Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT OETV - Von den Billigtarifen


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       Marxistische Hochschulzeitung, April 1982
       
       Wochenschau
       

ÖFFENTLICHER DIENST "IN ALLEN SITUATIONEN"

In Bonn wird das G e s u n d h e i t s i c h e r s t e l- l u n g s g e s e t z fertiggestellt. Die deutschen NATO-Politi- ker wissen, daß auch die modernsten Waffen nur dann dazu taugen, den erklärten Feindstaaten den "Frieden in Freiheit" aufzuzwin- gen, wenn im Krieg zwar die Machtbasis zerschlagen wird, vom ei- genen Volk aber stets genügend vorhanden ist, um die Waffen zu bedienen, den kriegsentscheidenden Nachschub zu produzieren und zum Wiederaufbau dienstbereit anzutreten. Je weniger sie dem Bür- ger Rücksicht auf die eigene Gesundheit erlauben, desto strenger sorgen sie für die Gewährleistung der "biologischen Substanz" (Regierungsprecher Rühl) deutscher Staatsmacht, so daß sie alle Vorkehrungen dafür treffen, ihr dafür zuständiges Gesundheitswe- sen im beschlossenen Ernstfall von jeder Rücksichtnahme auf den Patienten und den hippokratischen Eid zu befreien und direkt der staatlichen Befehlsgewalt und deren Einsatzkriterien zu unter- stellen. Sicher Grund genug nicht zuletzt für die eingeplanten Dienstleister im Gesundheitswesen dagegen anzutreten. Im ÖTV-Ma- gazin 3/82 wirft die zuständige, Gewerkschaft die Frage auf: "Gesundheitsschutz im Verteidigungsfall oder: Ist der Notstand planbar?" Als bündige Antwort zitiert sie ihren Vorsitzenden Kluncker: "Es ist eine Illusion zu glauben, man könne durch Notstandsge- setze das Funktionieren der lebensnotwendigen Bereiche gesetzlich erzwingen. Notwendig sind also nicht Ausnahmegesetze und Zwang, notwendig ist vor allem das Vertrauen des Volkes in die von ihm gewählten Parlamente und Regierungen, und zwar in allen Situatio- nen." Ohne die "Illusion" aufkommen zu lassen, Kriegsvorbereitungen könnten sein "Vertrauen" in seine Herrschaft erschüttern, bekennt sich hier ein lupenreiner Vertreter der Staatsdienerschaft. "Lebensnotwendigkeiten" kennt auch er nur eine Sorte, die seines Staates. Für sie haben alle "Bereiche" des Volkes zu funktionie- ren, "und zwar in allen Situationen". Seine Kritik leitet Klunc- ker aus eben diesem bedingungslosen Bekenntnis zum Staatsdienst ab, dessen berufenes Personal er vertritt. Er verurteilt "Zwang" als Zersetzung freiwilliger Gefolgschaftstreue, deren regelmäßige Erfüllung er auf einem Standard mitverwalten will, die jede "Ausnahme"regelung erübrigt. Also keine Sorge. Die Gewerkschaft ist stets zu öffentlichen Diensten und nirgends ist das "Vertrauensverhältnis" unauflöslicher als im Lazarett. zurück