö-
renden Elementen gesichert ist.
Gewerkschaften, die das ganze Jahr über den Schaden ihrer Mit-
glieder kommentieren, statt seine Verhinderung zu organisieren,
nützen auch den Bereich, den sie sich für
g e w e r k s c h a f t l i c h e Vertretung reserviert haben -
die Lohn- und Tarifpolitik - nicht zur Kompensation der Folgen
dieser bewußten Enthaltsamkeit. Die Freiheit, die sie den Unter-
nehmern ansonsten lassen, erfährt vielmehr ihre
E r g ä n z u n g in den Tarifrunden. Entsprechend sehen sie
aus. Von ihrem materiellen Gehalt her sind sie nur noch ein Un-
terpunkt in der Zurichtung der Lage der arbeitenden Klasse ent-
sprechend den "wirtschaftlichen Notwendigkeiten". Wie denn auch
anders, wenn die "betrieblichen Interessen" immer schon durchge-
setzte und einvernehmlich mitbestimmte Praxis sind! Ob in der Ta-
rifrunde mit 4, 5, 6 oder 7% abgeschlossen wird, entscheidet da
nur als ein Faktor, und nicht einmal als ein besonders wesentli-
cher, über den Erfolg des nationalen Geschäfts. Für die innerbe-
triebliche Profitabilität dieser Prozente ist und wird längst ge-
sorgt.
In der Tarifrunde geht es allerdings bekanntlich um "mehr-als nur
den Lohn": Sie ist der Punkt, an dem die deutschen Einheitsge-
werkschaften als solche darstellen, was sie wert sind. Nicht nur
in der Hinsicht, daß sie den Betriebsfrieden in deutschen Landen
zu wahren wissen - das erledigen ja die Betriebsräte samt Be-
triebsverfassungsgesetz -, sondern vor allem dadurch, daß sie
über die Lohnhoheit d e r deutschen Arbeitnehmer verfügen, de-
ren Senkung sie ihrem Tarifpartner anzubieten haben. Die Ein-
heitsgewerkschaft hat das Monopol bei der Festlegung der nationa-
len Lohnhöhe und als solche wird sie öffentlich gefordert und
fordert sich selbst. In der Tarifrunde wird von der Gewerkschaft
der praktische Nachweis erwartet, wie ernst sie es meint mit ih-
rer nationalen Verantwortung, und sie selbst setzt ihren Stolz
darein, sich dabei nichts nachsagen lassen zu müssen. Die Ta-
rifrunde '82 war ein Hinweis dafür, wie weit es diese Sorte Ge-
werkschaft dabei schon gebracht hat. Den Nachweis, daß es in ihr
nicht um die Verteidigung von Arbeiterinteressen ging, können wir
uns diesmal eben deshalb sparen: Solches wurde von keiner der
agierenden Parteien mehr behauptet. Nicht einmal linke Gewerk-
schaftsfans mögen das noch ernsthaft vertreten. Für sie ist
E i n h e i t der Arbeiter - jenseits ihres Inhalts - Ausweis
genug. An d e r Organisation der Arbeiter, mag sie auch noch so
wenig irgendein materielles Anliegen der Lohnarbeiter ihr eigen
nennen, darf man aus Prinzip nur "konstruktive" Kritik üben, z.B.
indem man wie sie theoretisch und praktisch den Gewerkschafts-
schlägern gegen die "MG-Spalter" zur Hand geht. Das ist aktive
Arbeitervertretung!
Die Tarifrunde '82...
