Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT TARIFPOLITIK - Von Lohnrunden ohne Lohn


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GEWERKSCHAFTLICHE TARIFWERKE - ATTRAKTIVE ANGEBOTE ZUR LOHNSENKUNG!

So einfach ist das: Die Unternehmer der Mineralöl-Industrie wol- len Lohnkosten einsparen und werden für diesen Angriff auf den Lebensunterhalt der Arbeiter prompt fündig in einem T a r i f v e r t r a g. Sie haben ja bloß ihren bislang gelten- den Haustarifvertrag mit einem anderen Tarifvertrag, den dieselbe IG Chemie mit einem anderen Arbeitgeberverband abgeschlossen hat, verglichen - und siehe da, Proleten sind doch glatt n o c h b i l l i g e r zu haben, wenn sie der Tariflohn dieses Ta- rifvertrages trifft: "Rechne man sämtliche tariflichen Vereinbarungen zusammen, so be- stehe zwischen den Tarifverträgen für die rund 10 000 Ar- beitnehmer der Mineralöl-Industrie und dem Branchen-Tarifvertrag der chemischen Industrie ein Unterschied von rund 1000 DM monat- lich..." ("Handelsblatt" v. 30.5.) Eine hübsche Summe und keine Frage, daß Kapitalisten da einfach zugreifen müssen - und es nur noch ein t e c h n i s c h e s Problem ist, wie dieses gewerkschaftliche Tarifwerk zu nutzen geht. Schließlich haben den bewährten Trick, einfach den Ar- beitgeberverband zu wechseln und damit dem dort gültigen Tarif- vertrag zu unterliegen, schon andere ihrer Gesinnungsbrüder - wie z.B. die Conti-AG Hannover - erfolgreich vorgemacht. Eine bemerkenswerte Sorte Lohnsenkung, die ganz ohne die sonst übliche Tour daherkommt, die sei deshalb "wohlbegründet", weil sich an der einen Seite des Lohn-Leistungs-Verhältnisses etwas geändert habe. Nein, hier wird der bloße "Wunsch" der Unterneh- mer, sich Lohnkosten sparen zu wollen, zu einem tarifver- traglichen Befehl! Das wirft allerdings überhaupt kein gutes Licht auf die gewerk- schaftlichen Tarifwerke, daß sie ausgerechnet für das Un- ternehmerinteresse an Lohnsenkung d e r Berufungstitel und das M i t t e l sind, dieses Interesse R e c h t werden zu lassen. Eines wird darüber ja sofort klar: daß die Gewerkschaft sich bei ihrer "Lohnfindung" von allem anderen leiten läßt als davon, was Arbeiter so zum Leben brauchen und wie v o n d a a u s der Lohn mindestens beschaffen sein muß. Sonst würde sie ja wohl kaum auf völlig verschiedene Lohnhöhen kommen - je nachdem, bei wel- cher Sorte Kapitalist einer arbeitet. Eher schon zeigt sich, daß der Gewerkschaft bei der Bemessung des Lohns immer schwer einleuchtet, was das Geschäft der jeweiligen Branche verträgt - getreu der Logik, daß das Geschäft, von verantwortungsbewußten Unternehmern betrieben, die Grundlage für das Auskommen der Arbeiter wäre. Die sagen der Gewerkschaft, was sie zahlen w o l l e n - auf betriebswirtschaftlich: wie hoch ihr Lohnkostenanteil an den Gesamtkosten sein 'darf' - und die Gewerkschaft macht daraus die 'gerechte' Aufteilung auf das 'Lohngefüge'. Fertig ist der maßgeschneiderte Branchentarifver- trag! Zuweilen müssen dann die Arbeiter vor solchen Tarifwerken eigens g e s c h ü t z t werden - wie jetzt die Mineralöl-Arbeiter - damit sie die volle Wucht der durch den Wechsel des Tarif- vertrages beabsichtigten Lohnsenkung nicht von heute auf morgen, sondern schön 'abgefedert' zu spüren kriegen. "Besitzstands- wahrung" nennt die IG Chemie den Tatbestand, daß Arbeiter an ihren Tarifverträgen - so oder so - nicht vorbeikommen. Vielleicht sollten die mal den Arbeitnehmerverband wechseln! zurück