Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT RHEINHAUSEN - Eine Heimat für Lohnarbeiter
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DIE FIRMA KRUPP
Beschäftigungsorientiert seit eh und je:
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"Es hat die Fabrik in den schlechtesten Jahren, wenn Alles dar-
niederlag, dennoch die Arbeit fortgesetzt, auf Vorrat fabriziert
oder zu Preisen mit Verlust geliefert, bloß zu dem Zwecke, die
Leute zu ernähren und den Herd warmzuhalten." (Alfred Krupp,
1877)
An einer Stamm-Belegschaft interessiert:
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"Ich zahle einen Groschen mehr, um sie sicher zu behalten..."
(derselbe, 1844)
Unermüdlich für Mobilität, natürliche Fluktuation
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und Ersatzarbeitsplätze:
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"Ich habe Kräfte gebraucht und solche engagiert, ich habe ihnen
den geforderten Lohn gezahlt, meistens ihre Stellung verbessert
und, nach gesetzlichen Bestimmungen, den Kontrakt verlängert oder
sie entlassen... Im Laufe der Zeit haben mehr als 100.000 Mann
solchen Wechsel auf meinen Werken durchgemacht... und anstatt ei-
nes jeden konnte in den meisten Fällen auch ein anderer hinge-
stellt werden, denn die Arbeiter haben nicht das Verdienst der
Erfindungen, und überall finden sich geschickte Arbeiter zum Er-
satz." (derselbe)
"Mit einer Prämie in Höhe von zwei Wochenlöhnen sowie einer Frei-
fahrkarte, natürlich nur für die einfache Fahrt, brachte man das
Gros der 'werks- und ortsfremden Elemente', zu denen sich die
eben noch so hochwillkommenen, im Osten des Reiches angeworbenen
oder in den besetzten Gebieten zwangsrekrutierten Hilfskräfte
plötzlich degradiert sahen, zur freiwilligen Abreise aus Essen
und reduzierte so im Handumdrehen die Belegschaft der Gußstahlfa-
brik (von 147.000 im Krieg) auf rund dreiundvierzigtausend Stamm-
'Kruppianer'." (Engelmann, Krupp, S. 375)
Aufgeschlossen für Gastarbeiter jeder Couleur:
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"...hatte man während des Ersten Weltkriege im besetzten Belgien
Zivilisten gegen deren Willen dienstverpflichtet und sie unter
anderem auch zu Tausenden nach Essen geschickt... 'Am nächsten
Vormittag besprach ich auf meiner Reise diese Angelegenheit mit
Herrn Duisberg (von IG Farben) und Herrn Krupp von Bohlen und
Halbach, die ich gebeten hatte, mich im Zug zu begleiten. Sie
hielten eine Erhöhung (der Produktion) des Kriegsgeräts aufgrund
unserer Rohstofflage für durchaus möglich, wenn die Arbeiterfrage
gelöst würde.' (Ludendorff)" (Engelmann, S. 370)
"1942... gab es 10.000 Slawen und etwa die gleiche Anzahl war von
Krupp noch 'nachbestellt' worden... An den Außenmauern der Krupp-
Werkstätten wurden Schilder angebracht mit dem Hinweis: 'Slawen
sind Sklaven.'... Allein in Essen gab es 55 Arbeitslager von
Krupp. Mit den Außenstellen in den Konzentrationslagern (u.a. in
Auschwitz) hatte Krupp insgesamt an die 100.000 Sklavenarbeiter
für sich eingespannt." (Engelmann, Wallraff, Ihr da oben - wir da
unten, S. 31 ff.)
"...lediglich eine Vereinbarung in Briefform mit der SS, nach der
uns das KL Arbeitskräfte zur Verfügung stellt, für die wir RM.
4,- je Tag für den Facharbeiter und RM. 3,- je Tag für den Hilfs-
arbeiter an die SS zu zahlen haben. Für die Verpflegung sind Un-
kosten nicht zu tragen, lediglich für die Bereitstellung von Ge-
tränken (Kaffee und Tee)." (Engelmann, S. 576)
Immer sozial engagiert: ...bei Ausbildungsplätzen...
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"Mein Ziel ist, dem Staate viele treue Untertanen zu erziehen und
der Fabrik Arbeiter eigener Race...." (Alfred Krupp, 1877)
...beim Leben, um zu arbeiten...