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war sicher eine saftige Minusrunde, bei der der Abschluß sogar
unter der prognostizierten offiziellen Inflationsrate liegt - von
den innerbetrieblichen Fortschritten ruinöser Anwendung der Ar-
beitskraft und den staatlichen Zugriffen auf die Löhne ganz abge-
sehen. Allerdings, welcher Lohnabschluß der letzten Jahre - sei
er unter dem Titel "Einstieg in die 35-Stunden-Woche", "Lohnrunde
mit Strukturverbesserungen" oder "soziale Umverteilungsrunde" zu-
standegekommen - hätte auch nur den Anschein einer Kompensation
der Schäden aufkommen lassen, die Gewerkschaftler vor und in den
Verhandlungen so beredt als gute Gründe für Lohnforderungen
breitgetreten haben. Die Besonderheit der diesjährigen Senkung
des Lohns war die Offenheit, mit der die Gewerkschaften Mitglie-
dern und Öffentlichkeit den Verzicht auf den Schein kämpferischer
Abwicklung und den unbedingten Willen zu einem national erwünsch-
ten Niedrigstabschluß demonstriert hat. "Lohnrunde in schweren
Zeiten, Kampf um Reallohnsicherung" hieß das Motto, und bei sei-
ner näheren Erläuterung sowie bei seiner Realisierung wurde ohne
große Umschweife das Gegenteil für unausweichlich erklärt. Unver-
froren haben die Gewerkschaften die ganzen so sorgsam gepflegten
Ideologien und Veranstaltungen ihrer Selbstdarstellung durchge-
strichen und die unbedingte Opferbereitschaft ihrer Mitglieder
zum Programm erhoben. Mit lauter Warnungen vor falschen Erwartun-
gen haben sie für "Realismus" Propaganda gemacht und schon vorher
keinen Zweifel aufkommen lassen, daß sie beschlossen haben, daß
dieses Jahr "nichts drin ist". Die Marschlinie hieß also
"Lohnrunde ohne Lohnerwartungen", und die haben sie konsequent
eingehalten.
Die starke IG Metall machte den Vorreiter dafür, daß die von Re-
gierung und Unternehmern gewünschten 4,2% abgeschlossen werden.
4,2% hieß die Leitzahl, mit der sie klarstellte:
1. daß sie willens und in der Lage ist, jeder Forderung von Un-
ternehmern und Regierung nachzukommen, ohne daß die Betroffenen
Einspruch erheben würden;
2. daß sie den Lohn ihrer Mitglieder als B e w e i s m i t t e l
der Unterordnung der Gewerkschaft unter das nationale Interesse
zu gebrauchen gewillt ist, auch und gerade dann, wenn er national
ohne Rücksicht benutzt, also geschmälert wird;
3. daß sie dafür Respekt, Anerkennung und Hilfe fordern darf -
ihre Leistung bekräftigt schließlich ihr Recht, einheitliche und
unbestrittene Interessenvertretung der deutschen Arbeiter zu
bleiben und darin als wichtig anerkannt zu werden.
Das war das Z i e l der Tarifrunde '82, aber nicht mehr wie
noch in früheren Jahren vertreten mit den Scheingefechten um das
"Prinzip der Tarifautonomie", das man durch Verhandlungen und
Warnstreiks um Zehntelprozente gegen die immer ein Zehntel zu
niedrig bietende Unternehmer-"Willkür " verteidigt hat. Selbst
diese Scheingefechte waren dieses Jahr nur noch erklärter Schein,
auf den man deswegen auch weitgehend verzichtet und mit verbalen
Beteuerungen der Eigenständigkeit Genüge getan hat. So sehr hat
sich die Arbeitervertretung die behaupteten Sorgen von Staat und
Wirtschaft zu Herzen genommen, daß sie bei der
I n s z e n i e r u n g des Niedrigstabschlusses - und um mehr
