Quelle: Archiv MG - BRD GEWERKSCHAFT OETV - Von den Billigtarifen
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IG BERGBAU UND ÖTV STREITEN SICH UM DIE ZONIS
Wenn Gewerkschaften sich streiten, dann geht es garantiert um al-
lerhöchste Anliegen. So hat sich jetzt die IG Bergbau mit der ÖTV
und dem DGB angelegt, weil sie ihren "Organisationsbereich" in
Konkurrenz zur ÖTV auf die "Energie- und Wasserwirtschaft" aus-
dehnen will.
Sicher, vom Standpunkt eines dummen, einfachen Energie- und Was-
serbaubeschäftigten aus, der sich fragt, was er als ordentlich
gewerkschaftlich vertretener Arbeiter durch den Wechsel seiner
Gewerkschaftsfunktionäre gewinnt oder verliert, mag es völlig
gleichgültig und unverständlich erscheinen, warum er den Verein
wechseln soll. Die passenden Lohngruppen festlegen, Schichtpläne
absegnen, Entlassungen regeln - das kann und macht der eine Ver-
ein garantiert so rücksichtslos gut und wirtschaftsdienlich wie
der andere. Daß verantwortliche Gewerkschaftspolitik vom Kapita-
lerfolg auszugehen und bei ihm zu enden hat, das gehört zu dem
gewerkschaftlichen Tabukatalog, an dem kein Funktionär irgendei-
ner DGB-Gewerkschaft rüttelt. Aber bekanntlich bringt Solidarität
in der Sache die Konkurrenz erst so richtig in Schwung.
Beide Arbeitervertretungsvereine machen sich gar nicht erst die
Mühe, ihre Vertretungsansprüche damit zu begründen, gewerkschaft-
lich organisierte Arbeiter hätten eine bessere Vertretung als die
der IG Bergbau bzw. der ÖTV verdient. Es würde ihnen sowieso nie-
mand glauben. Nein, sie haben ehrlicherweise ihre Ansprüche haar-
genau mit dem Argument angemeldet, um das es wirklich geht: ihre
"Zuständigkeit". Die ist, wie schon der bürokratische Name sagt,
ein hohes Gut. Sie gibt den Vertretern nämlich das Recht, wie
jede andere zuständige Behörde, in ihrem "Zuständigkeitsbereich"
über die ihr "Unterstehenden" zu beschließen. Je größer der Be-
reich, um so größer also auch die Wichtigkeit der werten Gewerk-
schaftsfunktionäre, die alle Arbeiterumstände mitbestimmen. Um so
größer die Arbeiterschar, die sie als ihre Basis behandeln kön-
nen. Um so größer ihre Gewerkschaftskasse. Und vor allen Dingen:
Um so größer ist mit all dem ihr Gewicht im DGB, in den Reihen
der Parteien und damit in der großen Politik...
Jetzt bietet sich die einmalige Chance, auf einen Schlag so an
die, geschätzt, 80.000 Mitglieder einfach zu übernehmen - von
drüben. Einmalig deswegen, weil die Gewerkschaft ihre Basis gar
nicht Mann für Mann mit den sonst üblichen moralischen Anmache-
reien ("Kollege, sei kein Frosch") samt ein bißchen sanftem Druck
anwerben muß, sondern sie aufs silberne Tablett serviert kriegt.
Aus der IGBEW/Ost in die IGBE/West - da macht es sich gut, daß
die Ost-Gewerkschaft, die ja mit ihrer "kollektiven Zwangsmit-
gliedschaft" nach allgemeinem Dafürhalten der West-Gewerkschaft
gar keine echte Gewerkschaft war, die Mitglieder im Westen ablie-
fert (die Schwesterorganisation IG Metall hat sich dafür folgen-
des Verfahren einfallen lassen: kollektive Überstellung der Kar-
tei mit automatischer Mitgliedschaft für alle, die sich nicht
binnen eines Monats individuell abmelden). Klar, daß bei solchen
Aussichten in den IGBE-Vorstandsetagen die Augen funkeln.
Der einzige kleine Haken: die entsprechenden Arbeiter aus der
Wasser- und Energiewirtschaft sind laut bisheriger BRD-Abmachung
in der ÖTV organisiert. Und die will ihrerseits partout nicht auf
Leute verzichten, die doch ihr Mittel fürs gewerkschaftliche Ein-
flußnehmen sein sollen.
So kloppen sie sich - auch das selbstredend nur im Namen der Ar-
beiter!
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