Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT OETV - Von den Billigtarifen


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 51, 08.02.1982
       
       Tarifautonomie im Öffentlichen Dienst gerettet:
       

KLUNCKERS KAMPF GEGEN DIE OBRIGKEIT

"Es ging in diesem Konflikt und es geht auch in den künftigen Verhandlungen nicht um Mark und Pfennig, so wichtig angesichts steigender Belastungen der Arbeitnehmerhaushalte jede Mark auch ist. Es geht auch und vor allem darum, Arbeitnehmer und ihre Ge- werkschaften nicht zum Spielball obrigkeitlicher Entscheidungen zu machen." (Heinz Kluncker im ötv-magazin Februar '82) Nun ist sie also gerettet, die Tarifautonomie, und die ÖTV-Mit- glieder dürfen aufatmen. Sie werden für die Lohneinbußen, die ihre Gewerkschaft für sie aushandelt, nicht streiken müssen - je- denfalls nicht schon vor der offiziellen Tarifrunde. ÖTV-Chef Kluncker hat sich nämlich "nach zähem Ringen" mit den "öffentlichen Arbeitgebern" über einen Zeitplan für die Lohnsen- kung geeinigt: Sie findet nicht schon v o r der Tarifrunde, sondern erst i n ihr statt. Bekanntlich wollten die "öffentlichen Arbeitgeber" Löhne und Ge- hälter ihrer Beschäftigten zum 1. März um 1% kurzen. Nun sollen die schon zum Jahresanfang gekündigten Zulagen und Zuschläge "vorerst" in vollem Umfang weitergezahlt werden. Dafür hat die ÖTV zugesagt, "die sich aus den gekündigten Zulagen-Zuschlagsver- trägen ergebenden materiellen Fragen in der Lohnrunde zu verhan- deln." Da weiß jeder, was gemeint ist. Diese "materiellen Fragen" beste- hen seitens der ÖTV keineswegs darin, entschieden zurückzuweisen, daß Bund, Länder und Gemeinden die Löhne und Gehälter im öffent- lichen Dienst als zusätzliche Finanzierungsquelle entdeckt haben. Im Gegenteil: Wo die Politiker ein Haushaltsloch nach dem anderen beschließen, will eine verantwortungsbewußte Gewerkschaft bei der Frage, wo das zusätzliche Geld herkommen soll, gerne mitentschei- den - bereits im November hatte Kluncker zugesagt, daß er zu je- dem Opfer seiner Mitglieder bereit ist, über das er mitverfügen darf. Die Kürzungspläne sind also o.k. - solange sie unter Wah- rung der Tarifautonomie, also nicht e i n s e i t i g durch Zu- lagenkürzung, sondern g e m e i n s a m in Tarifverhandlungen stattfinden: Kluncker legte Wert auf die Feststellung, daß die ÖTV "die ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingun- gen beim Abschluß neuer Tarifverträge berücksichtigen" wird. D a b e i muß eine Gewerkschaft allerdings ihre Zuständigkeit für den T a r i f l o h n wahren, weshalb die Ankündigung Klunckers, "es dürfe keine Kürzung tarifvertraglicher Einkommens- bestandteile geben" neues "zähes Ringen" erwarten läßt: Wird der T a r i f lohn e r h ö h t und dafür die Zulagen gekürzt? Oder der Tariflohn etwas weniger erhöht und dafür die Zulagen nicht gekürzt? Da wird es sicherlich noch so manche Nachtsitzung geben! P.S.: Daß den Beamten die Bezüge qua Gesetz zum 1. März gekürzt werden, ist deswegen auch gar keiner Erwähnung mehr wert. Erstens haben die keine Tarifautonomie. Und zweitens haben die Gewerk- schaften selbst im Namen von ganz viel gerechter Verarmung eine "Ergänzungsabgabe" für die Beamten gefordert! Aber um als die zu gelten, sind ihnen die 1% wahrscheinlich zu mickrig! zurück