ging es nach aller Wollen und Wissen nicht - s i c h sogar die
kämpferische Selbstdarstellung verboten hat, die sie schon für
eine ungebührliche Störung des sozialen Friedens und Schädigung
ihres Ansehens gehalten hat. Bloß noch Verantwortung gegenüber
den Verantwortlichen und bloß noch Warnungen vor falschen Hoff-
nungen sowie Aufforderungen zum Verzichtsrealismus an die Adresse
ihrer Basis, das war das Gewerkschaftstheater in diesem Jahr. Vom
Image einer machtvollen Organisation blieb allein die trockene
Versicherung, daß man nicht umstandslos die Unternehmerwünsche
unterschrieben hat, wie IG-Metall-Chef Loderer kurz vor dem fest-
stehenden und allseits bekannten Abschluß seiner Basis so tref-
fend mitteilte:
"Auch in der Schlichtung" (deren schnelle Einleitung man den Un-
ternehmern heuchlerisch vorgehalten hat, bevor man schleunigst in
sie eingestiegen und unterschrieben hat) "wird es keinen Abschluß
um den Preis eines Gesichtsverlustes der IG Metall geben." Das
war in der Sicherheit gesagt und bloß gesagt, daß die Gewerk-
schaft nach der öffentlichen und ihrer Propaganda für die
"schweren Zeiten" mit einem sang- und klanglosen Abschluß bei
dessen Nutznießern nur gewinnen kann, bei den Opfern aber nichts
verliert. Wenn die Mitglieder sich "realistisch" darauf einstel-
len und zunehmend kommentierend und ganz und gar nicht "aktiv" zu
ihrer Vertretung wie zu einer staatlichen Institution stellen,
dann sind sie gerade so brauchbare Mitglieder für das staatstreue
Gesicht des DGB.
...und ihre Verlaufsform - Lohnsenkung als "Signal"
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Das Argument
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Bestritten wurde die Tarifrunde '82 mit einem einzigen Argument,
das inzwischen für die Streichung jedes Anspruchs seine guten
Dienste tut: Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit, zu diesem Ober-
titel hat die Regierung bei all ihren Spar- und Beschäftigungs-
programmen gefunden (auch das rechnet sich der DGB auf seiner Ha-
benseite gut). Arbeitslosigkeit und ihre "langfristige Bekämp-
fung", so lautet auch das Argument der Unternehmer gegen Lohn und
für Rationalisierung. Das "Problem der Arbeitslosigkeit" den
Verantwortlichen ins Bewußtsein zu rufen - als ob die nützliche
Verarmung mit dem Argument Arbeitslosigkeit nicht schon zügig ge-
nug vorangetrieben wurde -, darin sah und sieht die Gewerkschaft
1982 ihre vornehmste Aufgabe. Als armes, unschuldiges Opfer
nichtvorhandener Beschäftigungspolitik präsentiert sie sich zum
Ende der Tarifrunde:
"Daß die politisch Verantwortlichen über Monate hinweg die Mas-
sen- und Dauerarbeitslosigkeit tatenlos (!) hingenommen haben,
hat sich nun auch auf tarifpolitischem Gebiet zu Lasten der Ar-
beitnehmer und der Gewerkschaften ausgewirkt."
Die Einheitsgewerkschaft hat sich also bruchlos in die Einheit
der "Sachzwang"Vertreter eingereiht und ihre Absicht zum Lohnver-
zicht dem Versagen der Politiker zugeschrieben, das den verant-
wortlichen Politikern auf den Gewerkschaftssesseln angeblich
keine andere Wahl gelassen habe, als die außer Lohn gesetzten Ar-
beitslosen auch noch um die Verbilligung der Beschäftigten zu er-
gänzen.
