Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT TARIFPOLITIK - Von Lohnrunden ohne Lohn
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Metalltarifrunde 1990
Endlich: Der Kampf geht los!
Die Karten liegen auf dem Tisch:
Schneider und Schwarz angesagt!
DAS ERGEBNIS: EIN EINZIGER RAMSCH!
Die Tarifparteien haben ihre Forderungen vorgelegt. Die IG Metall
will:
1. Die 35-Stunden-Woche.
Das fordert die Gewerkschaft aus Traditionsgründen. Es ist nun
einmal ihre Jahrhundert-Forderung. Zusätzlich läßt sich die IGM
jede beliebige Begründung einfallen, die sie gerade für öffent-
lichkeitswirksam hält. Zum Beispiel jetzt, hochaktuell, ihre
schwarzrotgoldene Mitverantwortung für "Übersiedler, die Ar-
beitsplätze suchen".
2. 5-Tage-Woche von Montag bis Freitag bei maximal 8 Stunden pro
Tag und maximal 40 Stunden pro Woche.
Die Forderung ist deswegen fällig, weil sich kaum noch ein Be-
trieb an diese Regelung hält. Die IGM hat schon immer das gefor-
dert, was gerade abgeschafft wird. So kann sie es sich formvoll-
endet abhandeln lassen.
3. Ungefähr genau 8 - 9% mehr Lohn.
Und zwar 3% für den Ausgleich der Inflationsrate, die das Stati-
stische Bundesamt ausgerechnet hat. Das ist sehr nett gegenüber
den Beamten und Taschenrechnern dieses Amtes. Ca. 4% für den
Produktivitätsfortschritt, den die Unternehmer aus ihren Rationa-
lisierungen und Leistungssteigerungen herausgerechnet haben, um
den Rahmen für die Steigerung der Lohnsumme abzustecken. Das ist
sehr rücksichtsvoll gegenüber den Unternehmern. Schließlich das
eine oder andere Prozent für ein bißchen "Umverteilung von oben
nach unten" nachdem in den letzten Jahren die Gewinne
"explodiert" und die realen Löhne gesunken sind. Das ist nied-
lich.
Über die 5%, die am Ende ungefähr rauskommen, darf sich dann je-
der seine freie Meinung bilden: Ob sie mehr die Preissteigerungen
ausgleichen, Leistungssteigerungen vergüten oder den ge-
sellschaftlichen Reichtum nach unten verteilen.
*
Die Unternehmer haben ihr eigenes Forderungspaket angeboten:
1. 3% mehr Lohn.
Denn schließlich soll ja 1990 eine bombige Lohnrunde werden.
2. Betriebsnutzungszeiten an 6 Werktagen (also auch am Samstag)
bei täglich max. 10 Arbeitsstunden.
Denn so halten es die Unternehmer ohnehin schon längst.
3. Keine weitere Arbeitszeitverkürzung.
Schließlich dauert die Arbeitszeit in der Praxis ohnehin viel
länger.
Mit der Flexibilisierung, die am Ende rauskommt, werden die Un-
ternehmer mal wieder Maßstäbe setzen für das soziale Europa.
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