Quelle: Archiv MG - BRD GEWERK NEUE-HEIMAT - Von den geschäftlichen Nöten
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ZUM "FALL LAPPAS"
- dem DGB-Manager, der dem Untersuchungsausschuß des Bundestags
zum Thema "Neue Heimat" mit einer frechen Aussageverweigerung ge-
kommen und deshalb spektakulär in Haft genommen worden ist - soll
der Mensch sich zwei blöde Sorgen machen:
1. Wurde das Bonner Parlament beleidigt?
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Und wenn? Wer oder was ist dann kaputt? Wurden dadurch vielleicht
die Brötchen teurer? Mal im Ernst: Daß parlamentarische Untersu-
chungsausschüsse fürs parteipolitische Schaugeschäft da sind und
für sonst nichts, das weiß doch sowieso jeder. Die Elle der ge-
diegenen Ehrbarkeit, an der da gestandene Schlitzohren einander
messen, ist doch bekanntermaßen eine einzige Heuchelei.
Aber wie das mit demokratischer Heuchelei so ist: Jeder durch-
schaut sie - aber jeder läßt sie gelten. Sie schafft Handhaben,
dem politischen Gegner in der schäbigsten Weise, also wahlkampf-
wirksam am Zeug zu flicken. Sie ist eine unentbehrliche Waffe im
schmierigen Intrigenstreit, der gewählte Demokraten so sehr be-
schäftigt, wenn sie sich zu Führerfiguren hinaufstilisieren wol-
len. D e s w e g e n darf niemand den Schein rechtlicher Red-
lichkeit, lauterster Unbefangenheit usw., also den ganzen Ehr-
furchts-Zauber um die parlamentarischen Geschäfte herum, in Frage
stellen. Deswegen setzt es sogar Beugehaft für Aussageverweige-
rer.
Und deswegen geschieht es dem "Neue Heimat"-Ausschuß völlig
recht, wenn ihm mal ein herbeizitiertes "Opfer" frech kommt.
Bloß: Was ist das Für ein "Opfer"?
2. Wurde die Streikfähigkeit der
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deutschen Gewerkschaft verhaftet?
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Ungefähr so hat der Lappas sich hingestellt auf dem Gewerk-
schaftstag der IG Metall. Fast als Märtyrer der tiefsten und
höchsten und ältesten und goldensten Gewerkschaftsrechte hat er
sich feiern lassen, vor seiner operettenhaften Festnahme.
Darf man die ach so empörten Gewerkschaftler vielleicht noch mal
daran erinnern, was ihr gutgenährter Manager mit ihrer Streikfä-
higkeit wirklich zu tun hat?
Der Mann ist für die Geschäftemacherei mit Gewerkschaftsbeiträgen
führend zuständig. Er repräsentiert den Geschäftssinn einer Ge-
werkschaft, die fürs Streiken viel Geld einsammelt, wenig Geld
ausgibt, also viel Geld übrig hat und die von den Kapitalisten
gelernt hat, daß übriges Geld "arbeiten", also als Kapitalanlage
eine Rendite bringen muß. Ein Profitgeier im Gewerkschaftsdienst
eben.
Und einer, in dessen "Holding-Gesellschaft" der Pleitegeier einen
Besuch abgestattet hat. Der also Beitragsgelder braucht, um damit
ein stinknormales, aber gewerkschaftseigenes Unternehmen zu sa-
nieren. Beitragsgelder, die dann also erst recht nie wieder für
einen gewerkschaftlichen "Kampf" ausgegeben werden.
Aber was ist damit schon kaputt? Um die Streikaktionen einer Ge-
werkschaft, die mit ihren Streikgeldern einen Lappas zum Topmana-
ger aufsteigen läßt, ist es sowieso nicht schade.
Und um Herrn Lappas?
Ach, der ist noch lange kein Knastbruder, auch wenn ihn jetzt die
Kollegen von der GdP ins Gefängnis "geführt" haben. Schließlich
reicht der fortschrittliche Arm der Gewerkschaft bis in die
letzte Zelle. Vielleicht sollen DGB und Bundestag den Fall ein-
vernehmlich so sehen: Von einer einzigen Aussageverweigerung
schmarotzen jetzt, grob geschätzt, ein Dutzend Anwälte; und ca.
zwei Dutzend Richter, Staatsanwälte, Gefängniswärter etc. sind
beschäftigt. So schafft man doch - A r b e i t s p l ä t z e,
oder?
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