Angesichts der "Beschäftigungsprobleme" wurde, um das Verantwor-
tungsbewußtsein der Gewerkschaft herauszustreichen, mit der Suche
nach einem geeigneten Thema begonnen:
Die basisnahe Themensuche
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Daß die Suche nach einem dafür geeigneten Tarifrundenverlauf wie
-ergebnis das "politische und gewerkschaftspolitische Verständ-
nis" der Gewerkschaftsbasis (der Mitglieder sowieso) weit über-
steigen würde, hatte die IG Metall schon frühzeitig beschlossen:
Bei der "gewerkschaftlichen Willensbildung" zur Tarifrunde wurde
die Basis von vorneherein nicht mehr beteiligt, und im Bewußt-
sein, wie schwer es ihre Oberen sowieso haben, hat sie sich auch
nicht zu Wort gemeldet. Andererseits wurde auch nur der kleinste
Versuch, die Gewerkschaft an die Lohninteressen ihrer Mitglieder
zu erinnern, sofort niedergebügelt, sofern er mißverständlicher-
weise einmal von Nichtvorgesehenen (wir meinen hier nicht uns,
sondern wirklich die Gewerkschaftstreuen) unternommen wurde. Für
die einzigen öffentlich vorgetragenen Streitigkeiten zwischen den
Tarifpartnern, ob und wann die Schlichtung und damit der vorgese-
hene Abschluß einzuleiten sei - einen Streit, den ein normaler
Arbeitnehmer ja wirklich nur schwer verstehen kann -, war die Ba-
sis dann auch fehl am Platz, und so blieb sie eben so gut wie die
ganze Tarifrunde zu Hause bzw. bei der Arbeit. Auch das nach Les-
art der Gewerkschaft eine "Wirkung der Arbeitslosigkeit":
"Die hohe und rasch gestiegene Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und
Entlassungen, Konkurse und Betriebsschließungen sind sicherlich
nicht ohne Auswirkungen auf Bewußtsein und Mobilisierbarkeit un-
serer Mitglieder geblieben."
Die Beteiligung der IG Metall an dieser "Wirkung" begann schon
sehr frühzeitig. Erstens, indem sie tunlichst alles vermied, die
Basis überhaupt ins Spiel zu bringen oder gar mit richtigen Argu-
menten zu mobilisieren; zweitens indem sie sie stattdessen mit
lauter falschen Gründen versorgt hat, daß sich Einsatz nicht loh-
nen würde; drittens, indem sie so darüber aufgeklärt hat, daß sie
nichts zu unternehmen gewillt ist; viertens, indem sie laufend
den mangelnden Einsatzwillen der so traktierten Basis verkündet
hat.
Der geplatzte Tarifrentner
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So sehr sich der Arbeiterverein gegenüber seinen Mitgliedern jede
Freiheit erlaubt hat, so sehr hat er gegenüber den Unternehmern
umgekehrt jede Einsicht in die Unabweisbarkeit ihrer Interessen
demonstriert und lauter konstruktive Vorschläge für eine einver-
nehmliche, verantwortliche Tariflösung erfunden, die einen ge-
sellschaftlichen Beitrag zum staatlichen "Sparprogramm" liefert.
Dazu hatte sie schon im Frühjahr '81 das Thema "Tarifrentner" in
die öffentliche Diskussion eingeführt, als Ersatz für die im Rah-
men des Sparprogramms gestrichenen Zuschüsse zur 59er Regelung,
mit der vor allem Großbetriebe kostenkünstig ihren Beleg-
schaftsabbau betrieben. So gut gemeint das Angebot war, die Ar-
beitgeber hatten die Tarifrunde '82 für etwas anderes vorgesehen.
Sie wollten erst das Thema Lohn durch eine reine Lohntarifrunde
endgültig erledigt haben, gaben deshalb ein paar Mal öffentlich
ihr Desinteresse am Tarifrentner zu verstehen, und damit war er
auch schon gestorben. Ein paar übereifrige Belegschaften, die ge-
meint hatten, sie müßten wie üblich demonstrieren, daß es sich
bei dem von der IG Metall ausgewählten Thema um einen Herzens-
wunsch der Basis handle, und die entsprechende Anträge an die Ta-
rifkommission schon beschlossen hatten - einstimmig, natürlich -,
wurde zu verstehen gegeben, daß es sich dabei um einen Irrtum
handle und daß ab sofort keinerlei Anträge zur Tarifrunde mehr
erwünscht seien.
...und sein Ersatz
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Den Schein der eigenständigen Themensuche erledigte dann der Vor-
stand unter sich - durch wechselseitige Bestätigung, daß 1982
alle möglichen und unbedingt notwendigen Forderungen weder durch-
setzbar seien noch einen besonderen Effekt hätten.