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"Die Arbeiter sollen sich ordentlich kleiden, ordentlich wohnen,
und sich ordentlich ernähren." (derselbe)
...bei Sozial-Kassen aller Art...
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"Zunächst wird (für die Pensionskasse) ein Einschreibegeld in
Höhe des anderthalbfachen Tagesarbeitsverdienstes erhoben, so daß
durchschnittlich 6 Mark zu zahlen sind. Sodann werden an laufen-
den Beiträgen erhoben 2 1/2 Prozent des Arbeitsverdienstes... Der
Rentenforderer muß mindestens zwanzig Jahre ununterbrochen in
Diensten der Firma gestanden haben und seine vollständige Ar-
beitsunfähigkeit, von zwei Ärzten übereinstimmend attestiert,
nachweisen... Wer 'überzählig' wird, sich nach Meinung eines
'wohlwollenden' Beamten unbotmäßig beträgt, politisch anrüchig
wird, in Verdacht der Umstürzlerei gerät - und hinausfliegt, der
ist aller Ansprüche auf die Wohlfahrtskasse verlustig." (Wilhelm
Düwell 1901, Klassenbuch 2, S. 142 ff.)
Für Mitbestimmung und politische Mündigkeit:
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"Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit und Einblick in
die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist. Ihr tut Eure
Schuldigkeit, wenn Ihr durch Vertrauenspersonen empfohlene Leute
erwählt. Ihr erreicht aber sicher nichts als Schaden, wenn Ihr
eingreifen wollt in das Ruder der gesetzlichen Ordnung. Das Poli-
tisieren in der Kneipe ist nebenbei sehr teuer." (Alfred Krupp,
1877)
Selbstverständlich marktorientiert:
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"Wir machen alles" (Krupp-Werbeslogan)
"Wir produzieren keine Waffen mehr" (Alfred Krupp, 1951)
Politisch neutral:
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"Wir Kruppianer wollten nur ein System, das gut funktionierte und
das uns Gelegenheit gab, ungestört zu arbeiten. Politik ist nicht
unsere Sache... Wir Kruppianer sind keine Idealisten, sondern Re-
alisten. Wir hatten den Eindruck, daß Hitler uns eine gesunde
Entwicklung bescheren würde. Tatsächlich hat er das getan. Wenn
man ein gutes Pferd kauft, muß man ein paar Mängel hinnehmen."
(Alfred Krupp vor dem Nürnberger Gerichtshof)
Mit einer Spitzen-Belegschaft:
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"Ich bin pensioniert, aber deswegen bin ich immer noch Kruppia-
ner. Wir sind mit der Firma Krupp 100% verbunden, von den Eltern
angefangen, da gibt es nichts anderes. Selbst die wenigen Kommu-
nisten, die es bei Krupp gab, waren an erster Stelle Kruppianer,
dann erst Kommunisten." (Engelmann, Wallraff, S. 22)
...entschieden gegen Mißmanagement und Arbeitsscheue...
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"Wir kamen uns wie Leibeigene vor, die dem Nichtstuer Arndt sein
ohnehin süßes Leben noch mit weiteren Millionen versüßten... Da
fielen plötzlich Worte, die fast in Vergessenheit geraten sind,
wie 'Enteignung'." (ebenda, S. 19)
...entschieden für gutes Management und Arbeitgeber...
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"So war unser Chef, das Gesamtwohl geht ihm vor seinem eigenen
Sohn... Er, der selbst Nichtraucher war, stellte uns eine Kiste
Zigarren hin. Obwohl die meisten unten in der Halle noch ge-
schmaucht hatten, wagte es jetzt keiner, die Zigarren anzurüh-
ren... versprach er uns, daß er es nicht dulden werde, daß der
Konzern auseinandergerissen und entflochten werde. 'Ich verkaufe
meine Leute nicht wie Stücke Vieh', so sagte er wörtlich, und
dieses Versprechen uns gegenüber hat er ja auch gehalten."
(ebenda, S. 22 ff.)
Ein modernes deutsches Großunternehmen:
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Heutiger Aufsichtsrat: Vorsitzender Bertold Beitz; Stellvertreter
Ernst Breit, DGB-Vorsitzender; ferner unter anderem: 11 weitere
Gewerkschaftler und zwei Perser.
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