Noch einmal zum Tarifrentner. Einerseits:
"In den Betrieben wird in der Regel die Frühverrentung als ein
vertretbarer und von den Betroffenen als tragbar (?!) empfundener
Weg angesehen, der es ermöglicht, jüngeren Beschäftigten, die an-
dernfalls (?) um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, die Arbeit
zu sichern."
Das ist zwar ein zusammenkonstruierter Quatsch, soll aber für
"Tarifrenter = gut" stehen. Andererseits: Das i s t natürlich
ein zusammenkonstruierter Quatsch. Wörtlich:
"Die Beschäftigungseffekte müssen realistisch gesehen werden. Die
Anzahl der über 60-jährigen im Betrieb sinkt... in Großbetrieben
bereits selten geworden... nahezu jeder zweite mittlerweile
Frühinvalide."
Zum Manteltarif. Einerseits:
"Die geltenden Tarifverträge geraten in Gefahr, in beschleunigtem
Umfang durch die wirtschaftliche und technische Entwicklung über-
holt zu werden und ihre Schutzfunktion" (vor was eigentlich?)
"einzubüßen."
Andererseits:
"Zu bedenken ist aber: Schon die Sicherung der Realeinkommen zu
erreichen, wird in der Tarifbewegung 82 erneut auf große Schwie-
rigkeiten stoßen."
Und überhaupt:
"Wenn die IG Metall nicht notfalls auch bereit ist, zum letzten
Mittel des Arbeitskampfes zu greifen, sollten aus Glaubwürdig-
keitsgründen" (weil uns das sowieso keiner glaubt) "nicht Hoff-
nungen geweckt werden, die letztlich nicht eingelöst werden."
(eben!)
Kurz vor Beginn der Tarifrunde wurde dann den Betriebsräten samt
Vertrauenskörperanhang, die brav auf ein Zeichen vom Vorstand ge-
wartet hatten, bekanntgegeben, was sie zu fordern hatten: 7,5%
und eine Anhebung der unteren Lohngruppen. Eine höhere Basisfor-
derung sei auf alle Fälle unerwünscht. Warum, wurde auch gleich
dazugesagt - man könnte schon fast meinen, damit die Basis auch
über die taktische Bedeutung dieser "Forderung" Bescheid wisse:
Die Forderungshöhe liege um 1% unter der letztjährigen Forderung
und verweise damit auf die Bereitschaft der IG Metall, die
"Beschäftigungsrisiken" anzuerkennen. Damit war die Aufgabe der
Forderung auch schon erschöpft, und die Basis durfte diesen
"Signalwert" bei ihren drei, vier "Stimmungsbildern von der Ba-
sis", die ihr in dieser Tarifrunde erlaubt oder verordnet waren,
je nach Geschmack unterstreichen: Schilder mit der Aufschrift:
"Wir fordern 7,5%" wurden erst gar nicht mehr verteilt. So genau
nimmt es die Gewerkschaft bei der Abstimmung der einzelnen Mittel
zum Zweck der Erreichung eines "bestmöglichen Ergebnisses".
Der Verhandlungsverlauf
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drehte sich dann konsequenterweise nicht einmal mehr dem Schein
nach um den Lohn, sondern vor allem um die Frage, in welchem Ta-
rifbezirk zuerst die Schlichtung einzuleiten sei. Genauer ging es
darum, den Beschluß, die Schlichtung zuerst in Nordrhein-Westfa-
len einzuleiten und dort abzuschließen, als Resultat unternehme-
rischer Verschleppungstaktik und gewerkschaftlicher Gegenreaktion
darzustellen. Spannende Probleme dieser Art wurden noch mehr ge-
klärt in dieser
"Tarifrunde mit dem kürzesten Verlauf und dem niedrigsten Ab-
schluß seit über 10 Jahren." (Frankfurter Rundschau)
So wurde z.B. Franz Steinkühler bestätigt, daß er der kämpferi-
sche Vorsitzende des stärksten IG-Metall-Bereichs sei (sogar über
die Eitelkeit dieses Affen wurde man informiert: "Nur ich in Ba-
den-Württemberg bin in der Lage, das Bestmögliche herauszuholen",
soll er in der entsprechenden Sitzung der Großen Tarifkommission
gesagt haben), indem Arbeitgebervorstand und IGM-Vorstand nach
Abschluß der Schlichtung grinsend in die Kamera erklärten, daß
auch Baden-Württemberg sich dem erzielten 4,2%-Abschluß zu fügen
habe. Ein herrliches Thema für journalistische Hofberichterstat-
ter, denen in diesem Jahr sogar der "Blick hinter die Kulissen"
erlaubt war. Uns hat der Blick vor die Kulissen schon gereicht!
Das Ergebnis
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Dank der geglückten Rollenverteilung zwischen Mitgliederbasis und
Führung - während die einen ihre Arbeit anbieten, bieten die an-
deren den Lohn an - war das Ergebnis der Tarifrunde "kein Ge-
sichtsverlust" für die IG Metall, sondern die von den Arbeitge-
bern gewünschte endgültige Erledigung des Themas
"Lohnforderungen". Eine anerkennenswerte Leistung also. Die ge-
samte Öffentlichkeit, samt Regierung und Opposition, war des Lo-
bes voll. Für die Betroffenen, und das sind dank des durchgesetz-
ten Prinzips der Einheitsgewerkschaft alle Arbeitnehmer, wurde
mit dem Reallohnverlust der Beginn der "schweren Zeiten" jetzt
auch gewerkschaftsoffiziell eingeläutet und die Arbeit von Kapi-
tal und Staat vervollständigt. Noch einmal Originalton IG Metall:
"Die Wirtschafts- und Beschäftigungskrise ist noch keine Krise
der Gewerkschaften geworden. Sie wird es auch in Zukunft nicht
werden, wenn wir einerseits die Grenzen der tarifpolitischen
Handlungsmöglichkeiten deutlich machen" (Die Absage der Gewerk-
schaft an die Interessen der von ihr Vertretenen glaubwürdig dar-
zustellen, als programmatisches Ziel der Gewerkschaft - nicht
schlecht!) "und andererseits unserer Forderungspolitik an den
Staat durch breite Mobilisierung glaubwürdig Nachdruck verlei-
hen."
Statt Lohnforderungen heißt also die
Zukunftsperspektive: Glaubwürdige Forderungspolitik
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Was darunter zu verstehen ist, konnte kürzlich in Nürnberg und
Bremen bei den gewerkschaftlichen Demonstrationen besichtigt wer-
den. Mitten in der laufenden Tarifrunde wurden einige tausend
Mitglieder auf die Straße geschickt, um gegen die verschärften
Zumutbarkeitsregelungen der Regierung Einspruch zu erheben. Als
ordentliche Staatsbürger, nicht als kampfwillige Arbeiter, durf-
ten sie, die im Betrieb und bei Tarifverhandlungen jede auch noch
so matte Drohung auf Geheiß der Gewerkschaft unterlassen haben,
öffentlich an die hohen Herren in Bonn appellieren, doch der ge-
werkschaftlichen Forderung nach mehr "Beschäftigungsprogramm"
entgegenzukommen. Die für jede Zumutung brauchbare Ideologie vom
"Haupt- und Staatsproblem Arbeitslosigkeit" wurde gehörig und
wohlkalkuliert von denen breitgetreten, die eigentlich am besten
wissen müßten, daß sie immer zuviel Arbeit und zuwenig Geld ha-
ben, daß sie also nicht Beschäftigung sondern Einkommen brauchen
und daß noch jede staatliche Maßnahme zur Wirtschaftsförderung -,
ob sie nun "Konjunktur-", "Investitions-" oder "Beschäftigungs-
programm" heißt - den gewinnbringenden Einsatz der Arbeitskraft
und nicht den Arbeiter fördert. Aber die Gewerkschaft spielt sich
gern und ausgiebig als der Anwalt des nationalen Dienstes der
Arbeiter auf und wirft Politikern und Unternehmern -
selbstverständlich bloß demonstrativ und neben der praktischen
guten Zusammenarbeit - Versagen bei der angeblich gemeinsamen
Aufgabe vor, alle fleißigen Deutschen zu "beschäftigen". Die
Drohungen, man halte die neue Arbeitslosenregelungen für "nicht
zumutbar", weil sie kein Beitrag zur Beschäftigung seien (ein
wahrlich gelungener Vorwurf!), nehmen sich einerseits lächerlich
aus angesichts der laufend demonstrierten praktischen Bereit-
schaft, an der Auffüllung der Reservearmee mitbestimmend teilzu-
nehmen, angesichts der aktiven Mitwirkung bei der Verbilligung
der Arbeit und angesichts des längst geäußerten Verständnisses
für die "Sorgen" (sprich Anforderungen ) der Republik.
Andererseits aber sind solche gewerkschaftliche Demonstrationen
in ihrer Einheit mit "unserem" Land das konsequente und bis zum
bitteren Ende durchgezogene Resultat staatsdienlicher Gewerk-
schaftspolitik: die Mobilisierung einer auf ihre Leistungs- und
Opferbereitschaft stolzen Arbeitnehmerschaft, die deshalb auch
ihr ganz eigenes Recht auf staatsbürgerliche Unzufriedenheit de-
monstrieren darf. Die Aufrufe dazu liefert der DGB, und er garan-
tiert als die Partei der deutschen Arbeit auch die Abgrenzung zum
unverantwortlichen "bloßen Protest". Wirklich ernstzunehmende
konstruktive Kritik marschiert nur unter der schwarz-rot-goldenen
Fahne der Arbeit mit dem Signum der erbrachten Leistung und mit
dem Willen, auch weiterhin durch Arbeit (im Rock sowieso!) dienen
zu wollen. Dieses radikal nationalistische Bewußtsein auf die
Straße zu führen, hat der DGB zu seinem Programm für schwere Zei-
ten erklärt: als Ermahnung an Regierung und Unternehmertum, das
höchste Gut, die deutsche Arbeit, nicht brachliegen zu lassen;
zugleich aber auch als Zeichen gewerkschaftlicher Bereitwillig-
keit, ihnen die produktive Nutzung anheimzustellen und dafür
selbst alle erforderlichen Beiträge zu liefern. So setzt sich die
deutsche Arbeitervertretung vor ihren Mitgliedern und der Öffent-
lichkeit als tragende Kraft und mahnende Stimme dieser guten
deutschen Arbeiterrepublik in Szene.
Die Teilnahme an diesem Programm bleibt keinem Arbeitnehmer er-
spart: Der Lohnverlust in der Tarifrunde '82 war ja nur der aktu-
elle Persilschein, der auch in Zukunft verdient sein will, damit
seine Gewerkschaft weiterhin in diesem Staat mitbestimmt. Die
Einheitsgewerkschaft den Beweis ihrer über jeden Verdacht erhabe-
nen konstruktiven Mitarbeit liefern zu lassen, auch dafür haben
Arbeitnehmer mit ihrem Lohn in schweren Zeiten einzustehen. Für
den Erfolg von Staat und Wirtschaft, der sich in nationalem
Reichtum, politischer Macht und Rüstung bemißt, sowieso.
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Variationen zum gleichen Thema
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Daß die deutsche Gewerkschaftslandschaft nicht nur einheitlich
ist, sondern in ihrer Einheit umso vielfältiger, auch dafür war
die Tarifrunde '82 ein Beispiel.
Die ÖTV erteilte z.B. den Staatsorganen die "Blamage", wie ohn-
mächtig sie ohne die Gewerkschaft bei der zeitgemäßen Senkung der
Einkommen sind. Die einprozentige Vorwegsenkung sei vom Verwal-
tungsaufwand her eh zu teuer - mit diesem Argument fielen die Ge-
meinden als erste um. Die Öffentlichkeit verteilte die Blessuren,
die Kluncker angeblich verteilt hatte, so daß der Sieg der Tarif-
autonomie - die Würdigung der Rolle der ÖTV schon erfochten war,
bevor der Kampf überhaupt begonnen hatte. Die Sonderopfer zur
Aufbesserung der Staatsfinanzen, natürlich aus Solidarität mit
den Arbeitslosen, wurden dann in der Tarifrunde pflichtgemäß ab-
geliefert. Daß um sie noch einmal ganz tarifautonom gerungen
wird, versteht sich. Nach dem Stand bei Redaktionsschluß hatten
sich Baum und Kluncker soweit angenähert, daß ein Abschluß zwi-
schen 3,5 und 4,2% "in Sicht" ist und der neutrale Hermann Hö-
cherl nur noch die passende Mitte erschlichten muß. So bekommt
der Staat seinen Willen und die ÖTV nach der Tarifoptik (IG Me-
tall 4,2% = Öffentlicher Dienst eigentlich auch 4,2% minus 1% =
3,2%, ergibt bei einem 3,8%-Abschluß bloß ein Sonderopfer von
0,4%) bekommt ihren Willen ebenfalls.
Die IG Chemie, auch eine Gewerkschaft, die auf ihre Eigenart Wert
legt, erklärte stolz ihren Beschluß, die Tarifrunde '82 gleich
ganz ausfallen zu lassen und sich stattdessen um die Regelung der
in ihrem Bereich stattfindenden Entlassungen mittels
"Tarifrentner" zu kümmern. Außer einer anerkennenden Würdigung
durch die Öffentlichkeit und die IG Metall (Loderer: "ein sehr
interessanter Vorschlag") fand ihr Vorschlag allerdings keine Be-
achtung. Immerhin, sie hat von sich reden gemacht. Inzwischen
verhandelt auch sie offiziell "nur noch" über den Lohn und zwar
in Bezug auf den IG-Metall-Abschluß minus ein paar Zehntel.
Schließlich ist sie - sehr absichtsvoll - mit dem Tarifrentner
"gescheitert", da ist ja wohl für jedermann klar, daß dann bei
den Prozenten schon erst recht nichts mehr drin ist. Die IG Druck
und Papier hat sich eigens ein "Problem der Lohnstruktur" einfal-
len lassen, von dem niemand so recht weiß, worin es eigentlich
besteht außer in der Verkündung, daß die kommende Mediengewerk-
schaft übertarifliche Zulagen tarivertraglich absichern will, daß
sie die Abgruppierungen verhindern will, die sie vor ein paar
Jahren angeblich mit ihrem Manteltarifvertrag unterbunden hatte,
daß "die neue Lohnstruktur weitgehend... kostenneutral sein wird"
und es trotzdem schwer sein wird, die Unternehmer zur Einengung
ihrer "Spielwiese übertarifliche Lohnbestandteile" zu bewegen.
Das hört sich aber sehr nach einer Tarifrunden-Spielwiese der IG
Druck an! Sie wird sich also auch irgendwo bei 4% ohne Übertarife
und Sonstiges einfinden. Eine fortschrittliche und realistische
Gewerkschaft war sie ja schon immer.
Am besten hat uns allerdings die Eisenbahnergewerkschaft gefal-
len. Sie hat zur Tarifrunde eine Aktion "Rettet die Eisenbahn"
gestartet, mit einer bundesweiten Unterschriftensammlung, für die
sie mit einem Prospekt wirbt, auf dem zwei Bürgerhände sich
schützend um eine kleine Modelleisenbahn legen. Lieb, wirklich!
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